In erster Reihe der Obliegenheiten eines Jägers steht die Pflege seiner Gewehre, zu der bei unserm Freunde ein gutes Theil von dem gehört, was wir in das Gebiet des Zaubers verweisen. Er ist indeß ein frommer Christ und befaßt sich nur mit der weißen Magie. Die schwarze und ihren schlie߬ lichen Lohn, die Hölle, überläßt er seinem Burschen, der zu seiner Zeit schon inne werden wird, wohin el" Pakt mit dem Gottseibeiuns führt.
Um Schrot oder Hagel auf vierzig Schritt eng zusammenzuschießen, stößt der gewehrgercchte Jäger auf das eingeschüttete Pulver Rehhaare, dann wie¬ der etliche Körnchen Pulver, dann nochmals Haare. Um zu machen, daß die Kugeln gewaltig durch Alles hindurchschlagen, gießt er sie aus drei Theilen Wismuth und zwei Theilen Blei, löscht sie in Weingeist ab und stößt, wenn er sie brauchen will, unter und über sie ein wenig Wachs. Kugeln in Knob¬ lauchssaft oder Jungsrauenwachs vom ersten Honig gelöscht, und solche von Kupfer, Zinn. Antimon und Arsenik thun ähnliche gute Dienste.
Hat der Förster in diesen Recepten Schüsse, die ihm die Spitzkugel unsrer Tage ersetzen, so besitzt er andere, die als Aequivalent für die ebenfalls noch nicht erfundenen Revolver und Zündnadelgewehre gelten mögen. Wenigstens versteht er es, aus einer Flinte fünfzehn bis zwanzig Schüsse hinter einander zu thun. Er ladet das Rohr mit Pulver und einer Kugel, schüttet dann wieder Pulver darauf, setzt davor einen Filz mit einem Loch und eine Kugel mit einem Loch, dann Büchsenpulver fein zerstoßen und mit Baumöl ange¬ feuchtet und so fort, bis der Lauf voll ist, worauf das Ganze mit einer Lunte von vorn angesteckt wird.
Andere Kunststücke eignen sich vorzüglich, wenn es gilt, einem Wild¬ schützen einen Denkzettel zu geben, ohne ihn zu verwunden. Ladet man Biel¬ asche statt der Kugel, so schießt mau ihn, daß er blau wird und eine ganze Stunde nichts von sich weiß. Stößt man einen naßgemachten Zundstrick von einer halben Elle Länge auf das Pulver, so wird er getroffen, daß er sich überschlägt, schadet ihm aber sonst nichts.
Will der Jäger sich eine Büchse zubereiten, mit der er alles Federwild durch den Hals treffen kann, so verschafft er sich vom Scharfrichter einen Nagel, mit dein der Kopf eines armen Sünders auf das Rad genagelt wor¬ den ist. und läßt sich davon beim Büchsenschmicd auf sein Gewehr ein Bisir und ein Korn machen, und zwar muß dies im Zeichen, wo der Schütze regiert, und in der Stunde des Mars geschehen. Ein solches Rohr darf aber nicht nach der Scheibe oder nach einem Hasen oder überhaupt anders als zur Jagd auf gefiederte Thiere gebraucht werden, da es in diesen Fällen verdorben wird- "en-
Vielartig sind die Anweisungen, sogenanntes "stilles Pulver zu mach Man nimmt unter andern einen lebendigen Maulwurf, calcinirt ihn in einem verschlossenen Topfe, mischt etwas Borax hinzu, thut davon ein Loth unter
In erster Reihe der Obliegenheiten eines Jägers steht die Pflege seiner Gewehre, zu der bei unserm Freunde ein gutes Theil von dem gehört, was wir in das Gebiet des Zaubers verweisen. Er ist indeß ein frommer Christ und befaßt sich nur mit der weißen Magie. Die schwarze und ihren schlie߬ lichen Lohn, die Hölle, überläßt er seinem Burschen, der zu seiner Zeit schon inne werden wird, wohin el» Pakt mit dem Gottseibeiuns führt.
Um Schrot oder Hagel auf vierzig Schritt eng zusammenzuschießen, stößt der gewehrgercchte Jäger auf das eingeschüttete Pulver Rehhaare, dann wie¬ der etliche Körnchen Pulver, dann nochmals Haare. Um zu machen, daß die Kugeln gewaltig durch Alles hindurchschlagen, gießt er sie aus drei Theilen Wismuth und zwei Theilen Blei, löscht sie in Weingeist ab und stößt, wenn er sie brauchen will, unter und über sie ein wenig Wachs. Kugeln in Knob¬ lauchssaft oder Jungsrauenwachs vom ersten Honig gelöscht, und solche von Kupfer, Zinn. Antimon und Arsenik thun ähnliche gute Dienste.
Hat der Förster in diesen Recepten Schüsse, die ihm die Spitzkugel unsrer Tage ersetzen, so besitzt er andere, die als Aequivalent für die ebenfalls noch nicht erfundenen Revolver und Zündnadelgewehre gelten mögen. Wenigstens versteht er es, aus einer Flinte fünfzehn bis zwanzig Schüsse hinter einander zu thun. Er ladet das Rohr mit Pulver und einer Kugel, schüttet dann wieder Pulver darauf, setzt davor einen Filz mit einem Loch und eine Kugel mit einem Loch, dann Büchsenpulver fein zerstoßen und mit Baumöl ange¬ feuchtet und so fort, bis der Lauf voll ist, worauf das Ganze mit einer Lunte von vorn angesteckt wird.
Andere Kunststücke eignen sich vorzüglich, wenn es gilt, einem Wild¬ schützen einen Denkzettel zu geben, ohne ihn zu verwunden. Ladet man Biel¬ asche statt der Kugel, so schießt mau ihn, daß er blau wird und eine ganze Stunde nichts von sich weiß. Stößt man einen naßgemachten Zundstrick von einer halben Elle Länge auf das Pulver, so wird er getroffen, daß er sich überschlägt, schadet ihm aber sonst nichts.
Will der Jäger sich eine Büchse zubereiten, mit der er alles Federwild durch den Hals treffen kann, so verschafft er sich vom Scharfrichter einen Nagel, mit dein der Kopf eines armen Sünders auf das Rad genagelt wor¬ den ist. und läßt sich davon beim Büchsenschmicd auf sein Gewehr ein Bisir und ein Korn machen, und zwar muß dies im Zeichen, wo der Schütze regiert, und in der Stunde des Mars geschehen. Ein solches Rohr darf aber nicht nach der Scheibe oder nach einem Hasen oder überhaupt anders als zur Jagd auf gefiederte Thiere gebraucht werden, da es in diesen Fällen verdorben wird- "en-
Vielartig sind die Anweisungen, sogenanntes „stilles Pulver zu mach Man nimmt unter andern einen lebendigen Maulwurf, calcinirt ihn in einem verschlossenen Topfe, mischt etwas Borax hinzu, thut davon ein Loth unter
<TEI><text><body><div><divn="1"><divn="2"><pbfacs="#f0306"corresp="http://brema.suub.uni-bremen.de/grenzboten/periodical/pageview/111200"/><pxml:id="ID_1035"> In erster Reihe der Obliegenheiten eines Jägers steht die Pflege seiner<lb/>
Gewehre, zu der bei unserm Freunde ein gutes Theil von dem gehört, was<lb/>
wir in das Gebiet des Zaubers verweisen. Er ist indeß ein frommer Christ<lb/>
und befaßt sich nur mit der weißen Magie. Die schwarze und ihren schlie߬<lb/>
lichen Lohn, die Hölle, überläßt er seinem Burschen, der zu seiner Zeit schon<lb/>
inne werden wird, wohin el» Pakt mit dem Gottseibeiuns führt.</p><lb/><pxml:id="ID_1036"> Um Schrot oder Hagel auf vierzig Schritt eng zusammenzuschießen, stößt<lb/>
der gewehrgercchte Jäger auf das eingeschüttete Pulver Rehhaare, dann wie¬<lb/>
der etliche Körnchen Pulver, dann nochmals Haare. Um zu machen, daß die<lb/>
Kugeln gewaltig durch Alles hindurchschlagen, gießt er sie aus drei Theilen<lb/>
Wismuth und zwei Theilen Blei, löscht sie in Weingeist ab und stößt, wenn<lb/>
er sie brauchen will, unter und über sie ein wenig Wachs. Kugeln in Knob¬<lb/>
lauchssaft oder Jungsrauenwachs vom ersten Honig gelöscht, und solche von<lb/>
Kupfer, Zinn. Antimon und Arsenik thun ähnliche gute Dienste.</p><lb/><pxml:id="ID_1037"> Hat der Förster in diesen Recepten Schüsse, die ihm die Spitzkugel unsrer<lb/>
Tage ersetzen, so besitzt er andere, die als Aequivalent für die ebenfalls noch<lb/>
nicht erfundenen Revolver und Zündnadelgewehre gelten mögen. Wenigstens<lb/>
versteht er es, aus einer Flinte fünfzehn bis zwanzig Schüsse hinter einander<lb/>
zu thun. Er ladet das Rohr mit Pulver und einer Kugel, schüttet dann<lb/>
wieder Pulver darauf, setzt davor einen Filz mit einem Loch und eine Kugel<lb/>
mit einem Loch, dann Büchsenpulver fein zerstoßen und mit Baumöl ange¬<lb/>
feuchtet und so fort, bis der Lauf voll ist, worauf das Ganze mit einer Lunte<lb/>
von vorn angesteckt wird.</p><lb/><pxml:id="ID_1038"> Andere Kunststücke eignen sich vorzüglich, wenn es gilt, einem Wild¬<lb/>
schützen einen Denkzettel zu geben, ohne ihn zu verwunden. Ladet man Biel¬<lb/>
asche statt der Kugel, so schießt mau ihn, daß er blau wird und eine ganze<lb/>
Stunde nichts von sich weiß. Stößt man einen naßgemachten Zundstrick von<lb/>
einer halben Elle Länge auf das Pulver, so wird er getroffen, daß er sich<lb/>
überschlägt, schadet ihm aber sonst nichts.</p><lb/><pxml:id="ID_1039"> Will der Jäger sich eine Büchse zubereiten, mit der er alles Federwild<lb/>
durch den Hals treffen kann, so verschafft er sich vom Scharfrichter einen<lb/>
Nagel, mit dein der Kopf eines armen Sünders auf das Rad genagelt wor¬<lb/>
den ist. und läßt sich davon beim Büchsenschmicd auf sein Gewehr ein Bisir<lb/>
und ein Korn machen, und zwar muß dies im Zeichen, wo der Schütze regiert,<lb/>
und in der Stunde des Mars geschehen. Ein solches Rohr darf aber nicht<lb/>
nach der Scheibe oder nach einem Hasen oder überhaupt anders als zur Jagd<lb/>
auf gefiederte Thiere gebraucht werden, da es in diesen Fällen verdorben wird-<lb/>
"en-</p><lb/><pxml:id="ID_1040"next="#ID_1041"> Vielartig sind die Anweisungen, sogenanntes „stilles Pulver zu mach<lb/>
Man nimmt unter andern einen lebendigen Maulwurf, calcinirt ihn in einem<lb/>
verschlossenen Topfe, mischt etwas Borax hinzu, thut davon ein Loth unter</p><lb/></div></div></div></body></text></TEI>
[0306]
In erster Reihe der Obliegenheiten eines Jägers steht die Pflege seiner
Gewehre, zu der bei unserm Freunde ein gutes Theil von dem gehört, was
wir in das Gebiet des Zaubers verweisen. Er ist indeß ein frommer Christ
und befaßt sich nur mit der weißen Magie. Die schwarze und ihren schlie߬
lichen Lohn, die Hölle, überläßt er seinem Burschen, der zu seiner Zeit schon
inne werden wird, wohin el» Pakt mit dem Gottseibeiuns führt.
Um Schrot oder Hagel auf vierzig Schritt eng zusammenzuschießen, stößt
der gewehrgercchte Jäger auf das eingeschüttete Pulver Rehhaare, dann wie¬
der etliche Körnchen Pulver, dann nochmals Haare. Um zu machen, daß die
Kugeln gewaltig durch Alles hindurchschlagen, gießt er sie aus drei Theilen
Wismuth und zwei Theilen Blei, löscht sie in Weingeist ab und stößt, wenn
er sie brauchen will, unter und über sie ein wenig Wachs. Kugeln in Knob¬
lauchssaft oder Jungsrauenwachs vom ersten Honig gelöscht, und solche von
Kupfer, Zinn. Antimon und Arsenik thun ähnliche gute Dienste.
Hat der Förster in diesen Recepten Schüsse, die ihm die Spitzkugel unsrer
Tage ersetzen, so besitzt er andere, die als Aequivalent für die ebenfalls noch
nicht erfundenen Revolver und Zündnadelgewehre gelten mögen. Wenigstens
versteht er es, aus einer Flinte fünfzehn bis zwanzig Schüsse hinter einander
zu thun. Er ladet das Rohr mit Pulver und einer Kugel, schüttet dann
wieder Pulver darauf, setzt davor einen Filz mit einem Loch und eine Kugel
mit einem Loch, dann Büchsenpulver fein zerstoßen und mit Baumöl ange¬
feuchtet und so fort, bis der Lauf voll ist, worauf das Ganze mit einer Lunte
von vorn angesteckt wird.
Andere Kunststücke eignen sich vorzüglich, wenn es gilt, einem Wild¬
schützen einen Denkzettel zu geben, ohne ihn zu verwunden. Ladet man Biel¬
asche statt der Kugel, so schießt mau ihn, daß er blau wird und eine ganze
Stunde nichts von sich weiß. Stößt man einen naßgemachten Zundstrick von
einer halben Elle Länge auf das Pulver, so wird er getroffen, daß er sich
überschlägt, schadet ihm aber sonst nichts.
Will der Jäger sich eine Büchse zubereiten, mit der er alles Federwild
durch den Hals treffen kann, so verschafft er sich vom Scharfrichter einen
Nagel, mit dein der Kopf eines armen Sünders auf das Rad genagelt wor¬
den ist. und läßt sich davon beim Büchsenschmicd auf sein Gewehr ein Bisir
und ein Korn machen, und zwar muß dies im Zeichen, wo der Schütze regiert,
und in der Stunde des Mars geschehen. Ein solches Rohr darf aber nicht
nach der Scheibe oder nach einem Hasen oder überhaupt anders als zur Jagd
auf gefiederte Thiere gebraucht werden, da es in diesen Fällen verdorben wird-
"en-
Vielartig sind die Anweisungen, sogenanntes „stilles Pulver zu mach
Man nimmt unter andern einen lebendigen Maulwurf, calcinirt ihn in einem
verschlossenen Topfe, mischt etwas Borax hinzu, thut davon ein Loth unter
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Kay-Michael Würzner: Bearbeitung der digitalen Edition.
Weitere Informationen:
Verfahren der Texterfassung: OCR mit Nachkorrektur.
Bogensignaturen: gekennzeichnet;Druckfehler: ignoriert;fremdsprachliches Material: nicht gekennzeichnet;Geminations-/Abkürzungsstriche: wie Vorlage;Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): nicht ausgezeichnet;i/j in Fraktur: wie Vorlage;I/J in Fraktur: wie Vorlage;Kolumnentitel: gekennzeichnet;Kustoden: gekennzeichnet;langes s (ſ): als s transkribiert;Normalisierungen: stillschweigend;rundes r (ꝛ): als r/et transkribiert;Seitenumbrüche markiert: ja;Silbentrennung: wie Vorlage;u/v bzw. U/V: wie Vorlage;Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert;Vollständigkeit: vollständig erfasst;Zeichensetzung: wie Vorlage;Zeilenumbrüche markiert: ja;
Die Grenzboten. Jg. 20, 1861, I. Semester. I. Band, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/grenzboten_341793_110893/306>, abgerufen am 25.01.2025.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2025. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.