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Fischer, Hermann: Die Werkzeugmaschinen. Bd. 1: Die Metallbearbeitungs-Maschinen. [Textband]. Berlin, 1900.

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Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung.

Die erstere Gruppe ist w. o. (S. 221 und 226) bereits erledigt.

Die der zweiten Gruppe angehörigen Keilnuthenhobelmaschinen
gleichen häufig den gewöhnlichen Stossmaschinen, werden aber zuweilen
anders gebaut.

Die gemeine Stossmaschine erfordert eine grosse Ausladung, wenn
sie befähigt sein soll, Räder erheblichen Durchmessers zu bearbeiten; sie
wird hierdurch schwer und kostspielig.

Man vermeidet diesen Umstand dadurch, dass man das Werkstück
an derselben Seite stützt, an welcher der Antrieb des Stössels sich befindet,
also die bügelartige Verbindung beider Stellen hinweg fällt.

Hierher gehört die Maschine von C. Weitmann,1) welche Fig. 518 in
einem Schnitt darstellt. a bezeichnet die Aufspannplatte, b den Stichel,
welcher an der in der Hülse d steckenden Stange c befestigt ist. Die
Hülse d, das Stichelhaus, ist mit dem Schlitten e durch den Bolzen q so
verbunden, dass ein Keil p sie nebst dem Stichel b um q empor zu drehen,
also den Stichel b nach oben gegen das Werkstück zu drücken vermag.
Hierdurch wird zunächst die Schaltbewegung hervorgebracht. Der Keil p
ist durch eine an ihm ausgebildete Schraube und eine Mutter mit der
Zahnstange m verbunden, diese nimmt bei ihrer hin- und hergehenden Be-
wegung auch den Schlitten e mit, aber die Verbindung lässt einen gewissen

[Abbildung] Fig. 518.
Spielraum, einen todten
Gang, so dass nach
jedem Hubwechsel die
Zahnstange m einen ge-
wissen Weg zurücklegt,
bevor sie den Schlitten e
zwingt an der neuen Be-
wegungsrichtung theil-
zunehmen. Dieser todte
Gang veranlasst eine gegensätzliche Verschiebung zwischen Keil p und
Schlitten e, beziehungsweise Stichelhaus d, so dass, wenn die Zahnstange den
Weg nach links (in Bezug auf die Figur) antritt, zunächst der Keil p etwas
zurückgezogen wird, also der Stichel von seiner bisherigen Bahn sich etwas
entfernt, während nach vollendetem Rückgange der Keil p den Stichel
wieder emporhebt. Die Schaltung wird mittels der Hand durch eine
Mutter hervorgebracht, welche in der Abbildung unter dem Buchstaben e
zu sehen ist, und der Antrieb erfolgt durch ein in der Figur nur an-
gedeutetes Rädervorgelege. Die Schlittenbahn f ist mit der Aufspann-
platte a nicht fest verbunden, sondern um den, an a festen Bolzen g dreh-
bar und mittels der Schrauben h und i einstellbar. Von dieser Einstell-
barkeit wird Gebrauch gemacht, um der Keilnuthensohle Anzug zu geben.

Diese Maschine ist nicht zum Abheben kräftiger Späne geeignet, theils
wegen grosser Länge und geringer Dicke der Stange c, theils wegen der
Nachgiebigkeit, welche die angegebenen Beweglichkeiten mit sich führen.

Die Morton'sche Maschine 2) ist weit kräftiger gebaut. Fig. 519
bis 522 stellen die Ausführungsform für tragbare Maschinen dar. Den

1) D. R.-P. No. 26898; Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen. 1885, S. 413, mit Abb.
2) The Iron Age, 17. Sept. 1891, S. 449, mit Schaubild einer feststehenden, Zeit-
schrift d. Ver. deutscher Ingen. 1893, S. 1608, mit Schaubild einer tragbaren Maschine.
Die Beschreibungen sind mangelhaft.
Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung.

Die erstere Gruppe ist w. o. (S. 221 und 226) bereits erledigt.

Die der zweiten Gruppe angehörigen Keilnuthenhobelmaschinen
gleichen häufig den gewöhnlichen Stossmaschinen, werden aber zuweilen
anders gebaut.

Die gemeine Stossmaschine erfordert eine grosse Ausladung, wenn
sie befähigt sein soll, Räder erheblichen Durchmessers zu bearbeiten; sie
wird hierdurch schwer und kostspielig.

Man vermeidet diesen Umstand dadurch, dass man das Werkstück
an derselben Seite stützt, an welcher der Antrieb des Stössels sich befindet,
also die bügelartige Verbindung beider Stellen hinweg fällt.

Hierher gehört die Maschine von C. Weitmann,1) welche Fig. 518 in
einem Schnitt darstellt. a bezeichnet die Aufspannplatte, b den Stichel,
welcher an der in der Hülse d steckenden Stange c befestigt ist. Die
Hülse d, das Stichelhaus, ist mit dem Schlitten e durch den Bolzen q so
verbunden, dass ein Keil p sie nebst dem Stichel b um q empor zu drehen,
also den Stichel b nach oben gegen das Werkstück zu drücken vermag.
Hierdurch wird zunächst die Schaltbewegung hervorgebracht. Der Keil p
ist durch eine an ihm ausgebildete Schraube und eine Mutter mit der
Zahnstange m verbunden, diese nimmt bei ihrer hin- und hergehenden Be-
wegung auch den Schlitten e mit, aber die Verbindung lässt einen gewissen

[Abbildung] Fig. 518.
Spielraum, einen todten
Gang, so dass nach
jedem Hubwechsel die
Zahnstange m einen ge-
wissen Weg zurücklegt,
bevor sie den Schlitten e
zwingt an der neuen Be-
wegungsrichtung theil-
zunehmen. Dieser todte
Gang veranlasst eine gegensätzliche Verschiebung zwischen Keil p und
Schlitten e, beziehungsweise Stichelhaus d, so dass, wenn die Zahnstange den
Weg nach links (in Bezug auf die Figur) antritt, zunächst der Keil p etwas
zurückgezogen wird, also der Stichel von seiner bisherigen Bahn sich etwas
entfernt, während nach vollendetem Rückgange der Keil p den Stichel
wieder emporhebt. Die Schaltung wird mittels der Hand durch eine
Mutter hervorgebracht, welche in der Abbildung unter dem Buchstaben e
zu sehen ist, und der Antrieb erfolgt durch ein in der Figur nur an-
gedeutetes Rädervorgelege. Die Schlittenbahn f ist mit der Aufspann-
platte a nicht fest verbunden, sondern um den, an a festen Bolzen g dreh-
bar und mittels der Schrauben h und i einstellbar. Von dieser Einstell-
barkeit wird Gebrauch gemacht, um der Keilnuthensohle Anzug zu geben.

Diese Maschine ist nicht zum Abheben kräftiger Späne geeignet, theils
wegen grosser Länge und geringer Dicke der Stange c, theils wegen der
Nachgiebigkeit, welche die angegebenen Beweglichkeiten mit sich führen.

Die Morton’sche Maschine 2) ist weit kräftiger gebaut. Fig. 519
bis 522 stellen die Ausführungsform für tragbare Maschinen dar. Den

1) D. R.-P. No. 26898; Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen. 1885, S. 413, mit Abb.
2) The Iron Age, 17. Sept. 1891, S. 449, mit Schaubild einer feststehenden, Zeit-
schrift d. Ver. deutscher Ingen. 1893, S. 1608, mit Schaubild einer tragbaren Maschine.
Die Beschreibungen sind mangelhaft.
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[266/0280] Werkzeugmaschinen für die Metallbearbeitung. Die erstere Gruppe ist w. o. (S. 221 und 226) bereits erledigt. Die der zweiten Gruppe angehörigen Keilnuthenhobelmaschinen gleichen häufig den gewöhnlichen Stossmaschinen, werden aber zuweilen anders gebaut. Die gemeine Stossmaschine erfordert eine grosse Ausladung, wenn sie befähigt sein soll, Räder erheblichen Durchmessers zu bearbeiten; sie wird hierdurch schwer und kostspielig. Man vermeidet diesen Umstand dadurch, dass man das Werkstück an derselben Seite stützt, an welcher der Antrieb des Stössels sich befindet, also die bügelartige Verbindung beider Stellen hinweg fällt. Hierher gehört die Maschine von C. Weitmann, 1) welche Fig. 518 in einem Schnitt darstellt. a bezeichnet die Aufspannplatte, b den Stichel, welcher an der in der Hülse d steckenden Stange c befestigt ist. Die Hülse d, das Stichelhaus, ist mit dem Schlitten e durch den Bolzen q so verbunden, dass ein Keil p sie nebst dem Stichel b um q empor zu drehen, also den Stichel b nach oben gegen das Werkstück zu drücken vermag. Hierdurch wird zunächst die Schaltbewegung hervorgebracht. Der Keil p ist durch eine an ihm ausgebildete Schraube und eine Mutter mit der Zahnstange m verbunden, diese nimmt bei ihrer hin- und hergehenden Be- wegung auch den Schlitten e mit, aber die Verbindung lässt einen gewissen [Abbildung Fig. 518.] Spielraum, einen todten Gang, so dass nach jedem Hubwechsel die Zahnstange m einen ge- wissen Weg zurücklegt, bevor sie den Schlitten e zwingt an der neuen Be- wegungsrichtung theil- zunehmen. Dieser todte Gang veranlasst eine gegensätzliche Verschiebung zwischen Keil p und Schlitten e, beziehungsweise Stichelhaus d, so dass, wenn die Zahnstange den Weg nach links (in Bezug auf die Figur) antritt, zunächst der Keil p etwas zurückgezogen wird, also der Stichel von seiner bisherigen Bahn sich etwas entfernt, während nach vollendetem Rückgange der Keil p den Stichel wieder emporhebt. Die Schaltung wird mittels der Hand durch eine Mutter hervorgebracht, welche in der Abbildung unter dem Buchstaben e zu sehen ist, und der Antrieb erfolgt durch ein in der Figur nur an- gedeutetes Rädervorgelege. Die Schlittenbahn f ist mit der Aufspann- platte a nicht fest verbunden, sondern um den, an a festen Bolzen g dreh- bar und mittels der Schrauben h und i einstellbar. Von dieser Einstell- barkeit wird Gebrauch gemacht, um der Keilnuthensohle Anzug zu geben. Diese Maschine ist nicht zum Abheben kräftiger Späne geeignet, theils wegen grosser Länge und geringer Dicke der Stange c, theils wegen der Nachgiebigkeit, welche die angegebenen Beweglichkeiten mit sich führen. Die Morton’sche Maschine 2) ist weit kräftiger gebaut. Fig. 519 bis 522 stellen die Ausführungsform für tragbare Maschinen dar. Den 1) D. R.-P. No. 26898; Zeitschr. d. Ver. deutscher Ingen. 1885, S. 413, mit Abb. 2) The Iron Age, 17. Sept. 1891, S. 449, mit Schaubild einer feststehenden, Zeit- schrift d. Ver. deutscher Ingen. 1893, S. 1608, mit Schaubild einer tragbaren Maschine. Die Beschreibungen sind mangelhaft.

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Zitationshilfe: Fischer, Hermann: Die Werkzeugmaschinen. Bd. 1: Die Metallbearbeitungs-Maschinen. [Textband]. Berlin, 1900, S. 266. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/fischer_werkzeugmaschinen01_1900/280>, abgerufen am 10.12.2022.