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Gottschall, Rudolph: Poetik. Die Dichtkunst und ihre Technik [v]om Standpunkte der Neuzeit. Breslau, 1858.

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Und es wallet und siedet und brauset und zischt.

(Schiller.)

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Und drinnen waltet pgo_147.003
Die züchtige Hausfrau, pgo_147.004
Und herrschet weise pgo_147.005
Jm häuslichen Kreise, pgo_147.006
Und lehret die Mädchen, pgo_147.007
Und wehret dem Knaben pgo_147.008
Und reget ohn' Ende pgo_147.009
Die fleißigen Hände, pgo_147.010
Und mehrt den Gewinn pgo_147.011
Mit ordnendem Sinn u. s. f.

(Schiller.)

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Durch das Polysyndeton wird eine größere Lebhaftigkeit des Ausdruckes pgo_147.013
erreicht, die aber dann in's Schleppende verfällt, wenn die einzelnen pgo_147.014
verbundenen Satzglieder zu weitgedehnt sind. Durch das Weglassen pgo_147.015
des "Und" an Stellen, wo es die Prosa setzen müßte, eine Figur, die man pgo_147.016
Asyndeton genannt hat, gewinnt die Rede größere Kürze und Energie:

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Wandle, strebe, dulde, schweige.

(Zedlitz.)

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Kochend wie aus Ofens Rachen pgo_147.019
Glühn die Lüfte, Balken krachen, pgo_147.020
Pfosten stürzen, Fenster klirren, pgo_147.021
Kinder jammern, Mütter irren, pgo_147.022
Thiere wimmern pgo_147.023
Unter Trümmern, pgo_147.024
Alles rennet, rettet, flüchtet, pgo_147.025
Taghell ist die Nacht gelichtet.

(Schiller.)

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Störend und im höchsten Grade abschwächend wirken die kleineren pgo_147.027
Verbindungswörter nun, ja, wohl u. a., wo sie ohne innere Nöthigung pgo_147.028
zur Ausfüllung des Metrums gebraucht werden, am störendsten, wenn pgo_147.029
sie in die Thesis oder an das Ende der Verszeile gesetzt sind oder gar pgo_147.030
den Reim bilden helfen. Ueberhaupt schließt die Anschaulichkeit und pgo_147.031
Lebendigkeit, welche der dichterische Ausdruck erstrebt, alle Wörter aus, pgo_147.032
welche nur eine syntaktische Bedeutung haben oder in der Prosa einen pgo_147.033
kunstvoll verschlungenen Periodenbau aufbauen helfen. Die dichterische pgo_147.034
Syntax ist kühn, naturwüchsig, kurz, haßt große Perioden und weitschweifige pgo_147.035
Verbindungen, liebt die Sprünge, die Lücken, läßt zu Ergänzungen pgo_147.036
Raum und kann daher die vermittelnden Partikeln ebensowenig brauchen, pgo_147.037
wie die unnöthigerweise ausfüllenden Wörter.

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Und es wallet und siedet und brauset und zischt.

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Und drinnen waltet pgo_147.003
Die züchtige Hausfrau, pgo_147.004
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Mit ordnendem Sinn u. s. f.

(Schiller.)

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Durch das Polysyndeton wird eine größere Lebhaftigkeit des Ausdruckes pgo_147.013
erreicht, die aber dann in's Schleppende verfällt, wenn die einzelnen pgo_147.014
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Asyndeton genannt hat, gewinnt die Rede größere Kürze und Energie:

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Wandle, strebe, dulde, schweige.

(Zedlitz.)

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Kochend wie aus Ofens Rachen pgo_147.019
Glühn die Lüfte, Balken krachen, pgo_147.020
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Störend und im höchsten Grade abschwächend wirken die kleineren pgo_147.027
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Lebendigkeit, welche der dichterische Ausdruck erstrebt, alle Wörter aus, pgo_147.032
welche nur eine syntaktische Bedeutung haben oder in der Prosa einen pgo_147.033
kunstvoll verschlungenen Periodenbau aufbauen helfen. Die dichterische pgo_147.034
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Zitationshilfe: Gottschall, Rudolph: Poetik. Die Dichtkunst und ihre Technik [v]om Standpunkte der Neuzeit. Breslau, 1858, S. 147. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gottschall_poetik_1858/169>, abgerufen am 21.07.2024.