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Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780.

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den: gewiß! du würdest eben so, wie sie, nakt,
wild und unvernünftig in Wäldern herumlau-
fen, würdest dein Gesicht und deinen Leib mit
Röthel beschmieren, man würde dir Ohren und
Nase durchlöchert haben, du würdest dich nicht
wenig darauf einbilden, Vogelfedern, Mu-
schelschalen und andere Dinge darin zu tragen,
und an den unmenschlichen Mahlzeiten deiner
wilden Eltern und Landsleute würdest du ei-
nen eben so frohen Antheil nehmen, als du
jezt an unsern bessern Speisen nimst. Freuet
euch also, lieben Kinder, und danket Gott dafür,
daß er euch von gesitteten, vernünftigen und
menschlichgesinten Eltern hat lassen gebohren wer-
den, die es euch so leicht machen, auch gesittete,
vernünftige und menschlichgesinte Menschen zu
werden, und bedauert das Schiksal unsrer armen
Brüder, die noch jezt in dem unglükseeligen Zu-
stande einer thierischen Wildheit leben!

Frizchen. Wo sind denn wohl jezt noch
solche Menschen?

Johannes. Weit, weit von hier,
Frizchen, auf einer Insel die man Neu: See-

land

den: gewiß! du wuͤrdeſt eben ſo, wie ſie, nakt,
wild und unvernuͤnftig in Waͤldern herumlau-
fen, wuͤrdeſt dein Geſicht und deinen Leib mit
Roͤthel beſchmieren, man wuͤrde dir Ohren und
Naſe durchloͤchert haben, du wuͤrdeſt dich nicht
wenig darauf einbilden, Vogelfedern, Mu-
ſchelſchalen und andere Dinge darin zu tragen,
und an den unmenſchlichen Mahlzeiten deiner
wilden Eltern und Landsleute wuͤrdeſt du ei-
nen eben ſo frohen Antheil nehmen, als du
jezt an unſern beſſern Speiſen nimſt. Freuet
euch alſo, lieben Kinder, und danket Gott dafuͤr,
daß er euch von geſitteten, vernuͤnftigen und
menſchlichgeſinten Eltern hat laſſen gebohren wer-
den, die es euch ſo leicht machen, auch geſittete,
vernuͤnftige und menſchlichgeſinte Menſchen zu
werden, und bedauert das Schikſal unſrer armen
Bruͤder, die noch jezt in dem ungluͤkſeeligen Zu-
ſtande einer thieriſchen Wildheit leben!

Frizchen. Wo ſind denn wohl jezt noch
ſolche Menſchen?

Johannes. Weit, weit von hier,
Frizchen, auf einer Inſel die man Neu: See-

land
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[52/0058] den: gewiß! du wuͤrdeſt eben ſo, wie ſie, nakt, wild und unvernuͤnftig in Waͤldern herumlau- fen, wuͤrdeſt dein Geſicht und deinen Leib mit Roͤthel beſchmieren, man wuͤrde dir Ohren und Naſe durchloͤchert haben, du wuͤrdeſt dich nicht wenig darauf einbilden, Vogelfedern, Mu- ſchelſchalen und andere Dinge darin zu tragen, und an den unmenſchlichen Mahlzeiten deiner wilden Eltern und Landsleute wuͤrdeſt du ei- nen eben ſo frohen Antheil nehmen, als du jezt an unſern beſſern Speiſen nimſt. Freuet euch alſo, lieben Kinder, und danket Gott dafuͤr, daß er euch von geſitteten, vernuͤnftigen und menſchlichgeſinten Eltern hat laſſen gebohren wer- den, die es euch ſo leicht machen, auch geſittete, vernuͤnftige und menſchlichgeſinte Menſchen zu werden, und bedauert das Schikſal unſrer armen Bruͤder, die noch jezt in dem ungluͤkſeeligen Zu- ſtande einer thieriſchen Wildheit leben! Frizchen. Wo ſind denn wohl jezt noch ſolche Menſchen? Johannes. Weit, weit von hier, Frizchen, auf einer Inſel die man Neu: See- land

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Zitationshilfe: Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780, S. 52. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780/58>, abgerufen am 23.04.2024.