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Goethe, Johann Wolfgang von: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. [s. l.], 1773.

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Günstige Aspekten deuten mir, brich auf! Es ist
mir nichts übrig als die Gesinnung des Kaysers zu
sondiren. Trier und Pfalz vermuthen eher des
Himmels Einfall, als daß ich ihnen übern Kopf
kommen werde. Und ich will kommen wie ein
Hagelwetter! Und wenn wir unser Schicksal ma-
chen können, so sollst du bald der Schwager eines
Churfürsten seyn. Jch hoffte auf deine Faust bey
dieser Unternehmung.
Götz (besieht seine Hand) O! das deutete der
Traum den ich hatte, als ich Tags drauf Marien
an Weislingen versprach. Er sagte mir Treu zu,
und hielt meine rechte Hand so fest daß sie aus den
Armschienen gieng, wie abgebrochen. Ach! Jch
bin in diesem Augenblick wehrloser als ich war da
sie mir abgeschossen wurde. Weisling! Weisling!
Sickingen. Vergiß einen Verräther. Wir wol-
len seine Auschläge vernichten, sein Ansehn unter-
graben, und Gewissen und Schande sollen ihn zu
todt fressen. Jch seh, ich seh im Geiste meine Fein-
de, deine Feinde niedergestürzt. Götz nur noch ein
halb Jahr!
Götz. Deine Seele fliegt hoch. Jch weiß nicht,
seit einiger Zeit wollen sich in der Meinigen keine
fröh-


Guͤnſtige Aſpekten deuten mir, brich auf! Es iſt
mir nichts uͤbrig als die Geſinnung des Kayſers zu
ſondiren. Trier und Pfalz vermuthen eher des
Himmels Einfall, als daß ich ihnen uͤbern Kopf
kommen werde. Und ich will kommen wie ein
Hagelwetter! Und wenn wir unſer Schickſal ma-
chen koͤnnen, ſo ſollſt du bald der Schwager eines
Churfuͤrſten ſeyn. Jch hoffte auf deine Fauſt bey
dieſer Unternehmung.
Goͤtz (beſieht ſeine Hand) O! das deutete der
Traum den ich hatte, als ich Tags drauf Marien
an Weislingen verſprach. Er ſagte mir Treu zu,
und hielt meine rechte Hand ſo feſt daß ſie aus den
Armſchienen gieng, wie abgebrochen. Ach! Jch
bin in dieſem Augenblick wehrloſer als ich war da
ſie mir abgeſchoſſen wurde. Weisling! Weisling!
Sickingen. Vergiß einen Verraͤther. Wir wol-
len ſeine Auſchlaͤge vernichten, ſein Anſehn unter-
graben, und Gewiſſen und Schande ſollen ihn zu
todt freſſen. Jch ſeh, ich ſeh im Geiſte meine Fein-
de, deine Feinde niedergeſtuͤrzt. Goͤtz nur noch ein
halb Jahr!
Goͤtz. Deine Seele fliegt hoch. Jch weiß nicht,
ſeit einiger Zeit wollen ſich in der Meinigen keine
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[158/0162] Guͤnſtige Aſpekten deuten mir, brich auf! Es iſt mir nichts uͤbrig als die Geſinnung des Kayſers zu ſondiren. Trier und Pfalz vermuthen eher des Himmels Einfall, als daß ich ihnen uͤbern Kopf kommen werde. Und ich will kommen wie ein Hagelwetter! Und wenn wir unſer Schickſal ma- chen koͤnnen, ſo ſollſt du bald der Schwager eines Churfuͤrſten ſeyn. Jch hoffte auf deine Fauſt bey dieſer Unternehmung. Goͤtz (beſieht ſeine Hand) O! das deutete der Traum den ich hatte, als ich Tags drauf Marien an Weislingen verſprach. Er ſagte mir Treu zu, und hielt meine rechte Hand ſo feſt daß ſie aus den Armſchienen gieng, wie abgebrochen. Ach! Jch bin in dieſem Augenblick wehrloſer als ich war da ſie mir abgeſchoſſen wurde. Weisling! Weisling! Sickingen. Vergiß einen Verraͤther. Wir wol- len ſeine Auſchlaͤge vernichten, ſein Anſehn unter- graben, und Gewiſſen und Schande ſollen ihn zu todt freſſen. Jch ſeh, ich ſeh im Geiſte meine Fein- de, deine Feinde niedergeſtuͤrzt. Goͤtz nur noch ein halb Jahr! Goͤtz. Deine Seele fliegt hoch. Jch weiß nicht, ſeit einiger Zeit wollen ſich in der Meinigen keine froͤh-

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Zitationshilfe: Goethe, Johann Wolfgang von: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. [s. l.], 1773, S. 158. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/goethe_goetz_1773/162>, abgerufen am 22.04.2024.