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Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780.

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nichts versäumen, was zu unserer Sicherheit
und zu unserm Glükke etwas beitragen kan.
Denn dazu hat eben der liebe Gott uns un-
sern Verstand und alle andere Kräfte unserer
Sele und unsers Leibes gegeben, daß wir
zur Beförderung unserer Glükseeligkeit sie an-
wenden sollen.

Das erste, was er vornahm, war dieses,
daß er in einer kleinen Entfernung von der
Baumwand, die seine Wohnung einschloß,
einen dichten Wald anlegte, welcher verhin-
dern solte, daß seine Burg von fern nicht kön-
te gesehen werden. In dieser Absicht pflanzte
er nach und nach wohl 2000 Zweige von dem
weidenartigen Baume ein, dessen leichtes Fort-
kommen und schnellen Wachsthum er nun schon
erfahren hatte. Er pflanzte sie aber nicht in
Reihen, sondern mit Fleiß unordentlich durch
einander hin, damit das Ganze ein natürli-
ches, nicht durch Menschenhände angelegtes
Gebüsch zu sein schien.

Nächstdem beschloß er, aus dem innersten
seiner Höhle einen unterirdischen Gang bis an

das

nichts verſaͤumen, was zu unſerer Sicherheit
und zu unſerm Gluͤkke etwas beitragen kan.
Denn dazu hat eben der liebe Gott uns un-
ſern Verſtand und alle andere Kraͤfte unſerer
Sele und unſers Leibes gegeben, daß wir
zur Befoͤrderung unſerer Gluͤkſeeligkeit ſie an-
wenden ſollen.

Das erſte, was er vornahm, war dieſes,
daß er in einer kleinen Entfernung von der
Baumwand, die ſeine Wohnung einſchloß,
einen dichten Wald anlegte, welcher verhin-
dern ſolte, daß ſeine Burg von fern nicht koͤn-
te geſehen werden. In dieſer Abſicht pflanzte
er nach und nach wohl 2000 Zweige von dem
weidenartigen Baume ein, deſſen leichtes Fort-
kommen und ſchnellen Wachsthum er nun ſchon
erfahren hatte. Er pflanzte ſie aber nicht in
Reihen, ſondern mit Fleiß unordentlich durch
einander hin, damit das Ganze ein natuͤrli-
ches, nicht durch Menſchenhaͤnde angelegtes
Gebuͤſch zu ſein ſchien.

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ſeiner Hoͤhle einen unterirdiſchen Gang bis an

das
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[64/0070] nichts verſaͤumen, was zu unſerer Sicherheit und zu unſerm Gluͤkke etwas beitragen kan. Denn dazu hat eben der liebe Gott uns un- ſern Verſtand und alle andere Kraͤfte unſerer Sele und unſers Leibes gegeben, daß wir zur Befoͤrderung unſerer Gluͤkſeeligkeit ſie an- wenden ſollen. Das erſte, was er vornahm, war dieſes, daß er in einer kleinen Entfernung von der Baumwand, die ſeine Wohnung einſchloß, einen dichten Wald anlegte, welcher verhin- dern ſolte, daß ſeine Burg von fern nicht koͤn- te geſehen werden. In dieſer Abſicht pflanzte er nach und nach wohl 2000 Zweige von dem weidenartigen Baume ein, deſſen leichtes Fort- kommen und ſchnellen Wachsthum er nun ſchon erfahren hatte. Er pflanzte ſie aber nicht in Reihen, ſondern mit Fleiß unordentlich durch einander hin, damit das Ganze ein natuͤrli- ches, nicht durch Menſchenhaͤnde angelegtes Gebuͤſch zu ſein ſchien. Naͤchſtdem beſchloß er, aus dem innerſten ſeiner Hoͤhle einen unterirdiſchen Gang bis an das

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Zitationshilfe: Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780, S. 64. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780/70>, abgerufen am 23.04.2024.