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Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780.

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der, wie viel selbst gute Menschen noch immer
an sich zu bessern haben.

Indem nun Robinson so trostlos da lag,
und Freitag ihn zu beruhigen suchte: hörten sie
auf einmahl an der andern Seite des Hügels
ein Geräusch, welches den Tritten mehrerer
Menschen ähnlich war. Sie sprangen auf,
blikten hin, und sahen mit freudigem Erstau-
nen -- den Schifskapitain, der mit einigen sei-
ner Leute den Hügel herauf stieg. Ein Sprung,
und Robinson lag in seinen Armen! Indem
er sich umdrehete, hatt' er auf der westlichen
Küste das Schif in einer kleinen Bucht vor An-
ker gesehen, und in demselben Augenblikke war
sein Kummer verschwunden. Der bloße Anblik
nemlich sagte ihm, daß der Kapitain noch vor
Anbruch des Tages die Lage seines Schifs geän-
dert, und es auf diejenige Seite der Insel ge-
bracht habe, wo es in einem bequemen Hafen
sicher vor Anker liegen konte.

Lange hing Robinson in stummer Entzük-
kung an dem Halse des eben so hoch erfreuten
Schifskapitains, bis es endlich zu gegenseitigen

Glük-

der, wie viel ſelbſt gute Menſchen noch immer
an ſich zu beſſern haben.

Indem nun Robinſon ſo troſtlos da lag,
und Freitag ihn zu beruhigen ſuchte: hoͤrten ſie
auf einmahl an der andern Seite des Huͤgels
ein Geraͤuſch, welches den Tritten mehrerer
Menſchen aͤhnlich war. Sie ſprangen auf,
blikten hin, und ſahen mit freudigem Erſtau-
nen — den Schifskapitain, der mit einigen ſei-
ner Leute den Huͤgel herauf ſtieg. Ein Sprung,
und Robinſon lag in ſeinen Armen! Indem
er ſich umdrehete, hatt' er auf der weſtlichen
Kuͤſte das Schif in einer kleinen Bucht vor An-
ker geſehen, und in demſelben Augenblikke war
ſein Kummer verſchwunden. Der bloße Anblik
nemlich ſagte ihm, daß der Kapitain noch vor
Anbruch des Tages die Lage ſeines Schifs geaͤn-
dert, und es auf diejenige Seite der Inſel ge-
bracht habe, wo es in einem bequemen Hafen
ſicher vor Anker liegen konte.

Lange hing Robinſon in ſtummer Entzuͤk-
kung an dem Halſe des eben ſo hoch erfreuten
Schifskapitains, bis es endlich zu gegenſeitigen

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[346/0352] der, wie viel ſelbſt gute Menſchen noch immer an ſich zu beſſern haben. Indem nun Robinſon ſo troſtlos da lag, und Freitag ihn zu beruhigen ſuchte: hoͤrten ſie auf einmahl an der andern Seite des Huͤgels ein Geraͤuſch, welches den Tritten mehrerer Menſchen aͤhnlich war. Sie ſprangen auf, blikten hin, und ſahen mit freudigem Erſtau- nen — den Schifskapitain, der mit einigen ſei- ner Leute den Huͤgel herauf ſtieg. Ein Sprung, und Robinſon lag in ſeinen Armen! Indem er ſich umdrehete, hatt' er auf der weſtlichen Kuͤſte das Schif in einer kleinen Bucht vor An- ker geſehen, und in demſelben Augenblikke war ſein Kummer verſchwunden. Der bloße Anblik nemlich ſagte ihm, daß der Kapitain noch vor Anbruch des Tages die Lage ſeines Schifs geaͤn- dert, und es auf diejenige Seite der Inſel ge- bracht habe, wo es in einem bequemen Hafen ſicher vor Anker liegen konte. Lange hing Robinſon in ſtummer Entzuͤk- kung an dem Halſe des eben ſo hoch erfreuten Schifskapitains, bis es endlich zu gegenſeitigen Gluͤk-

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Zitationshilfe: Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 2. Hamburg, 1780, S. 346. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson02_1780/352>, abgerufen am 22.04.2024.