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Grimm, Jacob; Grimm, Wilhelm: Kinder und Hausmärchen. 3. Aufl. Bd. 1. Göttingen, 1837.

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empfangen und gelesen hatte, that wie darin stand, hieß ein prächtiges Hochzeitsfest anstellen, und die Königstochter ward mit dem Glückskind vermählt, und da der Jüngling schön und freundlich war, so lebte sie vergnügt und zufrieden mit ihm.

Nach einiger Zeit kam der König wieder in sein Schloß, und sah daß die Weissagung erfüllt und das Glückskind mit seiner Tochter vermählt war. 'Wie ist das zugegangen?' sprach er, 'ich habe in meinem Brief einen ganz andern Befehl ertheilt.' Da reichte ihm die Königin den Brief, und sagte er möchte selbst sehen was darin stände. Der König las den Brief, und sah wohl daß er mit einem andern war vertauscht worden. Er fragte den Jüngling wie es mit dem anvertrauten Briefe zugegangen wäre, warum er einen andern dafür gebracht hätte. 'Jch weiß von nichts,' antwortete er, er muß mir in der Nacht vertauscht seyn, als ich im Walde geschlafen habe.' Voll Zorn sprach der König 'so leicht soll es dir nicht werden, wer meine Tochter haben will, der muß mir aus der Hölle drei goldene Haare von dem Haupte des Teufels holen; bringst du mir was ich verlange, so sollst du meine Tochter behalten.' Damit dachte der König ihn auf immer los zu seyn. Das Glückskind aber antwortete 'die goldenen Haare will ich wohl holen, ich fürchte mich vor dem Teufel nicht.' Darauf nahm er Abschied, und begann seine Wanderschaft.

Der Weg führte ihn zu einer großen Stadt, wo ihn der Wächter an dem Thore ausfragte was für ein Gewerb er verstehe und was er wisse. 'Jch weiß alles' antwortete das Glückskind. 'So kannst du uns einen Gefallen thun' sagte der Wächter,

empfangen und gelesen hatte, that wie darin stand, hieß ein praͤchtiges Hochzeitsfest anstellen, und die Koͤnigstochter ward mit dem Gluͤckskind vermaͤhlt, und da der Juͤngling schoͤn und freundlich war, so lebte sie vergnuͤgt und zufrieden mit ihm.

Nach einiger Zeit kam der Koͤnig wieder in sein Schloß, und sah daß die Weissagung erfuͤllt und das Gluͤckskind mit seiner Tochter vermaͤhlt war. ‘Wie ist das zugegangen?’ sprach er, ‘ich habe in meinem Brief einen ganz andern Befehl ertheilt.’ Da reichte ihm die Koͤnigin den Brief, und sagte er moͤchte selbst sehen was darin staͤnde. Der Koͤnig las den Brief, und sah wohl daß er mit einem andern war vertauscht worden. Er fragte den Juͤngling wie es mit dem anvertrauten Briefe zugegangen waͤre, warum er einen andern dafuͤr gebracht haͤtte. ‘Jch weiß von nichts,’ antwortete er, er muß mir in der Nacht vertauscht seyn, als ich im Walde geschlafen habe.’ Voll Zorn sprach der Koͤnig ‘so leicht soll es dir nicht werden, wer meine Tochter haben will, der muß mir aus der Hoͤlle drei goldene Haare von dem Haupte des Teufels holen; bringst du mir was ich verlange, so sollst du meine Tochter behalten.’ Damit dachte der Koͤnig ihn auf immer los zu seyn. Das Gluͤckskind aber antwortete ‘die goldenen Haare will ich wohl holen, ich fuͤrchte mich vor dem Teufel nicht.’ Darauf nahm er Abschied, und begann seine Wanderschaft.

Der Weg fuͤhrte ihn zu einer großen Stadt, wo ihn der Waͤchter an dem Thore ausfragte was fuͤr ein Gewerb er verstehe und was er wisse. ‘Jch weiß alles’ antwortete das Gluͤckskind. ‘So kannst du uns einen Gefallen thun’ sagte der Waͤchter,

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[177/0210] empfangen und gelesen hatte, that wie darin stand, hieß ein praͤchtiges Hochzeitsfest anstellen, und die Koͤnigstochter ward mit dem Gluͤckskind vermaͤhlt, und da der Juͤngling schoͤn und freundlich war, so lebte sie vergnuͤgt und zufrieden mit ihm. Nach einiger Zeit kam der Koͤnig wieder in sein Schloß, und sah daß die Weissagung erfuͤllt und das Gluͤckskind mit seiner Tochter vermaͤhlt war. ‘Wie ist das zugegangen?’ sprach er, ‘ich habe in meinem Brief einen ganz andern Befehl ertheilt.’ Da reichte ihm die Koͤnigin den Brief, und sagte er moͤchte selbst sehen was darin staͤnde. Der Koͤnig las den Brief, und sah wohl daß er mit einem andern war vertauscht worden. Er fragte den Juͤngling wie es mit dem anvertrauten Briefe zugegangen waͤre, warum er einen andern dafuͤr gebracht haͤtte. ‘Jch weiß von nichts,’ antwortete er, er muß mir in der Nacht vertauscht seyn, als ich im Walde geschlafen habe.’ Voll Zorn sprach der Koͤnig ‘so leicht soll es dir nicht werden, wer meine Tochter haben will, der muß mir aus der Hoͤlle drei goldene Haare von dem Haupte des Teufels holen; bringst du mir was ich verlange, so sollst du meine Tochter behalten.’ Damit dachte der Koͤnig ihn auf immer los zu seyn. Das Gluͤckskind aber antwortete ‘die goldenen Haare will ich wohl holen, ich fuͤrchte mich vor dem Teufel nicht.’ Darauf nahm er Abschied, und begann seine Wanderschaft. Der Weg fuͤhrte ihn zu einer großen Stadt, wo ihn der Waͤchter an dem Thore ausfragte was fuͤr ein Gewerb er verstehe und was er wisse. ‘Jch weiß alles’ antwortete das Gluͤckskind. ‘So kannst du uns einen Gefallen thun’ sagte der Waͤchter,

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Zitationshilfe: Grimm, Jacob; Grimm, Wilhelm: Kinder und Hausmärchen. 3. Aufl. Bd. 1. Göttingen, 1837, S. 177. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/grimm_maerchen01_1837/210>, abgerufen am 05.05.2024.