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Hauptmann, Gerhart: Fuhrmann Henschel. Berlin, 1899.

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Henschel. Madel, mach' Licht.
Hanne. Ens im's andre!
Henschel hängt die Laterne auf, nachdem er sie ausgelöscht. Das
wiß au dr liebe Himmel, was das muß sein: Do werd
mr'sch Weib krank! Do fällt mer a Fard. 's is bale,
als wär'sch uff mich abgesahn! -- Dan Wollach ha ich
gekauft im Weihnachta, vu Walter-Gottfrieda; zwee Wucha,
do lahmt a. Ich wars'n eintränka. Zweehundert Thaler
ha ich gegan.
Frau Henschel. 's rahnt wull dessa?
Henschel beiläufig. Ju, ju, Mutter, 's rahnt. -- Be-
scheßt mich a su dr eegne Schwoger.
Er setzt sich auf die Ofenbank.
Hanne hat ein Talglicht angezündet und stellt es im Blechleuchter auf
den Tisch.
Frau Henschel. Vater, Du bist halt eemal zu gutt!
Du traust halt a Menscha nischt Bieses zu.
Grunert nimmt Platz am Tisch und schreibt ein Rezept. Ich wer'n
was ufschreiba, aus dr Optheke.
Frau Henschel. Nee, wenn ins dar Fuchs nu au noch
krepiert --! Das werd doch dr liebe Gott nee wull'n!
Henschel indem er Hanne das Bein hinhält. Kumm, zieh mer
amol die Stiefeln runder! -- Das hot was gefiffa hier
rei vo Freibrich. 's Kerchdach unda eim Niederdurfe hot's
glee halb abgedeckt, sprecha de Leute.
Zu Hanne: Das
is a Gewerge! Werd's nu bahle?!
Frau Henschel zu Hanne. Ich wiß nee, daß Du o
das ni lernst!?
Hanne bekommt den ersten Stiefel herunter, stellt ihn bei Seite, greift
den zweiten an.
Henſchel. Madel, mach’ Licht.
Hanne. Ens im’s andre!
Henſchel hängt die Laterne auf, nachdem er ſie ausgelöſcht. Das
wiß au dr liebe Himmel, was das muß ſein: Do werd
mr’ſch Weib krank! Do fällt mer a Fard. ’s is bale,
als wär’ſch uff mich abgeſahn! — Dan Wollach ha ich
gekauft im Weihnachta, vu Walter-Gottfrieda; zwee Wucha,
do lahmt a. Ich wars’n eintränka. Zweehundert Thaler
ha ich gegan.
Frau Henſchel. ’s rahnt wull deſſa?
Henſchel beiläufig. Ju, ju, Mutter, ’s rahnt. — Be-
ſcheßt mich a ſu dr eegne Schwoger.
Er ſetzt ſich auf die Ofenbank.
Hanne hat ein Talglicht angezündet und ſtellt es im Blechleuchter auf
den Tiſch.
Frau Henſchel. Vater, Du biſt halt eemal zu gutt!
Du trauſt halt a Menſcha niſcht Bieſes zu.
Grunert nimmt Platz am Tiſch und ſchreibt ein Rezept. Ich wer’n
was ufſchreiba, aus dr Optheke.
Frau Henſchel. Nee, wenn ins dar Fuchs nu au noch
krepiert —! Das werd doch dr liebe Gott nee wull’n!
Henſchel indem er Hanne das Bein hinhält. Kumm, zieh mer
amol die Stiefeln runder! — Das hot was gefiffa hier
rei vo Freibrich. ’s Kerchdach unda eim Niederdurfe hot’s
glee halb abgedeckt, ſprecha de Leute.
Zu Hanne: Das
is a Gewerge! Werd’s nu bahle?!
Frau Henſchel zu Hanne. Ich wiß nee, daß Du o
das ni lernſt!?
Hanne bekommt den erſten Stiefel herunter, ſtellt ihn bei Seite, greift
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[7/0017] Henſchel. Madel, mach’ Licht. Hanne. Ens im’s andre! Henſchel hängt die Laterne auf, nachdem er ſie ausgelöſcht. Das wiß au dr liebe Himmel, was das muß ſein: Do werd mr’ſch Weib krank! Do fällt mer a Fard. ’s is bale, als wär’ſch uff mich abgeſahn! — Dan Wollach ha ich gekauft im Weihnachta, vu Walter-Gottfrieda; zwee Wucha, do lahmt a. Ich wars’n eintränka. Zweehundert Thaler ha ich gegan. Frau Henſchel. ’s rahnt wull deſſa? Henſchel beiläufig. Ju, ju, Mutter, ’s rahnt. — Be- ſcheßt mich a ſu dr eegne Schwoger. Er ſetzt ſich auf die Ofenbank. Hanne hat ein Talglicht angezündet und ſtellt es im Blechleuchter auf den Tiſch. Frau Henſchel. Vater, Du biſt halt eemal zu gutt! Du trauſt halt a Menſcha niſcht Bieſes zu. Grunert nimmt Platz am Tiſch und ſchreibt ein Rezept. Ich wer’n was ufſchreiba, aus dr Optheke. Frau Henſchel. Nee, wenn ins dar Fuchs nu au noch krepiert —! Das werd doch dr liebe Gott nee wull’n! Henſchel indem er Hanne das Bein hinhält. Kumm, zieh mer amol die Stiefeln runder! — Das hot was gefiffa hier rei vo Freibrich. ’s Kerchdach unda eim Niederdurfe hot’s glee halb abgedeckt, ſprecha de Leute. Zu Hanne: Das is a Gewerge! Werd’s nu bahle?! Frau Henſchel zu Hanne. Ich wiß nee, daß Du o das ni lernſt!? Hanne bekommt den erſten Stiefel herunter, ſtellt ihn bei Seite, greift den zweiten an.

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Zitationshilfe: Hauptmann, Gerhart: Fuhrmann Henschel. Berlin, 1899, S. 7. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hauptmann_henschel_1899/17>, abgerufen am 03.08.2021.