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Glück, Christian Friedrich von: Berichtigungen und Zusätze zum zweyten Bande des Glückischen Commentars über die Pandecten. Für die Besitzer der ersten Ausgabe. Erlangen, 1800.

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Ebendas. Nr. III. Z. 3. statt: Ob aber eine Geburt:
Mißgeburten
nennen zwar unsere heutigen Aerzte überhaupt
alle von Menschen zwar erzeugte und gebohrne, aber von der
gewöhnlichen menschlichen Bildung sehr abweichende, Geschöpfe,
ohne zwischen monstris und portentis weiter zu unterscheiden 96).
Allein da selbst nach ihrer Meinung eine solche Mißgeburt immer
noch als Mensch passirt, wenn dessen Bildung, besonders was
den Kopf betrift, eine menschliche ihm beywohnende Seele ver-
muthen läßt; so sind hier unter Mißgeburten im rechtlichen
Sinn, d. i. insofern wir denselben die Rechte der Menschen ab
sprechen, nur eigentliche monstra, d. i. solche Wesen zu verste-
hen, die von Menschen zwar gebohren worden, aber keinen
menschlichen Kopf, sondern den eines unvernünftigen Thieres ha
ben, und daher der Humanität nicht fähig sind 97).

S. 65. Z. 5. ist bey den Worten: weil ihnen der Cha-
racter der Menschheit fehlt:
die Note 4 hinzugekom-
men: S. Schotts unpartheyische Critik über die neuesten
jurist. Schriften. 10. Band S. 723.


Eben-
96) Man sehe Metzgers kurzgefaßtes System der gerichtlichen
Arzneywissenschaft (Königsberg u. Leipzig 1793. 8.)
§. 255. und Prochaska Lehrsätze aus der Physiologie des
Menschen (Wien 1797. 8.) I. Band §. 914. ff.
97) L. 135. D. de verbor. significat. L. 14. D. h. t. Man ver-
gleiche über diese Stelle carranza Tr. de partu naturali et
legitimo Cap. 17. merillius Observation. Lib. I. cap.
33. u.
Ios. Fernand. de retes Opusculor. Lib. I cap. 1. (in Thes.
Meermann
. Tom. VI. pag. 27. sqq.)
Zwar will Prochaska
in den Lehrsätzen aus der Physiologie des Menschen §. 928.
behaupten, daß die Bildung der Mißgeburten nie aus der
Menschengattung ganz ausarte, und die menschlichen Mißge-
burten mit Schweinsköpfen und andern Gliedern unvernünfti-
ger Thiere, von welchen man hie und da Nachrichten und
Zeichnungen hat, fabelhaft wären. Allein daß sich dergleichen,
wenn gleich freylich sehr seltene, Verirrungen der Natur nicht
schlechthin bezweifeln lassen, beweisen die Beyspiele von Miß-
geburten in des Hrn. von Dreyhaupt Beschreibung des
zum Herzogthum Magdeburg gehörigen Saal-Kreises 1. Th.
S. 645. f. Man vergleiche auch Wilh. Gottfr. Plöuc-
quets
Abhandlung über die gewaltsamen Todesarten (Tü-
bingen
1788. 8.) 2ter Abschn. 1stes Kap. §. 83. u. [ - 1 Zeichen fehlt]4[ - 1 Zeichen fehlt]
S. 258. ff.
B 2

Ebendaſ. Nr. III. Z. 3. ſtatt: Ob aber eine Geburt:
Mißgeburten
nennen zwar unſere heutigen Aerzte uͤberhaupt
alle von Menſchen zwar erzeugte und gebohrne, aber von der
gewoͤhnlichen menſchlichen Bildung ſehr abweichende, Geſchoͤpfe,
ohne zwiſchen monſtris und portentis weiter zu unterſcheiden 96).
Allein da ſelbſt nach ihrer Meinung eine ſolche Mißgeburt immer
noch als Menſch paſſirt, wenn deſſen Bildung, beſonders was
den Kopf betrift, eine menſchliche ihm beywohnende Seele ver-
muthen laͤßt; ſo ſind hier unter Mißgeburten im rechtlichen
Sinn, d. i. inſofern wir denſelben die Rechte der Menſchen ab
ſprechen, nur eigentliche monſtra, d. i. ſolche Weſen zu verſte-
hen, die von Menſchen zwar gebohren worden, aber keinen
menſchlichen Kopf, ſondern den eines unvernuͤnftigen Thieres ha
ben, und daher der Humanitaͤt nicht faͤhig ſind 97).

S. 65. Z. 5. iſt bey den Worten: weil ihnen der Cha-
racter der Menſchheit fehlt:
die Note 4 hinzugekom-
men: S. Schotts unpartheyiſche Critik uͤber die neueſten
juriſt. Schriften. 10. Band S. 723.


Eben-
96) Man ſehe Metzgers kurzgefaßtes Syſtem der gerichtlichen
Arzneywiſſenſchaft (Koͤnigsberg u. Leipzig 1793. 8.)
§. 255. und Prochaska Lehrſaͤtze aus der Phyſiologie des
Menſchen (Wien 1797. 8.) I. Band §. 914. ff.
97) L. 135. D. de verbor. ſignificat. L. 14. D. h. t. Man ver-
gleiche uͤber dieſe Stelle carranza Tr. de partu naturali et
legitimo Cap. 17. merillius Obſervation. Lib. I. cap.
33. u.
Ioſ. Fernand. de retes Opuſculor. Lib. I cap. 1. (in Theſ.
Meermann
. Tom. VI. pag. 27. ſqq.)
Zwar will Prochaska
in den Lehrſaͤtzen aus der Phyſiologie des Menſchen §. 928.
behaupten, daß die Bildung der Mißgeburten nie aus der
Menſchengattung ganz ausarte, und die menſchlichen Mißge-
burten mit Schweinskoͤpfen und andern Gliedern unvernuͤnfti-
ger Thiere, von welchen man hie und da Nachrichten und
Zeichnungen hat, fabelhaft waͤren. Allein daß ſich dergleichen,
wenn gleich freylich ſehr ſeltene, Verirrungen der Natur nicht
ſchlechthin bezweifeln laſſen, beweiſen die Beyſpiele von Miß-
geburten in des Hrn. von Dreyhaupt Beſchreibung des
zum Herzogthum Magdeburg gehoͤrigen Saal-Kreiſes 1. Th.
S. 645. f. Man vergleiche auch Wilh. Gottfr. Ploͤuc-
quets
Abhandlung uͤber die gewaltſamen Todesarten (Tuͤ-
bingen
1788. 8.) 2ter Abſchn. 1ſtes Kap. §. 83. u. [ – 1 Zeichen fehlt]4[ – 1 Zeichen fehlt]
S. 258. ff.
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[19/0025] Ebendaſ. Nr. III. Z. 3. ſtatt: Ob aber eine Geburt: Mißgeburten nennen zwar unſere heutigen Aerzte uͤberhaupt alle von Menſchen zwar erzeugte und gebohrne, aber von der gewoͤhnlichen menſchlichen Bildung ſehr abweichende, Geſchoͤpfe, ohne zwiſchen monſtris und portentis weiter zu unterſcheiden 96). Allein da ſelbſt nach ihrer Meinung eine ſolche Mißgeburt immer noch als Menſch paſſirt, wenn deſſen Bildung, beſonders was den Kopf betrift, eine menſchliche ihm beywohnende Seele ver- muthen laͤßt; ſo ſind hier unter Mißgeburten im rechtlichen Sinn, d. i. inſofern wir denſelben die Rechte der Menſchen ab ſprechen, nur eigentliche monſtra, d. i. ſolche Weſen zu verſte- hen, die von Menſchen zwar gebohren worden, aber keinen menſchlichen Kopf, ſondern den eines unvernuͤnftigen Thieres ha ben, und daher der Humanitaͤt nicht faͤhig ſind 97). S. 65. Z. 5. iſt bey den Worten: weil ihnen der Cha- racter der Menſchheit fehlt: die Note 4 hinzugekom- men: S. Schotts unpartheyiſche Critik uͤber die neueſten juriſt. Schriften. 10. Band S. 723. Eben- 96) Man ſehe Metzgers kurzgefaßtes Syſtem der gerichtlichen Arzneywiſſenſchaft (Koͤnigsberg u. Leipzig 1793. 8.) §. 255. und Prochaska Lehrſaͤtze aus der Phyſiologie des Menſchen (Wien 1797. 8.) I. Band §. 914. ff. 97) L. 135. D. de verbor. ſignificat. L. 14. D. h. t. Man ver- gleiche uͤber dieſe Stelle carranza Tr. de partu naturali et legitimo Cap. 17. merillius Obſervation. Lib. I. cap. 33. u. Ioſ. Fernand. de retes Opuſculor. Lib. I cap. 1. (in Theſ. Meermann. Tom. VI. pag. 27. ſqq.) Zwar will Prochaska in den Lehrſaͤtzen aus der Phyſiologie des Menſchen §. 928. behaupten, daß die Bildung der Mißgeburten nie aus der Menſchengattung ganz ausarte, und die menſchlichen Mißge- burten mit Schweinskoͤpfen und andern Gliedern unvernuͤnfti- ger Thiere, von welchen man hie und da Nachrichten und Zeichnungen hat, fabelhaft waͤren. Allein daß ſich dergleichen, wenn gleich freylich ſehr ſeltene, Verirrungen der Natur nicht ſchlechthin bezweifeln laſſen, beweiſen die Beyſpiele von Miß- geburten in des Hrn. von Dreyhaupt Beſchreibung des zum Herzogthum Magdeburg gehoͤrigen Saal-Kreiſes 1. Th. S. 645. f. Man vergleiche auch Wilh. Gottfr. Ploͤuc- quets Abhandlung uͤber die gewaltſamen Todesarten (Tuͤ- bingen 1788. 8.) 2ter Abſchn. 1ſtes Kap. §. 83. u. _4_ S. 258. ff. B 2

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Zitationshilfe: Glück, Christian Friedrich von: Berichtigungen und Zusätze zum zweyten Bande des Glückischen Commentars über die Pandecten. Für die Besitzer der ersten Ausgabe. Erlangen, 1800, S. 19. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/glueck_pandecten02verbesserungen_1800/25>, abgerufen am 01.03.2024.