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Hartmann, Eugen: Entwicklungs-Geschichte der Posten von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Leipzig, 1868.

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Die ersten Anstalten in dieser Richtung waren also eine
nothwendige Folge der Gesittung und bildeten sich sofort in
irgend einer Form, sobald ein Volk aus dem ruhelosen Zu-
stande des Wanderlebens zur dauernden Ansiedlung über-
gegangen war. --

Ward endlich auch die Ansiedlung häufiger und sogar zur
Regel, so war die Theilung der Völker in einzelne Gruppen
von selbst gegeben, und jene Anstalten wurden um so noth-
wendiger zur gegenseitigen Verbindung, als ohne dieselben eine
völlige Entfremdung von einander eintreten mußte, welche zu-
nächst auch das innere Band der Völker aufgelöst hätte. All-
mählig mußten diese zur gegenseitigen Verbindung errichteten
Anstalten in ebem dem Maße zu öffentlichen Anstalten des
Gemeinwesens heranwachsen, als die Begriffe der Verwaltung
an Strenge und Schärfe zunahmen, einheitliche Mittelpunkte
sich zu bilden anfingen und zugleich mit mannigfachen gesell-
schaftlichen Bedürfnissen der Geda[nke] eines leitenden Staates
hervortrat.1)

Jst nun hieraus schon ersichtlich, daß die ersten Begriffe
des Postwesens weit bis zu den ältesten Zeiten zurückreichen,
so erscheint es noch viel weniger zweifelhaft, daß die erste that-
sächliche Existenz von Posteinrichtungen wenigstens bis zu jenen
Zeiten zurückgeht, wo die Geschichte das Vorhandensein der
Schriftsprache nachweist.

Mit der Schriftsprache entwickelte sich doch gewiß die Ver-
anlassung zum Briefschreiben und Briefsenden und -- als
letzteres mehr ausgedehnt und in Form und Einrichtung aus-

1) Flegler, zur Geschichte der Posten, Nürnberg 1858.

Die erſten Anſtalten in dieſer Richtung waren alſo eine
nothwendige Folge der Geſittung und bildeten ſich ſofort in
irgend einer Form, ſobald ein Volk aus dem ruheloſen Zu-
ſtande des Wanderlebens zur dauernden Anſiedlung über-
gegangen war. —

Ward endlich auch die Anſiedlung häufiger und ſogar zur
Regel, ſo war die Theilung der Völker in einzelne Gruppen
von ſelbſt gegeben, und jene Anſtalten wurden um ſo noth-
wendiger zur gegenſeitigen Verbindung, als ohne dieſelben eine
völlige Entfremdung von einander eintreten mußte, welche zu-
nächſt auch das innere Band der Völker aufgelöſt hätte. All-
mählig mußten dieſe zur gegenſeitigen Verbindung errichteten
Anſtalten in ebem dem Maße zu öffentlichen Anſtalten des
Gemeinweſens heranwachſen, als die Begriffe der Verwaltung
an Strenge und Schärfe zunahmen, einheitliche Mittelpunkte
ſich zu bilden anfingen und zugleich mit mannigfachen geſell-
ſchaftlichen Bedürfniſſen der Geda[nke] eines leitenden Staates
hervortrat.1)

Jſt nun hieraus ſchon erſichtlich, daß die erſten Begriffe
des Poſtweſens weit bis zu den älteſten Zeiten zurückreichen,
ſo erſcheint es noch viel weniger zweifelhaft, daß die erſte that-
ſächliche Exiſtenz von Poſteinrichtungen wenigſtens bis zu jenen
Zeiten zurückgeht, wo die Geſchichte das Vorhandenſein der
Schriftſprache nachweiſt.

Mit der Schriftſprache entwickelte ſich doch gewiß die Ver-
anlaſſung zum Briefſchreiben und Briefſenden und — als
letzteres mehr ausgedehnt und in Form und Einrichtung aus-

1) Flegler, zur Geſchichte der Poſten, Nürnberg 1858.
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[9/0022] Die erſten Anſtalten in dieſer Richtung waren alſo eine nothwendige Folge der Geſittung und bildeten ſich ſofort in irgend einer Form, ſobald ein Volk aus dem ruheloſen Zu- ſtande des Wanderlebens zur dauernden Anſiedlung über- gegangen war. — Ward endlich auch die Anſiedlung häufiger und ſogar zur Regel, ſo war die Theilung der Völker in einzelne Gruppen von ſelbſt gegeben, und jene Anſtalten wurden um ſo noth- wendiger zur gegenſeitigen Verbindung, als ohne dieſelben eine völlige Entfremdung von einander eintreten mußte, welche zu- nächſt auch das innere Band der Völker aufgelöſt hätte. All- mählig mußten dieſe zur gegenſeitigen Verbindung errichteten Anſtalten in ebem dem Maße zu öffentlichen Anſtalten des Gemeinweſens heranwachſen, als die Begriffe der Verwaltung an Strenge und Schärfe zunahmen, einheitliche Mittelpunkte ſich zu bilden anfingen und zugleich mit mannigfachen geſell- ſchaftlichen Bedürfniſſen der Gedanke eines leitenden Staates hervortrat. 1) Jſt nun hieraus ſchon erſichtlich, daß die erſten Begriffe des Poſtweſens weit bis zu den älteſten Zeiten zurückreichen, ſo erſcheint es noch viel weniger zweifelhaft, daß die erſte that- ſächliche Exiſtenz von Poſteinrichtungen wenigſtens bis zu jenen Zeiten zurückgeht, wo die Geſchichte das Vorhandenſein der Schriftſprache nachweiſt. Mit der Schriftſprache entwickelte ſich doch gewiß die Ver- anlaſſung zum Briefſchreiben und Briefſenden und — als letzteres mehr ausgedehnt und in Form und Einrichtung aus- 1) Flegler, zur Geſchichte der Poſten, Nürnberg 1858.

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Zitationshilfe: Hartmann, Eugen: Entwicklungs-Geschichte der Posten von den ältesten Zeiten bis zur Gegenwart. Leipzig, 1868, S. 9. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/hartmann_posten_1868/22>, abgerufen am 22.04.2024.