indem sie das Bild im Fernrohre undeutlich machen. Besonders leiden die schweren Glas-Arten, die man ihrer starken Farbenzer- streuung wegen anwendet, an diesem Uebel; die Klage über Strei- fen im englischen Flintglase war in der neueren Zeit allgemein, und man fand darin das größeste Hinderniß der Verfertigung so guter Fernröhre, wie schon Dollond sie geliefert hatte. Fraunhofer hat durch die Darstellung eines höchst vollkommenen Glases sich den Weg zu der Verfertigung so vortrefflicher Fernröhre gebahnt.
Endlich muß ich denn auch noch mit wenig Worten erwähnen, daß allerdings auch die Augengläser des Fernrohrs noch eine Far- benzerstreuung veranlassen und einen farbigen Rand hervorbringen, wenn auch das vom Objectivglase hervorgebrachte Bild ganz rein von allen Farben wäre. Diesen Farbenrändern kann man durch eine angemessene Verbindung mehrerer Oculare abhelfen, und die Rücksicht hierauf bestimmt zum Theil die Anbringung und die Art der Zusammenordnung mehrerer Augengläser in Fernröhren und Vergrößerungsgläsern.
Zehnte Vorlesung.
Ehe ich zu den Erscheinungen übergehe, m. h. H., die sich uns bei farbiger Beleuchtung der Körper darbieten, und die unser Auge unter gewissen Umständen da wahrnimmt, wo auch kein ob- jectiver Grund die nächste Veranlassung dazu zu geben scheint, werde ich heute bei einigen meteorischen Erscheinungen verweilen, die theils sehr bekannt, theils wenigstens, wenn wir sie auch seltner zu sehen Gelegenheit haben, merkwürdig genug sind, um Ihre Aufmerk- samkeit zu verdienen.
Der Regenbogen.
Den Regenbogen brauche ich gewiß nur zu nennen, um in Ihnen den Wunsch, die Entstehung dieser schönen Natur-Erschei- nung genau kennen zu lernen, zu erwecken, und die bisherigen Betrachtungen haben uns dazu den Weg vollkommen gebahnt. Daß
indem ſie das Bild im Fernrohre undeutlich machen. Beſonders leiden die ſchweren Glas-Arten, die man ihrer ſtarken Farbenzer- ſtreuung wegen anwendet, an dieſem Uebel; die Klage uͤber Strei- fen im engliſchen Flintglaſe war in der neueren Zeit allgemein, und man fand darin das groͤßeſte Hinderniß der Verfertigung ſo guter Fernroͤhre, wie ſchon Dollond ſie geliefert hatte. Fraunhofer hat durch die Darſtellung eines hoͤchſt vollkommenen Glaſes ſich den Weg zu der Verfertigung ſo vortrefflicher Fernroͤhre gebahnt.
Endlich muß ich denn auch noch mit wenig Worten erwaͤhnen, daß allerdings auch die Augenglaͤſer des Fernrohrs noch eine Far- benzerſtreuung veranlaſſen und einen farbigen Rand hervorbringen, wenn auch das vom Objectivglaſe hervorgebrachte Bild ganz rein von allen Farben waͤre. Dieſen Farbenraͤndern kann man durch eine angemeſſene Verbindung mehrerer Oculare abhelfen, und die Ruͤckſicht hierauf beſtimmt zum Theil die Anbringung und die Art der Zuſammenordnung mehrerer Augenglaͤſer in Fernroͤhren und Vergroͤßerungsglaͤſern.
Zehnte Vorleſung.
Ehe ich zu den Erſcheinungen uͤbergehe, m. h. H., die ſich uns bei farbiger Beleuchtung der Koͤrper darbieten, und die unſer Auge unter gewiſſen Umſtaͤnden da wahrnimmt, wo auch kein ob- jectiver Grund die naͤchſte Veranlaſſung dazu zu geben ſcheint, werde ich heute bei einigen meteoriſchen Erſcheinungen verweilen, die theils ſehr bekannt, theils wenigſtens, wenn wir ſie auch ſeltner zu ſehen Gelegenheit haben, merkwuͤrdig genug ſind, um Ihre Aufmerk- ſamkeit zu verdienen.
Der Regenbogen.
Den Regenbogen brauche ich gewiß nur zu nennen, um in Ihnen den Wunſch, die Entſtehung dieſer ſchoͤnen Natur-Erſchei- nung genau kennen zu lernen, zu erwecken, und die bisherigen Betrachtungen haben uns dazu den Weg vollkommen gebahnt. Daß
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><p><pbfacs="#f0211"n="197"/>
indem ſie das Bild im Fernrohre undeutlich machen. Beſonders<lb/>
leiden die ſchweren Glas-Arten, die man ihrer ſtarken Farbenzer-<lb/>ſtreuung wegen anwendet, an dieſem Uebel; die Klage uͤber Strei-<lb/>
fen im engliſchen Flintglaſe war in der neueren Zeit allgemein, und<lb/>
man fand darin das groͤßeſte Hinderniß der Verfertigung ſo guter<lb/>
Fernroͤhre, wie ſchon <hirendition="#g">Dollond</hi>ſie geliefert hatte. <hirendition="#g">Fraunhofer</hi><lb/>
hat durch die Darſtellung eines hoͤchſt vollkommenen Glaſes ſich den<lb/>
Weg zu der Verfertigung ſo vortrefflicher Fernroͤhre gebahnt.</p><lb/><p>Endlich muß ich denn auch noch mit wenig Worten erwaͤhnen,<lb/>
daß allerdings auch die Augenglaͤſer des Fernrohrs noch eine Far-<lb/>
benzerſtreuung veranlaſſen und einen farbigen Rand hervorbringen,<lb/>
wenn auch das vom Objectivglaſe hervorgebrachte Bild ganz rein<lb/>
von allen Farben waͤre. Dieſen Farbenraͤndern kann man durch<lb/>
eine angemeſſene Verbindung mehrerer Oculare abhelfen, und die<lb/>
Ruͤckſicht hierauf beſtimmt zum Theil die Anbringung und die Art<lb/>
der Zuſammenordnung mehrerer Augenglaͤſer in Fernroͤhren und<lb/>
Vergroͤßerungsglaͤſern.</p></div></div><lb/><milestonerendition="#hr"unit="section"/><divn="1"><head><hirendition="#b"><hirendition="#g">Zehnte Vorleſung</hi>.</hi></head><lb/><milestonerendition="#hr"unit="section"/><p>Ehe ich zu den Erſcheinungen uͤbergehe, m. h. H., die ſich<lb/>
uns bei farbiger Beleuchtung der Koͤrper darbieten, und die unſer<lb/>
Auge unter gewiſſen Umſtaͤnden da wahrnimmt, wo auch kein ob-<lb/>
jectiver Grund die naͤchſte Veranlaſſung dazu zu geben ſcheint, werde<lb/>
ich heute bei einigen meteoriſchen Erſcheinungen verweilen, die theils<lb/>ſehr bekannt, theils wenigſtens, wenn wir ſie auch ſeltner zu ſehen<lb/>
Gelegenheit haben, merkwuͤrdig genug ſind, um Ihre Aufmerk-<lb/>ſamkeit zu verdienen.</p><lb/><divn="2"><head><hirendition="#g">Der Regenbogen</hi>.</head><lb/><p>Den Regenbogen brauche ich gewiß nur zu nennen, um in<lb/>
Ihnen den Wunſch, die Entſtehung dieſer ſchoͤnen Natur-Erſchei-<lb/>
nung genau kennen zu lernen, zu erwecken, und die bisherigen<lb/>
Betrachtungen haben uns dazu den Weg vollkommen gebahnt. Daß<lb/></p></div></div></body></text></TEI>
[197/0211]
indem ſie das Bild im Fernrohre undeutlich machen. Beſonders
leiden die ſchweren Glas-Arten, die man ihrer ſtarken Farbenzer-
ſtreuung wegen anwendet, an dieſem Uebel; die Klage uͤber Strei-
fen im engliſchen Flintglaſe war in der neueren Zeit allgemein, und
man fand darin das groͤßeſte Hinderniß der Verfertigung ſo guter
Fernroͤhre, wie ſchon Dollond ſie geliefert hatte. Fraunhofer
hat durch die Darſtellung eines hoͤchſt vollkommenen Glaſes ſich den
Weg zu der Verfertigung ſo vortrefflicher Fernroͤhre gebahnt.
Endlich muß ich denn auch noch mit wenig Worten erwaͤhnen,
daß allerdings auch die Augenglaͤſer des Fernrohrs noch eine Far-
benzerſtreuung veranlaſſen und einen farbigen Rand hervorbringen,
wenn auch das vom Objectivglaſe hervorgebrachte Bild ganz rein
von allen Farben waͤre. Dieſen Farbenraͤndern kann man durch
eine angemeſſene Verbindung mehrerer Oculare abhelfen, und die
Ruͤckſicht hierauf beſtimmt zum Theil die Anbringung und die Art
der Zuſammenordnung mehrerer Augenglaͤſer in Fernroͤhren und
Vergroͤßerungsglaͤſern.
Zehnte Vorleſung.
Ehe ich zu den Erſcheinungen uͤbergehe, m. h. H., die ſich
uns bei farbiger Beleuchtung der Koͤrper darbieten, und die unſer
Auge unter gewiſſen Umſtaͤnden da wahrnimmt, wo auch kein ob-
jectiver Grund die naͤchſte Veranlaſſung dazu zu geben ſcheint, werde
ich heute bei einigen meteoriſchen Erſcheinungen verweilen, die theils
ſehr bekannt, theils wenigſtens, wenn wir ſie auch ſeltner zu ſehen
Gelegenheit haben, merkwuͤrdig genug ſind, um Ihre Aufmerk-
ſamkeit zu verdienen.
Der Regenbogen.
Den Regenbogen brauche ich gewiß nur zu nennen, um in
Ihnen den Wunſch, die Entſtehung dieſer ſchoͤnen Natur-Erſchei-
nung genau kennen zu lernen, zu erwecken, und die bisherigen
Betrachtungen haben uns dazu den Weg vollkommen gebahnt. Daß
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Brandes, Heinrich Wilhelm: Vorlesungen über die Naturlehre. Bd. 2. Leipzig, 1831, S. 197. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/brandes_naturlehre02_1831/211>, abgerufen am 16.02.2025.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
2007–2025 Deutsches Textarchiv, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften
(Kontakt).
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2025. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.