Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Börne, Ludwig: Briefe aus Paris. Bd. 3. Paris, 1833.

Bild:
<< vorherige Seite

zu schmutziges Ding. Voriges Jahr sagte ich:
Der König ist verlohren; jetzt sage ich: Frank¬
reich ist verlohren. Wenn nicht der Senator
*** oder sonst so ein frankfurter Philister,
besser Frankreich regierte als das Ministe¬
rium, will ich ein Schurke seyn. Gelobt
wird auch die Regierung von allen fremden
Kabinetten wie ein Kind, das sich artig aufge¬
führt. -- Es ist eine Schmach! und stolz sind
sie auf dieses Lob -- es ist Wahnsinn. -- Der
König wohnt jetzt in den Tuillerien. Er woll¬
te es sich bequem machen, er ist jetzt dem Place
Louis
XV. etwas näher, als im Palais
Royal.

In Berlin ist ein junger Referendarius zu
einjähriger Festungsstrafe verurtheilt worden,
weil er mehrere Artikel, die im Messager über
die preußische Regierung gestanden, ins Deutsche
übersetzt und einigen Freunden zu lesen gegeben
hatte. Das Urtheil lautet: "weil er versucht

zu ſchmutziges Ding. Voriges Jahr ſagte ich:
Der Koͤnig iſt verlohren; jetzt ſage ich: Frank¬
reich iſt verlohren. Wenn nicht der Senator
*** oder ſonſt ſo ein frankfurter Philiſter,
beſſer Frankreich regierte als das Miniſte¬
rium, will ich ein Schurke ſeyn. Gelobt
wird auch die Regierung von allen fremden
Kabinetten wie ein Kind, das ſich artig aufge¬
fuͤhrt. — Es iſt eine Schmach! und ſtolz ſind
ſie auf dieſes Lob — es iſt Wahnſinn. — Der
Koͤnig wohnt jetzt in den Tuillerien. Er woll¬
te es ſich bequem machen, er iſt jetzt dem Place
Louis
XV. etwas naͤher, als im Palais
Royal.

In Berlin iſt ein junger Referendarius zu
einjaͤhriger Feſtungsſtrafe verurtheilt worden,
weil er mehrere Artikel, die im Meſſager uͤber
die preußiſche Regierung geſtanden, ins Deutſche
uͤberſetzt und einigen Freunden zu leſen gegeben
hatte. Das Urtheil lautet: „weil er verſucht

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0036" n="22"/>
zu &#x017F;chmutziges Ding. Voriges Jahr &#x017F;agte ich:<lb/>
Der Ko&#x0364;nig i&#x017F;t verlohren; jetzt &#x017F;age ich: Frank¬<lb/>
reich i&#x017F;t verlohren. Wenn nicht der Senator<lb/>
*** oder &#x017F;on&#x017F;t &#x017F;o ein frankfurter Phili&#x017F;ter,<lb/>
be&#x017F;&#x017F;er Frankreich regierte als das Mini&#x017F;te¬<lb/>
rium, will ich ein Schurke &#x017F;eyn. Gelobt<lb/>
wird auch die Regierung von allen fremden<lb/>
Kabinetten wie ein Kind, das &#x017F;ich artig aufge¬<lb/>
fu&#x0364;hrt. &#x2014; Es i&#x017F;t eine Schmach! und &#x017F;tolz &#x017F;ind<lb/>
&#x017F;ie auf die&#x017F;es Lob &#x2014; es i&#x017F;t Wahn&#x017F;inn. &#x2014; Der<lb/>
Ko&#x0364;nig wohnt jetzt in den Tuillerien. Er woll¬<lb/>
te es &#x017F;ich bequem machen, er i&#x017F;t jetzt dem <hi rendition="#g">Place<lb/>
Louis</hi> <hi rendition="#aq">XV</hi>. etwas na&#x0364;her, als im Palais<lb/>
Royal.</p><lb/>
          <p>In Berlin i&#x017F;t ein junger Referendarius zu<lb/>
einja&#x0364;hriger Fe&#x017F;tungs&#x017F;trafe verurtheilt worden,<lb/>
weil er mehrere Artikel, die im Me&#x017F;&#x017F;ager u&#x0364;ber<lb/>
die preußi&#x017F;che Regierung ge&#x017F;tanden, ins Deut&#x017F;che<lb/>
u&#x0364;ber&#x017F;etzt und einigen Freunden zu le&#x017F;en gegeben<lb/>
hatte. Das Urtheil lautet: &#x201E;weil er ver&#x017F;ucht<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[22/0036] zu ſchmutziges Ding. Voriges Jahr ſagte ich: Der Koͤnig iſt verlohren; jetzt ſage ich: Frank¬ reich iſt verlohren. Wenn nicht der Senator *** oder ſonſt ſo ein frankfurter Philiſter, beſſer Frankreich regierte als das Miniſte¬ rium, will ich ein Schurke ſeyn. Gelobt wird auch die Regierung von allen fremden Kabinetten wie ein Kind, das ſich artig aufge¬ fuͤhrt. — Es iſt eine Schmach! und ſtolz ſind ſie auf dieſes Lob — es iſt Wahnſinn. — Der Koͤnig wohnt jetzt in den Tuillerien. Er woll¬ te es ſich bequem machen, er iſt jetzt dem Place Louis XV. etwas naͤher, als im Palais Royal. In Berlin iſt ein junger Referendarius zu einjaͤhriger Feſtungsſtrafe verurtheilt worden, weil er mehrere Artikel, die im Meſſager uͤber die preußiſche Regierung geſtanden, ins Deutſche uͤberſetzt und einigen Freunden zu leſen gegeben hatte. Das Urtheil lautet: „weil er verſucht

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris03_1833
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris03_1833/36
Zitationshilfe: Börne, Ludwig: Briefe aus Paris. Bd. 3. Paris, 1833, S. 22. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/boerne_paris03_1833/36>, abgerufen am 06.05.2021.