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Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826.

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man mit sich, wie mit dem Leben, überall
ohne Liebe zurecht? Wo suchen wir die
Seele jenes großen, aus moralisch-philoso-
phisch, oder conventionellen Begriffen zusam-
mengebauten Körpers, den wir Gesellschaft
nennen, wenn wir sie nicht in den innern
Jmpulsen eines höchsten Ewigen unwider-
stehlich empfinden? Was ist all' unser Dich-
ten und Trachten unter einander mehr, als
in wechselseitiger Mittheilung störungslos,
heiter und lebensfroh zusammen zu bleiben?
und lösen sich die Jdeale des Schönen und
Erhabenen nicht für jedes warme Herz in
das Bild eines himmlischen Reiches der Ein-
tracht und Liebe auf?

Wenn dem so ist, wenn die beiden Ge-
bote: "Liebe Gott über Alles und Deinen
Nächsten wie Dich selbst," das A und O
aller menschlichen Weisheit umfassen, so wer-
den die Gesetze des Umgangs auch wohl
hierher zurückweisen, und die conventionellen
Bedingungen geselliger Schicklichkeit nur die
nach Außen gewendete Form des Wesentli-
chen unserer Religion bezeichnen.

man mit ſich, wie mit dem Leben, uͤberall
ohne Liebe zurecht? Wo ſuchen wir die
Seele jenes großen, aus moraliſch-philoſo-
phiſch, oder conventionellen Begriffen zuſam-
mengebauten Koͤrpers, den wir Geſellſchaft
nennen, wenn wir ſie nicht in den innern
Jmpulſen eines hoͤchſten Ewigen unwider-
ſtehlich empfinden? Was iſt all’ unſer Dich-
ten und Trachten unter einander mehr, als
in wechſelſeitiger Mittheilung ſtoͤrungslos,
heiter und lebensfroh zuſammen zu bleiben?
und loͤſen ſich die Jdeale des Schoͤnen und
Erhabenen nicht fuͤr jedes warme Herz in
das Bild eines himmliſchen Reiches der Ein-
tracht und Liebe auf?

Wenn dem ſo iſt, wenn die beiden Ge-
bote: „Liebe Gott uͤber Alles und Deinen
Naͤchſten wie Dich ſelbſt,‟ das A und O
aller menſchlichen Weisheit umfaſſen, ſo wer-
den die Geſetze des Umgangs auch wohl
hierher zuruͤckweiſen, und die conventionellen
Bedingungen geſelliger Schicklichkeit nur die
nach Außen gewendete Form des Weſentli-
chen unſerer Religion bezeichnen.

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[29/0033] man mit ſich, wie mit dem Leben, uͤberall ohne Liebe zurecht? Wo ſuchen wir die Seele jenes großen, aus moraliſch-philoſo- phiſch, oder conventionellen Begriffen zuſam- mengebauten Koͤrpers, den wir Geſellſchaft nennen, wenn wir ſie nicht in den innern Jmpulſen eines hoͤchſten Ewigen unwider- ſtehlich empfinden? Was iſt all’ unſer Dich- ten und Trachten unter einander mehr, als in wechſelſeitiger Mittheilung ſtoͤrungslos, heiter und lebensfroh zuſammen zu bleiben? und loͤſen ſich die Jdeale des Schoͤnen und Erhabenen nicht fuͤr jedes warme Herz in das Bild eines himmliſchen Reiches der Ein- tracht und Liebe auf? Wenn dem ſo iſt, wenn die beiden Ge- bote: „Liebe Gott uͤber Alles und Deinen Naͤchſten wie Dich ſelbſt,‟ das A und O aller menſchlichen Weisheit umfaſſen, ſo wer- den die Geſetze des Umgangs auch wohl hierher zuruͤckweiſen, und die conventionellen Bedingungen geſelliger Schicklichkeit nur die nach Außen gewendete Form des Weſentli- chen unſerer Religion bezeichnen.

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Zitationshilfe: Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826, S. 29. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826/33>, abgerufen am 03.03.2024.