Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 1. Hamburg, 1779.

Bild:
<< vorherige Seite

Verdek; ließ in gröster Geschwindigkeit das
Boot hinab, und alle sprangen hinein.

Es waren aber der Menschen so viele, daß
das Boot kaum eine Hand hoch Bord be-
hielt, da sie hinein gesprungen waren. Das
Land war noch so weit entfernt, und der
Sturm so heftig, daß Jederman es für un-
möglich hielt, die Küste zu erreichen. Indeß
thaten sie doch ihr möglichstes durch Rudern, und
der Wind trieb sie glüklicher Weise Landwärts.

Plözlich sahen sie eine berghohe Welle
dem Bote nachrauschen. Alle erstarten vor
dem schreklichen Anblikke, und liessen die Ru-
der fallen. Jezt, jezt nahete der schrekliche
Augenblik heran! Die ungeheure Welle er-
reichte das Boot; das Boot schlug um, und
-- alle versanken im wüthenden Meere! --

Hier hielt der Vater ein; die ganze Ge-
selschaft blieb schweigend sizen, und vielen ent-
fuhr ein mitleidiger Seufzer. Endlich erschien
die Mutter mit einem ländlichen Abendbrod,
und machte den wehmütigen Empfindungen ein
Ende.

Drit-

Verdek; ließ in groͤſter Geſchwindigkeit das
Boot hinab, und alle ſprangen hinein.

Es waren aber der Menſchen ſo viele, daß
das Boot kaum eine Hand hoch Bord be-
hielt, da ſie hinein geſprungen waren. Das
Land war noch ſo weit entfernt, und der
Sturm ſo heftig, daß Jederman es fuͤr un-
moͤglich hielt, die Kuͤſte zu erreichen. Indeß
thaten ſie doch ihr moͤglichſtes durch Rudern, und
der Wind trieb ſie gluͤklicher Weiſe Landwaͤrts.

Ploͤzlich ſahen ſie eine berghohe Welle
dem Bote nachrauſchen. Alle erſtarten vor
dem ſchreklichen Anblikke, und lieſſen die Ru-
der fallen. Jezt, jezt nahete der ſchrekliche
Augenblik heran! Die ungeheure Welle er-
reichte das Boot; das Boot ſchlug um, und
— alle verſanken im wuͤthenden Meere! —

Hier hielt der Vater ein; die ganze Ge-
ſelſchaft blieb ſchweigend ſizen, und vielen ent-
fuhr ein mitleidiger Seufzer. Endlich erſchien
die Mutter mit einem laͤndlichen Abendbrod,
und machte den wehmuͤtigen Empfindungen ein
Ende.

Drit-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0094" n="54"/>
Verdek; ließ in gro&#x0364;&#x017F;ter Ge&#x017F;chwindigkeit das<lb/>
Boot hinab, und alle &#x017F;prangen hinein.</p><lb/>
          <p>Es waren aber der Men&#x017F;chen &#x017F;o viele, daß<lb/>
das Boot kaum eine Hand hoch <hi rendition="#fr">Bord</hi> be-<lb/>
hielt, da &#x017F;ie hinein ge&#x017F;prungen waren. Das<lb/>
Land war noch &#x017F;o weit entfernt, und der<lb/>
Sturm &#x017F;o heftig, daß Jederman es fu&#x0364;r un-<lb/>
mo&#x0364;glich hielt, die Ku&#x0364;&#x017F;te zu erreichen. Indeß<lb/>
thaten &#x017F;ie doch ihr mo&#x0364;glich&#x017F;tes durch Rudern, und<lb/>
der Wind trieb &#x017F;ie glu&#x0364;klicher Wei&#x017F;e Landwa&#x0364;rts.</p><lb/>
          <p>Plo&#x0364;zlich &#x017F;ahen &#x017F;ie eine berghohe Welle<lb/>
dem Bote nachrau&#x017F;chen. Alle er&#x017F;tarten vor<lb/>
dem &#x017F;chreklichen Anblikke, und lie&#x017F;&#x017F;en die Ru-<lb/>
der fallen. Jezt, jezt nahete der &#x017F;chrekliche<lb/>
Augenblik heran! Die ungeheure Welle er-<lb/>
reichte das Boot; das Boot &#x017F;chlug um, und<lb/>
&#x2014; alle ver&#x017F;anken im wu&#x0364;thenden Meere! &#x2014;</p><lb/>
          <p>Hier hielt der Vater ein; die ganze Ge-<lb/>
&#x017F;el&#x017F;chaft blieb &#x017F;chweigend &#x017F;izen, und vielen ent-<lb/>
fuhr ein mitleidiger Seufzer. Endlich er&#x017F;chien<lb/>
die Mutter mit einem la&#x0364;ndlichen Abendbrod,<lb/>
und machte den wehmu&#x0364;tigen Empfindungen ein<lb/>
Ende.</p>
        </div><lb/>
        <fw place="bottom" type="catch">Drit-</fw><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[54/0094] Verdek; ließ in groͤſter Geſchwindigkeit das Boot hinab, und alle ſprangen hinein. Es waren aber der Menſchen ſo viele, daß das Boot kaum eine Hand hoch Bord be- hielt, da ſie hinein geſprungen waren. Das Land war noch ſo weit entfernt, und der Sturm ſo heftig, daß Jederman es fuͤr un- moͤglich hielt, die Kuͤſte zu erreichen. Indeß thaten ſie doch ihr moͤglichſtes durch Rudern, und der Wind trieb ſie gluͤklicher Weiſe Landwaͤrts. Ploͤzlich ſahen ſie eine berghohe Welle dem Bote nachrauſchen. Alle erſtarten vor dem ſchreklichen Anblikke, und lieſſen die Ru- der fallen. Jezt, jezt nahete der ſchrekliche Augenblik heran! Die ungeheure Welle er- reichte das Boot; das Boot ſchlug um, und — alle verſanken im wuͤthenden Meere! — Hier hielt der Vater ein; die ganze Ge- ſelſchaft blieb ſchweigend ſizen, und vielen ent- fuhr ein mitleidiger Seufzer. Endlich erſchien die Mutter mit einem laͤndlichen Abendbrod, und machte den wehmuͤtigen Empfindungen ein Ende. Drit-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson01_1779
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson01_1779/94
Zitationshilfe: Campe, Joachim Heinrich: Robinson der Jüngere. Bd. 1. Hamburg, 1779, S. 54. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/campe_robinson01_1779/94>, abgerufen am 10.05.2021.