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Hartmann, Eugen: Entwicklungs-Geschichte der Posten von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Leipzig, 1868.

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Cap. II.
Die ältesten Völker.

Abgesehen nun aber von der Annahme, daß der Gebrauch
der Schriftsprache und das Schreiben auch das Versenden des
schriftlich Niedergelegten zur consequenten Folge gehabt haben
wird, so ist schon aus dem Grade der hohen Culturstufe, welche
die ältesten Völker in den herrlichsten Ruinen uns hinterlassen
haben, in ihrer hohen Kenntniß von Kunst, Handel und Ge-
werbe schon der Beweis gegeben, daß ihnen die Vermittlung
des Verkehrs, die Vermittlung ihrer materiellen und geistigen
Bedürfnisse, daß ihnen die gegenseitige materielle und geistige
Ergänzung mittelst geregelter Beförderungs- und Verkehrs-
anstalten nicht fehlte.

Oder sollte Jndien, ein Land, das 37 Königreiche zählte,
von dessen Macht und Glanz noch heute die gefallenen Trümmer
herrlicher Tempel und Paläste zeugen, zu jenem Glanz ge-
kommen sein, wenn nicht die feinste Gliederung des staatlichen
und gesellschaftlichen Lebens mit allen Mitteln und Hebeln, die
zu dessen Erhaltung und Verkettung dienen, bestanden hätte?

Ebenso zeichnete sich China schon 2300 Jahre v. Chr.
unter den Kaisern des Regentenstammes der Hiao oder Y-a-o
durch eine sehr mächtige und volkreiche Monarchie aus;
ebenso erzählt uns die Geschichte von Assyrien und Baby-
lonien
schon 2000 Jahre v. Chr. Geburt; die Pracht der
Städte Ninive und Babylon, die glänzende Hofhaltung der
Königin Semiramis ist bekannt; in Japan fand sich bei der
Entdeckung ein gebildetes, verständiges Volk vor mit der Haupt-

Cap. II.
Die älteſten Völker.

Abgeſehen nun aber von der Annahme, daß der Gebrauch
der Schriftſprache und das Schreiben auch das Verſenden des
ſchriftlich Niedergelegten zur conſequenten Folge gehabt haben
wird, ſo iſt ſchon aus dem Grade der hohen Culturſtufe, welche
die älteſten Völker in den herrlichſten Ruinen uns hinterlaſſen
haben, in ihrer hohen Kenntniß von Kunſt, Handel und Ge-
werbe ſchon der Beweis gegeben, daß ihnen die Vermittlung
des Verkehrs, die Vermittlung ihrer materiellen und geiſtigen
Bedürfniſſe, daß ihnen die gegenſeitige materielle und geiſtige
Ergänzung mittelſt geregelter Beförderungs- und Verkehrs-
anſtalten nicht fehlte.

Oder ſollte Jndien, ein Land, das 37 Königreiche zählte,
von deſſen Macht und Glanz noch heute die gefallenen Trümmer
herrlicher Tempel und Paläſte zeugen, zu jenem Glanz ge-
kommen ſein, wenn nicht die feinſte Gliederung des ſtaatlichen
und geſellſchaftlichen Lebens mit allen Mitteln und Hebeln, die
zu deſſen Erhaltung und Verkettung dienen, beſtanden hätte?

Ebenſo zeichnete ſich China ſchon 2300 Jahre v. Chr.
unter den Kaiſern des Regentenſtammes der Hiao oder Y-a-o
durch eine ſehr mächtige und volkreiche Monarchie aus;
ebenſo erzählt uns die Geſchichte von Aſſyrien und Baby-
lonien
ſchon 2000 Jahre v. Chr. Geburt; die Pracht der
Städte Ninive und Babylon, die glänzende Hofhaltung der
Königin Semiramis iſt bekannt; in Japan fand ſich bei der
Entdeckung ein gebildetes, verſtändiges Volk vor mit der Haupt-

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[11/0024] Cap. II. Die älteſten Völker. Abgeſehen nun aber von der Annahme, daß der Gebrauch der Schriftſprache und das Schreiben auch das Verſenden des ſchriftlich Niedergelegten zur conſequenten Folge gehabt haben wird, ſo iſt ſchon aus dem Grade der hohen Culturſtufe, welche die älteſten Völker in den herrlichſten Ruinen uns hinterlaſſen haben, in ihrer hohen Kenntniß von Kunſt, Handel und Ge- werbe ſchon der Beweis gegeben, daß ihnen die Vermittlung des Verkehrs, die Vermittlung ihrer materiellen und geiſtigen Bedürfniſſe, daß ihnen die gegenſeitige materielle und geiſtige Ergänzung mittelſt geregelter Beförderungs- und Verkehrs- anſtalten nicht fehlte. Oder ſollte Jndien, ein Land, das 37 Königreiche zählte, von deſſen Macht und Glanz noch heute die gefallenen Trümmer herrlicher Tempel und Paläſte zeugen, zu jenem Glanz ge- kommen ſein, wenn nicht die feinſte Gliederung des ſtaatlichen und geſellſchaftlichen Lebens mit allen Mitteln und Hebeln, die zu deſſen Erhaltung und Verkettung dienen, beſtanden hätte? Ebenſo zeichnete ſich China ſchon 2300 Jahre v. Chr. unter den Kaiſern des Regentenſtammes der Hiao oder Y-a-o durch eine ſehr mächtige und volkreiche Monarchie aus; ebenſo erzählt uns die Geſchichte von Aſſyrien und Baby- lonien ſchon 2000 Jahre v. Chr. Geburt; die Pracht der Städte Ninive und Babylon, die glänzende Hofhaltung der Königin Semiramis iſt bekannt; in Japan fand ſich bei der Entdeckung ein gebildetes, verſtändiges Volk vor mit der Haupt-

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Zitationshilfe: Hartmann, Eugen: Entwicklungs-Geschichte der Posten von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Leipzig, 1868, S. 11. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hartmann_posten_1868/24>, abgerufen am 17.04.2024.