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Hauptmann, Gerhart: Fuhrmann Henschel. Berlin, 1899.

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guda Roth welda hiehr'n: am besta, Sie sata's Henscheln
glei, der wär Ihn a Kupp no langa ni abreißa.
Hanne immer aufgeregter, da Henschels Stimme schon hörbar wird.
Oh mit dan Gemahre! Do meßt ma ju schwarz war'n.
Ab in die Kammer.
Henschel tritt ein; ernst und langsam. Er trägt einen
schwarzen Anzug, Cylinder und weiße, gestrickte Handschuh.
Henschel bleibt stehen und sieht Fabig, sich langsam besinnend an. Einfach
und ruhig.
War sein denn Sie?
Fabig fix. Ich keefe Lumpa, ales Papier, Mebel, ab-
geläte Kleedung, halt, alle Sacha, all's was de virkimmt.
Henschel nach einem langen Blicke, gutmüthig aber fest. Naus mit
dam Kerle!

Fabig ab, verlegen lächelnd.
Henschel nimmt den Cylinder ab und wischt sich Stirn und Nacken mit
einem bunten Taschentuch; darnach stellt er den Hut auf den Tisch und spricht
gegen die Thür der Kammer.
Madel! wo bist'n?
Hanne. Ich bin bei Gustlan, hie, ei dr Kammer.
Henschel. 's is gutt, ich kan warta. Er setzt sich tief-
ächzend.
-- Ju ju! -- Nee nee! -- Ma hot schun sei Leida!
Hanne kommt sehr geschäftig. 's Assa is glei uf dr Stelle fartig.
Henschel. Ich kan nischt assa. -- Mich hingert ni.
Hanne. Assa und Trinka erhält a Leib. Ich ha
amol bei an Schafer gedient, dar hot ins mehr wie eemol
gesat: Wenn enner a Herzeleed hot oder a su was,
wenn dan o ni hingert, dar sol immer assa.
Henschel. Do koch ock Dei Mittig, mir warn ju sahn!
Hanne. Sie selda ni nochgahn, garzusiehr! Ei a su
was muß ma sich eemol finda.
Fuhrmann Henschel. 3
guda Roth welda hiehr’n: am beſta, Sie ſata’s Henſcheln
glei, der wär Ihn a Kupp no langa ni abreißa.
Hanne immer aufgeregter, da Henſchels Stimme ſchon hörbar wird.
Oh mit dan Gemahre! Do meßt ma ju ſchwarz war’n.
Ab in die Kammer.
Henſchel tritt ein; ernſt und langſam. Er trägt einen
ſchwarzen Anzug, Cylinder und weiße, geſtrickte Handſchuh.
Henſchel bleibt ſtehen und ſieht Fabig, ſich langſam beſinnend an. Einfach
und ruhig.
War ſein denn Sie?
Fabig fix. Ich keefe Lumpa, ales Papier, Mebel, ab-
geläte Kleedung, halt, alle Sacha, all’s was de virkimmt.
Henſchel nach einem langen Blicke, gutmüthig aber feſt. Naus mit
dam Kerle!

Fabig ab, verlegen lächelnd.
Henſchel nimmt den Cylinder ab und wiſcht ſich Stirn und Nacken mit
einem bunten Taſchentuch; darnach ſtellt er den Hut auf den Tiſch und ſpricht
gegen die Thür der Kammer.
Madel! wo biſt’n?
Hanne. Ich bin bei Guſtlan, hie, ei dr Kammer.
Henſchel. ’s is gutt, ich kan warta. Er ſetzt ſich tief-
ächzend.
— Ju ju! — Nee nee! — Ma hot ſchun ſei Leida!
Hanne kommt ſehr geſchäftig. ’s Aſſa is glei uf dr Stelle fartig.
Henſchel. Ich kan niſcht aſſa. — Mich hingert ni.
Hanne. Aſſa und Trinka erhält a Leib. Ich ha
amol bei an Schafer gedient, dar hot ins mehr wie eemol
geſat: Wenn enner a Herzeleed hot oder a ſu was,
wenn dan o ni hingert, dar ſol immer aſſa.
Henſchel. Do koch ock Dei Mittig, mir warn ju ſahn!
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[33/0043] guda Roth welda hiehr’n: am beſta, Sie ſata’s Henſcheln glei, der wär Ihn a Kupp no langa ni abreißa. Hanne immer aufgeregter, da Henſchels Stimme ſchon hörbar wird. Oh mit dan Gemahre! Do meßt ma ju ſchwarz war’n. Ab in die Kammer. Henſchel tritt ein; ernſt und langſam. Er trägt einen ſchwarzen Anzug, Cylinder und weiße, geſtrickte Handſchuh. Henſchel bleibt ſtehen und ſieht Fabig, ſich langſam beſinnend an. Einfach und ruhig. War ſein denn Sie? Fabig fix. Ich keefe Lumpa, ales Papier, Mebel, ab- geläte Kleedung, halt, alle Sacha, all’s was de virkimmt. Henſchel nach einem langen Blicke, gutmüthig aber feſt. Naus mit dam Kerle! Fabig ab, verlegen lächelnd. Henſchel nimmt den Cylinder ab und wiſcht ſich Stirn und Nacken mit einem bunten Taſchentuch; darnach ſtellt er den Hut auf den Tiſch und ſpricht gegen die Thür der Kammer. Madel! wo biſt’n? Hanne. Ich bin bei Guſtlan, hie, ei dr Kammer. Henſchel. ’s is gutt, ich kan warta. Er ſetzt ſich tief- ächzend. — Ju ju! — Nee nee! — Ma hot ſchun ſei Leida! Hanne kommt ſehr geſchäftig. ’s Aſſa is glei uf dr Stelle fartig. Henſchel. Ich kan niſcht aſſa. — Mich hingert ni. Hanne. Aſſa und Trinka erhält a Leib. Ich ha amol bei an Schafer gedient, dar hot ins mehr wie eemol geſat: Wenn enner a Herzeleed hot oder a ſu was, wenn dan o ni hingert, dar ſol immer aſſa. Henſchel. Do koch ock Dei Mittig, mir warn ju ſahn! Hanne. Sie ſelda ni nochgahn, garzuſiehr! Ei a ſu was muß ma ſich eemol finda. Fuhrmann Henſchel. 3

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Zitationshilfe: Hauptmann, Gerhart: Fuhrmann Henschel. Berlin, 1899, S. 33. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hauptmann_henschel_1899/43>, abgerufen am 03.08.2021.