Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Finen, Eberhard: Der Seine Seele stillende David/ Und die Rechte Stelle einer stillen Zufriedenheit. Braunschweig, 1720.

Bild:
<< vorherige Seite

Vorsatz / sich der Welt gäntzlich zu entziehen / und erwählete ihrem Aufenthalt und Umgang dieses Orts bey dero hochwohlgebohrnen / itzund bey diesem Trauer-Fall höchstbetrübten Fräulein Schwester / zu nehmen; welche denn auch / nachdem solcher Vorsatz im Jahr 1711. bewerckstelliget / an sich nichts erwinden lassen / mit aller möglichster Handreichung und treu-gemeynten Willfertigkeit derselben dergestalt beyräthig zu seyn / daß die Wohlseelige auch in ihrem Todt-Bette solches / und insonderheit dero fleißiges Vorlesen gottseeliger Bücher / mit beweglichster Danckbarkeit erkannt und gerühmet. In solchem von der Welt gantz abgezogenen Zustande hat sie dieses ihre grösseste Freude seyn lassen / daß sie sich zu GOTT hielte / und mit Beten und Dancken vor dessen heiligem Angesichte täglich erschiene / auch den öffentlichen Gottesdienst so wol in dieser Stiffts- als Brüdern-Kirche / wenn anders ihre schwache Leibes-constitution sie nicht daran hinderte / beywohnete. Ihre Zeit hat sie gröstentheils mit gottseeligen Gedancken zugebracht / und was davon übrig / dem liebrichen Nachsinnen gewidmet / wie sie ihren Nächsten dienen und helffen könte. Insonderheit hat die wohlseelige Frau General-Majorin die allerzarteste und reineste Mutter-Liebe für dero hochwohlgeb. Frau Schwester / der Frau Oberhauptmannin von Cornberg jüngsten Sohn / Mr. Carl von Cornberg geheget; Denn seitdem derselbe zu Wolffenbüttel in ihrer Behausung an die Welt gebohren / ist er von ihr / als wäre es ihr eigenes Kind / reichlich und sorgfältig verpfleget / von zarter Kindheit an zur Gottesfurcht und Frömmigkeit ermahnet und angeführet / nachgehends der information treuer praeceptorum und Aufseher untergeben / und bis daher an dessen verhoffentlich glücklicher Erziehung an nöthigen Kosten und anhaltenden Seufftzen zu GOtt üm dessen heilige Regierung und Bewahrung für so geistlichen als leiblichen Ubel / nichts erspahret worden. Welches Gebeth denn GOtt erhören / und die nunmehr derer Fräulein Schwester so hertzlich anbefohlne und übernommene Vorsorge zu zeitlichen und ewigen Heyl geseegnen wolle. Die Armuth / insonderheit dürfftige Witt-

Vorsatz / sich der Welt gäntzlich zu entziehen / und erwählete ihrem Aufenthalt und Umgang dieses Orts bey dero hochwohlgebohrnen / itzund bey diesem Trauer-Fall höchstbetrübten Fräulein Schwester / zu nehmen; welche denn auch / nachdem solcher Vorsatz im Jahr 1711. bewerckstelliget / an sich nichts erwinden lassen / mit aller möglichster Handreichung und treu-gemeynten Willfertigkeit derselben dergestalt beyräthig zu seyn / daß die Wohlseelige auch in ihrem Todt-Bette solches / und insonderheit dero fleißiges Vorlesen gottseeliger Bücher / mit beweglichster Danckbarkeit erkannt und gerühmet. In solchem von der Welt gantz abgezogenen Zustande hat sie dieses ihre grösseste Freude seyn lassen / daß sie sich zu GOTT hielte / und mit Beten und Dancken vor dessen heiligem Angesichte täglich erschiene / auch den öffentlichen Gottesdienst so wol in dieser Stiffts- als Brüdern-Kirche / wenn anders ihre schwache Leibes-constitution sie nicht daran hinderte / beywohnete. Ihre Zeit hat sie gröstentheils mit gottseeligen Gedancken zugebracht / und was davon übrig / dem liebrichen Nachsinnen gewidmet / wie sie ihren Nächsten dienen und helffen könte. Insonderheit hat die wohlseelige Frau General-Majorin die allerzarteste und reineste Mutter-Liebe für dero hochwohlgeb. Frau Schwester / der Frau Oberhauptmannin von Cornberg jüngsten Sohn / Mr. Carl von Cornberg geheget; Denn seitdem derselbe zu Wolffenbüttel in ihrer Behausung an die Welt gebohren / ist er von ihr / als wäre es ihr eigenes Kind / reichlich und sorgfältig verpfleget / von zarter Kindheit an zur Gottesfurcht und Frömmigkeit ermahnet und angeführet / nachgehends der information treuer praeceptorum und Aufseher untergeben / und bis daher an dessen verhoffentlich glücklicher Erziehung an nöthigen Kosten und anhaltenden Seufftzen zu GOtt üm dessen heilige Regierung und Bewahrung für so geistlichen als leiblichen Ubel / nichts erspahret worden. Welches Gebeth denn GOtt erhören / und die nunmehr derer Fräulein Schwester so hertzlich anbefohlne und übernommene Vorsorge zu zeitlichen und ewigen Heyl geseegnen wolle. Die Armuth / insonderheit dürfftige Witt-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <p><pb facs="#f0041" n="35"/>
Vorsatz / sich der Welt gäntzlich zu
                     entziehen / und erwählete ihrem Aufenthalt und Umgang dieses Orts bey dero
                     hochwohlgebohrnen / itzund bey diesem Trauer-Fall höchstbetrübten Fräulein
                     Schwester / zu nehmen; welche denn auch / nachdem solcher Vorsatz im Jahr 1711.
                     bewerckstelliget / an sich nichts erwinden lassen / mit aller möglichster
                     Handreichung und treu-gemeynten Willfertigkeit derselben dergestalt beyräthig zu
                     seyn / daß die Wohlseelige auch in ihrem Todt-Bette solches / und insonderheit
                     dero fleißiges Vorlesen gottseeliger Bücher / mit beweglichster Danckbarkeit
                     erkannt und gerühmet. In solchem von der Welt gantz abgezogenen Zustande hat sie
                     dieses ihre grösseste Freude seyn lassen / daß sie sich zu GOTT hielte / und mit
                     Beten und Dancken vor dessen heiligem Angesichte täglich erschiene / auch den
                     öffentlichen Gottesdienst so wol in dieser Stiffts- als Brüdern-Kirche / wenn
                     anders ihre schwache Leibes-constitution sie nicht daran hinderte / beywohnete.
                     Ihre Zeit hat sie gröstentheils mit gottseeligen Gedancken zugebracht / und was
                     davon übrig / dem liebrichen Nachsinnen gewidmet / wie sie ihren Nächsten dienen
                     und helffen könte. Insonderheit hat die wohlseelige Frau General-Majorin die
                     allerzarteste und reineste Mutter-Liebe für dero hochwohlgeb. Frau Schwester /
                     der Frau Oberhauptmannin von Cornberg jüngsten Sohn / Mr. Carl von Cornberg
                     geheget; Denn seitdem derselbe zu Wolffenbüttel in ihrer Behausung an die Welt
                     gebohren / ist er von ihr / als wäre es ihr eigenes Kind / reichlich und
                     sorgfältig verpfleget / von zarter Kindheit an zur Gottesfurcht und Frömmigkeit
                     ermahnet und angeführet / nachgehends der information treuer praeceptorum und
                     Aufseher untergeben / und bis daher an dessen verhoffentlich glücklicher
                     Erziehung an nöthigen Kosten und anhaltenden Seufftzen zu GOtt üm dessen heilige
                     Regierung und Bewahrung für so geistlichen als leiblichen Ubel / nichts
                     erspahret worden. Welches Gebeth denn GOtt erhören / und die nunmehr derer
                     Fräulein Schwester so hertzlich anbefohlne und übernommene Vorsorge zu
                     zeitlichen und ewigen Heyl geseegnen wolle. Die Armuth / insonderheit dürfftige
                             Witt-
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[35/0041] Vorsatz / sich der Welt gäntzlich zu entziehen / und erwählete ihrem Aufenthalt und Umgang dieses Orts bey dero hochwohlgebohrnen / itzund bey diesem Trauer-Fall höchstbetrübten Fräulein Schwester / zu nehmen; welche denn auch / nachdem solcher Vorsatz im Jahr 1711. bewerckstelliget / an sich nichts erwinden lassen / mit aller möglichster Handreichung und treu-gemeynten Willfertigkeit derselben dergestalt beyräthig zu seyn / daß die Wohlseelige auch in ihrem Todt-Bette solches / und insonderheit dero fleißiges Vorlesen gottseeliger Bücher / mit beweglichster Danckbarkeit erkannt und gerühmet. In solchem von der Welt gantz abgezogenen Zustande hat sie dieses ihre grösseste Freude seyn lassen / daß sie sich zu GOTT hielte / und mit Beten und Dancken vor dessen heiligem Angesichte täglich erschiene / auch den öffentlichen Gottesdienst so wol in dieser Stiffts- als Brüdern-Kirche / wenn anders ihre schwache Leibes-constitution sie nicht daran hinderte / beywohnete. Ihre Zeit hat sie gröstentheils mit gottseeligen Gedancken zugebracht / und was davon übrig / dem liebrichen Nachsinnen gewidmet / wie sie ihren Nächsten dienen und helffen könte. Insonderheit hat die wohlseelige Frau General-Majorin die allerzarteste und reineste Mutter-Liebe für dero hochwohlgeb. Frau Schwester / der Frau Oberhauptmannin von Cornberg jüngsten Sohn / Mr. Carl von Cornberg geheget; Denn seitdem derselbe zu Wolffenbüttel in ihrer Behausung an die Welt gebohren / ist er von ihr / als wäre es ihr eigenes Kind / reichlich und sorgfältig verpfleget / von zarter Kindheit an zur Gottesfurcht und Frömmigkeit ermahnet und angeführet / nachgehends der information treuer praeceptorum und Aufseher untergeben / und bis daher an dessen verhoffentlich glücklicher Erziehung an nöthigen Kosten und anhaltenden Seufftzen zu GOtt üm dessen heilige Regierung und Bewahrung für so geistlichen als leiblichen Ubel / nichts erspahret worden. Welches Gebeth denn GOtt erhören / und die nunmehr derer Fräulein Schwester so hertzlich anbefohlne und übernommene Vorsorge zu zeitlichen und ewigen Heyl geseegnen wolle. Die Armuth / insonderheit dürfftige Witt-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Obrigkeitskritik und Fürstenberatung: Die Oberhofprediger in Braunschweig-Wolfenbüttel 1568-1714: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in XML/TEI. (2013-02-15T13:54:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme entsprechen muss.
Wolfenbütteler Digitale Bibliothek: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2013-02-15T13:54:31Z)
Marcus Baumgarten, Frederike Neuber, Frank Wiegand: Konvertierung nach XML gemäß DTA-Basisformat, Tagging der Titelblätter, Korrekturen der Transkription. (2013-02-15T13:54:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Ligaturen werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Zeilengrenzen hinweg werden aufgelöst.
  • Silbentrennungen über Seitengrenzen hinweg werden beibehalten.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.
  • Griechische Schrift wird nicht transkribiert, sondern im XML mit <foreign xml:lang="el"><gap reason="fm"/></foreign> vermerkt.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/finen_david_1720
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/finen_david_1720/41
Zitationshilfe: Finen, Eberhard: Der Seine Seele stillende David/ Und die Rechte Stelle einer stillen Zufriedenheit. Braunschweig, 1720, S. 35. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/finen_david_1720/41>, abgerufen am 09.05.2021.