ohne die Farbenzerstreuung im Geringsten zu ändern. Er verfertigte auf diese Art ein Glas, welches das englische Flintglas in Absicht dieser Wirkungen zu Verbesserung der Fernröhre noch weit übertreffen sollte, weil es das Licht dreymal so stark, als das gemeine Glas, zerstreute, da doch das Verhältniß der mittlern Brechung nur etwas weniges mehr, als beym Flintglase betrug. Inzwischen haben diese an sich merkwürdige Entdeckungen den Künstlern wenig Vortheile verschaft, theils weil es bey uns Schwierigkeiten macht, solche ungewöhnliche Glascompositionen nach den gehörigen Verhältnissen auf den Glashütten zu erhalten, theils weil die Hauptsache auf Vermeidung der Adern und Streifen ankömmt, welche dergleichen aus Materien von sehr verschiedener Dichte zusammengesetzte Glasarten noch weit häufiger, als das gewöhnliche Glas, annehmen. Man s. hievon den Artikel: Flintglas. Statt des Crownglases haben die Künstler, welche außerhalb Englands achromatische Fernröhre verfertiget haben, ihre einheimischen Glasarten gebrauchen können; das Flintglas aber hat man mehrentheils aus England kommen lassen. Inzwischen hat die Unvollkommenheit der Glasarten noch bisher den größten Theil der Vortheile verhindert, welche die Dollondische Erfindung im ersten Anfange zu versprechen schien.
Wie groß übrigens schon diejenigen Vortheile sind, die man wirklich erhalten hat, wird folgende Vergleichung lehren. Nach Herrn le Gentil(Mem. de l' acad. des Sc. de Paris. 1755. p. 462.) vergrößerte sein Fernrohr von 18 pariser Fuß Länge 63mal, und da sich sonst die Längen, wie die Quadratzahlen der Vergrößerung, verhalten mußten, so würde eine 126 fache Vergrößerung 72 Fuß Länge erfordert haben. Das achromatische Fernrohr des Herrn Messier hingegen (Mem. de l' acad. des Sc. 1775. p. 213.) vergrößerte 120mal bey einer Länge von 40 Zollen, d. h. es that fast gleiche Wirkung mit dem vorigen, ob es gleich über 21 mal kürzer war. Man kan nemlich durch achromatische Fernröhre bey einer sehr geringen Länge dennoch weit beträchtlichere Vergrößerungen,
ohne die Farbenzerſtreuung im Geringſten zu aͤndern. Er verfertigte auf dieſe Art ein Glas, welches das engliſche Flintglas in Abſicht dieſer Wirkungen zu Verbeſſerung der Fernroͤhre noch weit uͤbertreffen ſollte, weil es das Licht dreymal ſo ſtark, als das gemeine Glas, zerſtreute, da doch das Verhaͤltniß der mittlern Brechung nur etwas weniges mehr, als beym Flintglaſe betrug. Inzwiſchen haben dieſe an ſich merkwuͤrdige Entdeckungen den Kuͤnſtlern wenig Vortheile verſchaft, theils weil es bey uns Schwierigkeiten macht, ſolche ungewoͤhnliche Glascompoſitionen nach den gehoͤrigen Verhaͤltniſſen auf den Glashuͤtten zu erhalten, theils weil die Hauptſache auf Vermeidung der Adern und Streifen ankoͤmmt, welche dergleichen aus Materien von ſehr verſchiedener Dichte zuſammengeſetzte Glasarten noch weit haͤufiger, als das gewoͤhnliche Glas, annehmen. Man ſ. hievon den Artikel: Flintglas. Statt des Crownglaſes haben die Kuͤnſtler, welche außerhalb Englands achromatiſche Fernroͤhre verfertiget haben, ihre einheimiſchen Glasarten gebrauchen koͤnnen; das Flintglas aber hat man mehrentheils aus England kommen laſſen. Inzwiſchen hat die Unvollkommenheit der Glasarten noch bisher den groͤßten Theil der Vortheile verhindert, welche die Dollondiſche Erfindung im erſten Anfange zu verſprechen ſchien.
Wie groß uͤbrigens ſchon diejenigen Vortheile ſind, die man wirklich erhalten hat, wird folgende Vergleichung lehren. Nach Herrn le Gentil(Mém. de l' acad. des Sc. de Paris. 1755. p. 462.) vergroͤßerte ſein Fernrohr von 18 pariſer Fuß Laͤnge 63mal, und da ſich ſonſt die Laͤngen, wie die Quadratzahlen der Vergroͤßerung, verhalten mußten, ſo wuͤrde eine 126 fache Vergroͤßerung 72 Fuß Laͤnge erfordert haben. Das achromatiſche Fernrohr des Herrn Meſſier hingegen (Mém. de l' acad. des Sc. 1775. p. 213.) vergroͤßerte 120mal bey einer Laͤnge von 40 Zollen, d. h. es that faſt gleiche Wirkung mit dem vorigen, ob es gleich uͤber 21 mal kuͤrzer war. Man kan nemlich durch achromatiſche Fernroͤhre bey einer ſehr geringen Laͤnge dennoch weit betraͤchtlichere Vergroͤßerungen,
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ohne die Farbenzerſtreuung im Geringſten zu aͤndern. Er verfertigte auf dieſe Art ein Glas, welches das engliſche Flintglas in Abſicht dieſer Wirkungen zu Verbeſſerung der Fernroͤhre noch weit uͤbertreffen ſollte, weil es das Licht dreymal ſo ſtark, als das gemeine Glas, zerſtreute, da doch das Verhaͤltniß der mittlern Brechung nur etwas weniges mehr, als beym Flintglaſe betrug. Inzwiſchen haben dieſe an ſich merkwuͤrdige Entdeckungen den Kuͤnſtlern wenig Vortheile verſchaft, theils weil es bey uns Schwierigkeiten macht, ſolche ungewoͤhnliche Glascompoſitionen nach den gehoͤrigen Verhaͤltniſſen auf den Glashuͤtten zu erhalten, theils weil die Hauptſache auf Vermeidung der Adern und Streifen ankoͤmmt, welche dergleichen aus Materien von ſehr verſchiedener Dichte zuſammengeſetzte Glasarten noch weit haͤufiger, als das gewoͤhnliche Glas, annehmen. Man ſ. hievon den Artikel: <hirendition="#b">Flintglas.</hi> Statt des <hirendition="#b">Crownglaſes</hi> haben die Kuͤnſtler, welche außerhalb Englands achromatiſche Fernroͤhre verfertiget haben, ihre einheimiſchen Glasarten gebrauchen koͤnnen; das Flintglas aber hat man mehrentheils aus England kommen laſſen. Inzwiſchen hat die Unvollkommenheit der Glasarten noch bisher den groͤßten Theil der Vortheile verhindert, welche die Dollondiſche Erfindung im erſten Anfange zu verſprechen ſchien.</p><p>Wie groß uͤbrigens ſchon diejenigen Vortheile ſind, die man wirklich erhalten hat, wird folgende Vergleichung lehren. Nach Herrn <hirendition="#b">le Gentil</hi><hirendition="#aq">(Mém. de l' acad. des Sc. de Paris. 1755. p. 462.)</hi> vergroͤßerte ſein Fernrohr von 18 pariſer Fuß Laͤnge 63mal, und da ſich ſonſt die Laͤngen, wie die Quadratzahlen der Vergroͤßerung, verhalten mußten, ſo wuͤrde eine 126 fache Vergroͤßerung 72 Fuß Laͤnge erfordert haben. Das achromatiſche Fernrohr des Herrn <hirendition="#b">Meſſier</hi> hingegen <hirendition="#aq">(Mém. de l' acad. des Sc. 1775. p. 213.)</hi> vergroͤßerte 120mal bey einer Laͤnge von 40 Zollen, d. h. es that faſt gleiche Wirkung mit dem vorigen, ob es gleich uͤber 21 mal kuͤrzer war. Man kan nemlich durch achromatiſche Fernroͤhre bey einer ſehr geringen Laͤnge dennoch weit betraͤchtlichere Vergroͤßerungen,<lb/></p></div></div></body></text></TEI>
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ohne die Farbenzerſtreuung im Geringſten zu aͤndern. Er verfertigte auf dieſe Art ein Glas, welches das engliſche Flintglas in Abſicht dieſer Wirkungen zu Verbeſſerung der Fernroͤhre noch weit uͤbertreffen ſollte, weil es das Licht dreymal ſo ſtark, als das gemeine Glas, zerſtreute, da doch das Verhaͤltniß der mittlern Brechung nur etwas weniges mehr, als beym Flintglaſe betrug. Inzwiſchen haben dieſe an ſich merkwuͤrdige Entdeckungen den Kuͤnſtlern wenig Vortheile verſchaft, theils weil es bey uns Schwierigkeiten macht, ſolche ungewoͤhnliche Glascompoſitionen nach den gehoͤrigen Verhaͤltniſſen auf den Glashuͤtten zu erhalten, theils weil die Hauptſache auf Vermeidung der Adern und Streifen ankoͤmmt, welche dergleichen aus Materien von ſehr verſchiedener Dichte zuſammengeſetzte Glasarten noch weit haͤufiger, als das gewoͤhnliche Glas, annehmen. Man ſ. hievon den Artikel: Flintglas. Statt des Crownglaſes haben die Kuͤnſtler, welche außerhalb Englands achromatiſche Fernroͤhre verfertiget haben, ihre einheimiſchen Glasarten gebrauchen koͤnnen; das Flintglas aber hat man mehrentheils aus England kommen laſſen. Inzwiſchen hat die Unvollkommenheit der Glasarten noch bisher den groͤßten Theil der Vortheile verhindert, welche die Dollondiſche Erfindung im erſten Anfange zu verſprechen ſchien.
Wie groß uͤbrigens ſchon diejenigen Vortheile ſind, die man wirklich erhalten hat, wird folgende Vergleichung lehren. Nach Herrn le Gentil (Mém. de l' acad. des Sc. de Paris. 1755. p. 462.) vergroͤßerte ſein Fernrohr von 18 pariſer Fuß Laͤnge 63mal, und da ſich ſonſt die Laͤngen, wie die Quadratzahlen der Vergroͤßerung, verhalten mußten, ſo wuͤrde eine 126 fache Vergroͤßerung 72 Fuß Laͤnge erfordert haben. Das achromatiſche Fernrohr des Herrn Meſſier hingegen (Mém. de l' acad. des Sc. 1775. p. 213.) vergroͤßerte 120mal bey einer Laͤnge von 40 Zollen, d. h. es that faſt gleiche Wirkung mit dem vorigen, ob es gleich uͤber 21 mal kuͤrzer war. Man kan nemlich durch achromatiſche Fernroͤhre bey einer ſehr geringen Laͤnge dennoch weit betraͤchtlichere Vergroͤßerungen,
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Gehler, Johann Samuel Traugott: Physikalisches Wörterbuch, oder, Versuch einer Erklärung der vornehmsten Begriffe und Kunstwörter der Naturlehre. Bd. 1. Leipzig, 1798, S. 44. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gehler_woerterbuch01_1798/58>, abgerufen am 21.11.2024.
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