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Allgemeine Zeitung. Nr. 71. Augsburg, 11. März 1840.

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Augsburger Allgemeine Zeitung.
Mit allerhöchsten Privilegien.
Mittwoch
Nr. 71.
11 März 1840.

Portugal.

Die Nachrichten aus Lissabon in englischen Blättern reichen bis zum 24 Febr. Die Adresse auf die Thronrede war noch immer in Discussion. Der auf England und den Sklavenhandel bezügliche Paragraph kam am 17 zu Verhandlung, und war am 22 noch nicht erledigt. Die Opposition schrie, Portugal müsse an England den Krieg erklären, wogegen jedoch die Minister sehr erhebliche Einwendungen machten, deren Relevanz auch allen vernünftigen Portugiesen einleuchtet. Hr. Passos Manoel that sich besonders durch lächerliche Diatriben gegen England hervor, indem er unter Anderm behauptete, die Officiere an Bord der englischen Kreuzer auf Sklavenschiffe seyen selbst beim portugiesischen Sklavenhandel betheiligt. Um diese Aufregung wider England etwas zu beschwichtigen, veröffentlichte das Diario do Governo vom 21 Febr. eine Depesche des Gouverneurs von der Insel St. Thomas d. d. 20 Nov., worin gemeldet ist, daß der Commandant eines englischen Kreuzers, der portugiesische Schiffe unter den Kanonen der Festung von St. Thomas hatte durchsuchen lassen, auf deßhalb erhobene Beschwerde von seinem Vorgesetzten einen Verweis erhalten habe. - Portugal ist übrigens ruhig, und von Guerrilhas ist es ganz still geworden.

Spanien.

Die öffentliche Ruhe ist seit dem 25 keinen Augenblick wieder gestört worden, und selbst das Ayuntamiento hat sich endlich den Anordnungen der Regierung unterworfen. Es hielt gestern unter Vorsitz des neuen Gefe politico eine Sitzung, und willigte ein, sich ohne die Erlaubniß des General-Capitäns nicht wieder zu versammeln. Mehrere der Unruhestifter sind verhaftet worden, andere halten sich verborgen. Vorgestern Abend hielten die Minister eine Berathschlagung, zu welcher auch die HH. Martinez de la Rosa, Isturiz, Moscoso de Altamira und Graf Toreno zugezogen waren. Man beschloß, daß die Cortes heute ihre Sitzungen wieder eröffnen sollten. Eine Proclamation des General-Capitäns verfügte, daß alle Personen, die sich während oder eine halbe Stunde nach der heutigen Sitzung auf dem Platze des Congresses aufhalten würden, sogleich verhaftet werden sollten. Vor dem Palaste desselben war eine Grenadiercompagnie der Nationalmiliz als Wache aufgestellt, und im Innern hatte man auf der öffentlichen Galerie eine Einrichtung getroffen, vermittelst deren das Volk vor zu großem Andrange zurückgehalten, und die Einwirkung der Aufsichtsbehörde erleichtert wurde. Die Zuschauer verhielten sich in der That ruhig; desto größere Aufregung aber verriethen die Deputirten, Moderirte sowohl wie Progressisten. Nachdem der Minister des Innern erklärt hatte, daß von Seite der Regierung alle Maaßregeln getroffen wären, um für die Unverletzlichkeit der Deputirten zu sorgen, griff Hr. Lopez die Gültigkeit der Wahlen von Oviedo an, ging aber alsbald auf die Ereignisse der letzten Tage über, die er so darzustellen suchte, als ob sie durch die Regierung und durch die Majorität der Cortes hervorgerufen wären. Er behauptete, die Regierung beabsichtige den Despotismus der römischen Kaiser herbeizuführen, und berief sich auf verschiedene Stellen aus Lerminiers Schriften. Die Wahlen, meinte er, seyen alle ungültig, und er selbst werde aus dem Congreß treten, sobald dieser sich für constituirt erkläre. "Die Ereignisse von la Granja, rief er aus, wurden durch die Nothwendigkeit herbeigeführt, denn seit drei Jahren kämpfte die Regierung gegen die öffentliche Meinung." Die damals verkündete Verfassung existire bereits nicht mehr, da man Madrid in Belagerungszustand erklärt, und Truppen gegen das unbewaffnete Volk der Hauptstadt gerufen habe. Hr. Calatrava beschuldigte darauf den Präsidenten, das Reglement verletzt zu haben, indem er, ohne den Congreß zu befragen, die Sitzungen auf einige Tage ausgesetzt. Als er hinzufügte, der Belagerungszustand von Madrid sey ein Eingriff in die Constitution, wurde er allgemein zur Ordnung gerufen, und der Präsident nahm ihm das Wort. "Wir haben zu viel Geduld gezeigt," rief namentlich der Graf Toreno aus. Hr. Arguelles protestirte darauf ebenfalls gegen den Belagerungszustand, und erklärte die Wahlen von Navarra nicht für gültig anerkennen zu können, weil er bezweifle, daß man sich dort den Gesetzen, welche der Congreß votire, unterwerfen würde. Die Wahlen jener Provinz wurden indessen mit 94 Stimmen gegen 31 für gültig erklärt und darauf die Sitzung aufgehoben. - In der Nähe von Castellon wurden am 18 Februar 45 Officiere und 903 Soldaten gegen eine gleiche Anzahl gefangener Carlisten ausgewechselt.

Augsburger Allgemeine Zeitung.
Mit allerhöchsten Privilegien.
Mittwoch
Nr. 71.
11 März 1840.

Portugal.

Die Nachrichten aus Lissabon in englischen Blättern reichen bis zum 24 Febr. Die Adresse auf die Thronrede war noch immer in Discussion. Der auf England und den Sklavenhandel bezügliche Paragraph kam am 17 zu Verhandlung, und war am 22 noch nicht erledigt. Die Opposition schrie, Portugal müsse an England den Krieg erklären, wogegen jedoch die Minister sehr erhebliche Einwendungen machten, deren Relevanz auch allen vernünftigen Portugiesen einleuchtet. Hr. Passos Manoel that sich besonders durch lächerliche Diatriben gegen England hervor, indem er unter Anderm behauptete, die Officiere an Bord der englischen Kreuzer auf Sklavenschiffe seyen selbst beim portugiesischen Sklavenhandel betheiligt. Um diese Aufregung wider England etwas zu beschwichtigen, veröffentlichte das Diario do Governo vom 21 Febr. eine Depesche des Gouverneurs von der Insel St. Thomas d. d. 20 Nov., worin gemeldet ist, daß der Commandant eines englischen Kreuzers, der portugiesische Schiffe unter den Kanonen der Festung von St. Thomas hatte durchsuchen lassen, auf deßhalb erhobene Beschwerde von seinem Vorgesetzten einen Verweis erhalten habe. – Portugal ist übrigens ruhig, und von Guerrilhas ist es ganz still geworden.

Spanien.

Die öffentliche Ruhe ist seit dem 25 keinen Augenblick wieder gestört worden, und selbst das Ayuntamiento hat sich endlich den Anordnungen der Regierung unterworfen. Es hielt gestern unter Vorsitz des neuen Gefe politico eine Sitzung, und willigte ein, sich ohne die Erlaubniß des General-Capitäns nicht wieder zu versammeln. Mehrere der Unruhestifter sind verhaftet worden, andere halten sich verborgen. Vorgestern Abend hielten die Minister eine Berathschlagung, zu welcher auch die HH. Martinez de la Rosa, Isturiz, Moscoso de Altamira und Graf Toreno zugezogen waren. Man beschloß, daß die Cortes heute ihre Sitzungen wieder eröffnen sollten. Eine Proclamation des General-Capitäns verfügte, daß alle Personen, die sich während oder eine halbe Stunde nach der heutigen Sitzung auf dem Platze des Congresses aufhalten würden, sogleich verhaftet werden sollten. Vor dem Palaste desselben war eine Grenadiercompagnie der Nationalmiliz als Wache aufgestellt, und im Innern hatte man auf der öffentlichen Galerie eine Einrichtung getroffen, vermittelst deren das Volk vor zu großem Andrange zurückgehalten, und die Einwirkung der Aufsichtsbehörde erleichtert wurde. Die Zuschauer verhielten sich in der That ruhig; desto größere Aufregung aber verriethen die Deputirten, Moderirte sowohl wie Progressisten. Nachdem der Minister des Innern erklärt hatte, daß von Seite der Regierung alle Maaßregeln getroffen wären, um für die Unverletzlichkeit der Deputirten zu sorgen, griff Hr. Lopez die Gültigkeit der Wahlen von Oviedo an, ging aber alsbald auf die Ereignisse der letzten Tage über, die er so darzustellen suchte, als ob sie durch die Regierung und durch die Majorität der Cortes hervorgerufen wären. Er behauptete, die Regierung beabsichtige den Despotismus der römischen Kaiser herbeizuführen, und berief sich auf verschiedene Stellen aus Lerminiers Schriften. Die Wahlen, meinte er, seyen alle ungültig, und er selbst werde aus dem Congreß treten, sobald dieser sich für constituirt erkläre. „Die Ereignisse von la Granja, rief er aus, wurden durch die Nothwendigkeit herbeigeführt, denn seit drei Jahren kämpfte die Regierung gegen die öffentliche Meinung.“ Die damals verkündete Verfassung existire bereits nicht mehr, da man Madrid in Belagerungszustand erklärt, und Truppen gegen das unbewaffnete Volk der Hauptstadt gerufen habe. Hr. Calatrava beschuldigte darauf den Präsidenten, das Reglement verletzt zu haben, indem er, ohne den Congreß zu befragen, die Sitzungen auf einige Tage ausgesetzt. Als er hinzufügte, der Belagerungszustand von Madrid sey ein Eingriff in die Constitution, wurde er allgemein zur Ordnung gerufen, und der Präsident nahm ihm das Wort. „Wir haben zu viel Geduld gezeigt,“ rief namentlich der Graf Toreno aus. Hr. Arguelles protestirte darauf ebenfalls gegen den Belagerungszustand, und erklärte die Wahlen von Navarra nicht für gültig anerkennen zu können, weil er bezweifle, daß man sich dort den Gesetzen, welche der Congreß votire, unterwerfen würde. Die Wahlen jener Provinz wurden indessen mit 94 Stimmen gegen 31 für gültig erklärt und darauf die Sitzung aufgehoben. – In der Nähe von Castellon wurden am 18 Februar 45 Officiere und 903 Soldaten gegen eine gleiche Anzahl gefangener Carlisten ausgewechselt.

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[0561/0001] Augsburger Allgemeine Zeitung. Mit allerhöchsten Privilegien. Mittwoch Nr. 71. 11 März 1840. Portugal. Die Nachrichten aus Lissabon in englischen Blättern reichen bis zum 24 Febr. Die Adresse auf die Thronrede war noch immer in Discussion. Der auf England und den Sklavenhandel bezügliche Paragraph kam am 17 zu Verhandlung, und war am 22 noch nicht erledigt. Die Opposition schrie, Portugal müsse an England den Krieg erklären, wogegen jedoch die Minister sehr erhebliche Einwendungen machten, deren Relevanz auch allen vernünftigen Portugiesen einleuchtet. Hr. Passos Manoel that sich besonders durch lächerliche Diatriben gegen England hervor, indem er unter Anderm behauptete, die Officiere an Bord der englischen Kreuzer auf Sklavenschiffe seyen selbst beim portugiesischen Sklavenhandel betheiligt. Um diese Aufregung wider England etwas zu beschwichtigen, veröffentlichte das Diario do Governo vom 21 Febr. eine Depesche des Gouverneurs von der Insel St. Thomas d. d. 20 Nov., worin gemeldet ist, daß der Commandant eines englischen Kreuzers, der portugiesische Schiffe unter den Kanonen der Festung von St. Thomas hatte durchsuchen lassen, auf deßhalb erhobene Beschwerde von seinem Vorgesetzten einen Verweis erhalten habe. – Portugal ist übrigens ruhig, und von Guerrilhas ist es ganz still geworden. Spanien. _ Madrid 29 Febr. Die öffentliche Ruhe ist seit dem 25 keinen Augenblick wieder gestört worden, und selbst das Ayuntamiento hat sich endlich den Anordnungen der Regierung unterworfen. Es hielt gestern unter Vorsitz des neuen Gefe politico eine Sitzung, und willigte ein, sich ohne die Erlaubniß des General-Capitäns nicht wieder zu versammeln. Mehrere der Unruhestifter sind verhaftet worden, andere halten sich verborgen. Vorgestern Abend hielten die Minister eine Berathschlagung, zu welcher auch die HH. Martinez de la Rosa, Isturiz, Moscoso de Altamira und Graf Toreno zugezogen waren. Man beschloß, daß die Cortes heute ihre Sitzungen wieder eröffnen sollten. Eine Proclamation des General-Capitäns verfügte, daß alle Personen, die sich während oder eine halbe Stunde nach der heutigen Sitzung auf dem Platze des Congresses aufhalten würden, sogleich verhaftet werden sollten. Vor dem Palaste desselben war eine Grenadiercompagnie der Nationalmiliz als Wache aufgestellt, und im Innern hatte man auf der öffentlichen Galerie eine Einrichtung getroffen, vermittelst deren das Volk vor zu großem Andrange zurückgehalten, und die Einwirkung der Aufsichtsbehörde erleichtert wurde. Die Zuschauer verhielten sich in der That ruhig; desto größere Aufregung aber verriethen die Deputirten, Moderirte sowohl wie Progressisten. Nachdem der Minister des Innern erklärt hatte, daß von Seite der Regierung alle Maaßregeln getroffen wären, um für die Unverletzlichkeit der Deputirten zu sorgen, griff Hr. Lopez die Gültigkeit der Wahlen von Oviedo an, ging aber alsbald auf die Ereignisse der letzten Tage über, die er so darzustellen suchte, als ob sie durch die Regierung und durch die Majorität der Cortes hervorgerufen wären. Er behauptete, die Regierung beabsichtige den Despotismus der römischen Kaiser herbeizuführen, und berief sich auf verschiedene Stellen aus Lerminiers Schriften. Die Wahlen, meinte er, seyen alle ungültig, und er selbst werde aus dem Congreß treten, sobald dieser sich für constituirt erkläre. „Die Ereignisse von la Granja, rief er aus, wurden durch die Nothwendigkeit herbeigeführt, denn seit drei Jahren kämpfte die Regierung gegen die öffentliche Meinung.“ Die damals verkündete Verfassung existire bereits nicht mehr, da man Madrid in Belagerungszustand erklärt, und Truppen gegen das unbewaffnete Volk der Hauptstadt gerufen habe. Hr. Calatrava beschuldigte darauf den Präsidenten, das Reglement verletzt zu haben, indem er, ohne den Congreß zu befragen, die Sitzungen auf einige Tage ausgesetzt. Als er hinzufügte, der Belagerungszustand von Madrid sey ein Eingriff in die Constitution, wurde er allgemein zur Ordnung gerufen, und der Präsident nahm ihm das Wort. „Wir haben zu viel Geduld gezeigt,“ rief namentlich der Graf Toreno aus. Hr. Arguelles protestirte darauf ebenfalls gegen den Belagerungszustand, und erklärte die Wahlen von Navarra nicht für gültig anerkennen zu können, weil er bezweifle, daß man sich dort den Gesetzen, welche der Congreß votire, unterwerfen würde. Die Wahlen jener Provinz wurden indessen mit 94 Stimmen gegen 31 für gültig erklärt und darauf die Sitzung aufgehoben. – In der Nähe von Castellon wurden am 18 Februar 45 Officiere und 903 Soldaten gegen eine gleiche Anzahl gefangener Carlisten ausgewechselt.

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Zitationshilfe: Allgemeine Zeitung. Nr. 71. Augsburg, 11. März 1840, S. 0561. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/augsburgerallgemeine_071_18400311/1>, abgerufen am 25.02.2021.