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Goethe, Johann Wolfgang von: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. [s. l.], 1773.

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Bischoff so giftig über mich wurde. Jch hatt' ihm
vierzehn Tag vorher, zwey Schiff auf dem Mayn
nieder geworfen. Und ich geh mit Franzen von
Sickingen im Wirthshauß zum Hirsch in Haidelberg
die Trepp hinauf. Eh' man noch ganz droben ist,
ist ein Absatz und ein eisern Geländerlein, da stund
der Bischoff und gab Franzen die Hand, wie er
vorbey gieng, und gab sie mir auch, wie ich hin-
ten drein kam. Jch lacht in meinem Herzen, und
gieng zum Landgrafen von Hanau, der mir ein gar
lieber Herr war, und sagte: Der Bischoff hat mir
die Hand geben, ich wett er hat mich nicht gekannt.
Das hört der Bischoff, denn ich redt laut mit Fleis,
und kam zu uns trotzig -- und sagte: Wohl, weil
ich euch nicht kannt hab, gab ich euch die Hand.
Da sagt ich: Herre ich merkts wohl, daß ihr mich
nicht kanntet, und hiermit habt ihr eure Hand wieder.
Da wurd's Männlin so roth am Hals wie ein Krebs
vor Zorn, und lief in die Stube zu Pfalzgraf Lud-
wig und dem Fürsten von Nassau und klagt's ihnen.
Wir haben nachher uns oft was drüber zu gute
gethan.
Weislingen. Jch wollt ihr ließt mich allein.
Götz.


Biſchoff ſo giftig uͤber mich wurde. Jch hatt’ ihm
vierzehn Tag vorher, zwey Schiff auf dem Mayn
nieder geworfen. Und ich geh mit Franzen von
Sickingen im Wirthshauß zum Hirſch in Haidelberg
die Trepp hinauf. Eh’ man noch ganz droben iſt,
iſt ein Abſatz und ein eiſern Gelaͤnderlein, da ſtund
der Biſchoff und gab Franzen die Hand, wie er
vorbey gieng, und gab ſie mir auch, wie ich hin-
ten drein kam. Jch lacht in meinem Herzen, und
gieng zum Landgrafen von Hanau, der mir ein gar
lieber Herr war, und ſagte: Der Biſchoff hat mir
die Hand geben, ich wett er hat mich nicht gekannt.
Das hoͤrt der Biſchoff, denn ich redt laut mit Fleis,
und kam zu uns trotzig — und ſagte: Wohl, weil
ich euch nicht kannt hab, gab ich euch die Hand.
Da ſagt ich: Herre ich merkts wohl, daß ihr mich
nicht kanntet, und hiermit habt ihr eure Hand wieder.
Da wurd’s Maͤnnlin ſo roth am Hals wie ein Krebs
vor Zorn, und lief in die Stube zu Pfalzgraf Lud-
wig und dem Fuͤrſten von Naſſau und klagt’s ihnen.
Wir haben nachher uns oft was druͤber zu gute
gethan.
Weislingen. Jch wollt ihr ließt mich allein.
Goͤtz.
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[28/0032] Biſchoff ſo giftig uͤber mich wurde. Jch hatt’ ihm vierzehn Tag vorher, zwey Schiff auf dem Mayn nieder geworfen. Und ich geh mit Franzen von Sickingen im Wirthshauß zum Hirſch in Haidelberg die Trepp hinauf. Eh’ man noch ganz droben iſt, iſt ein Abſatz und ein eiſern Gelaͤnderlein, da ſtund der Biſchoff und gab Franzen die Hand, wie er vorbey gieng, und gab ſie mir auch, wie ich hin- ten drein kam. Jch lacht in meinem Herzen, und gieng zum Landgrafen von Hanau, der mir ein gar lieber Herr war, und ſagte: Der Biſchoff hat mir die Hand geben, ich wett er hat mich nicht gekannt. Das hoͤrt der Biſchoff, denn ich redt laut mit Fleis, und kam zu uns trotzig — und ſagte: Wohl, weil ich euch nicht kannt hab, gab ich euch die Hand. Da ſagt ich: Herre ich merkts wohl, daß ihr mich nicht kanntet, und hiermit habt ihr eure Hand wieder. Da wurd’s Maͤnnlin ſo roth am Hals wie ein Krebs vor Zorn, und lief in die Stube zu Pfalzgraf Lud- wig und dem Fuͤrſten von Naſſau und klagt’s ihnen. Wir haben nachher uns oft was druͤber zu gute gethan. Weislingen. Jch wollt ihr ließt mich allein. Goͤtz.

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Zitationshilfe: Goethe, Johann Wolfgang von: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. [s. l.], 1773, S. 28. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_goetz_1773/32>, abgerufen am 02.03.2024.