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Gall, Luise von: Eine fromme Lüge. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 6. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 105–175. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016.

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sich hinaustragen ließ; aber als es schon auf dem Flur war, eilte ihm Therese nach, preßte es unter strömenden Thränen an ihr Herz und meinte, diese Trennung nicht überleben zu können.

Der Graf nahm ihre Hand und sagte leise: Bald holen Sie sich ihn wieder.

Und er machte das weinende Kind von ihr los, stieg mit ihm in den Wagen und fuhr rasch davon.

Therese kehrte gebrochenen Herzens in ihr Zimmer zurück und tief in ihrem Innern rief eine Stimme: Du hast dein Kind verloren, für immer, für ewig! und als sich die Märtyrin der Menschenliebe an ihres Gatten Brust werfen wollte, um da Trost zu suchen und zu finden, wandte er sich von ihr ab und verließ das Zimmer. -- Therese aber durchlebte an jenem Abend und in der darauf folgenden Nacht alle jene Schmerzen, die das Schicksal der Gräfin bestimmt hatte, denn die Ahnung ihres Innern rief immerfort: Du hast dein Kind auf ewig verloren!

4. Die glückliche Mutter.

Auf dem Schlosse war Alles in Bewegung. Die junge Gräfin wurde erwartet, und die alte Gräfin, ihre Mutter, war eben abgereis't, weil sie sich nicht stark genug fühlte, ihrer Tochter gegenüber den Tod

sich hinaustragen ließ; aber als es schon auf dem Flur war, eilte ihm Therese nach, preßte es unter strömenden Thränen an ihr Herz und meinte, diese Trennung nicht überleben zu können.

Der Graf nahm ihre Hand und sagte leise: Bald holen Sie sich ihn wieder.

Und er machte das weinende Kind von ihr los, stieg mit ihm in den Wagen und fuhr rasch davon.

Therese kehrte gebrochenen Herzens in ihr Zimmer zurück und tief in ihrem Innern rief eine Stimme: Du hast dein Kind verloren, für immer, für ewig! und als sich die Märtyrin der Menschenliebe an ihres Gatten Brust werfen wollte, um da Trost zu suchen und zu finden, wandte er sich von ihr ab und verließ das Zimmer. — Therese aber durchlebte an jenem Abend und in der darauf folgenden Nacht alle jene Schmerzen, die das Schicksal der Gräfin bestimmt hatte, denn die Ahnung ihres Innern rief immerfort: Du hast dein Kind auf ewig verloren!

4. Die glückliche Mutter.

Auf dem Schlosse war Alles in Bewegung. Die junge Gräfin wurde erwartet, und die alte Gräfin, ihre Mutter, war eben abgereis't, weil sie sich nicht stark genug fühlte, ihrer Tochter gegenüber den Tod

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[0036] sich hinaustragen ließ; aber als es schon auf dem Flur war, eilte ihm Therese nach, preßte es unter strömenden Thränen an ihr Herz und meinte, diese Trennung nicht überleben zu können. Der Graf nahm ihre Hand und sagte leise: Bald holen Sie sich ihn wieder. Und er machte das weinende Kind von ihr los, stieg mit ihm in den Wagen und fuhr rasch davon. Therese kehrte gebrochenen Herzens in ihr Zimmer zurück und tief in ihrem Innern rief eine Stimme: Du hast dein Kind verloren, für immer, für ewig! und als sich die Märtyrin der Menschenliebe an ihres Gatten Brust werfen wollte, um da Trost zu suchen und zu finden, wandte er sich von ihr ab und verließ das Zimmer. — Therese aber durchlebte an jenem Abend und in der darauf folgenden Nacht alle jene Schmerzen, die das Schicksal der Gräfin bestimmt hatte, denn die Ahnung ihres Innern rief immerfort: Du hast dein Kind auf ewig verloren! 4. Die glückliche Mutter. Auf dem Schlosse war Alles in Bewegung. Die junge Gräfin wurde erwartet, und die alte Gräfin, ihre Mutter, war eben abgereis't, weil sie sich nicht stark genug fühlte, ihrer Tochter gegenüber den Tod

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Digital Humanities Cooperation Konstanz/Darmstadt: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-14T15:13:13Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Jan Merkt, Thomas Gilli, Jasmin Bieber, Katharina Herget, Anni Peter, Christian Thomas, Benjamin Fiechter: Bearbeitung der digitalen Edition. (2017-03-14T15:13:13Z)

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Zitationshilfe: Gall, Luise von: Eine fromme Lüge. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 6. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 105–175. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/gall_luege_1910/36>, abgerufen am 15.04.2024.