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Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826.

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was sie erfaßt und schüttet grauen Aschen-
staub auf den Blumenteppich junger Lust!

Jene, vielleicht unvermeidliche Wallun-
gen besorgter Zärtlichkeit werden in dem
Busen der leidenschaftlichen Egoistin eben so
viel stechende Triebe werden, die den Dor-
nenkranz des Neides, der Mißgunst und
Verläumdung unmittelbar um die Schläfe
der Neueingeführten winden, und diese, gleich-
sam von vorn herein, mit den ärgsten aller
geselligen Sünden vermählen.

Was kann selbst die Bessern anders be-
wahren oder retten, als eine große Gesin-
nung, vornehmer, reiner Adel der Seele, der
die niedern Empfindungen, wie feile Sklaven
mit Füßen tritt und das Auge demüthig
aufwärts zu dem allein Hohen und Höchsten
erhebt!

Das Wissen hiervon läßt sich erler-
nen, das Sein muß sein. Machten es
Worte aus, die Sünde wäre nicht mehr in
der Welt. Ja selbst die Empfindung von
Recht und Unrecht oder Wahrheit und Lüge
hat sich in den feinsten Abschattungen zu

*

was ſie erfaßt und ſchuͤttet grauen Aſchen-
ſtaub auf den Blumenteppich junger Luſt!

Jene, vielleicht unvermeidliche Wallun-
gen beſorgter Zaͤrtlichkeit werden in dem
Buſen der leidenſchaftlichen Egoiſtin eben ſo
viel ſtechende Triebe werden, die den Dor-
nenkranz des Neides, der Mißgunſt und
Verlaͤumdung unmittelbar um die Schlaͤfe
der Neueingefuͤhrten winden, und dieſe, gleich-
ſam von vorn herein, mit den aͤrgſten aller
geſelligen Suͤnden vermaͤhlen.

Was kann ſelbſt die Beſſern anders be-
wahren oder retten, als eine große Geſin-
nung, vornehmer, reiner Adel der Seele, der
die niedern Empfindungen, wie feile Sklaven
mit Fuͤßen tritt und das Auge demuͤthig
aufwaͤrts zu dem allein Hohen und Hoͤchſten
erhebt!

Das Wiſſen hiervon laͤßt ſich erler-
nen, das Sein muß ſein. Machten es
Worte aus, die Suͤnde waͤre nicht mehr in
der Welt. Ja ſelbſt die Empfindung von
Recht und Unrecht oder Wahrheit und Luͤge
hat ſich in den feinſten Abſchattungen zu

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[99/0103] was ſie erfaßt und ſchuͤttet grauen Aſchen- ſtaub auf den Blumenteppich junger Luſt! Jene, vielleicht unvermeidliche Wallun- gen beſorgter Zaͤrtlichkeit werden in dem Buſen der leidenſchaftlichen Egoiſtin eben ſo viel ſtechende Triebe werden, die den Dor- nenkranz des Neides, der Mißgunſt und Verlaͤumdung unmittelbar um die Schlaͤfe der Neueingefuͤhrten winden, und dieſe, gleich- ſam von vorn herein, mit den aͤrgſten aller geſelligen Suͤnden vermaͤhlen. Was kann ſelbſt die Beſſern anders be- wahren oder retten, als eine große Geſin- nung, vornehmer, reiner Adel der Seele, der die niedern Empfindungen, wie feile Sklaven mit Fuͤßen tritt und das Auge demuͤthig aufwaͤrts zu dem allein Hohen und Hoͤchſten erhebt! Das Wiſſen hiervon laͤßt ſich erler- nen, das Sein muß ſein. Machten es Worte aus, die Suͤnde waͤre nicht mehr in der Welt. Ja ſelbſt die Empfindung von Recht und Unrecht oder Wahrheit und Luͤge hat ſich in den feinſten Abſchattungen zu *

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Zitationshilfe: Fouqué, Caroline de La Motte-: Die Frauen in der großen Welt. Berlin, 1826, S. 99. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fouque_frauen_1826/103>, abgerufen am 18.04.2024.