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Allgemeine Zeitung. Nr. 137. Augsburg, 16. Mai 1840.

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greisen Haaren wohlanstehe, und auf jeden Fall für einen Reisebeschreiber Italiens durchaus unpassend sey. Wir wissen nämlich auf der einen Seite, wie wir auch oben andeuteten, sehr wohl, daß das Athmen der italienischen Luft - sey es nun die bloße Wirkung des leichtern weitern Himmels, oder der Eindruck des so naturgemäß dahinströmenden Volkslebens, oder endlich das Verständniß so vieler in nackter Schönheit prangender Götterbilder - den Menschen treibt, sich hier von einer Menge Hüllen und Falten loszuschälen, mit denen er im Norden das ganze Gleichgewicht seines Daseyns verlieren zu müssen sich eingebildet hätte; aber wir wissen auch andrerseits, daß dieselbe Luft, als Gegenspiel gegen jene Enthüllungen und Enttäuschungen, bei dem edlen hingegebenen Menschen eine solche Fülle neuer Seelentriebe und Geistesformen aus den geheimsten Tiefen seines Lebens ans Licht der Sonne ruft, daß alle jene entstehenden äußern Blößen alsobald mit einer nie geahnten, von innen herausdringenden, thatenschwangern Verklärung vor ihm selbst und andern wieder zugedeckt werden: alle hohlen Blüthen fallen ab, alle schlummernden Keime schließen sich auf, und diesseits des Grabes gibt es für den Menschen keinen mächtigern Strom der Wiedergeburt als einen Aufenthalt in Italien. Das ist, zum Beispiel, das großartige herzerhebende Schauspiel, das uns die Goethe'schen - obwohl eigentlich auch nicht für das Publicum geschriebenen - italienischen Briefe eröffnen: das Schauspiel einer edlen Natur, die, von diesem wunderbaren Himmel berührt, plötzlich erwachend in der Mitte ihres Daseyns still steht, und, die Schatten und Träume der Vergangenheit von sich streifend, sich in ihrer Stellung zu Welt, Leben und Kunst als Denker und Dichter klarer als je erkennt, und den festen Entschluß faßt, diesen ihr gewordenen Beruf, nämlich das wirkliche Begreifen und Erleben des ihr aufgethanen Wissensgebiets, mit aller Kraft und Tugend ihres denkenden Geistes würdig zu erfüllen.

Die Raumer'schen Briefe eröffnen, wie bemerkt, durchaus kein ähnliches Schauspiel; und wir können unsere Betrachtungen über dieselben mit nichts Anderem schließen, als dem Wunsche, daß, nachdem dem berühmten Verfasser der Versuch eines Sichgeistiggehenlassens über Italien hier so übel gerathen ist, er uns binnen einiger Jahre durch eine tüchtig zusammengenommene Arbeit über italienische Geschichte (für die ihm auch auf dieser letzten Reise viele neue Hülfsquellen zugänglich geworden zu seyn scheinen) den unangenehmen Eindruck jenes voreilig publicirten Werks wieder vergessen machen möge.

Deutschland.

Zu den neuern Arbeiten Schwanthalers ist außer der Bavaria *)*) auch die Statue Kaiser Rudolfs von Habsburg zu zählen, in sitzender Stellung mit Schwert und Reichsapfel, gegen 9 Fuß hoch, im Gypsmodell vollendet und für den Dom zu Speyer bestimmt. Bekanntlich ruhen in diesem Dom acht deutsche Kaiser. Er gehört zu den ausgezeichnetsten Baudenkmalen im reinhyzantinischen Styl, und ist durch seine schöne Krypta berühmt. Die Statue Rudolfs, die der Künstler ganz im Styl des Mittelalters mit großartigem Faltenwurfe einfach und würdig gehalten, wird auf einem hohen Piedestal, das gleichfalls in Marmor, nach dem Entwurf des Oberbauraths v. Gärtner, ausgeführt wird, seine Stelle gegenüber dem Denkmal des Kaisers Adolf von Nassau erhalten. Einer andern in öffentlichen Blättern noch nicht erwähnten Arbeit Schwanthalers gedenken wir hier um so mehr, als sich ihre Ausführung an eine der vielbesprochensten Erfindungen der Gegenwart knüpft. Es ist dieß der Schild des Herakles nach Hesiods bekannter Dichtung, ein Werk, welches, ohne irgend eine öffentliche Bestimmung zu haben, lediglich aus der Begeisterung entstand, zu welcher den Künstler jene leider nur als Bruchstück uns überlieferte herrliche Poesie entzündete. Bedenkt man, daß auf dem drei Schuh im Durchmesser haltenden, rund gewölbten Schilde mehr als 140 Menschen- und Thiergebilde sich befinden, die in bunter Fülle (gegenwärtig noch von Wachs auf Gyps modellirt) alle Hauptmomente des kriegerischen und friedlichen Lebens des hellenischen Alterthums umfassen, so wird man den Reichthum von Phantasie und Geist ermessen können, der sich in diesem Werke ausspricht, das unbedenklich unter die vollendetsten Schöpfungen Schwanthalers zu zählen ist. Gewiß aber wird es unsern Lesern auch von Interesse seyn, zu hören, daß dieser Schild mit seinen mehr als hundert Figuren von Professor Steinheil nach der von ihm in Anwendung gebrachten neuen Erfindung mit aufgelöstem Kupfer gegossen werden soll. An dem glücklichen Gelingen kann nach den bisherigen Erfahrungen nicht gezweifelt werden. Möge denn bald das unvergleichliche Gebilde hellstrahlend hervorgehen aus der Werkstätte der beiden vaterländischen Meister -

"Wunderschön auch für Zeus, den Donnerer, welchem gehorsam
Jenen Schild Hephästos vollendete, groß und gediegen,
Formend in künstlicher Hand!"
Wir behalten uns vor, auch von den übrigen, zahlreichen und höchst bedeutenden Arbeiten Schwanthalers, die in neuester Zeit begonnen oder vollendet wurden, demnächst in Kürze ferneren Bericht zu erstatten. (Münchn. pol. Ztg.)

Conservator und Professor Heideloff in Nürnberg, beseelt von dem Bestreben, die harmonische Polychromie öffentlich an den Gebäuden in Anwendung zu bringen, ist es nach unermüdlichen Forschungen und vielseitigen Versuchen endlich gelungen, eine dauerhafte, ja unverwüstliche und wohlfeile Malerei auf hydraulischen und andern Kalk, Gyps und Stein zu erzielen. Den Beweis hiefür liefern unter andern die gelungenen Versuche des Genannten in dem unter seiner Leitung restaurirten Dom zu Bamberg, wo er die ersten Versuche anstellte, und in der alterthümlich malerisch gelegenen Festung Coburg, welche gegenwärtig Se. Durchl. der regierende Herzog Ernst von Sachsen-Coburg und Gotha durch denselben wieder herstellen läßt, und in welcher die kostbaren Zimmer aus dem 15ten Jahrhundert in ihrem alten Glanze der Nachwelt sich zeigen. Einfach und jedem praktischen Maurer oder Tüncher wohl längst bekannt ist das Verfahren bei dieser Malerei; aber das sich von selbst darbietende Mittel wurde nie einer sorgfältigen Beachtung und weitern Untersuchung werth gehalten. Milch ist das Bindemittel, durch welches bei einem eigenthümlichen Verfahren und besonders zu beobachtender Mischung und Zubereitungsart des fetten weißen Kalks, und besonderer Zeitberechnung eine unauslöschliche, der Hitze, Kälte und Nässe, überhaupt jeder Witterung trotzende Malerei auf Kalk hervorgebracht werden kann. Es ist bei einem rechten Verfahren möglich, sogar die mit hydraulischem Kalk ausgelegten Bassins zu bemalen, ohne daß die Farben vom Wasser aufgelöst werden. Dabei gewähren die auf solche Weise hergestellten Malereien noch den großen Vortheil einer leichten Reinigung,

*) Unserm letzten Bericht über Schwanthalers Bavaria haben wir noch beizufügen, daß die erwähnte Treppe im Innern der Statue aus Gußeisen gefertigt, und zur Erhellung derselben ohne Zweifel Gasbeleuchtung angewendet werden wird. Die Höhe des Piedestals beträgt 28, nicht 40 Fuß, die Metalldicke einen ganzen Zoll.

greisen Haaren wohlanstehe, und auf jeden Fall für einen Reisebeschreiber Italiens durchaus unpassend sey. Wir wissen nämlich auf der einen Seite, wie wir auch oben andeuteten, sehr wohl, daß das Athmen der italienischen Luft – sey es nun die bloße Wirkung des leichtern weitern Himmels, oder der Eindruck des so naturgemäß dahinströmenden Volkslebens, oder endlich das Verständniß so vieler in nackter Schönheit prangender Götterbilder – den Menschen treibt, sich hier von einer Menge Hüllen und Falten loszuschälen, mit denen er im Norden das ganze Gleichgewicht seines Daseyns verlieren zu müssen sich eingebildet hätte; aber wir wissen auch andrerseits, daß dieselbe Luft, als Gegenspiel gegen jene Enthüllungen und Enttäuschungen, bei dem edlen hingegebenen Menschen eine solche Fülle neuer Seelentriebe und Geistesformen aus den geheimsten Tiefen seines Lebens ans Licht der Sonne ruft, daß alle jene entstehenden äußern Blößen alsobald mit einer nie geahnten, von innen herausdringenden, thatenschwangern Verklärung vor ihm selbst und andern wieder zugedeckt werden: alle hohlen Blüthen fallen ab, alle schlummernden Keime schließen sich auf, und diesseits des Grabes gibt es für den Menschen keinen mächtigern Strom der Wiedergeburt als einen Aufenthalt in Italien. Das ist, zum Beispiel, das großartige herzerhebende Schauspiel, das uns die Goethe'schen – obwohl eigentlich auch nicht für das Publicum geschriebenen – italienischen Briefe eröffnen: das Schauspiel einer edlen Natur, die, von diesem wunderbaren Himmel berührt, plötzlich erwachend in der Mitte ihres Daseyns still steht, und, die Schatten und Träume der Vergangenheit von sich streifend, sich in ihrer Stellung zu Welt, Leben und Kunst als Denker und Dichter klarer als je erkennt, und den festen Entschluß faßt, diesen ihr gewordenen Beruf, nämlich das wirkliche Begreifen und Erleben des ihr aufgethanen Wissensgebiets, mit aller Kraft und Tugend ihres denkenden Geistes würdig zu erfüllen.

Die Raumer'schen Briefe eröffnen, wie bemerkt, durchaus kein ähnliches Schauspiel; und wir können unsere Betrachtungen über dieselben mit nichts Anderem schließen, als dem Wunsche, daß, nachdem dem berühmten Verfasser der Versuch eines Sichgeistiggehenlassens über Italien hier so übel gerathen ist, er uns binnen einiger Jahre durch eine tüchtig zusammengenommene Arbeit über italienische Geschichte (für die ihm auch auf dieser letzten Reise viele neue Hülfsquellen zugänglich geworden zu seyn scheinen) den unangenehmen Eindruck jenes voreilig publicirten Werks wieder vergessen machen möge.

Deutschland.

Zu den neuern Arbeiten Schwanthalers ist außer der Bavaria *)*) auch die Statue Kaiser Rudolfs von Habsburg zu zählen, in sitzender Stellung mit Schwert und Reichsapfel, gegen 9 Fuß hoch, im Gypsmodell vollendet und für den Dom zu Speyer bestimmt. Bekanntlich ruhen in diesem Dom acht deutsche Kaiser. Er gehört zu den ausgezeichnetsten Baudenkmalen im reinhyzantinischen Styl, und ist durch seine schöne Krypta berühmt. Die Statue Rudolfs, die der Künstler ganz im Styl des Mittelalters mit großartigem Faltenwurfe einfach und würdig gehalten, wird auf einem hohen Piedestal, das gleichfalls in Marmor, nach dem Entwurf des Oberbauraths v. Gärtner, ausgeführt wird, seine Stelle gegenüber dem Denkmal des Kaisers Adolf von Nassau erhalten. Einer andern in öffentlichen Blättern noch nicht erwähnten Arbeit Schwanthalers gedenken wir hier um so mehr, als sich ihre Ausführung an eine der vielbesprochensten Erfindungen der Gegenwart knüpft. Es ist dieß der Schild des Herakles nach Hesiods bekannter Dichtung, ein Werk, welches, ohne irgend eine öffentliche Bestimmung zu haben, lediglich aus der Begeisterung entstand, zu welcher den Künstler jene leider nur als Bruchstück uns überlieferte herrliche Poesie entzündete. Bedenkt man, daß auf dem drei Schuh im Durchmesser haltenden, rund gewölbten Schilde mehr als 140 Menschen- und Thiergebilde sich befinden, die in bunter Fülle (gegenwärtig noch von Wachs auf Gyps modellirt) alle Hauptmomente des kriegerischen und friedlichen Lebens des hellenischen Alterthums umfassen, so wird man den Reichthum von Phantasie und Geist ermessen können, der sich in diesem Werke ausspricht, das unbedenklich unter die vollendetsten Schöpfungen Schwanthalers zu zählen ist. Gewiß aber wird es unsern Lesern auch von Interesse seyn, zu hören, daß dieser Schild mit seinen mehr als hundert Figuren von Professor Steinheil nach der von ihm in Anwendung gebrachten neuen Erfindung mit aufgelöstem Kupfer gegossen werden soll. An dem glücklichen Gelingen kann nach den bisherigen Erfahrungen nicht gezweifelt werden. Möge denn bald das unvergleichliche Gebilde hellstrahlend hervorgehen aus der Werkstätte der beiden vaterländischen Meister –

„Wunderschön auch für Zeus, den Donnerer, welchem gehorsam
Jenen Schild Hephästos vollendete, groß und gediegen,
Formend in künstlicher Hand!“
Wir behalten uns vor, auch von den übrigen, zahlreichen und höchst bedeutenden Arbeiten Schwanthalers, die in neuester Zeit begonnen oder vollendet wurden, demnächst in Kürze ferneren Bericht zu erstatten. (Münchn. pol. Ztg.)

Conservator und Professor Heideloff in Nürnberg, beseelt von dem Bestreben, die harmonische Polychromie öffentlich an den Gebäuden in Anwendung zu bringen, ist es nach unermüdlichen Forschungen und vielseitigen Versuchen endlich gelungen, eine dauerhafte, ja unverwüstliche und wohlfeile Malerei auf hydraulischen und andern Kalk, Gyps und Stein zu erzielen. Den Beweis hiefür liefern unter andern die gelungenen Versuche des Genannten in dem unter seiner Leitung restaurirten Dom zu Bamberg, wo er die ersten Versuche anstellte, und in der alterthümlich malerisch gelegenen Festung Coburg, welche gegenwärtig Se. Durchl. der regierende Herzog Ernst von Sachsen-Coburg und Gotha durch denselben wieder herstellen läßt, und in welcher die kostbaren Zimmer aus dem 15ten Jahrhundert in ihrem alten Glanze der Nachwelt sich zeigen. Einfach und jedem praktischen Maurer oder Tüncher wohl längst bekannt ist das Verfahren bei dieser Malerei; aber das sich von selbst darbietende Mittel wurde nie einer sorgfältigen Beachtung und weitern Untersuchung werth gehalten. Milch ist das Bindemittel, durch welches bei einem eigenthümlichen Verfahren und besonders zu beobachtender Mischung und Zubereitungsart des fetten weißen Kalks, und besonderer Zeitberechnung eine unauslöschliche, der Hitze, Kälte und Nässe, überhaupt jeder Witterung trotzende Malerei auf Kalk hervorgebracht werden kann. Es ist bei einem rechten Verfahren möglich, sogar die mit hydraulischem Kalk ausgelegten Bassins zu bemalen, ohne daß die Farben vom Wasser aufgelöst werden. Dabei gewähren die auf solche Weise hergestellten Malereien noch den großen Vortheil einer leichten Reinigung,

*) Unserm letzten Bericht über Schwanthalers Bavaria haben wir noch beizufügen, daß die erwähnte Treppe im Innern der Statue aus Gußeisen gefertigt, und zur Erhellung derselben ohne Zweifel Gasbeleuchtung angewendet werden wird. Die Höhe des Piedestals beträgt 28, nicht 40 Fuß, die Metalldicke einen ganzen Zoll.
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[1093/0013] greisen Haaren wohlanstehe, und auf jeden Fall für einen Reisebeschreiber Italiens durchaus unpassend sey. Wir wissen nämlich auf der einen Seite, wie wir auch oben andeuteten, sehr wohl, daß das Athmen der italienischen Luft – sey es nun die bloße Wirkung des leichtern weitern Himmels, oder der Eindruck des so naturgemäß dahinströmenden Volkslebens, oder endlich das Verständniß so vieler in nackter Schönheit prangender Götterbilder – den Menschen treibt, sich hier von einer Menge Hüllen und Falten loszuschälen, mit denen er im Norden das ganze Gleichgewicht seines Daseyns verlieren zu müssen sich eingebildet hätte; aber wir wissen auch andrerseits, daß dieselbe Luft, als Gegenspiel gegen jene Enthüllungen und Enttäuschungen, bei dem edlen hingegebenen Menschen eine solche Fülle neuer Seelentriebe und Geistesformen aus den geheimsten Tiefen seines Lebens ans Licht der Sonne ruft, daß alle jene entstehenden äußern Blößen alsobald mit einer nie geahnten, von innen herausdringenden, thatenschwangern Verklärung vor ihm selbst und andern wieder zugedeckt werden: alle hohlen Blüthen fallen ab, alle schlummernden Keime schließen sich auf, und diesseits des Grabes gibt es für den Menschen keinen mächtigern Strom der Wiedergeburt als einen Aufenthalt in Italien. Das ist, zum Beispiel, das großartige herzerhebende Schauspiel, das uns die Goethe'schen – obwohl eigentlich auch nicht für das Publicum geschriebenen – italienischen Briefe eröffnen: das Schauspiel einer edlen Natur, die, von diesem wunderbaren Himmel berührt, plötzlich erwachend in der Mitte ihres Daseyns still steht, und, die Schatten und Träume der Vergangenheit von sich streifend, sich in ihrer Stellung zu Welt, Leben und Kunst als Denker und Dichter klarer als je erkennt, und den festen Entschluß faßt, diesen ihr gewordenen Beruf, nämlich das wirkliche Begreifen und Erleben des ihr aufgethanen Wissensgebiets, mit aller Kraft und Tugend ihres denkenden Geistes würdig zu erfüllen. Die Raumer'schen Briefe eröffnen, wie bemerkt, durchaus kein ähnliches Schauspiel; und wir können unsere Betrachtungen über dieselben mit nichts Anderem schließen, als dem Wunsche, daß, nachdem dem berühmten Verfasser der Versuch eines Sichgeistiggehenlassens über Italien hier so übel gerathen ist, er uns binnen einiger Jahre durch eine tüchtig zusammengenommene Arbeit über italienische Geschichte (für die ihm auch auf dieser letzten Reise viele neue Hülfsquellen zugänglich geworden zu seyn scheinen) den unangenehmen Eindruck jenes voreilig publicirten Werks wieder vergessen machen möge. Deutschland. _ München, 13 Mai. Zu den neuern Arbeiten Schwanthalers ist außer der Bavaria *) *) auch die Statue Kaiser Rudolfs von Habsburg zu zählen, in sitzender Stellung mit Schwert und Reichsapfel, gegen 9 Fuß hoch, im Gypsmodell vollendet und für den Dom zu Speyer bestimmt. Bekanntlich ruhen in diesem Dom acht deutsche Kaiser. Er gehört zu den ausgezeichnetsten Baudenkmalen im reinhyzantinischen Styl, und ist durch seine schöne Krypta berühmt. Die Statue Rudolfs, die der Künstler ganz im Styl des Mittelalters mit großartigem Faltenwurfe einfach und würdig gehalten, wird auf einem hohen Piedestal, das gleichfalls in Marmor, nach dem Entwurf des Oberbauraths v. Gärtner, ausgeführt wird, seine Stelle gegenüber dem Denkmal des Kaisers Adolf von Nassau erhalten. Einer andern in öffentlichen Blättern noch nicht erwähnten Arbeit Schwanthalers gedenken wir hier um so mehr, als sich ihre Ausführung an eine der vielbesprochensten Erfindungen der Gegenwart knüpft. Es ist dieß der Schild des Herakles nach Hesiods bekannter Dichtung, ein Werk, welches, ohne irgend eine öffentliche Bestimmung zu haben, lediglich aus der Begeisterung entstand, zu welcher den Künstler jene leider nur als Bruchstück uns überlieferte herrliche Poesie entzündete. Bedenkt man, daß auf dem drei Schuh im Durchmesser haltenden, rund gewölbten Schilde mehr als 140 Menschen- und Thiergebilde sich befinden, die in bunter Fülle (gegenwärtig noch von Wachs auf Gyps modellirt) alle Hauptmomente des kriegerischen und friedlichen Lebens des hellenischen Alterthums umfassen, so wird man den Reichthum von Phantasie und Geist ermessen können, der sich in diesem Werke ausspricht, das unbedenklich unter die vollendetsten Schöpfungen Schwanthalers zu zählen ist. Gewiß aber wird es unsern Lesern auch von Interesse seyn, zu hören, daß dieser Schild mit seinen mehr als hundert Figuren von Professor Steinheil nach der von ihm in Anwendung gebrachten neuen Erfindung mit aufgelöstem Kupfer gegossen werden soll. An dem glücklichen Gelingen kann nach den bisherigen Erfahrungen nicht gezweifelt werden. Möge denn bald das unvergleichliche Gebilde hellstrahlend hervorgehen aus der Werkstätte der beiden vaterländischen Meister – „Wunderschön auch für Zeus, den Donnerer, welchem gehorsam Jenen Schild Hephästos vollendete, groß und gediegen, Formend in künstlicher Hand!“ Wir behalten uns vor, auch von den übrigen, zahlreichen und höchst bedeutenden Arbeiten Schwanthalers, die in neuester Zeit begonnen oder vollendet wurden, demnächst in Kürze ferneren Bericht zu erstatten. (Münchn. pol. Ztg.) _ Nürnberg. Dem k. Conservator und Professor Heideloff in Nürnberg, beseelt von dem Bestreben, die harmonische Polychromie öffentlich an den Gebäuden in Anwendung zu bringen, ist es nach unermüdlichen Forschungen und vielseitigen Versuchen endlich gelungen, eine dauerhafte, ja unverwüstliche und wohlfeile Malerei auf hydraulischen und andern Kalk, Gyps und Stein zu erzielen. Den Beweis hiefür liefern unter andern die gelungenen Versuche des Genannten in dem unter seiner Leitung restaurirten Dom zu Bamberg, wo er die ersten Versuche anstellte, und in der alterthümlich malerisch gelegenen Festung Coburg, welche gegenwärtig Se. Durchl. der regierende Herzog Ernst von Sachsen-Coburg und Gotha durch denselben wieder herstellen läßt, und in welcher die kostbaren Zimmer aus dem 15ten Jahrhundert in ihrem alten Glanze der Nachwelt sich zeigen. Einfach und jedem praktischen Maurer oder Tüncher wohl längst bekannt ist das Verfahren bei dieser Malerei; aber das sich von selbst darbietende Mittel wurde nie einer sorgfältigen Beachtung und weitern Untersuchung werth gehalten. Milch ist das Bindemittel, durch welches bei einem eigenthümlichen Verfahren und besonders zu beobachtender Mischung und Zubereitungsart des fetten weißen Kalks, und besonderer Zeitberechnung eine unauslöschliche, der Hitze, Kälte und Nässe, überhaupt jeder Witterung trotzende Malerei auf Kalk hervorgebracht werden kann. Es ist bei einem rechten Verfahren möglich, sogar die mit hydraulischem Kalk ausgelegten Bassins zu bemalen, ohne daß die Farben vom Wasser aufgelöst werden. Dabei gewähren die auf solche Weise hergestellten Malereien noch den großen Vortheil einer leichten Reinigung, *) Unserm letzten Bericht über Schwanthalers Bavaria haben wir noch beizufügen, daß die erwähnte Treppe im Innern der Statue aus Gußeisen gefertigt, und zur Erhellung derselben ohne Zweifel Gasbeleuchtung angewendet werden wird. Die Höhe des Piedestals beträgt 28, nicht 40 Fuß, die Metalldicke einen ganzen Zoll.

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Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 137. Augsburg, 16. Mai 1840, S. 1093. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_137_18400516/13>, abgerufen am 12.04.2024.