Die Grenzboten. Jg. 56, 1897, Drittes Vierteljahr.Religionsunterricht Los des Besiegten teilen. Besser, sie erinnern sich beizeiten ihrer deutschen Harald Arjuna Religionsunterricht (Fortsetzung) M?UM Was ist denn Religion? Nur von der Religion im subjektiven Sinne, Grenzboten III 18!)7 26
Religionsunterricht Los des Besiegten teilen. Besser, sie erinnern sich beizeiten ihrer deutschen Harald Arjuna Religionsunterricht (Fortsetzung) M?UM Was ist denn Religion? Nur von der Religion im subjektiven Sinne, Grenzboten III 18!)7 26
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Religionsunterricht
Los des Besiegten teilen. Besser, sie erinnern sich beizeiten ihrer deutschen
Abstammung und stehen zum Reiche. Das allein — ein festes Schutz- und
Trutzbündnis — verbürgt ihre Unabhängigkeit und künftige Blüte.
Harald Arjuna
Religionsunterricht
(Fortsetzung)
M?UM
WMZ
DIMtho der Einfluß des Religionsunterrichts auf die Sittlichkeit kann
seiner Natur nach nur ganz unbedeutend sein; auf die Fälle, wo er
geradezu Schaden anrichtet, wollen wir gar nicht erst eingehen.
Und wie steht es mit der Religion? Im sechzehnten Jahrhundert
haben wohlweise und hochpreisliche Obrigkeiten, um der Ver¬
wilderung der Jugend zu steuern, am Gymnasium einen besondern Tugend¬
lehrer angestellt. Wer würde darüber heute nicht lachen? Wäre es nnn
weniger lächerlich, wenn man einen Lehrer der Mutterliebe, oder einen Lehrer
der Tapferkeit, oder einen Lehrer der Begeisterung, oder einen Lehrer der
Reinheit, oder einen Lehrer des Zartsinns, oder einen Lehrer des Schönheits¬
gefühls, oder einen Lehrer der Wahrheitsliebe, oder einen Lehrer des Strebens
nach Erkenntnis, oder einen Lehrer der Sehnsucht nach dem unsichtbaren Ewigen
und Unendlichen anstellen wollte, und wird der Religionsunterricht dadurch
vernünftiger, daß Religion alles dieses zusammen ist: Liebe, Mut, Begeisterung,
Reinheit, Zartsinn, Schönheitsgefühl, Durst nach Erkenntnis der Wahrheit,
Sehnsucht nach dein Ewigen und wahrhaft Seienden, die Seele jeder edeln
Empfindung, jeder guten Willensrichtung?
Was ist denn Religion? Nur von der Religion im subjektiven Sinne,
von der Religiosität also, kann in diesem Zusammenhange die Rede sein.
Religiosität ist der Trieb, die Bereitwilligkeit und Gewohnheit, alle Erschei¬
nungen und Vorkommnisse des öffentlichen Lebens auf ihren tiefsten Grund
zurückzuführen und durch ihre Beziehung auf Gott miteinander zu verknüpfen;
aus diesem Triebe sprießen dann, wenn er von einer reinen, von grobem
Aberglauben freien Gotteserkenntnis geleitet ist, die edeln Empfindungen.
Solche Bereitwilligkeit und Gewohnheit aber kann ebenso wie die Sittlichkeit
nur aus der Beobachtung des Lebens und aus der Verflechtung darein hervor¬
gehen. Wenn das Kind seine Eltern täglich beten sieht, wenn es sie bei
schwerem Leid zu Gott aufseufzen und im Glück Gott danken sieht, wenn es
Grenzboten III 18!)7 26
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