Kapitel als besondere Gruppe aufgeführt. Die folgende letzte Gruppe dagegen zeigt die Eigentümlichkeiten antarktischer Inseln fern von Kontinenten und kontinentalen Inseln.
4. Gruppe. Kerguelensland. Unter 49° S. gelegen, besitzt diese grössere Insel doch nur 21 Arten von Blütenpflanzen in 18 Gattungen; 1 Gattung und 3 Arten sind endemisch. Es ist aber richtiger, die Gruppe von Kerguelen, Marion, Crozet- und der Heard-Insel (Mac- donald-I.) in eine Einheit zusammenzufassen, welche als- dann ohne Vermehrung der eben für Kerguelensland angegebenen Totalzahlen (21 Arten) 2 Gattungen und 6 Arten endemisch besitzt, von denen die berühmteste der Kerguelenkohl, die Crucifere Pringlea antiscorbutica mit langen Blütentrauben darstellt. Diese Art findet sich auch auf der Heardinsel, obgleich es dort viel kälter ist und im Winter vier Monate lang Schnee liegt. Die Marion- insel hat 9 Blütenpflanzen, als gemeinste die dicke Polster bildende Azorella Selago und Acaena adscendens, Pringlea antiscorbutica seltener als auf Kerguelen; schon unterhalb 500 m verschwindet nach Moseleys Darstellung hier die Phanerogamenvegetation (G. J., VII, 229).
Die Flora und Vegetation von Kerguelensland ist in jüngerer Zeit durch die Gazellen- und die englische Venusexpedition gut bekannt geworden (vergl. G. J., VII, 228 und VIII, 264). Die schroff mit unzähligen Fjorden aus dem Meere bis gegen 1000 m Höhe ansteigenden Basaltmassen zeigen meist nacktes Gestein; nur in den geschützteren Thälern an den vom Westwinde abgewende- ten Gehängen bildet wiederum Azorella Selago zusammen mit Pringlea und Ranunculus crassipes, R. Moseleyi, trullifolius, torf- moosartige Rasen. Ende Oktober beginnt die Blütezeit der meisten Pflanzen, wo aber die Schneelinie noch bis 300--500 m hoch sich erstreckt; im Januar rückt die Schneegrenze bis 600 m, schliess- lich bis 900 m in die Höhe, so dass nur noch die höchsten Kämme und Zacken schneebedeckt bleiben; daher hat sich auch Pringlea über 700 m hoch am Mt. Crozier wachsend gefunden, höher als jede andere Blütenpflanze. -- Der Kerguelenkohl steht im System ziemlich vereinzelt und deutet keine näheren Beziehungen an; die andere endemische Gattung aber, die Alsinee Lyallia (kerguelensis), ist mit einer die Anden bewohnenden verwandt, auch sind die übrigen endemischen Arten mit südamerikanischen systematisch verwandt und eine Reihe anderer mit Feuerlandsarten identisch, so dass auch hier der Begriff der weite Meeresräume umfassenden antarktischen Flora klar hervortritt.
Drude, Pflanzengeographie. 35
Amsterdam-I., St. Paul. Kerguelengruppe.
Kapitel als besondere Gruppe aufgeführt. Die folgende letzte Gruppe dagegen zeigt die Eigentümlichkeiten antarktischer Inseln fern von Kontinenten und kontinentalen Inseln.
4. Gruppe. Kerguelensland. Unter 49° S. gelegen, besitzt diese grössere Insel doch nur 21 Arten von Blütenpflanzen in 18 Gattungen; 1 Gattung und 3 Arten sind endemisch. Es ist aber richtiger, die Gruppe von Kerguelen, Marion, Crozet- und der Heard-Insel (Mac- donald-I.) in eine Einheit zusammenzufassen, welche als- dann ohne Vermehrung der eben für Kerguelensland angegebenen Totalzahlen (21 Arten) 2 Gattungen und 6 Arten endemisch besitzt, von denen die berühmteste der Kerguelenkohl, die Crucifere Pringlea antiscorbutica mit langen Blütentrauben darstellt. Diese Art findet sich auch auf der Heardinsel, obgleich es dort viel kälter ist und im Winter vier Monate lang Schnee liegt. Die Marion- insel hat 9 Blütenpflanzen, als gemeinste die dicke Polster bildende Azorella Selago und Acaena adscendens, Pringlea antiscorbutica seltener als auf Kerguelen; schon unterhalb 500 m verschwindet nach Moseleys Darstellung hier die Phanerogamenvegetation (G. J., VII, 229).
Die Flora und Vegetation von Kerguelensland ist in jüngerer Zeit durch die Gazellen- und die englische Venusexpedition gut bekannt geworden (vergl. G. J., VII, 228 und VIII, 264). Die schroff mit unzähligen Fjorden aus dem Meere bis gegen 1000 m Höhe ansteigenden Basaltmassen zeigen meist nacktes Gestein; nur in den geschützteren Thälern an den vom Westwinde abgewende- ten Gehängen bildet wiederum Azorella Selago zusammen mit Pringlea und Ranunculus crassipes, R. Moseleyi, trullifolius, torf- moosartige Rasen. Ende Oktober beginnt die Blütezeit der meisten Pflanzen, wo aber die Schneelinie noch bis 300—500 m hoch sich erstreckt; im Januar rückt die Schneegrenze bis 600 m, schliess- lich bis 900 m in die Höhe, so dass nur noch die höchsten Kämme und Zacken schneebedeckt bleiben; daher hat sich auch Pringlea über 700 m hoch am Mt. Crozier wachsend gefunden, höher als jede andere Blütenpflanze. — Der Kerguelenkohl steht im System ziemlich vereinzelt und deutet keine näheren Beziehungen an; die andere endemische Gattung aber, die Alsinee Lyallia (kerguelensis), ist mit einer die Anden bewohnenden verwandt, auch sind die übrigen endemischen Arten mit südamerikanischen systematisch verwandt und eine Reihe anderer mit Feuerlandsarten identisch, so dass auch hier der Begriff der weite Meeresräume umfassenden antarktischen Flora klar hervortritt.
Drude, Pflanzengeographie. 35
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Amsterdam-I., St. Paul. Kerguelengruppe.
Kapitel als besondere Gruppe aufgeführt. Die folgende letzte
Gruppe dagegen zeigt die Eigentümlichkeiten antarktischer Inseln
fern von Kontinenten und kontinentalen Inseln.
4. Gruppe. Kerguelensland. Unter 49° S.
gelegen, besitzt diese grössere Insel doch nur 21 Arten
von Blütenpflanzen in 18 Gattungen; 1 Gattung und
3 Arten sind endemisch. Es ist aber richtiger, die Gruppe
von Kerguelen, Marion, Crozet- und der Heard-Insel (Mac-
donald-I.) in eine Einheit zusammenzufassen, welche als-
dann ohne Vermehrung der eben für Kerguelensland
angegebenen Totalzahlen (21 Arten) 2 Gattungen und
6 Arten endemisch besitzt, von denen die berühmteste
der Kerguelenkohl, die Crucifere Pringlea antiscorbutica
mit langen Blütentrauben darstellt. Diese Art findet sich
auch auf der Heardinsel, obgleich es dort viel kälter ist
und im Winter vier Monate lang Schnee liegt. Die Marion-
insel hat 9 Blütenpflanzen, als gemeinste die dicke Polster
bildende Azorella Selago und Acaena adscendens, Pringlea
antiscorbutica seltener als auf Kerguelen; schon unterhalb
500 m verschwindet nach Moseleys Darstellung hier die
Phanerogamenvegetation (G. J., VII, 229).
Die Flora und Vegetation von Kerguelensland ist in jüngerer
Zeit durch die Gazellen- und die englische Venusexpedition gut
bekannt geworden (vergl. G. J., VII, 228 und VIII, 264). Die
schroff mit unzähligen Fjorden aus dem Meere bis gegen 1000 m
Höhe ansteigenden Basaltmassen zeigen meist nacktes Gestein; nur
in den geschützteren Thälern an den vom Westwinde abgewende-
ten Gehängen bildet wiederum Azorella Selago zusammen mit
Pringlea und Ranunculus crassipes, R. Moseleyi, trullifolius, torf-
moosartige Rasen. Ende Oktober beginnt die Blütezeit der meisten
Pflanzen, wo aber die Schneelinie noch bis 300—500 m hoch sich
erstreckt; im Januar rückt die Schneegrenze bis 600 m, schliess-
lich bis 900 m in die Höhe, so dass nur noch die höchsten Kämme
und Zacken schneebedeckt bleiben; daher hat sich auch Pringlea
über 700 m hoch am Mt. Crozier wachsend gefunden, höher als
jede andere Blütenpflanze. — Der Kerguelenkohl steht im System
ziemlich vereinzelt und deutet keine näheren Beziehungen an; die
andere endemische Gattung aber, die Alsinee Lyallia (kerguelensis),
ist mit einer die Anden bewohnenden verwandt, auch sind die
übrigen endemischen Arten mit südamerikanischen systematisch
verwandt und eine Reihe anderer mit Feuerlandsarten identisch,
so dass auch hier der Begriff der weite Meeresräume umfassenden
antarktischen Flora klar hervortritt.
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Drude, Oscar: Handbuch der Pflanzengeographie. Stuttgart, 1890, S. 545. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/drude_pflanzengeographie_1890/577>, abgerufen am 24.11.2024.
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