Chamberlain, Houston Stewart: Die Grundlagen des Neunzehnten Jahrhunderts. Bd. 1. München 1899.Die Erben. dass es ein neues Element zur Rassenfrage beibrächte. Nur ganzbestimmte, beschränkte Blutmischungen sind für die Ver- edelung einer Rasse, resp. für die Entstehung einer neuen, förderlich. Auch hier wieder liefert uns die Tierzüchtung die klarsten, unzwei- deutigsten Beispiele. Die Blutmischung muss zeitlich streng beschränkt, ausserdem muss sie eine zweckmässige sein; nicht alle beliebigen Ver- mischungen, sondern nur bestimmte können die Grundlage zur Ver- edelung abgeben. Mit zeitlicher Beschränkung will ich sagen, dass die Zufuhr neuen Blutes möglichst schnell vor sich gehen und dann aufhören muss; fortdauernde Blutmischung richtet die stärkste Rasse zu Grunde. Um ein extremes Beispiel zu nehmen, die berühmteste Windhundmeute Englands wurde ein einziges Mal mit Bulldoggen gekreuzt, wodurch sie an Mut und Ausdauer gewann; dagegen lehren weitere Experimente, dass bei Fortsetzung einer derartigen Kreuzung die Charaktere beider Rassen verschwinden und gänzlich charakterlose Bastarde übrig bleiben.1) Crossing obliterates characters. Die bestimmt zweckmässige Beschränkung bezieht sich darauf, dass nur gewisse Kreuzungen, nicht alle, veredeln. Es giebt Mischungen, die, weit entfernt veredelnd zu wirken, beide Rassen verderben, und es kommt ausserdem recht häufig vor, dass die bestimmten, wertvollen Charaktere zweier verschiedener Typen sich gar nicht miteinander zu verschmelzen vermögen; in letzterem Falle richtet sich ein Teil der Nachkommen- schaft nach dem einen Elternteil, der andere nach dem andern, aber natürlich mit verwischten Zügen, oder aber es kommen die eigent- lichen echten Bastarde zum Vorschein, Wesen, deren Körper den Eindruck macht, als sei er aus unzusammengehörenden Teilen zu- sammengeschraubt, und deren geistige Beschaffenheit der körperlichen entspricht.2) Wobei noch ausserdem zu bemerken ist, dass die Ver- bindung von Bastard mit Bastard den vollkommenen Niedergang aller und jeder hervorragenden Rasseneigenschaft mit rasender Schnelligkeit vollbringt. Man darf also durchaus nicht glauben, dass Blutvermischung zwischen verschiedenen Stämmen die Rasse unter allen Umständen veredelt, und als Bereicherung ihrer Anlagen durch fremde Anlagen wirkt. Das ist nur unter seltenen, bestimmten Bedingungen und strengen Einschränkungen der Fall; als Regel führt Blutvermischung zur Entartung. Es zeigt sich namentlich das Eine recht deutlich: dass 1) Darwin: Animals and Plants, Kap. 15. 2) Auch hierfür findet man bei Darwin zahlreiche Beispiele. Was speziell
die Hunde betrifft, so sind Beispiele Jedem gegenwärtig. Die Erben. dass es ein neues Element zur Rassenfrage beibrächte. Nur ganzbestimmte, beschränkte Blutmischungen sind für die Ver- edelung einer Rasse, resp. für die Entstehung einer neuen, förderlich. Auch hier wieder liefert uns die Tierzüchtung die klarsten, unzwei- deutigsten Beispiele. Die Blutmischung muss zeitlich streng beschränkt, ausserdem muss sie eine zweckmässige sein; nicht alle beliebigen Ver- mischungen, sondern nur bestimmte können die Grundlage zur Ver- edelung abgeben. Mit zeitlicher Beschränkung will ich sagen, dass die Zufuhr neuen Blutes möglichst schnell vor sich gehen und dann aufhören muss; fortdauernde Blutmischung richtet die stärkste Rasse zu Grunde. Um ein extremes Beispiel zu nehmen, die berühmteste Windhundmeute Englands wurde ein einziges Mal mit Bulldoggen gekreuzt, wodurch sie an Mut und Ausdauer gewann; dagegen lehren weitere Experimente, dass bei Fortsetzung einer derartigen Kreuzung die Charaktere beider Rassen verschwinden und gänzlich charakterlose Bastarde übrig bleiben.1) Crossing obliterates characters. Die bestimmt zweckmässige Beschränkung bezieht sich darauf, dass nur gewisse Kreuzungen, nicht alle, veredeln. Es giebt Mischungen, die, weit entfernt veredelnd zu wirken, beide Rassen verderben, und es kommt ausserdem recht häufig vor, dass die bestimmten, wertvollen Charaktere zweier verschiedener Typen sich gar nicht miteinander zu verschmelzen vermögen; in letzterem Falle richtet sich ein Teil der Nachkommen- schaft nach dem einen Elternteil, der andere nach dem andern, aber natürlich mit verwischten Zügen, oder aber es kommen die eigent- lichen echten Bastarde zum Vorschein, Wesen, deren Körper den Eindruck macht, als sei er aus unzusammengehörenden Teilen zu- sammengeschraubt, und deren geistige Beschaffenheit der körperlichen entspricht.2) Wobei noch ausserdem zu bemerken ist, dass die Ver- bindung von Bastard mit Bastard den vollkommenen Niedergang aller und jeder hervorragenden Rasseneigenschaft mit rasender Schnelligkeit vollbringt. Man darf also durchaus nicht glauben, dass Blutvermischung zwischen verschiedenen Stämmen die Rasse unter allen Umständen veredelt, und als Bereicherung ihrer Anlagen durch fremde Anlagen wirkt. Das ist nur unter seltenen, bestimmten Bedingungen und strengen Einschränkungen der Fall; als Regel führt Blutvermischung zur Entartung. Es zeigt sich namentlich das Eine recht deutlich: dass 1) Darwin: Animals and Plants, Kap. 15. 2) Auch hierfür findet man bei Darwin zahlreiche Beispiele. Was speziell
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Die Erben.
dass es ein neues Element zur Rassenfrage beibrächte. Nur ganz
bestimmte, beschränkte Blutmischungen sind für die Ver-
edelung einer Rasse, resp. für die Entstehung einer neuen, förderlich.
Auch hier wieder liefert uns die Tierzüchtung die klarsten, unzwei-
deutigsten Beispiele. Die Blutmischung muss zeitlich streng beschränkt,
ausserdem muss sie eine zweckmässige sein; nicht alle beliebigen Ver-
mischungen, sondern nur bestimmte können die Grundlage zur Ver-
edelung abgeben. Mit zeitlicher Beschränkung will ich sagen, dass
die Zufuhr neuen Blutes möglichst schnell vor sich gehen und dann
aufhören muss; fortdauernde Blutmischung richtet die stärkste Rasse
zu Grunde. Um ein extremes Beispiel zu nehmen, die berühmteste
Windhundmeute Englands wurde ein einziges Mal mit Bulldoggen
gekreuzt, wodurch sie an Mut und Ausdauer gewann; dagegen lehren
weitere Experimente, dass bei Fortsetzung einer derartigen Kreuzung
die Charaktere beider Rassen verschwinden und gänzlich charakterlose
Bastarde übrig bleiben. 1) Crossing obliterates characters. Die bestimmt
zweckmässige Beschränkung bezieht sich darauf, dass nur gewisse
Kreuzungen, nicht alle, veredeln. Es giebt Mischungen, die, weit
entfernt veredelnd zu wirken, beide Rassen verderben, und es kommt
ausserdem recht häufig vor, dass die bestimmten, wertvollen Charaktere
zweier verschiedener Typen sich gar nicht miteinander zu verschmelzen
vermögen; in letzterem Falle richtet sich ein Teil der Nachkommen-
schaft nach dem einen Elternteil, der andere nach dem andern, aber
natürlich mit verwischten Zügen, oder aber es kommen die eigent-
lichen echten Bastarde zum Vorschein, Wesen, deren Körper den
Eindruck macht, als sei er aus unzusammengehörenden Teilen zu-
sammengeschraubt, und deren geistige Beschaffenheit der körperlichen
entspricht. 2) Wobei noch ausserdem zu bemerken ist, dass die Ver-
bindung von Bastard mit Bastard den vollkommenen Niedergang aller
und jeder hervorragenden Rasseneigenschaft mit rasender Schnelligkeit
vollbringt. Man darf also durchaus nicht glauben, dass Blutvermischung
zwischen verschiedenen Stämmen die Rasse unter allen Umständen
veredelt, und als Bereicherung ihrer Anlagen durch fremde Anlagen
wirkt. Das ist nur unter seltenen, bestimmten Bedingungen und
strengen Einschränkungen der Fall; als Regel führt Blutvermischung
zur Entartung. Es zeigt sich namentlich das Eine recht deutlich: dass
1) Darwin: Animals and Plants, Kap. 15.
2) Auch hierfür findet man bei Darwin zahlreiche Beispiele. Was speziell
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