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Die Grenzboten. Jg. 27, 1868, II. Semester. II Band.

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welche immer noch bestehen, die schwerste und drückendste Steuer die ein Land
und dessen arbeitende Bevölkerung zu zahlen haben. Sie nehmen in geo¬
metrischem Verhältnisse zu, wenn die Entfernung vom Markte in arithme¬
tischen wächst, so daß das Korn, das auf dem Markte 23 Thaler erzielt,
in einer Entfernung von nur 120 Meilen Nichts mehr werth ist, wenn die
Communication mittelst des gewöhnlichen Führwegcs stattfindet, weil als¬
dann die Transportkosten dem Verkaufspreise gleichkommen. Mit der Eisen¬
bahn betragen diese Kosten ungefähr den zehnten Theil oder 2^/s Thaler,
so daß es 22^2 Thaler sind, die der Landwirth durch die Eisenbahn an Trans¬
portkosten erspart. Dies ist der Grund, warum der Morgen Land bei
London Tausende von Thalern werth ist, während in Iowa oder Wisconsin
ein Morgen von ganz gleicher Qualität wenig über zwei Thaler gilt. Der
Besitzer in England kann von seinem Felde mehrere Ernten im Jahre er¬
zielen, indem er ihm eine Quantität Dünger zurückgibt, die dem gleich¬
kommt, was er ihm entzogen hat, und so sein Feld von Jahr zu Jahr ver¬
bessert. Er schafft eine Nahrung producirende Maschine; sein nordamerika¬
nischer Concurrent dagegen, der seinen Dünger wegen der Transportkosten
nutzlos verlieren muß, zerstört die Maschine, denn unter allen zu den Zwecken
des Menschen erforderlichen Gegenständen ist es gerade der Dünger, der am
wenigsten den Transport erlaubt. Jede Ernte entzieht dem Boden gewisse
Elemente, und wenn ihm diese nicht zurück erstattet werden, so kann in
Kurzem das Product nicht mehr gedeihen. Wenn Vieh auf dem Lande er¬
nährt wird, so geben die Ercremente desselben einen großen Theil der Be¬
standtheile zurück, den die zu seiner Nahrung dienenden Pflanzen dem Boden
entzogen haben. Werden aber die sämmtlichen Producte wie Butter und Käse
nach entlegenen Märkten geschickt, so wird die Weide schließlich erschöpft.
Die verschiedenen Producte entziehen dem Boden sehr verschiedene Substanzen,
allein jede raubt dem Lande doch irgend einen Bestandtheil, der wieder
zurückerstattet werden muß, wenn die Fruchtbarkeit nicht bedeutend abnehmen
soll. Der Werth des Düngers, der im Jahre 1850 auf dem Boden von
Großbritannien verwendet wurde, betrug 103,369,139 Pfd. Sterl., eine
Summe,, die dem ganzen Werth des auswärtigen Handels gleichkam. Das
Cloakenwasser der Städte enthält die Nahrungsabfälle in einem Zustand der
Verdünnung, der der Zunahme der Fruchtbarkeit höchst günstig ist. Aus
jeder Stadt von tausend Einwohnern wird alljährlich eine Quantität von
Dünger in die See geführt, die 270 Tonnen Guano gleichkommt und nach
dem laufenden Preise des Guano in England 13,000 Thaler werth ist. Das
Cloakenwasser eines Theiles der Stadt Edinburg wurde auf eine Strecke
ebenen Landes geleitet, welches dadurch so fruchtbar wurde, daß es oft sieben
Mal in einem Jahre gemäht ward. Ein deutscher Landwirth, von Thüren,


welche immer noch bestehen, die schwerste und drückendste Steuer die ein Land
und dessen arbeitende Bevölkerung zu zahlen haben. Sie nehmen in geo¬
metrischem Verhältnisse zu, wenn die Entfernung vom Markte in arithme¬
tischen wächst, so daß das Korn, das auf dem Markte 23 Thaler erzielt,
in einer Entfernung von nur 120 Meilen Nichts mehr werth ist, wenn die
Communication mittelst des gewöhnlichen Führwegcs stattfindet, weil als¬
dann die Transportkosten dem Verkaufspreise gleichkommen. Mit der Eisen¬
bahn betragen diese Kosten ungefähr den zehnten Theil oder 2^/s Thaler,
so daß es 22^2 Thaler sind, die der Landwirth durch die Eisenbahn an Trans¬
portkosten erspart. Dies ist der Grund, warum der Morgen Land bei
London Tausende von Thalern werth ist, während in Iowa oder Wisconsin
ein Morgen von ganz gleicher Qualität wenig über zwei Thaler gilt. Der
Besitzer in England kann von seinem Felde mehrere Ernten im Jahre er¬
zielen, indem er ihm eine Quantität Dünger zurückgibt, die dem gleich¬
kommt, was er ihm entzogen hat, und so sein Feld von Jahr zu Jahr ver¬
bessert. Er schafft eine Nahrung producirende Maschine; sein nordamerika¬
nischer Concurrent dagegen, der seinen Dünger wegen der Transportkosten
nutzlos verlieren muß, zerstört die Maschine, denn unter allen zu den Zwecken
des Menschen erforderlichen Gegenständen ist es gerade der Dünger, der am
wenigsten den Transport erlaubt. Jede Ernte entzieht dem Boden gewisse
Elemente, und wenn ihm diese nicht zurück erstattet werden, so kann in
Kurzem das Product nicht mehr gedeihen. Wenn Vieh auf dem Lande er¬
nährt wird, so geben die Ercremente desselben einen großen Theil der Be¬
standtheile zurück, den die zu seiner Nahrung dienenden Pflanzen dem Boden
entzogen haben. Werden aber die sämmtlichen Producte wie Butter und Käse
nach entlegenen Märkten geschickt, so wird die Weide schließlich erschöpft.
Die verschiedenen Producte entziehen dem Boden sehr verschiedene Substanzen,
allein jede raubt dem Lande doch irgend einen Bestandtheil, der wieder
zurückerstattet werden muß, wenn die Fruchtbarkeit nicht bedeutend abnehmen
soll. Der Werth des Düngers, der im Jahre 1850 auf dem Boden von
Großbritannien verwendet wurde, betrug 103,369,139 Pfd. Sterl., eine
Summe,, die dem ganzen Werth des auswärtigen Handels gleichkam. Das
Cloakenwasser der Städte enthält die Nahrungsabfälle in einem Zustand der
Verdünnung, der der Zunahme der Fruchtbarkeit höchst günstig ist. Aus
jeder Stadt von tausend Einwohnern wird alljährlich eine Quantität von
Dünger in die See geführt, die 270 Tonnen Guano gleichkommt und nach
dem laufenden Preise des Guano in England 13,000 Thaler werth ist. Das
Cloakenwasser eines Theiles der Stadt Edinburg wurde auf eine Strecke
ebenen Landes geleitet, welches dadurch so fruchtbar wurde, daß es oft sieben
Mal in einem Jahre gemäht ward. Ein deutscher Landwirth, von Thüren,


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Zitationshilfe: Die Grenzboten. Jg. 27, 1868, II. Semester. II Band, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/grenzboten_341807_287271/530>, abgerufen am 06.02.2025.