Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hartmann, Eugen: Entwicklungs-Geschichte der Posten von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Leipzig, 1868.

Bild:
<< vorherige Seite
Vorwort.


Die Geschichte der Posten, mit deren Studium ich mich
seit Jahren beschäftigt habe, führte mich zu der Ueberzeugung,
daß der Mangel einer wissenschaftlichen Darstellung derselben,
welche vom Ursprung ausgehend die Fäden bis zur Gegenwart
fortzuführen hätte, noch eine fühlbare Lücke auf dem Gebiete
unserer Literatur bilde. Gleichwohl bin ich weit entfernt, mit
diesem Ausspruche die Verdienste der bisherigen Leistungen miß-
kennen zu wollen. Zahlreiche Aufsätze und Abhandlungen be-
schäftigen sich mit dem Postwesen, selbst in Werken anderer
wissenschaftlicher Fächer, die wie die volkswirthschaftlichen bei
Behandlung der Finanz- oder Polizeiwissenschaft, die staats-
rechtlichen bei Besprechung der Hoheitsrechte und Regalien auch
diesen Gegenstand in ihren Bereich gezogen haben. Wir besitzen
außerdem größere und kleinere Werke, welche das Postwesen
selbstständig behandeln, wie diejenigen von Klüber, Pütter,
Stängel, Hudemann
und andere, insbesondere die geistreiche
Schrift von Flegler, und endlich Postgeschichten einzelner Län-
der und Staaten, unter denen vor Allem das Buch von
Stephan über die preußische Post als eines der ausgezeichne-
teren hervorgehoben werden muß. Alle die genannten Männer
haben bald diese, bald jene Seite des Postwesens ins Auge
gefaßt, und mit größerem oder geringerem Glücke aufgehellt;
aber überall vermißte ich eine von den ersten Anfängen bis
auf die neuesten Zeiten herabgeführte und mit der allgemeinen
Kulturgeschichte in Verbindung gebrachte Geschichte des Post-
wesens und seiner stufenmäßigen Entwicklung. Selbst in den

Vorwort.


Die Geſchichte der Poſten, mit deren Studium ich mich
ſeit Jahren beſchäftigt habe, führte mich zu der Ueberzeugung,
daß der Mangel einer wiſſenſchaftlichen Darſtellung derſelben,
welche vom Urſprung ausgehend die Fäden bis zur Gegenwart
fortzuführen hätte, noch eine fühlbare Lücke auf dem Gebiete
unſerer Literatur bilde. Gleichwohl bin ich weit entfernt, mit
dieſem Ausſpruche die Verdienſte der bisherigen Leiſtungen miß-
kennen zu wollen. Zahlreiche Aufſätze und Abhandlungen be-
ſchäftigen ſich mit dem Poſtweſen, ſelbſt in Werken anderer
wiſſenſchaftlicher Fächer, die wie die volkswirthſchaftlichen bei
Behandlung der Finanz- oder Polizeiwiſſenſchaft, die ſtaats-
rechtlichen bei Beſprechung der Hoheitsrechte und Regalien auch
dieſen Gegenſtand in ihren Bereich gezogen haben. Wir beſitzen
außerdem größere und kleinere Werke, welche das Poſtweſen
ſelbſtſtändig behandeln, wie diejenigen von Klüber, Pütter,
Stängel, Hudemann
und andere, insbeſondere die geiſtreiche
Schrift von Flegler, und endlich Poſtgeſchichten einzelner Län-
der und Staaten, unter denen vor Allem das Buch von
Stephan über die preußiſche Poſt als eines der ausgezeichne-
teren hervorgehoben werden muß. Alle die genannten Männer
haben bald dieſe, bald jene Seite des Poſtweſens ins Auge
gefaßt, und mit größerem oder geringerem Glücke aufgehellt;
aber überall vermißte ich eine von den erſten Anfängen bis
auf die neueſten Zeiten herabgeführte und mit der allgemeinen
Kulturgeſchichte in Verbindung gebrachte Geſchichte des Poſt-
weſens und ſeiner ſtufenmäßigen Entwicklung. Selbſt in den

<TEI>
  <text>
    <front>
      <pb facs="#f0008" n="[III]"/>
      <div type="preface" n="1">
        <head><hi rendition="#fr">Vorwort</hi>.</head><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <p>Die Ge&#x017F;chichte der Po&#x017F;ten, mit deren Studium ich mich<lb/>
&#x017F;eit Jahren be&#x017F;chäftigt habe, führte mich zu der Ueberzeugung,<lb/>
daß der Mangel einer wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaftlichen Dar&#x017F;tellung der&#x017F;elben,<lb/>
welche vom Ur&#x017F;prung ausgehend die Fäden bis zur Gegenwart<lb/>
fortzuführen hätte, noch eine fühlbare Lücke auf dem Gebiete<lb/>
un&#x017F;erer Literatur bilde. Gleichwohl bin ich weit entfernt, mit<lb/>
die&#x017F;em Aus&#x017F;pruche die Verdien&#x017F;te der bisherigen Lei&#x017F;tungen miß-<lb/>
kennen zu wollen. Zahlreiche Auf&#x017F;ätze und Abhandlungen be-<lb/>
&#x017F;chäftigen &#x017F;ich mit dem Po&#x017F;twe&#x017F;en, &#x017F;elb&#x017F;t in Werken anderer<lb/>
wi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaftlicher Fächer, die wie die volkswirth&#x017F;chaftlichen bei<lb/>
Behandlung der Finanz- oder Polizeiwi&#x017F;&#x017F;en&#x017F;chaft, die &#x017F;taats-<lb/>
rechtlichen bei Be&#x017F;prechung der Hoheitsrechte und Regalien auch<lb/>
die&#x017F;en Gegen&#x017F;tand in ihren Bereich gezogen haben. Wir be&#x017F;itzen<lb/>
außerdem größere und kleinere Werke, welche das Po&#x017F;twe&#x017F;en<lb/>
&#x017F;elb&#x017F;t&#x017F;tändig behandeln, wie diejenigen von <hi rendition="#aq">Klüber, Pütter,<lb/>
Stängel, Hudemann</hi> und andere, insbe&#x017F;ondere die gei&#x017F;treiche<lb/>
Schrift von <hi rendition="#aq">Flegler</hi>, und endlich Po&#x017F;tge&#x017F;chichten einzelner Län-<lb/>
der und Staaten, unter denen vor Allem das Buch von<lb/><hi rendition="#aq">Stephan</hi> über die preußi&#x017F;che Po&#x017F;t als eines der ausgezeichne-<lb/>
teren hervorgehoben werden muß. Alle die genannten Männer<lb/>
haben bald die&#x017F;e, bald jene Seite des Po&#x017F;twe&#x017F;ens ins Auge<lb/>
gefaßt, und mit größerem oder geringerem Glücke aufgehellt;<lb/>
aber überall vermißte ich eine von den er&#x017F;ten Anfängen bis<lb/>
auf die neue&#x017F;ten Zeiten herabgeführte und mit der allgemeinen<lb/>
Kulturge&#x017F;chichte in Verbindung gebrachte Ge&#x017F;chichte des Po&#x017F;t-<lb/>
we&#x017F;ens und &#x017F;einer &#x017F;tufenmäßigen Entwicklung. Selb&#x017F;t in den<lb/></p>
      </div>
    </front>
  </text>
</TEI>
[[III]/0008] Vorwort. Die Geſchichte der Poſten, mit deren Studium ich mich ſeit Jahren beſchäftigt habe, führte mich zu der Ueberzeugung, daß der Mangel einer wiſſenſchaftlichen Darſtellung derſelben, welche vom Urſprung ausgehend die Fäden bis zur Gegenwart fortzuführen hätte, noch eine fühlbare Lücke auf dem Gebiete unſerer Literatur bilde. Gleichwohl bin ich weit entfernt, mit dieſem Ausſpruche die Verdienſte der bisherigen Leiſtungen miß- kennen zu wollen. Zahlreiche Aufſätze und Abhandlungen be- ſchäftigen ſich mit dem Poſtweſen, ſelbſt in Werken anderer wiſſenſchaftlicher Fächer, die wie die volkswirthſchaftlichen bei Behandlung der Finanz- oder Polizeiwiſſenſchaft, die ſtaats- rechtlichen bei Beſprechung der Hoheitsrechte und Regalien auch dieſen Gegenſtand in ihren Bereich gezogen haben. Wir beſitzen außerdem größere und kleinere Werke, welche das Poſtweſen ſelbſtſtändig behandeln, wie diejenigen von Klüber, Pütter, Stängel, Hudemann und andere, insbeſondere die geiſtreiche Schrift von Flegler, und endlich Poſtgeſchichten einzelner Län- der und Staaten, unter denen vor Allem das Buch von Stephan über die preußiſche Poſt als eines der ausgezeichne- teren hervorgehoben werden muß. Alle die genannten Männer haben bald dieſe, bald jene Seite des Poſtweſens ins Auge gefaßt, und mit größerem oder geringerem Glücke aufgehellt; aber überall vermißte ich eine von den erſten Anfängen bis auf die neueſten Zeiten herabgeführte und mit der allgemeinen Kulturgeſchichte in Verbindung gebrachte Geſchichte des Poſt- weſens und ſeiner ſtufenmäßigen Entwicklung. Selbſt in den

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/hartmann_posten_1868
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/hartmann_posten_1868/8
Zitationshilfe: Hartmann, Eugen: Entwicklungs-Geschichte der Posten von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Leipzig, 1868, S. [III]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hartmann_posten_1868/8>, abgerufen am 14.04.2024.