Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826.

Bild:
<< vorherige Seite

am Ende ist alles Menschenwort trüglich.
Der Himmel müßte seine Engel senden, um
den Stempel der Wahrhaftigkeit darauf zu
drücken, damit es keinem einfalle, anders zu
denken, anders zu empfinden.

So wenig ist es im Grunde mit dem
Gefallen, daß man bei der willigsten Leicht-
gläubigkeit, doch den Stachel geheimer Un-
ruhe nicht los werden kann.

Auf der andern Seite sind die, welche
mißfallen, noch übler dran. Jn demselben
Maaße, wie jene Ersten sich im Gefühle ih-
res Werthes zu der Welt sicher stellen, und
durch Dreistigkeit erzwingen, was ihnen
nicht von selbst zufallen will, in demselben
Maaße werden diese durch trübe Erfahrun-
gen, ängstlich, ungeschickt, zuletzt bitter und
kalt.

Es gehört viel dazu, und will seine Zeit
haben, ehe ein liebevolles und an Liebe ge-
wöhntes Herz, das Maaß von Kränkungen
verschmerzen lerne, welche die Zufälligkeiten
des Lebens einem jedem bereiten, der seine
Heimath in der Gesellschaft zu finden glaubt.

*

am Ende iſt alles Menſchenwort truͤglich.
Der Himmel muͤßte ſeine Engel ſenden, um
den Stempel der Wahrhaftigkeit darauf zu
druͤcken, damit es keinem einfalle, anders zu
denken, anders zu empfinden.

So wenig iſt es im Grunde mit dem
Gefallen, daß man bei der willigſten Leicht-
glaͤubigkeit, doch den Stachel geheimer Un-
ruhe nicht los werden kann.

Auf der andern Seite ſind die, welche
mißfallen, noch uͤbler dran. Jn demſelben
Maaße, wie jene Erſten ſich im Gefuͤhle ih-
res Werthes zu der Welt ſicher ſtellen, und
durch Dreiſtigkeit erzwingen, was ihnen
nicht von ſelbſt zufallen will, in demſelben
Maaße werden dieſe durch truͤbe Erfahrun-
gen, aͤngſtlich, ungeſchickt, zuletzt bitter und
kalt.

Es gehoͤrt viel dazu, und will ſeine Zeit
haben, ehe ein liebevolles und an Liebe ge-
woͤhntes Herz, das Maaß von Kraͤnkungen
verſchmerzen lerne, welche die Zufaͤlligkeiten
des Lebens einem jedem bereiten, der ſeine
Heimath in der Geſellſchaft zu finden glaubt.

*
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0119" n="115"/>
am Ende i&#x017F;t alles Men&#x017F;chenwort tru&#x0364;glich.<lb/>
Der Himmel mu&#x0364;ßte &#x017F;eine Engel &#x017F;enden, um<lb/>
den Stempel der Wahrhaftigkeit darauf zu<lb/>
dru&#x0364;cken, damit es keinem einfalle, anders zu<lb/>
denken, anders zu empfinden.</p><lb/>
          <p>So wenig i&#x017F;t es im Grunde mit dem<lb/>
Gefallen, daß man bei der willig&#x017F;ten Leicht-<lb/>
gla&#x0364;ubigkeit, doch den Stachel geheimer Un-<lb/>
ruhe nicht los werden kann.</p><lb/>
          <p>Auf der andern Seite &#x017F;ind die, welche<lb/>
mißfallen, noch u&#x0364;bler dran. Jn dem&#x017F;elben<lb/>
Maaße, wie jene Er&#x017F;ten &#x017F;ich im Gefu&#x0364;hle ih-<lb/>
res Werthes zu der Welt &#x017F;icher &#x017F;tellen, und<lb/>
durch Drei&#x017F;tigkeit erzwingen, was ihnen<lb/>
nicht von &#x017F;elb&#x017F;t zufallen will, in dem&#x017F;elben<lb/>
Maaße werden die&#x017F;e durch tru&#x0364;be Erfahrun-<lb/>
gen, a&#x0364;ng&#x017F;tlich, unge&#x017F;chickt, zuletzt bitter und<lb/>
kalt.</p><lb/>
          <p>Es geho&#x0364;rt viel dazu, und will &#x017F;eine Zeit<lb/>
haben, ehe ein liebevolles und an Liebe ge-<lb/>
wo&#x0364;hntes Herz, das Maaß von Kra&#x0364;nkungen<lb/>
ver&#x017F;chmerzen lerne, welche die Zufa&#x0364;lligkeiten<lb/>
des Lebens einem jedem bereiten, der &#x017F;eine<lb/>
Heimath in der Ge&#x017F;ell&#x017F;chaft zu finden glaubt.<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">*</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[115/0119] am Ende iſt alles Menſchenwort truͤglich. Der Himmel muͤßte ſeine Engel ſenden, um den Stempel der Wahrhaftigkeit darauf zu druͤcken, damit es keinem einfalle, anders zu denken, anders zu empfinden. So wenig iſt es im Grunde mit dem Gefallen, daß man bei der willigſten Leicht- glaͤubigkeit, doch den Stachel geheimer Un- ruhe nicht los werden kann. Auf der andern Seite ſind die, welche mißfallen, noch uͤbler dran. Jn demſelben Maaße, wie jene Erſten ſich im Gefuͤhle ih- res Werthes zu der Welt ſicher ſtellen, und durch Dreiſtigkeit erzwingen, was ihnen nicht von ſelbſt zufallen will, in demſelben Maaße werden dieſe durch truͤbe Erfahrun- gen, aͤngſtlich, ungeſchickt, zuletzt bitter und kalt. Es gehoͤrt viel dazu, und will ſeine Zeit haben, ehe ein liebevolles und an Liebe ge- woͤhntes Herz, das Maaß von Kraͤnkungen verſchmerzen lerne, welche die Zufaͤlligkeiten des Lebens einem jedem bereiten, der ſeine Heimath in der Geſellſchaft zu finden glaubt. *

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826/119
Zitationshilfe: Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826, S. 115. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826/119>, abgerufen am 16.04.2024.