Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826.

Bild:
<< vorherige Seite

Und welch Lenkseil liegt denen, die auf
die unfruchtbare Arbeit ausgehen, nicht zur
Hand!

Allein, wenn nun auch Alles nach Wun-
sche zutrifft, der glänzendste Erfolg die lang-
weilige Bemühungen krönt; was ist es denn
am Ende? Sie gefällt! Wer birgt der
Schwindelnden dafür, daß nicht am nächsten
Tage schon gesagt werden könne: sie hat
gefallen.
"

Bleiben wir indeß bei dem Erstern ste-
hen. Sie gefällt. Das Bewußtsein da-
von reicht hin, die Welt, die Menschen uns
selbst in den eignen Augen umzuwandeln.
Die Glorie des Triumphs wirft ihre Blitze
nach allen Seiten. Der Glanz, der hier-
hiervon ausgeht, erhöhet die Farben. Ein
fremdes Etwas durchströmt diese, und dies
Fremde erscheint in seiner Ungewöhnlichkeit,
edler, vornehmer. Niemand wird leugnen
daß solch ein Umschwung nicht wohlthuend
sei. Man betrachtet sich zuerst ungewiß,
doch bald darauf mit steigender Zuversicht.
Es ist gleichsam ein Doppelwesen, das sich

Und welch Lenkſeil liegt denen, die auf
die unfruchtbare Arbeit ausgehen, nicht zur
Hand!

Allein, wenn nun auch Alles nach Wun-
ſche zutrifft, der glaͤnzendſte Erfolg die lang-
weilige Bemuͤhungen kroͤnt; was iſt es denn
am Ende? Sie gefaͤllt! Wer birgt der
Schwindelnden dafuͤr, daß nicht am naͤchſten
Tage ſchon geſagt werden koͤnne: ſie hat
gefallen.

Bleiben wir indeß bei dem Erſtern ſte-
hen. Sie gefaͤllt. Das Bewußtſein da-
von reicht hin, die Welt, die Menſchen uns
ſelbſt in den eignen Augen umzuwandeln.
Die Glorie des Triumphs wirft ihre Blitze
nach allen Seiten. Der Glanz, der hier-
hiervon ausgeht, erhoͤhet die Farben. Ein
fremdes Etwas durchſtroͤmt dieſe, und dies
Fremde erſcheint in ſeiner Ungewoͤhnlichkeit,
edler, vornehmer. Niemand wird leugnen
daß ſolch ein Umſchwung nicht wohlthuend
ſei. Man betrachtet ſich zuerſt ungewiß,
doch bald darauf mit ſteigender Zuverſicht.
Es iſt gleichſam ein Doppelweſen, das ſich

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0115" n="111"/>
          <p>Und welch Lenk&#x017F;eil liegt denen, die auf<lb/>
die unfruchtbare Arbeit ausgehen, nicht zur<lb/>
Hand!</p><lb/>
          <p>Allein, wenn nun auch Alles nach Wun-<lb/>
&#x017F;che zutrifft, der gla&#x0364;nzend&#x017F;te Erfolg die lang-<lb/>
weilige Bemu&#x0364;hungen kro&#x0364;nt; was i&#x017F;t es denn<lb/>
am Ende? <hi rendition="#g">Sie gefa&#x0364;llt!</hi> Wer birgt der<lb/>
Schwindelnden dafu&#x0364;r, daß nicht am na&#x0364;ch&#x017F;ten<lb/>
Tage &#x017F;chon ge&#x017F;agt werden ko&#x0364;nne: <hi rendition="#g">&#x017F;ie hat<lb/>
gefallen.</hi>&#x201F;</p><lb/>
          <p>Bleiben wir indeß bei dem Er&#x017F;tern &#x017F;te-<lb/>
hen. <hi rendition="#g">Sie gefa&#x0364;llt.</hi> Das Bewußt&#x017F;ein da-<lb/>
von reicht hin, die Welt, die Men&#x017F;chen uns<lb/>
&#x017F;elb&#x017F;t in den eignen Augen umzuwandeln.<lb/>
Die Glorie des Triumphs wirft ihre Blitze<lb/>
nach allen Seiten. Der Glanz, der hier-<lb/>
hiervon ausgeht, erho&#x0364;het die Farben. Ein<lb/>
fremdes Etwas durch&#x017F;tro&#x0364;mt die&#x017F;e, und dies<lb/>
Fremde er&#x017F;cheint in &#x017F;einer Ungewo&#x0364;hnlichkeit,<lb/>
edler, vornehmer. Niemand wird leugnen<lb/>
daß &#x017F;olch ein Um&#x017F;chwung nicht wohlthuend<lb/>
&#x017F;ei. Man betrachtet &#x017F;ich zuer&#x017F;t ungewiß,<lb/>
doch bald darauf mit &#x017F;teigender Zuver&#x017F;icht.<lb/>
Es i&#x017F;t gleich&#x017F;am ein Doppelwe&#x017F;en, das &#x017F;ich<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[111/0115] Und welch Lenkſeil liegt denen, die auf die unfruchtbare Arbeit ausgehen, nicht zur Hand! Allein, wenn nun auch Alles nach Wun- ſche zutrifft, der glaͤnzendſte Erfolg die lang- weilige Bemuͤhungen kroͤnt; was iſt es denn am Ende? Sie gefaͤllt! Wer birgt der Schwindelnden dafuͤr, daß nicht am naͤchſten Tage ſchon geſagt werden koͤnne: ſie hat gefallen.‟ Bleiben wir indeß bei dem Erſtern ſte- hen. Sie gefaͤllt. Das Bewußtſein da- von reicht hin, die Welt, die Menſchen uns ſelbſt in den eignen Augen umzuwandeln. Die Glorie des Triumphs wirft ihre Blitze nach allen Seiten. Der Glanz, der hier- hiervon ausgeht, erhoͤhet die Farben. Ein fremdes Etwas durchſtroͤmt dieſe, und dies Fremde erſcheint in ſeiner Ungewoͤhnlichkeit, edler, vornehmer. Niemand wird leugnen daß ſolch ein Umſchwung nicht wohlthuend ſei. Man betrachtet ſich zuerſt ungewiß, doch bald darauf mit ſteigender Zuverſicht. Es iſt gleichſam ein Doppelweſen, das ſich

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826/115
Zitationshilfe: Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826, S. 111. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826/115>, abgerufen am 23.04.2024.