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Staats und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheiischen Correspondenten. Nr. 132, Hamburg, 5. Juni 1832.

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[Spaltenumbruch] nationalen Erfordernissen angemessene und noth-
wendige Veränderungen gemacht worden. Wir er-
innern hier daran: daß in ähnlichem Zustande der
Dinge, mit dem Beifalle von ganz Alt-England,
der charter der Provinz Massachusets annullirt
wurde, obschon derselbe dort geschichtlich bestehen-
des Landrecht war, und durch die Parlaments-Acte,
welche jenen Freibrief aufhob, die Rechte der Pro-
vinz gänzlich vernichtet wurden. Wenn nun fremde
Mächte sich in die innern Angelegenheiten eines
unabhängigen Staats einmischen wollten, so würde
solches ein Angriff auf das bestehende Völkerrecht
seyn, welcher hier nicht sowohl Rußland als die
Freiheit und Unabhängigkeit aller Mittelstaaten
Europa's -- die ohne alle Autonomie in Zukunft
daständen -- empfindlich verletzen würde. Von den-
jenigen Staaten, welche den Grundsatz der Nicht-
intervention zuerst aufgestellt und ins neuere Völker-
recht eingeführt haben, würde dieses Unternehmen
höchst überraschend seyn. Griechenland, Belgien
und der Kirchenstaat fühlten sich zu ohnmächtig
ihre innern Angelegenheiten ohne Jntervention, um
welche sie selbst ansuchten, ordnen zu können. Das
mit Rußland vereinigte Polen leidet an dieser
Schwäche nicht. Sollte indessen jener Grundsatz
des jetzigen Völkerrechts nicht weiter gelten, so wür-
den die Folgen und Uebel davon unabsehbar seyn.
Und zu diesem, fürwahr nicht wünschenswerthen Zu-
stande des öffentlichen Lebens in Europa, hätte
Rußland nicht die entfernteste Veranlassung gegeben.
Denn zur Widerlegung der Behauptung von Polens
Einverleibung mit Rußland ist nichts nöthig, als
ohne Vorurtheil lesen zu können, weil der Buch-
stabe des Statuts auf das Allerbestimmteste von
Vereinigung (Reunion) und nicht von Einverlei-
bung
(Incorporation) spricht. Wer daher nicht
absichtlich Jrrlichter sehen will, wo keine sind, dem
wird es unmöglich seyn, beide so wesentlich verschie-
dene Begriffe zusammen zu verwechseln. Nach allem
diesen können wir mit Recht die Worte des Fürsten
Czartoryski aus erwähnter Rede wiederholen:
"Heute vereint das Schicksal durch den Mund des
Schöpfers, des Wohlthäters, des Königs, die pol-
nische Nation mit dem verbrüderten, edlen, russi-
schen Volke, dessen Größe sie nicht mehr erschreckt,
sondern sichert."


Wie sehr unsers Königs Maj. bei Gelegenheit der
Veränderung in der oberen Leitung des Ministe-
riums der auswärtigen Angelegenheiten die Ver-
dienste des auch in dem übrigen Europa so allgemein
verehrten Grafen v. Bernstorff anzuerkennen ge-
ruht haben, geht aus der nachstehenden, an den-
selben unterm 10 d. M. erlassenen und hier bekannt
gewordenen Allerhöchsten Cabinets-Ordre hervor:

"Mit großer Theilnahme habe Jch aus Jhrer An-
zeige vom 30 v. M. ersehen, daß der immer mehr
geschwächte Zustand Jhrer Gesundheit Sie in die
Nothwendigkeit versetzt, auf eine gänzliche Entbin-
dung von den Geschäften des mit so vieler Aus-
zeichnung und zu Meiner vollsten Zufriedenheit von
Jhnen geleiteten Ministeriums der auswärtigen An-
gelegenheiten anzutragen. Aus Rücksicht auf Jhre
Erhaltung und zur Beförderung Jhrer Wiederher-
stellung diesem Wunsche für jetzt nachgebend, habe
Jch den wirklichen Geheimen-Rath und Staats-
Secretär Ancillon zum Minister der auswärtigen An-
gelegenheiten ernannt, und überlasse Jhnen, dem-
[Spaltenumbruch] selben auch diejenigen Geschäfts-Branchen zu über-
weisen, welche nach Meiner Ordre vom 25 Juli
v. J. Jhrer unmittelbaren Leitung vorbehalten wor-
den waren. Jch rechne dabei mit vollem Vertrauen
darauf, daß indem Sie als Staatsminister und Mitglied
des Staatsministeriums und des Staatsraths in
Wirksamkeit bleiben, Sie auch ferner, wie bisher,
von dem Gange der politischen Verhandlungen voll-
ständige Kenntniß nehmen, den Minister Ancillon
dabei mit Jhrem Rathe und Jhrer Erfahrung un-
terstützen, und Mir die Gelegenheit geben werden,
bei allen wichtigeren Veranlassungen Jhre An-
sichten und Vorschläge unmittelbar zu erfordern,
Jndem Jch Jhnen im Voraus Meine Genehmi-
gung zu jeder Reise, oder Bade-Aufenthalt, welche
Sie für den bevorstehenden Sommer beabsichtigen
könnten, ertheile, wünsche Jch aufrichtig, daß solche,
so wie eine größere Geschäftsruhe zur Wiederher-
stellung Jhrer Gesundheit beitragen möge. Wenn
diese Hoffnung erfüllt wird, und Sie sich fähig
fühlen, wieder einen thätigen Antheil an den Ge-
schäften zu nehmen, werde Jch Jhrer Anzeige dar-
über entgegensehen.


(Gez.) Friedrich Wilhelm."
An den Staats- und Cabinets-Minister,
Grafen v. Bernstorff.

Da J. Maj. die Kaiserin von Rußland Jhrer
Entbindung entgegensehen, so werden Allerhöchst-
dieselben nicht, wie es anfänglich hieß, in diesem
Jahre das Bad Ems besuchen. Dagegen gedenken
zwei junge Großfürstinnen das Bad bei Dobberan
zu gebrauchen, und man spricht davon, daß Se.
Maj. der König ebenfalls nach Dobberan gehen dürf-
ten, bevor Sie Jhre gewöhnliche Badereise nach
Töplitz antreten. Prinz Wilhelm, Sohn Sr. Maj.
des Königs, welcher sich gegenwärtig auf einer Jn-
spectionsreise in Sachsen befindet, wird seiner Durch-
lauchtigsten Schwester in St. Petersburg noch in
diesem Sommer einen Besuch abstatten.

Das Treiben und die Bewegung von Courieren
und angesehenen Militärpersonen, besonders russi-
schen, in unsrer Hauptstadt ist in den letzten Tagen
sehr bedeutend gewesen. Die Fürsten Barclay de
Tolly und v. Wrede, beide in russischen Diensten,
sind als Couriere über Berlin nach Dresden, von
wo der Letztere sich nach Wien begiebt, gereist;
ebenfalls nach Dresden ist der K. sächsische General-
major v. Schreibershofen zurückgekehrt. Vorge-
stern traf auch der russische Generalmajor v. Anrep,
bekannt durch seine Theilnahme am polnischen
Kriege, aus St. Petersburg hier an. Der russische
Gesandte, Hr. v. Ribeaupierre, ist in Begleitung
des Fürsten Elin Metschersky nach Stettin abge-
reist, vielleicht mit Bezug auf die Reise der Groß-
fürstinnen, und der Gesandtschafts-Attache, Hr.
v. Gasnowski, als Courier nach St. Petersburg.
Aus letzterer Residenz ist auch der spanische Cabi-
nets-Courier Uribarri hier eingetroffen, dessen De-
peschen sich auf die portugiesischen Angelegenheiten
beziehen sollen, an denen eine hohe Person, wie es heißt,
sehr ernstlichen Antheil nimmt. Mehrere der com-
mandirenden Generale unsrer Armee-Corps haben
sich gleich nach Beendigung der Manöver wieder
auf ihre Posten begeben, Freiherr v. Müffling nach
Münster, Hr. v. Grolmann nach Posen, Hr. v. Natz-
mer nach Königsberg, wo Letzterer die definitive Rück-
kehr der unsrem Staate noch immer zur Last fallen-
den Polen nach ihrem Vaterlande betreiben soll.


[Spaltenumbruch] nationalen Erforderniſſen angemeſſene und noth-
wendige Veränderungen gemacht worden. Wir er-
innern hier daran: daß in ähnlichem Zuſtande der
Dinge, mit dem Beifalle von ganz Alt-England,
der charter der Provinz Maſſachuſets annullirt
wurde, obſchon derſelbe dort geſchichtlich beſtehen-
des Landrecht war, und durch die Parlaments-Acte,
welche jenen Freibrief aufhob, die Rechte der Pro-
vinz gaͤnzlich vernichtet wurden. Wenn nun fremde
Mächte ſich in die innern Angelegenheiten eines
unabhängigen Staats einmiſchen wollten, ſo würde
ſolches ein Angriff auf das beſtehende Völkerrecht
ſeyn, welcher hier nicht ſowohl Rußland als die
Freiheit und Unabhängigkeit aller Mittelſtaaten
Europa’s — die ohne alle Autonomie in Zukunft
daſtänden — empfindlich verletzen würde. Von den-
jenigen Staaten, welche den Grundſatz der Nicht-
intervention zuerſt aufgeſtellt und ins neuere Völker-
recht eingeführt haben, würde dieſes Unternehmen
höchſt überraſchend ſeyn. Griechenland, Belgien
und der Kirchenſtaat fühlten ſich zu ohnmächtig
ihre innern Angelegenheiten ohne Jntervention, um
welche ſie ſelbſt anſuchten, ordnen zu können. Das
mit Rußland vereinigte Polen leidet an dieſer
Schwäche nicht. Sollte indeſſen jener Grundſatz
des jetzigen Völkerrechts nicht weiter gelten, ſo wür-
den die Folgen und Uebel davon unabſehbar ſeyn.
Und zu dieſem, fürwahr nicht wünſchenswerthen Zu-
ſtande des öffentlichen Lebens in Europa, hätte
Rußland nicht die entfernteſte Veranlaſſung gegeben.
Denn zur Widerlegung der Behauptung von Polens
Einverleibung mit Rußland iſt nichts nöthig, als
ohne Vorurtheil leſen zu können, weil der Buch-
ſtabe des Statuts auf das Allerbeſtimmteſte von
Vereinigung (Réunion) und nicht von Einverlei-
bung
(Incorporation) ſpricht. Wer daher nicht
abſichtlich Jrrlichter ſehen will, wo keine ſind, dem
wird es unmöglich ſeyn, beide ſo weſentlich verſchie-
dene Begriffe zuſammen zu verwechſeln. Nach allem
dieſen können wir mit Recht die Worte des Fürſten
Czartoryski aus erwähnter Rede wiederholen:
“Heute vereint das Schickſal durch den Mund des
Schöpfers, des Wohlthäters, des Königs, die pol-
niſche Nation mit dem verbrüderten, edlen, ruſſi-
ſchen Volke, deſſen Größe ſie nicht mehr erſchreckt,
ſondern ſichert.


Wie ſehr unſers Königs Maj. bei Gelegenheit der
Veränderung in der oberen Leitung des Miniſte-
riums der auswärtigen Angelegenheiten die Ver-
dienſte des auch in dem übrigen Europa ſo allgemein
verehrten Grafen v. Bernſtorff anzuerkennen ge-
ruht haben, geht aus der nachſtehenden, an den-
ſelben unterm 10 d. M. erlaſſenen und hier bekannt
gewordenen Allerhöchſten Cabinets-Ordre hervor:

“Mit großer Theilnahme habe Jch aus Jhrer An-
zeige vom 30 v. M. erſehen, daß der immer mehr
geſchwächte Zuſtand Jhrer Geſundheit Sie in die
Nothwendigkeit verſetzt, auf eine gänzliche Entbin-
dung von den Geſchäften des mit ſo vieler Aus-
zeichnung und zu Meiner vollſten Zufriedenheit von
Jhnen geleiteten Miniſteriums der auswärtigen An-
gelegenheiten anzutragen. Aus Rückſicht auf Jhre
Erhaltung und zur Beförderung Jhrer Wiederher-
ſtellung dieſem Wunſche für jetzt nachgebend, habe
Jch den wirklichen Geheimen-Rath und Staats-
Secretär Ancillon zum Miniſter der auswärtigen An-
gelegenheiten ernannt, und überlaſſe Jhnen, dem-
[Spaltenumbruch] ſelben auch diejenigen Geſchäfts-Branchen zu über-
weiſen, welche nach Meiner Ordre vom 25 Juli
v. J. Jhrer unmittelbaren Leitung vorbehalten wor-
den waren. Jch rechne dabei mit vollem Vertrauen
darauf, daß indem Sie als Staatsminiſter und Mitglied
des Staatsminiſteriums und des Staatsraths in
Wirkſamkeit bleiben, Sie auch ferner, wie bisher,
von dem Gange der politiſchen Verhandlungen voll-
ſtändige Kenntniß nehmen, den Miniſter Ancillon
dabei mit Jhrem Rathe und Jhrer Erfahrung un-
terſtützen, und Mir die Gelegenheit geben werden,
bei allen wichtigeren Veranlaſſungen Jhre An-
ſichten und Vorſchläge unmittelbar zu erfordern,
Jndem Jch Jhnen im Voraus Meine Genehmi-
gung zu jeder Reiſe, oder Bade-Aufenthalt, welche
Sie für den bevorſtehenden Sommer beabſichtigen
könnten, ertheile, wünſche Jch aufrichtig, daß ſolche,
ſo wie eine größere Geſchäftsruhe zur Wiederher-
ſtellung Jhrer Geſundheit beitragen möge. Wenn
dieſe Hoffnung erfüllt wird, und Sie ſich fähig
fühlen, wieder einen thätigen Antheil an den Ge-
ſchäften zu nehmen, werde Jch Jhrer Anzeige dar-
über entgegenſehen.


(Gez.) Friedrich Wilhelm.
An den Staats- und Cabinets-Miniſter,
Grafen v. Bernſtorff.

Da J. Maj. die Kaiſerin von Rußland Jhrer
Entbindung entgegenſehen, ſo werden Allerhöchſt-
dieſelben nicht, wie es anfänglich hieß, in dieſem
Jahre das Bad Ems beſuchen. Dagegen gedenken
zwei junge Großfürſtinnen das Bad bei Dobberan
zu gebrauchen, und man ſpricht davon, daß Se.
Maj. der König ebenfalls nach Dobberan gehen dürf-
ten, bevor Sie Jhre gewöhnliche Badereiſe nach
Töplitz antreten. Prinz Wilhelm, Sohn Sr. Maj.
des Königs, welcher ſich gegenwärtig auf einer Jn-
ſpectionsreiſe in Sachſen befindet, wird ſeiner Durch-
lauchtigſten Schweſter in St. Petersburg noch in
dieſem Sommer einen Beſuch abſtatten.

Das Treiben und die Bewegung von Courieren
und angeſehenen Militärperſonen, beſonders ruſſi-
ſchen, in unſrer Hauptſtadt iſt in den letzten Tagen
ſehr bedeutend geweſen. Die Fürſten Barclay de
Tolly und v. Wrede, beide in ruſſiſchen Dienſten,
ſind als Couriere über Berlin nach Dresden, von
wo der Letztere ſich nach Wien begiebt, gereiſt;
ebenfalls nach Dresden iſt der K. ſächſiſche General-
major v. Schreibershofen zurückgekehrt. Vorge-
ſtern traf auch der ruſſiſche Generalmajor v. Anrep,
bekannt durch ſeine Theilnahme am polniſchen
Kriege, aus St. Petersburg hier an. Der ruſſiſche
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des Fürſten Elin Metſchersky nach Stettin abge-
reiſt, vielleicht mit Bezug auf die Reiſe der Groß-
fürſtinnen, und der Geſandtſchafts-Attaché, Hr.
v. Gasnowski, als Courier nach St. Petersburg.
Aus letzterer Reſidenz iſt auch der ſpaniſche Cabi-
nets-Courier Uribarri hier eingetroffen, deſſen De-
peſchen ſich auf die portugieſiſchen Angelegenheiten
beziehen ſollen, an denen eine hohe Perſon, wie es heißt,
ſehr ernſtlichen Antheil nimmt. Mehrere der com-
mandirenden Generale unſrer Armee-Corps haben
ſich gleich nach Beendigung der Manöver wieder
auf ihre Poſten begeben, Freiherr v. Müffling nach
Münſter, Hr. v. Grolmann nach Poſen, Hr. v. Natz-
mer nach Königsberg, wo Letzterer die definitive Rück-
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[[5]/0005] nationalen Erforderniſſen angemeſſene und noth- wendige Veränderungen gemacht worden. Wir er- innern hier daran: daß in ähnlichem Zuſtande der Dinge, mit dem Beifalle von ganz Alt-England, der charter der Provinz Maſſachuſets annullirt wurde, obſchon derſelbe dort geſchichtlich beſtehen- des Landrecht war, und durch die Parlaments-Acte, welche jenen Freibrief aufhob, die Rechte der Pro- vinz gaͤnzlich vernichtet wurden. Wenn nun fremde Mächte ſich in die innern Angelegenheiten eines unabhängigen Staats einmiſchen wollten, ſo würde ſolches ein Angriff auf das beſtehende Völkerrecht ſeyn, welcher hier nicht ſowohl Rußland als die Freiheit und Unabhängigkeit aller Mittelſtaaten Europa’s — die ohne alle Autonomie in Zukunft daſtänden — empfindlich verletzen würde. Von den- jenigen Staaten, welche den Grundſatz der Nicht- intervention zuerſt aufgeſtellt und ins neuere Völker- recht eingeführt haben, würde dieſes Unternehmen höchſt überraſchend ſeyn. Griechenland, Belgien und der Kirchenſtaat fühlten ſich zu ohnmächtig ihre innern Angelegenheiten ohne Jntervention, um welche ſie ſelbſt anſuchten, ordnen zu können. Das mit Rußland vereinigte Polen leidet an dieſer Schwäche nicht. Sollte indeſſen jener Grundſatz des jetzigen Völkerrechts nicht weiter gelten, ſo wür- den die Folgen und Uebel davon unabſehbar ſeyn. Und zu dieſem, fürwahr nicht wünſchenswerthen Zu- ſtande des öffentlichen Lebens in Europa, hätte Rußland nicht die entfernteſte Veranlaſſung gegeben. Denn zur Widerlegung der Behauptung von Polens Einverleibung mit Rußland iſt nichts nöthig, als ohne Vorurtheil leſen zu können, weil der Buch- ſtabe des Statuts auf das Allerbeſtimmteſte von Vereinigung (Réunion) und nicht von Einverlei- bung (Incorporation) ſpricht. Wer daher nicht abſichtlich Jrrlichter ſehen will, wo keine ſind, dem wird es unmöglich ſeyn, beide ſo weſentlich verſchie- dene Begriffe zuſammen zu verwechſeln. Nach allem dieſen können wir mit Recht die Worte des Fürſten Czartoryski aus erwähnter Rede wiederholen: “Heute vereint das Schickſal durch den Mund des Schöpfers, des Wohlthäters, des Königs, die pol- niſche Nation mit dem verbrüderten, edlen, ruſſi- ſchen Volke, deſſen Größe ſie nicht mehr erſchreckt, ſondern ſichert.” Schreiben aus Berlin, vom 2 Juni. Wie ſehr unſers Königs Maj. bei Gelegenheit der Veränderung in der oberen Leitung des Miniſte- riums der auswärtigen Angelegenheiten die Ver- dienſte des auch in dem übrigen Europa ſo allgemein verehrten Grafen v. Bernſtorff anzuerkennen ge- ruht haben, geht aus der nachſtehenden, an den- ſelben unterm 10 d. M. erlaſſenen und hier bekannt gewordenen Allerhöchſten Cabinets-Ordre hervor: “Mit großer Theilnahme habe Jch aus Jhrer An- zeige vom 30 v. M. erſehen, daß der immer mehr geſchwächte Zuſtand Jhrer Geſundheit Sie in die Nothwendigkeit verſetzt, auf eine gänzliche Entbin- dung von den Geſchäften des mit ſo vieler Aus- zeichnung und zu Meiner vollſten Zufriedenheit von Jhnen geleiteten Miniſteriums der auswärtigen An- gelegenheiten anzutragen. Aus Rückſicht auf Jhre Erhaltung und zur Beförderung Jhrer Wiederher- ſtellung dieſem Wunſche für jetzt nachgebend, habe Jch den wirklichen Geheimen-Rath und Staats- Secretär Ancillon zum Miniſter der auswärtigen An- gelegenheiten ernannt, und überlaſſe Jhnen, dem- ſelben auch diejenigen Geſchäfts-Branchen zu über- weiſen, welche nach Meiner Ordre vom 25 Juli v. J. Jhrer unmittelbaren Leitung vorbehalten wor- den waren. Jch rechne dabei mit vollem Vertrauen darauf, daß indem Sie als Staatsminiſter und Mitglied des Staatsminiſteriums und des Staatsraths in Wirkſamkeit bleiben, Sie auch ferner, wie bisher, von dem Gange der politiſchen Verhandlungen voll- ſtändige Kenntniß nehmen, den Miniſter Ancillon dabei mit Jhrem Rathe und Jhrer Erfahrung un- terſtützen, und Mir die Gelegenheit geben werden, bei allen wichtigeren Veranlaſſungen Jhre An- ſichten und Vorſchläge unmittelbar zu erfordern, Jndem Jch Jhnen im Voraus Meine Genehmi- gung zu jeder Reiſe, oder Bade-Aufenthalt, welche Sie für den bevorſtehenden Sommer beabſichtigen könnten, ertheile, wünſche Jch aufrichtig, daß ſolche, ſo wie eine größere Geſchäftsruhe zur Wiederher- ſtellung Jhrer Geſundheit beitragen möge. Wenn dieſe Hoffnung erfüllt wird, und Sie ſich fähig fühlen, wieder einen thätigen Antheil an den Ge- ſchäften zu nehmen, werde Jch Jhrer Anzeige dar- über entgegenſehen. Berlin, den 10 Mai 1832. (Gez.) Friedrich Wilhelm.” An den Staats- und Cabinets-Miniſter, Grafen v. Bernſtorff. Da J. Maj. die Kaiſerin von Rußland Jhrer Entbindung entgegenſehen, ſo werden Allerhöchſt- dieſelben nicht, wie es anfänglich hieß, in dieſem Jahre das Bad Ems beſuchen. Dagegen gedenken zwei junge Großfürſtinnen das Bad bei Dobberan zu gebrauchen, und man ſpricht davon, daß Se. Maj. der König ebenfalls nach Dobberan gehen dürf- ten, bevor Sie Jhre gewöhnliche Badereiſe nach Töplitz antreten. Prinz Wilhelm, Sohn Sr. Maj. des Königs, welcher ſich gegenwärtig auf einer Jn- ſpectionsreiſe in Sachſen befindet, wird ſeiner Durch- lauchtigſten Schweſter in St. Petersburg noch in dieſem Sommer einen Beſuch abſtatten. Das Treiben und die Bewegung von Courieren und angeſehenen Militärperſonen, beſonders ruſſi- ſchen, in unſrer Hauptſtadt iſt in den letzten Tagen ſehr bedeutend geweſen. Die Fürſten Barclay de Tolly und v. Wrede, beide in ruſſiſchen Dienſten, ſind als Couriere über Berlin nach Dresden, von wo der Letztere ſich nach Wien begiebt, gereiſt; ebenfalls nach Dresden iſt der K. ſächſiſche General- major v. Schreibershofen zurückgekehrt. Vorge- ſtern traf auch der ruſſiſche Generalmajor v. Anrep, bekannt durch ſeine Theilnahme am polniſchen Kriege, aus St. Petersburg hier an. Der ruſſiſche Geſandte, Hr. v. Ribeaupierre, iſt in Begleitung des Fürſten Elin Metſchersky nach Stettin abge- reiſt, vielleicht mit Bezug auf die Reiſe der Groß- fürſtinnen, und der Geſandtſchafts-Attaché, Hr. v. Gasnowski, als Courier nach St. Petersburg. Aus letzterer Reſidenz iſt auch der ſpaniſche Cabi- nets-Courier Uribarri hier eingetroffen, deſſen De- peſchen ſich auf die portugieſiſchen Angelegenheiten beziehen ſollen, an denen eine hohe Perſon, wie es heißt, ſehr ernſtlichen Antheil nimmt. Mehrere der com- mandirenden Generale unſrer Armee-Corps haben ſich gleich nach Beendigung der Manöver wieder auf ihre Poſten begeben, Freiherr v. Müffling nach Münſter, Hr. v. Grolmann nach Poſen, Hr. v. Natz- mer nach Königsberg, wo Letzterer die definitive Rück- kehr der unſrem Staate noch immer zur Laſt fallen- den Polen nach ihrem Vaterlande betreiben ſoll.

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Zitationshilfe: Staats und Gelehrte Zeitung des Hamburgischen unpartheiischen Correspondenten. Nr. 132, Hamburg, 5. Juni 1832, S. [5]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hc_1320506_1832/5>, abgerufen am 07.05.2021.