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Goethe, Johann Wolfgang von: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. [s. l.], 1773.

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Götz. Weißt du's auch, Hanns Küchenmeister?
Carl. Und vor mich zum Nachtisch, hat die
Tante einen Apfel gebraten.
Götz. Kannst du sie nicht roh essen?
Carl. Schmeckt so besser.
Götz. Du mußt immer was apartes haben.
-- Weislingen! ich bin gleich wieder bey euch.
Jch muß meine Frau doch sehn. Komm mit Carl.
Carl. Wer ist der Mann?
Götz. Grüs' ihn. Bitt ihn er soll lustig seyn.
Carl. Da Mann! Hast du eine Hand, sey
lustig, das Essen ist bald fertig.
Weislingen. (hebt ihn in die Höh und küßt ihn)
Glückliches Kind! Das kein Uebel kennt, als
wenn die Suppe lang ausbleibt. Gott laß euch
viel Freud am Knaben erleben, Berlichingen!
Götz. Wo viel Licht ist, ist starker Schatten --
doch wär mirs willkommen. Wollen sehn was es
giebt.
(Sie gehn.)
Weislingen. O daß ich aufwachte! Und das
alles wäre ein Traum! Jn Berlichingens Gewalt,
von dem ich mich kaum los gearbeitet hatte, dessen
Andenken ich mied wie Feuer, de ich hoffte zu
überwältigen! Und er -- der alte treuherzige Götz!
Heili-


Goͤtz. Weißt du’s auch, Hanns Kuͤchenmeiſter?
Carl. Und vor mich zum Nachtiſch, hat die
Tante einen Apfel gebraten.
Goͤtz. Kannſt du ſie nicht roh eſſen?
Carl. Schmeckt ſo beſſer.
Goͤtz. Du mußt immer was apartes haben.
— Weislingen! ich bin gleich wieder bey euch.
Jch muß meine Frau doch ſehn. Komm mit Carl.
Carl. Wer iſt der Mann?
Goͤtz. Gruͤs’ ihn. Bitt ihn er ſoll luſtig ſeyn.
Carl. Da Mann! Haſt du eine Hand, ſey
luſtig, das Eſſen iſt bald fertig.
Weislingen. (hebt ihn in die Hoͤh und kuͤßt ihn)
Gluͤckliches Kind! Das kein Uebel kennt, als
wenn die Suppe lang ausbleibt. Gott laß euch
viel Freud am Knaben erleben, Berlichingen!
Goͤtz. Wo viel Licht iſt, iſt ſtarker Schatten —
doch waͤr mirs willkommen. Wollen ſehn was es
giebt.
(Sie gehn.)
Weislingen. O daß ich aufwachte! Und das
alles waͤre ein Traum! Jn Berlichingens Gewalt,
von dem ich mich kaum los gearbeitet hatte, deſſen
Andenken ich mied wie Feuer, de ich hoffte zu
uͤberwaͤltigen! Und er — der alte treuherzige Goͤtz!
Heili-
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[31/0035] Goͤtz. Weißt du’s auch, Hanns Kuͤchenmeiſter? Carl. Und vor mich zum Nachtiſch, hat die Tante einen Apfel gebraten. Goͤtz. Kannſt du ſie nicht roh eſſen? Carl. Schmeckt ſo beſſer. Goͤtz. Du mußt immer was apartes haben. — Weislingen! ich bin gleich wieder bey euch. Jch muß meine Frau doch ſehn. Komm mit Carl. Carl. Wer iſt der Mann? Goͤtz. Gruͤs’ ihn. Bitt ihn er ſoll luſtig ſeyn. Carl. Da Mann! Haſt du eine Hand, ſey luſtig, das Eſſen iſt bald fertig. Weislingen. (hebt ihn in die Hoͤh und kuͤßt ihn) Gluͤckliches Kind! Das kein Uebel kennt, als wenn die Suppe lang ausbleibt. Gott laß euch viel Freud am Knaben erleben, Berlichingen! Goͤtz. Wo viel Licht iſt, iſt ſtarker Schatten — doch waͤr mirs willkommen. Wollen ſehn was es giebt. (Sie gehn.) Weislingen. O daß ich aufwachte! Und das alles waͤre ein Traum! Jn Berlichingens Gewalt, von dem ich mich kaum los gearbeitet hatte, deſſen Andenken ich mied wie Feuer, de ich hoffte zu uͤberwaͤltigen! Und er — der alte treuherzige Goͤtz! Heili-

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Zitationshilfe: Goethe, Johann Wolfgang von: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. [s. l.], 1773, S. 31. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_goetz_1773/35>, abgerufen am 03.03.2024.