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Arnold, Johannes: Die Bittere Klage über den Erschlagenen in meinem Volck. Pirna, 1713.

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über den Erschlagenen in meinem Volck.
Glück gehabt/ daß er von jederman im Leben geliebet/ und im Tode betrau-
ret wird. Absonderlich aber hat er sich mit seinen und seines Weibes
Freunden und Anverwandten wohl vertragen/ in vertraulicher Freund-
schafft/ Harmonie und Einigkeit gelebet. Jn der Historia rühmet man
viel von des Damonis und Pythiae, Castoris und Pollucis auffrichtiger
Freund- und Brüderschafft/ Lucianus und Tullius hatten einander so
lieb/ daß sich ein jedweder den Todt darum wünschete/ damit der andere
seine Jahre leben möchte. (vid. Adam. Corn. Cop. P 1. p. 643. seq.)
Und eine dergleichen/ ja noch genauere Freundschafft hielte er mit seinen
Freunden/ und sonderlich mit dem/ der ihn nachgehends ins Unglück ge-
bracht. War er nun Jonathan in vielen Tugenden gleich/ so hatte er
auch fast gleiches Unglück mit demselben. Denn was den

p. Modum Occisionis, oder das Unglück und die Arth desselben
anbelanget/ so war er erschossen.

Sonsten dräuet der grosse GOtt denen Ruchlosen einen gewaltsamen
Tod/ und sollen dieselben von Rechts wegen erschlagen werden/ wie aus
dem Munde Davids zu ersehen: Den Gottlosen wird das Unglück tödten/
und die den Gerechten hassen/ werden Schuld haben/ (Psal. XXXIV, 22.)
Oder wie sich die Göttliche Majestät vernehmen läst: Die Blutgierigen
und Falschen werden ihr Leben nicht zur Helffte bringen/ (Psal. LV, 24.)
Welches Cain wohl wuste/ und sich deßwegen/ nach begangenem Bruder-
Mord und angehörter gebührender Straffe/ gegen GOtt vernehmen ließ:
So wird mirs gehen/ daß mich todt schlage/ wer mich findet; (Gen. IV,
14.) und Julius Caesar in der That erfahren muste/ welcher/ nach vielen ver-
übten Todtschlägen/ endlich mit 23. Wunden zu todt gestochen wurde. Al-
leine/ wie es ehemahls dem frommen und unschuldigen Priester Ahimelech
und seinem gantzen Hause zu Nobe ergieng/ daß er selb 85. auff einen Tag
erschlagen wurde; (1. Sam. XXII, 18.) und dem redlichen Uriae, der unver-
schuldeter Weise an die Spitze des Krieges gestellet/ und darinnen ermor-
det wurde/ (2. Sam. XI, 15. 17.) Also ist es auch unserm selig-verstorbenen
Mitbruder (gleich wie GOtt sonst die Seinigen in manches Creutz und
Unglück/ nach seinem heiligen und unerforschlichen Rath/ gerathen läs-
set/) ergangen/ denn sein Unglück bestehet darinnen/ daß er erschossen wor-
den.

Von Jonathan heist es: er sey erschlagen. Jonathan ist auff deinen
Höhen etschlagen. Der Heil. Geist braucht in seiner Sprache das oben
angeführte und erklärte Wort [swaswatwaacwitwaa] welches so viel/ als vulneratum, con-

fos-
B 3

uͤber den Erſchlagenen in meinem Volck.
Gluͤck gehabt/ daß er von jederman im Leben geliebet/ und im Tode betrau-
ret wird. Abſonderlich aber hat er ſich mit ſeinen und ſeines Weibes
Freunden und Anverwandten wohl vertragen/ in vertraulicher Freund-
ſchafft/ Harmonie und Einigkeit gelebet. Jn der Hiſtoria ruͤhmet man
viel von des Damonis und Pythiæ, Caſtoris und Pollucis auffrichtiger
Freund- und Bruͤderſchafft/ Lucianus und Tullius hatten einander ſo
lieb/ daß ſich ein jedweder den Todt darum wuͤnſchete/ damit der andere
ſeine Jahre leben moͤchte. (vid. Adam. Corn. Cop. P 1. p. 643. ſeq.)
Und eine dergleichen/ ja noch genauere Freundſchafft hielte er mit ſeinen
Freunden/ und ſonderlich mit dem/ der ihn nachgehends ins Ungluͤck ge-
bracht. War er nun Jonathan in vielen Tugenden gleich/ ſo hatte er
auch faſt gleiches Ungluͤck mit demſelben. Denn was den

p. Modum Occiſionis, oder das Ungluͤck und die Arth deſſelben
anbelanget/ ſo war er erſchoſſen.

Sonſten draͤuet der groſſe GOtt denen Ruchloſen einen gewaltſamen
Tod/ und ſollen dieſelben von Rechts wegen erſchlagen werden/ wie aus
dem Munde Davids zu erſehen: Den Gottloſen wird das Ungluͤck toͤdten/
und die den Gerechten haſſen/ werden Schuld haben/ (Pſal. XXXIV, 22.)
Oder wie ſich die Goͤttliche Majeſtaͤt vernehmen laͤſt: Die Blutgierigen
und Falſchen werden ihr Leben nicht zur Helffte bringen/ (Pſal. LV, 24.)
Welches Cain wohl wuſte/ und ſich deßwegen/ nach begangenem Bruder-
Mord und angehoͤrter gebuͤhrender Straffe/ gegen GOtt vernehmen ließ:
So wird mirs gehen/ daß mich todt ſchlage/ wer mich findet; (Gen. IV,
14.) und Julius Cæſar in der That erfahren muſte/ welcher/ nach vielen ver-
uͤbten Todtſchlaͤgen/ endlich mit 23. Wunden zu todt geſtochen wurde. Al-
leine/ wie es ehemahls dem frommen und unſchuldigen Prieſter Ahimelech
und ſeinem gantzen Hauſe zu Nobe ergieng/ daß er ſelb 85. auff einen Tag
erſchlagen wurde; (1. Sam. XXII, 18.) und dem redlichen Uriæ, der unver-
ſchuldeter Weiſe an die Spitze des Krieges geſtellet/ und darinnen ermor-
det wurde/ (2. Sam. XI, 15. 17.) Alſo iſt es auch unſerm ſelig-verſtorbenen
Mitbruder (gleich wie GOtt ſonſt die Seinigen in manches Creutz und
Ungluͤck/ nach ſeinem heiligen und unerforſchlichen Rath/ gerathen laͤſ-
ſet/) ergangen/ denn ſein Ungluͤck beſtehet darinnen/ daß er erſchoſſen wor-
den.

Von Jonathan heiſt es: er ſey erſchlagen. Jonathan iſt auff deinen
Hoͤhen etſchlagen. Der Heil. Geiſt braucht in ſeiner Sprache das oben
angefuͤhrte und erklaͤrte Wort [ᔀᔀᑤᒕᑤ] welches ſo viel/ als vulneratum, con-

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B 3
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Zitationshilfe: Arnold, Johannes: Die Bittere Klage über den Erschlagenen in meinem Volck. Pirna, 1713, S. 13. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/392439/13>, abgerufen am 24.01.2021.