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Hirschfeld, Christian Cay Lorenz: Theorie der Gartenkunst. Bd. 2. Leipzig, 1780.

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Vom Baumwerk.
und kleinen Cabinette; zur Wölbung der Lauben; zur Umschattung und Umduftung
der Ruheplätze; zur Ausschmückung der Lustwälder; zur Besetzung der Spaziergän-
ge und Einfassung; endlich zur charakteristischen Bezeichnung und Verzierung der ver-
schiedenen Scenen des Frühlings, des Sommers und des Herbstes. Einige tragen
eßbare Früchte; andere verdienen ihren Platz durch Blühte und Wohlgeruch. Die
wilden lassen sich mit den fruchttragenden auf mannichfaltige Weise verbinden; und
wenn sie oft an sich selbst keine erhebliche Gegenstände sind, so sind sie doch treffliche
Mittel zur Verschönerung des Ganzen.

Hier folgt ein kleines Verzeichniß, das nach seiner Absicht keine Vollständigkeit
verlangt, und nur dem noch unerfahrnen Liebhaber sowohl die Mannichfaltigkeit als
auch den Gebrauch der Stäucher zeigen soll.

Zuerst verschiedene Arten von Sträuchern:

die Weinrose (Rosa eglanteria. L.) mit gelben Blumen, die sowohl als die Blät-
ter einen süßen angenehmen Geruch weit umher verbreiten;
die wohlriechende Rose (Rosa rubiginosa. L.) mit fleischfarbenen Blumen und ei-
nem angenehmen, wohlriechenden, glänzenden Laube;
die Feldrose (Rosa spinosissima. L.), ein niedriger Strauch mit weißen, unten
gelblichen, bisweilen aber rothen Blumen von angenehmem Geruch;
die gemeine wilde Rose (Rosa canina. L.) hat gemeiniglich weiße, zuweilen hell-
fleischfarbene oder röthliche Blumen ohne Geruch;
die große Hagebuttenrose (Rosa villosa. L.) mit hellrothen Blumen und wolligten
Blättern;
die niedersächsische stark wuchernde gefüllte Rose (Rosa foecundissima. Munchh.):
der Strauch wächset bis zu vierzehn Fuß hoch; die Blume, die dieser Ro-
senstrauch in vorzüglich großer Menge trägt, erscheint früh, ist hellroth, ge-
füllt, und von einem süßlichen, nicht starken Geruche;
die zweyblumige Rose ohne Stacheln (Rosa inermis. L.) trägt einzelne hellrothe
Blumen zweymal, nämlich im Frühjahr und im August;
die immergrüne Rose (Rosa sempervirens. L.) mit hellgrünen Blättern, die im
Winter bleiben, und einfachen, weißen, starkduftenden Blumen, die in Bü-
scheln vom August bis zum October blühen;
die gelbe gefüllte Rose (Rosa lutea multiplex. Bauh.), eine Abänderung mit klei-
nern schön gefüllten Blumen, aber ohne Geruch;
die türkische Rose (Rosa punicea. Mill.): die Blumenblätter sind auswärts gelb,
inwendig feuerroth und fallen lebhaft in die Augen;
die
II Band. D

Vom Baumwerk.
und kleinen Cabinette; zur Woͤlbung der Lauben; zur Umſchattung und Umduftung
der Ruheplaͤtze; zur Ausſchmuͤckung der Luſtwaͤlder; zur Beſetzung der Spaziergaͤn-
ge und Einfaſſung; endlich zur charakteriſtiſchen Bezeichnung und Verzierung der ver-
ſchiedenen Scenen des Fruͤhlings, des Sommers und des Herbſtes. Einige tragen
eßbare Fruͤchte; andere verdienen ihren Platz durch Bluͤhte und Wohlgeruch. Die
wilden laſſen ſich mit den fruchttragenden auf mannichfaltige Weiſe verbinden; und
wenn ſie oft an ſich ſelbſt keine erhebliche Gegenſtaͤnde ſind, ſo ſind ſie doch treffliche
Mittel zur Verſchoͤnerung des Ganzen.

Hier folgt ein kleines Verzeichniß, das nach ſeiner Abſicht keine Vollſtaͤndigkeit
verlangt, und nur dem noch unerfahrnen Liebhaber ſowohl die Mannichfaltigkeit als
auch den Gebrauch der Staͤucher zeigen ſoll.

Zuerſt verſchiedene Arten von Straͤuchern:

die Weinroſe (Roſa eglanteria. L.) mit gelben Blumen, die ſowohl als die Blaͤt-
ter einen ſuͤßen angenehmen Geruch weit umher verbreiten;
die wohlriechende Roſe (Roſa rubiginoſa. L.) mit fleiſchfarbenen Blumen und ei-
nem angenehmen, wohlriechenden, glaͤnzenden Laube;
die Feldroſe (Roſa ſpinoſiſſima. L.), ein niedriger Strauch mit weißen, unten
gelblichen, bisweilen aber rothen Blumen von angenehmem Geruch;
die gemeine wilde Roſe (Roſa canina. L.) hat gemeiniglich weiße, zuweilen hell-
fleiſchfarbene oder roͤthliche Blumen ohne Geruch;
die große Hagebuttenroſe (Roſa villoſa. L.) mit hellrothen Blumen und wolligten
Blaͤttern;
die niederſaͤchſiſche ſtark wuchernde gefuͤllte Roſe (Roſa foecundiſſima. Munchh.):
der Strauch waͤchſet bis zu vierzehn Fuß hoch; die Blume, die dieſer Ro-
ſenſtrauch in vorzuͤglich großer Menge traͤgt, erſcheint fruͤh, iſt hellroth, ge-
fuͤllt, und von einem ſuͤßlichen, nicht ſtarken Geruche;
die zweyblumige Roſe ohne Stacheln (Roſa inermis. L.) traͤgt einzelne hellrothe
Blumen zweymal, naͤmlich im Fruͤhjahr und im Auguſt;
die immergruͤne Roſe (Roſa ſempervirens. L.) mit hellgruͤnen Blaͤttern, die im
Winter bleiben, und einfachen, weißen, ſtarkduftenden Blumen, die in Buͤ-
ſcheln vom Auguſt bis zum October bluͤhen;
die gelbe gefuͤllte Roſe (Roſa lutea multiplex. Bauh.), eine Abaͤnderung mit klei-
nern ſchoͤn gefuͤllten Blumen, aber ohne Geruch;
die tuͤrkiſche Roſe (Roſa punicea. Mill.): die Blumenblaͤtter ſind auswaͤrts gelb,
inwendig feuerroth und fallen lebhaft in die Augen;
die
II Band. D
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[25/0029] Vom Baumwerk. und kleinen Cabinette; zur Woͤlbung der Lauben; zur Umſchattung und Umduftung der Ruheplaͤtze; zur Ausſchmuͤckung der Luſtwaͤlder; zur Beſetzung der Spaziergaͤn- ge und Einfaſſung; endlich zur charakteriſtiſchen Bezeichnung und Verzierung der ver- ſchiedenen Scenen des Fruͤhlings, des Sommers und des Herbſtes. Einige tragen eßbare Fruͤchte; andere verdienen ihren Platz durch Bluͤhte und Wohlgeruch. Die wilden laſſen ſich mit den fruchttragenden auf mannichfaltige Weiſe verbinden; und wenn ſie oft an ſich ſelbſt keine erhebliche Gegenſtaͤnde ſind, ſo ſind ſie doch treffliche Mittel zur Verſchoͤnerung des Ganzen. Hier folgt ein kleines Verzeichniß, das nach ſeiner Abſicht keine Vollſtaͤndigkeit verlangt, und nur dem noch unerfahrnen Liebhaber ſowohl die Mannichfaltigkeit als auch den Gebrauch der Staͤucher zeigen ſoll. Zuerſt verſchiedene Arten von Straͤuchern: die Weinroſe (Roſa eglanteria. L.) mit gelben Blumen, die ſowohl als die Blaͤt- ter einen ſuͤßen angenehmen Geruch weit umher verbreiten; die wohlriechende Roſe (Roſa rubiginoſa. L.) mit fleiſchfarbenen Blumen und ei- nem angenehmen, wohlriechenden, glaͤnzenden Laube; die Feldroſe (Roſa ſpinoſiſſima. L.), ein niedriger Strauch mit weißen, unten gelblichen, bisweilen aber rothen Blumen von angenehmem Geruch; die gemeine wilde Roſe (Roſa canina. L.) hat gemeiniglich weiße, zuweilen hell- fleiſchfarbene oder roͤthliche Blumen ohne Geruch; die große Hagebuttenroſe (Roſa villoſa. L.) mit hellrothen Blumen und wolligten Blaͤttern; die niederſaͤchſiſche ſtark wuchernde gefuͤllte Roſe (Roſa foecundiſſima. Munchh.): der Strauch waͤchſet bis zu vierzehn Fuß hoch; die Blume, die dieſer Ro- ſenſtrauch in vorzuͤglich großer Menge traͤgt, erſcheint fruͤh, iſt hellroth, ge- fuͤllt, und von einem ſuͤßlichen, nicht ſtarken Geruche; die zweyblumige Roſe ohne Stacheln (Roſa inermis. L.) traͤgt einzelne hellrothe Blumen zweymal, naͤmlich im Fruͤhjahr und im Auguſt; die immergruͤne Roſe (Roſa ſempervirens. L.) mit hellgruͤnen Blaͤttern, die im Winter bleiben, und einfachen, weißen, ſtarkduftenden Blumen, die in Buͤ- ſcheln vom Auguſt bis zum October bluͤhen; die gelbe gefuͤllte Roſe (Roſa lutea multiplex. Bauh.), eine Abaͤnderung mit klei- nern ſchoͤn gefuͤllten Blumen, aber ohne Geruch; die tuͤrkiſche Roſe (Roſa punicea. Mill.): die Blumenblaͤtter ſind auswaͤrts gelb, inwendig feuerroth und fallen lebhaft in die Augen; die II Band. D

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Zitationshilfe: Hirschfeld, Christian Cay Lorenz: Theorie der Gartenkunst. Bd. 2. Leipzig, 1780, S. 25. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hirschfeld_gartenkunst2_1780/29>, abgerufen am 23.04.2024.