Hahn, Alban von: Der Verkehr in der Guten Gesellschaft. 2. Auflage. Leipzig, ca. 1898.aufgegangen ist, wenn ihr die Uhr herunterhängt u. s. w. Nur ist es nötig, daß dies in der ausgesucht höflichsten Weise geschehe und vor allem so, daß die Betreffende und ebenso alle etwa Dabeistehenden schon beim ersten Wort merken, worum es sich handelt. Und nicht nur Damen, sondern jedem weiblichen Wesen gegenüber soll man so sein, auch wenn man annehmen kann, daß die Betreffende gesellschaftlich nicht auf der Höhe steht, die man selbst einnimmt. Natürlich darf man sich nicht aufdrängen, es wird aber keinem Herrn übel genommen werden, wenn er einer Dame hilft, etwa zu Boden gefallene Gegenstände aufzuheben, oder ihr den Schlag öffnet und wieder schließt, wenn sie gerade aus einem Laden kommt und in ihren Wagen steigen will u. s. w. Höchst unpassend freilich wäre es, auf Dank zu warten; man entfernt sich mit einem höflichen Gruß so schnell wie möglich. Geht man mit jemand aus der Straße, so hüte man sich, über dritte Personen, die man sieht, irgend welche Bemerkungen zu machen. Es ist schon an und für sich nicht fein, jedem etwas "anzuhängen", dann weiß man aber auch gar nicht, ob die Betreffenden nicht vielleicht aufgegangen ist, wenn ihr die Uhr herunterhängt u. s. w. Nur ist es nötig, daß dies in der ausgesucht höflichsten Weise geschehe und vor allem so, daß die Betreffende und ebenso alle etwa Dabeistehenden schon beim ersten Wort merken, worum es sich handelt. Und nicht nur Damen, sondern jedem weiblichen Wesen gegenüber soll man so sein, auch wenn man annehmen kann, daß die Betreffende gesellschaftlich nicht auf der Höhe steht, die man selbst einnimmt. Natürlich darf man sich nicht aufdrängen, es wird aber keinem Herrn übel genommen werden, wenn er einer Dame hilft, etwa zu Boden gefallene Gegenstände aufzuheben, oder ihr den Schlag öffnet und wieder schließt, wenn sie gerade aus einem Laden kommt und in ihren Wagen steigen will u. s. w. Höchst unpassend freilich wäre es, auf Dank zu warten; man entfernt sich mit einem höflichen Gruß so schnell wie möglich. Geht man mit jemand aus der Straße, so hüte man sich, über dritte Personen, die man sieht, irgend welche Bemerkungen zu machen. Es ist schon an und für sich nicht fein, jedem etwas „anzuhängen“, dann weiß man aber auch gar nicht, ob die Betreffenden nicht vielleicht <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0180" n="170"/> aufgegangen ist, wenn ihr die Uhr herunterhängt u. s. w. Nur ist es nötig, daß dies in der ausgesucht höflichsten Weise geschehe und vor allem so, daß die Betreffende und ebenso alle etwa Dabeistehenden schon beim ersten Wort merken, worum es sich handelt. Und nicht nur Damen, sondern jedem weiblichen Wesen gegenüber soll man so sein, auch wenn man annehmen kann, daß die Betreffende gesellschaftlich nicht auf der Höhe steht, die man selbst einnimmt. Natürlich darf man sich nicht aufdrängen, es wird aber keinem Herrn übel genommen werden, wenn er einer Dame hilft, etwa zu Boden gefallene Gegenstände aufzuheben, oder ihr den Schlag öffnet und wieder schließt, wenn sie gerade aus einem Laden kommt und in ihren Wagen steigen will u. s. w. Höchst unpassend freilich wäre es, auf Dank zu warten; man entfernt sich mit einem höflichen Gruß so schnell wie möglich.</p> <p>Geht man mit jemand aus der Straße, so hüte man sich, über dritte Personen, die man sieht, irgend welche <hi rendition="#g">Bemerkungen zu machen</hi>. Es ist schon an und für sich nicht fein, jedem etwas „anzuhängen“, dann weiß man aber auch gar nicht, ob die Betreffenden nicht vielleicht </p> </div> </body> </text> </TEI> [170/0180]
aufgegangen ist, wenn ihr die Uhr herunterhängt u. s. w. Nur ist es nötig, daß dies in der ausgesucht höflichsten Weise geschehe und vor allem so, daß die Betreffende und ebenso alle etwa Dabeistehenden schon beim ersten Wort merken, worum es sich handelt. Und nicht nur Damen, sondern jedem weiblichen Wesen gegenüber soll man so sein, auch wenn man annehmen kann, daß die Betreffende gesellschaftlich nicht auf der Höhe steht, die man selbst einnimmt. Natürlich darf man sich nicht aufdrängen, es wird aber keinem Herrn übel genommen werden, wenn er einer Dame hilft, etwa zu Boden gefallene Gegenstände aufzuheben, oder ihr den Schlag öffnet und wieder schließt, wenn sie gerade aus einem Laden kommt und in ihren Wagen steigen will u. s. w. Höchst unpassend freilich wäre es, auf Dank zu warten; man entfernt sich mit einem höflichen Gruß so schnell wie möglich.
Geht man mit jemand aus der Straße, so hüte man sich, über dritte Personen, die man sieht, irgend welche Bemerkungen zu machen. Es ist schon an und für sich nicht fein, jedem etwas „anzuhängen“, dann weiß man aber auch gar nicht, ob die Betreffenden nicht vielleicht
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools ?Language Resource Switchboard?FeedbackSie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden. Kommentar zur DTA-AusgabeDieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen … Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax.
(2013-03-19T14:09:31Z)
Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate
(2013-03-19T14:09:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat.
(2013-03-19T14:09:31Z)
Weitere Informationen:Anmerkungen zur Transkription:
|
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden. Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des § 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
2007–2024 Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften.
Kontakt: redaktion(at)deutschestextarchiv.de. |