ragende Punkte, Steine und dergleichen, um sich von ihnen herab besser nach Kerbthieren umsehen zu können, welche sie nicht selten hüpfend einige Schritte weit verfolgen. Dagegen scheinen sie sich nicht gern auf Bäume niederzulassen; sie treiben sich vielmehr immer möglichst nahe über den Boden dahin. Jerdon nennt sie schlechte Flieger und hält es für möglich, daß sie von Stürmen förmlich ver- schlagen, also in Gegenden getrieben werden, in denen sie sonst nicht vorkommen. So erscheinen sie im Karnatik bei Beginn der Hitze, wenn die heftigen Landwinde auftreten und suchen dann, so scheu sie sonst sind, ängstlich Zuflucht in den Behausungen der Menschen, in einzeln stehenden Kasernen oder andern Gebäuden, welche ihnen Schutz gewähren. Der erste Nurang, welchen Jer- don sah, hatte sich in das Hospital zu Madras geflüchtet; später erlangte er unter ähnlichen Um- ständen viele lebende. Gewöhnlich sieht man sie einzeln, ausnahmsweise aber kommt es vor, daß mehrere sich verbinden; Jerdon hat ihrer vierunddreißig zusammengesehen.
Die Stimme, welche man übrigens selten vernimmt, ist so eigenthümlich, daß man sie von der jedes andern Vogels leicht unterscheiden kann. Sie besteht, wie Wallace uns mittheilt, aus zwei pfeifenden Tönen, einem kurzen und einem längeren, welcher unmittelbar auf den ersten folgt. Wenn sich die Vögel vollständig sicher fühlen, wiederholen sie ihr Geschrei in den Zwischenräumen von einer bis zwei Minuten. Bei einzelnen Arten besteht der Lockruf aus drei Noten: so soll der Nurang die Silben "Ewitsch eia", die Lärmpitta die Worte "want a watch" deutlich ausrufen. Ein eigentlicher Gefang ist, wie es scheint, von den indischen Arten nicht gehört worden; dagegen nennt Thomson das Lied des Pulih äußerst lieblich. "Der Vogel", sagt er, "steht bei den Eingebornen des Timneh- Gebietes in solchem Rufe, daß sie einen dichterisch beredten Mann mit dem Namen Pulih zu ehren suchen."
Verschiedene Kerbthiere, namentlich Käfer und Netzflügler, Würmer und dergleichen sind die Nahrung der Prachtdrosseln. Wiederholt ist behauptet worden, daß Ameisen die Hauptmasse ihrer Speise bilden; Wallace aber sagt ausdrücklich, daß er niemals diese Kerfe in dem Magen der von ihm erlegten gefunden und ebenso wenig sie auf Ameisen jagen gesehen habe. Gould hält es für möglich, daß die australischen Arten neben den Kerfen auch Beeren und Früchte fressen, hat aber Bestimmtes hierüber nicht beobachten können. An die Drosseln erinnern die Pittas insofern, als sie ihre Beute nur vom Boden auflesen, an die Wasserschwätzer darin, daß sie oft bis an die Fersen im Wasser herumwaden und hier ihre Jagd betreiben.
Alle Arten der Familie, von deren Brutgeschäft man Kunde erhalten hat, bauen ihr Nest auf oder dicht über dem Boden. Bernstein fand es ziemlich gut versteckt hinter einer Erdscholle; es bestand aus kunstlos und leicht zusammengefügten Halmen und feinen Reisern. Strange berichtete Gould, daß alle Nester, welche er sah, auf dem Knorren eines Feigenbaumes ziemlich nahe am Boden standen, außen aus Reifig gebaut und innen mit Mos, feinen Blättern und Rinden ausgelegt waren. Ein Nest, welches Jerdon untersuchte, war hauptsächlich aus Wurzeln und andern biegsamen Pflanzenstengeln zusammengebaut und inwendig mit wenig Haaren ausgeglättet. Die Eier, welche Bernstein erhielt, waren länglicheirund und von glänzend weißer Farbe; die vier Eier, welche Strange untersuchte, waren auf eigelblichem Grunde mit unregelmäßigen, braunen und tiefwein- grauen Flecken gezeichnet. Jhnen ähnelten diejenigen Eier, welche Jerdon zu Gesicht bekam: sie waren auf grünlichweißem Grunde mit wenigen rothen und einzelnen dunkelfarbigen Flecken gezeichnet. Ob beide Geschlechter brüten oder ob nur das Weibchen allein sich diesem Geschäft hingibt, ist zur Zeit noch nicht bekannt; wohl aber wissen wir, daß beide Eltern ihre Brut außerordentlich lieben, und bei herannahender Gefahr durch die bekannte List der Verstellung den Feind von ihr abzulenken suchen.
Hodgson sagt von der in Nepal vorkommenden Art, daß sie sehr leicht gefangen werden könne, und Bernstein bestätigt diese Angabe vollkommen. Strange versichert, daß man die australische Art durch Nachahmung ihres eigenthümlichen Rufes bis vor die Mündung der Flinte zu locken vermöge. Auf den Aruinseln betreiben die Papuaknaben mit größtem Erfolg die Jagd der dort wohnenden Prachtdrosseln, indem sie behend zwischen den Büschen hindurchkriechen und ihre
Nurang. Pulih. Lärmpitta. Allgemeines.
ragende Punkte, Steine und dergleichen, um ſich von ihnen herab beſſer nach Kerbthieren umſehen zu können, welche ſie nicht ſelten hüpfend einige Schritte weit verfolgen. Dagegen ſcheinen ſie ſich nicht gern auf Bäume niederzulaſſen; ſie treiben ſich vielmehr immer möglichſt nahe über den Boden dahin. Jerdon nennt ſie ſchlechte Flieger und hält es für möglich, daß ſie von Stürmen förmlich ver- ſchlagen, alſo in Gegenden getrieben werden, in denen ſie ſonſt nicht vorkommen. So erſcheinen ſie im Karnatik bei Beginn der Hitze, wenn die heftigen Landwinde auftreten und ſuchen dann, ſo ſcheu ſie ſonſt ſind, ängſtlich Zuflucht in den Behauſungen der Menſchen, in einzeln ſtehenden Kaſernen oder andern Gebäuden, welche ihnen Schutz gewähren. Der erſte Nurang, welchen Jer- don ſah, hatte ſich in das Hoſpital zu Madras geflüchtet; ſpäter erlangte er unter ähnlichen Um- ſtänden viele lebende. Gewöhnlich ſieht man ſie einzeln, ausnahmsweiſe aber kommt es vor, daß mehrere ſich verbinden; Jerdon hat ihrer vierunddreißig zuſammengeſehen.
Die Stimme, welche man übrigens ſelten vernimmt, iſt ſo eigenthümlich, daß man ſie von der jedes andern Vogels leicht unterſcheiden kann. Sie beſteht, wie Wallace uns mittheilt, aus zwei pfeifenden Tönen, einem kurzen und einem längeren, welcher unmittelbar auf den erſten folgt. Wenn ſich die Vögel vollſtändig ſicher fühlen, wiederholen ſie ihr Geſchrei in den Zwiſchenräumen von einer bis zwei Minuten. Bei einzelnen Arten beſteht der Lockruf aus drei Noten: ſo ſoll der Nurang die Silben „Ewitſch eia‟, die Lärmpitta die Worte „want a watch‟ deutlich ausrufen. Ein eigentlicher Gefang iſt, wie es ſcheint, von den indiſchen Arten nicht gehört worden; dagegen nennt Thomſon das Lied des Pulih äußerſt lieblich. „Der Vogel‟, ſagt er, „ſteht bei den Eingebornen des Timneh- Gebietes in ſolchem Rufe, daß ſie einen dichteriſch beredten Mann mit dem Namen Pulih zu ehren ſuchen.‟
Verſchiedene Kerbthiere, namentlich Käfer und Netzflügler, Würmer und dergleichen ſind die Nahrung der Prachtdroſſeln. Wiederholt iſt behauptet worden, daß Ameiſen die Hauptmaſſe ihrer Speiſe bilden; Wallace aber ſagt ausdrücklich, daß er niemals dieſe Kerfe in dem Magen der von ihm erlegten gefunden und ebenſo wenig ſie auf Ameiſen jagen geſehen habe. Gould hält es für möglich, daß die auſtraliſchen Arten neben den Kerfen auch Beeren und Früchte freſſen, hat aber Beſtimmtes hierüber nicht beobachten können. An die Droſſeln erinnern die Pittas inſofern, als ſie ihre Beute nur vom Boden aufleſen, an die Waſſerſchwätzer darin, daß ſie oft bis an die Ferſen im Waſſer herumwaden und hier ihre Jagd betreiben.
Alle Arten der Familie, von deren Brutgeſchäft man Kunde erhalten hat, bauen ihr Neſt auf oder dicht über dem Boden. Bernſtein fand es ziemlich gut verſteckt hinter einer Erdſcholle; es beſtand aus kunſtlos und leicht zuſammengefügten Halmen und feinen Reiſern. Strange berichtete Gould, daß alle Neſter, welche er ſah, auf dem Knorren eines Feigenbaumes ziemlich nahe am Boden ſtanden, außen aus Reifig gebaut und innen mit Mos, feinen Blättern und Rinden ausgelegt waren. Ein Neſt, welches Jerdon unterſuchte, war hauptſächlich aus Wurzeln und andern biegſamen Pflanzenſtengeln zuſammengebaut und inwendig mit wenig Haaren ausgeglättet. Die Eier, welche Bernſtein erhielt, waren länglicheirund und von glänzend weißer Farbe; die vier Eier, welche Strange unterſuchte, waren auf eigelblichem Grunde mit unregelmäßigen, braunen und tiefwein- grauen Flecken gezeichnet. Jhnen ähnelten diejenigen Eier, welche Jerdon zu Geſicht bekam: ſie waren auf grünlichweißem Grunde mit wenigen rothen und einzelnen dunkelfarbigen Flecken gezeichnet. Ob beide Geſchlechter brüten oder ob nur das Weibchen allein ſich dieſem Geſchäft hingibt, iſt zur Zeit noch nicht bekannt; wohl aber wiſſen wir, daß beide Eltern ihre Brut außerordentlich lieben, und bei herannahender Gefahr durch die bekannte Liſt der Verſtellung den Feind von ihr abzulenken ſuchen.
Hodgſon ſagt von der in Nepal vorkommenden Art, daß ſie ſehr leicht gefangen werden könne, und Bernſtein beſtätigt dieſe Angabe vollkommen. Strange verſichert, daß man die auſtraliſche Art durch Nachahmung ihres eigenthümlichen Rufes bis vor die Mündung der Flinte zu locken vermöge. Auf den Aruinſeln betreiben die Papuaknaben mit größtem Erfolg die Jagd der dort wohnenden Prachtdroſſeln, indem ſie behend zwiſchen den Büſchen hindurchkriechen und ihre
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[825/0871]
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Jerdon nennt ſie ſchlechte Flieger und hält es für möglich, daß ſie von Stürmen förmlich ver-
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ſie im Karnatik bei Beginn der Hitze, wenn die heftigen Landwinde auftreten und ſuchen dann,
ſo ſcheu ſie ſonſt ſind, ängſtlich Zuflucht in den Behauſungen der Menſchen, in einzeln ſtehenden
Kaſernen oder andern Gebäuden, welche ihnen Schutz gewähren. Der erſte Nurang, welchen Jer-
don ſah, hatte ſich in das Hoſpital zu Madras geflüchtet; ſpäter erlangte er unter ähnlichen Um-
ſtänden viele lebende. Gewöhnlich ſieht man ſie einzeln, ausnahmsweiſe aber kommt es vor, daß
mehrere ſich verbinden; Jerdon hat ihrer vierunddreißig zuſammengeſehen.
Die Stimme, welche man übrigens ſelten vernimmt, iſt ſo eigenthümlich, daß man ſie von der
jedes andern Vogels leicht unterſcheiden kann. Sie beſteht, wie Wallace uns mittheilt, aus zwei
pfeifenden Tönen, einem kurzen und einem längeren, welcher unmittelbar auf den erſten folgt. Wenn
ſich die Vögel vollſtändig ſicher fühlen, wiederholen ſie ihr Geſchrei in den Zwiſchenräumen von einer
bis zwei Minuten. Bei einzelnen Arten beſteht der Lockruf aus drei Noten: ſo ſoll der Nurang die
Silben „Ewitſch eia‟, die Lärmpitta die Worte „want a watch‟ deutlich ausrufen. Ein eigentlicher
Gefang iſt, wie es ſcheint, von den indiſchen Arten nicht gehört worden; dagegen nennt Thomſon
das Lied des Pulih äußerſt lieblich. „Der Vogel‟, ſagt er, „ſteht bei den Eingebornen des Timneh-
Gebietes in ſolchem Rufe, daß ſie einen dichteriſch beredten Mann mit dem Namen Pulih zu ehren
ſuchen.‟
Verſchiedene Kerbthiere, namentlich Käfer und Netzflügler, Würmer und dergleichen ſind die
Nahrung der Prachtdroſſeln. Wiederholt iſt behauptet worden, daß Ameiſen die Hauptmaſſe ihrer
Speiſe bilden; Wallace aber ſagt ausdrücklich, daß er niemals dieſe Kerfe in dem Magen der
von ihm erlegten gefunden und ebenſo wenig ſie auf Ameiſen jagen geſehen habe. Gould hält
es für möglich, daß die auſtraliſchen Arten neben den Kerfen auch Beeren und Früchte freſſen, hat
aber Beſtimmtes hierüber nicht beobachten können. An die Droſſeln erinnern die Pittas inſofern, als
ſie ihre Beute nur vom Boden aufleſen, an die Waſſerſchwätzer darin, daß ſie oft bis an die Ferſen im
Waſſer herumwaden und hier ihre Jagd betreiben.
Alle Arten der Familie, von deren Brutgeſchäft man Kunde erhalten hat, bauen ihr Neſt auf
oder dicht über dem Boden. Bernſtein fand es ziemlich gut verſteckt hinter einer Erdſcholle; es
beſtand aus kunſtlos und leicht zuſammengefügten Halmen und feinen Reiſern. Strange berichtete
Gould, daß alle Neſter, welche er ſah, auf dem Knorren eines Feigenbaumes ziemlich nahe am Boden
ſtanden, außen aus Reifig gebaut und innen mit Mos, feinen Blättern und Rinden ausgelegt waren.
Ein Neſt, welches Jerdon unterſuchte, war hauptſächlich aus Wurzeln und andern biegſamen
Pflanzenſtengeln zuſammengebaut und inwendig mit wenig Haaren ausgeglättet. Die Eier, welche
Bernſtein erhielt, waren länglicheirund und von glänzend weißer Farbe; die vier Eier, welche
Strange unterſuchte, waren auf eigelblichem Grunde mit unregelmäßigen, braunen und tiefwein-
grauen Flecken gezeichnet. Jhnen ähnelten diejenigen Eier, welche Jerdon zu Geſicht bekam: ſie
waren auf grünlichweißem Grunde mit wenigen rothen und einzelnen dunkelfarbigen Flecken gezeichnet.
Ob beide Geſchlechter brüten oder ob nur das Weibchen allein ſich dieſem Geſchäft hingibt, iſt zur Zeit
noch nicht bekannt; wohl aber wiſſen wir, daß beide Eltern ihre Brut außerordentlich lieben, und bei
herannahender Gefahr durch die bekannte Liſt der Verſtellung den Feind von ihr abzulenken ſuchen.
Hodgſon ſagt von der in Nepal vorkommenden Art, daß ſie ſehr leicht gefangen werden
könne, und Bernſtein beſtätigt dieſe Angabe vollkommen. Strange verſichert, daß man die
auſtraliſche Art durch Nachahmung ihres eigenthümlichen Rufes bis vor die Mündung der Flinte zu
locken vermöge. Auf den Aruinſeln betreiben die Papuaknaben mit größtem Erfolg die Jagd der
dort wohnenden Prachtdroſſeln, indem ſie behend zwiſchen den Büſchen hindurchkriechen und ihre
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Brehm, Alfred Edmund: Illustrirtes Thierleben. Bd. 3. Hildburghausen, 1866, S. 825. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brehm_thierleben03_1866/871>, abgerufen am 22.11.2024.
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