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Römer, Daniel: Jesus! Himmels-Verlangen Stillt Seelen-Bangen. Bautzen, 1678.

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Stillt Seelen-Bangen.
gegeben/ daß es durch die in sich gefressene und verdauete Schlan-
gen sein Leben in etliche Hundert Jahre hinein fristen kan. Da-
hero wann er das Abnehmen des Vermögens und des Lebens füh-
let/ so begiebt er sich an die Hölen und Löcher derer Schlangen/ da
dieselben am meisten anzutreffen/ an dieselbe Löcher leget er sich
an mit seinem Athem/ da ziebet er so starck/ daß er sie damit aus
der Hölen heraus ziehet: alsdann zutrit er sie mit seinen Füssen/
und frist sie mit sambt ihrem Gifft und Stacheln in sich. Welche/
wann er anfängt zu dauen/ und zuverdauen/ in ihm eine unleidli-
che Hitze verursachen/ die ihm dann allen seinen Safft und Feuch-
tigkeit dermassen ausdorret und ausbrennet/ daß er vor grossem
Dnrst muß herumb tretben über Berg und Thal/ biß er frisches
Wasser antrifft; dasselbe trincket er nicht also bald in sich/ sondern
er leget sich zuvor hinein/ und kühlet sich damit ab/ hernach trin-
cket er davon/ und erqvicket sich. Mit diesem Verlangen der
Hirschen vergleichet König David sein und aller Kinder GOttes
ihr inneres Göttliches Seelen-Verlangen/ wann Er spricht:
Wie der Hirsch schreiet nach frischem Wasser/ so schreietPsal. 42.
v.
2: 3.

meine Seele GOtt zu dir/ meine Seele dürstet nach GOtt/
nach dem lebendigen GOtt/ wann werd ich dahin kommen/
daß ich GOttes Angesicht schaue?
Der von dem Schlangen-
Gifft erhitzte Hirsch ist ein Bild eines von dem Sünden-Gifft an-
gesteckten und feurenden Menschen wann dar zu schläget die Flam-
me des biß in die unterste Hölle brenuenden Zorns GOttes/ das
Feuer der Höllischen Qval und Pein/ das säüget dann aus allen
seinen Seelen-Safft/ wie es im Sommer dürrre wird Se-Ps. 32, 4.
la; daß seine Kräffte vertrocknen wie ein Scherbe. DasPs. 22, 16.
treibet ihn dann in einen solchen Durst/ daß seine Seele dürstet/
daß sein Fleisch verlanget in einem trocken und dürren Lan-
Ps. 63, 2.
de/ da kein Wasser ist. Der Heil Augustin. vergleichet diß
Verlangen mit einem Feuer/ von welchem die beyden Jünger/ die

gen

Stillt Seelen-Bangen.
gegeben/ daß es durch die in ſich gefreſſene und verdauete Schlan-
gen ſein Leben in etliche Hundert Jahre hinein friſten kan. Da-
hero wann er das Abnehmen des Vermoͤgens und des Lebens fuͤh-
let/ ſo begiebt er ſich an die Hoͤlen und Loͤcher derer Schlangen/ da
dieſelben am meiſten anzutreffen/ an dieſelbe Loͤcher leget er ſich
an mit ſeinem Athem/ da ziebet er ſo ſtarck/ daß er ſie damit aus
der Hoͤlen heraus ziehet: alsdann zutrit er ſie mit ſeinen Fuͤſſen/
und friſt ſie mit ſambt ihrem Gifft und Stacheln in ſich. Welche/
wann er anfaͤngt zu dauen/ und zuverdauen/ in ihm eine unleidli-
che Hitze verurſachen/ die ihm dann allen ſeinen Safft und Feuch-
tigkeit dermaſſen ausdorret und ausbrennet/ daß er vor groſſem
Dnrſt muß herumb tretben uͤber Berg und Thal/ biß er friſches
Waſſer antrifft; daſſelbe trincket er nicht alſo bald in ſich/ ſondern
er leget ſich zuvor hinein/ und kuͤhlet ſich damit ab/ hernach trin-
cket er davon/ und erqvicket ſich. Mit dieſem Verlangen der
Hirſchen vergleichet Koͤnig David ſein und aller Kinder GOttes
ihr inneres Goͤttliches Seelen-Verlangen/ wann Er ſpricht:
Wie der Hirſch ſchreiet nach friſchem Waſſer/ ſo ſchreietPſal. 42.
v.
2: 3.

meine Seele GOtt zu dir/ meine Seele dürſtet nach GOtt/
nach dem lebendigen GOtt/ wann werd ich dahin kommen/
daß ich GOttes Angeſicht ſchaue?
Der von dem Schlangen-
Gifft erhitzte Hirſch iſt ein Bild eines von dem Sünden-Gifft an-
geſteckten und feurenden Menſchen wann dar zu ſchlaͤget die Flam-
me des biß in die unterſte Hoͤlle brenuenden Zorns GOttes/ das
Feuer der Hoͤlliſchen Qval und Pein/ das ſaͤuͤget dann aus allen
ſeinen Seelen-Safft/ wie es im Sommer duͤrrre wird Se-Pſ. 32, 4.
la; daß ſeine Kraͤffte vertrocknen wie ein Scherbe. DasPſ. 22, 16.
treibet ihn dann in einen ſolchen Durſt/ daß ſeine Seele duͤrſtet/
daß ſein Fleiſch verlanget in einem trocken und duͤrren Lan-
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[[23]/0023] Stillt Seelen-Bangen. gegeben/ daß es durch die in ſich gefreſſene und verdauete Schlan- gen ſein Leben in etliche Hundert Jahre hinein friſten kan. Da- hero wann er das Abnehmen des Vermoͤgens und des Lebens fuͤh- let/ ſo begiebt er ſich an die Hoͤlen und Loͤcher derer Schlangen/ da dieſelben am meiſten anzutreffen/ an dieſelbe Loͤcher leget er ſich an mit ſeinem Athem/ da ziebet er ſo ſtarck/ daß er ſie damit aus der Hoͤlen heraus ziehet: alsdann zutrit er ſie mit ſeinen Fuͤſſen/ und friſt ſie mit ſambt ihrem Gifft und Stacheln in ſich. Welche/ wann er anfaͤngt zu dauen/ und zuverdauen/ in ihm eine unleidli- che Hitze verurſachen/ die ihm dann allen ſeinen Safft und Feuch- tigkeit dermaſſen ausdorret und ausbrennet/ daß er vor groſſem Dnrſt muß herumb tretben uͤber Berg und Thal/ biß er friſches Waſſer antrifft; daſſelbe trincket er nicht alſo bald in ſich/ ſondern er leget ſich zuvor hinein/ und kuͤhlet ſich damit ab/ hernach trin- cket er davon/ und erqvicket ſich. Mit dieſem Verlangen der Hirſchen vergleichet Koͤnig David ſein und aller Kinder GOttes ihr inneres Goͤttliches Seelen-Verlangen/ wann Er ſpricht: Wie der Hirſch ſchreiet nach friſchem Waſſer/ ſo ſchreiet meine Seele GOtt zu dir/ meine Seele dürſtet nach GOtt/ nach dem lebendigen GOtt/ wann werd ich dahin kommen/ daß ich GOttes Angeſicht ſchaue? Der von dem Schlangen- Gifft erhitzte Hirſch iſt ein Bild eines von dem Sünden-Gifft an- geſteckten und feurenden Menſchen wann dar zu ſchlaͤget die Flam- me des biß in die unterſte Hoͤlle brenuenden Zorns GOttes/ das Feuer der Hoͤlliſchen Qval und Pein/ das ſaͤuͤget dann aus allen ſeinen Seelen-Safft/ wie es im Sommer duͤrrre wird Se- la; daß ſeine Kraͤffte vertrocknen wie ein Scherbe. Das treibet ihn dann in einen ſolchen Durſt/ daß ſeine Seele duͤrſtet/ daß ſein Fleiſch verlanget in einem trocken und duͤrren Lan- de/ da kein Waſſer iſt. Der Heil Auguſtin. vergleichet diß Verlangen mit einem Feuer/ von welchem die beyden Juͤnger/ die gen Pſal. 42. v. 2: 3. Pſ. 32, 4. Pſ. 22, 16. Pſ. 63, 2.

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Zitationshilfe: Römer, Daniel: Jesus! Himmels-Verlangen Stillt Seelen-Bangen. Bautzen, 1678, S. [23]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/542013/23>, abgerufen am 14.04.2024.