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Füssel, Martin: Christliche Leichpredigt/ Bey dem Begräbnüß deß Edelen Gestrengen/ Ehrenvesten/ Hoch vnd Wolbenambten/ Herren Joachim von Berge. [s. l.], 1602.

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Leichpredigt.
solcher/ der die gantze zeit seines lebens biß an sein letztes ende/ Gott hat sei-
nen Vater nennen können/ mit solcher brünstigkeit/ threnen vnd andacht/
die etwa wir noch nicht haben/ ob er/ sage ich/ ein verdamptes Helle kind
sein könne? vns vergewissern an seiner kindschafft vnd seligkeit/ diese
sprüch/ Rom: 8. v. 14. Welche der Geist Gottes treibet/ die sind
Gottes Kinder.
Jtem/ Rom. 10 v. 13. auß dem Propheten Joel am [unleserliches Material - 1 Zeichen fehlt]
v. 32. Wer den namen deß Herren wird anruffen/ sol Selig
werden. Vnd sind nicht die auß der zall der bösen Menschen/ die vnschüldige
Gottes kinder ohne schewe/ wieder das gewissen verdammen?

2. Darnach hat der Ertzhirte Jesus Christus/ diesen Edelen Herren/
als sein Schäflin fühlen lassen/ das er von jhm erkant sey/ das ist/ erweh-
let/ durch den glauben auff die gnade Gottes. Welcher glaube/ das er ein
vrkunde sey der Kinder Gottes/ ist dem frommen Herren nicht vnbekant
gewesen/ wie aus vielen sprüchen Göttlicher schrifft also insonderheit/ aus
der Epistel an die Galater am 3. cap. v. 26. Jhr seyd alle Gottes Kinder/
durch den glauben an Christo Jesu. Weil er diesen spruch auff seinem
Sichbette/ kurtz vor seinem ende in seinem buch so fleissig notiret vnd ge-
zeichnet.

Solchen seinen glauben/ hat er nicht nur mit worten bekennet/
sondern es hat jhn auch bezeuget der schöne Friede mit Gott/ der in seinem
Hertzen regieret hat. Denn je alle vmbstehenden mit warheit sagen müs-
sen/ daß er die gantze zeit seiner kranckheit/ vnd tödtlichen schwacheit/ ein
stilles friedsames Hertz vnd gewissen gehabt/ welches auch nicht die ge-
ringste anfechtung hat vervnruhigen können. Denn er gar offt vnd viel
drauff gefraget worden/ vnd er allezeit mit bestande bezeuget hat/ sein hertz
were mit Gott wol dran. Sonderlich am Sontag/ da er etwas in tief-
fen gedancken lag/ hat jhn einer seiner lieben freunde/ der jhm gar geheim
gewesen angeredt vnd gefraget/ Angitur ne Dominus? Dominus mihi
multa arcana saepe credidit, quaeso hoc etiam credat.
Das ist/ ich sehe
der Herr liegt in tieffen gedancken/ fühlet der Herr etwa beschwer in sei-
nem Hertzen/ der Herr hat mir viel in seinen geheimen sachen offt ver-Jsidorus
Nihil ju-
cundius,
nihil se-
curius
bona [c]on-
scientia.

trawet/ er vertrawe mir diß auch. Hat er drauff geantwortet. Prorsus
nihil. Ego Dei beneficio habeo pacatam conscientiam. Rebus meis
nonnihil aliter cogitavi prospicere: sed video Deum nolle mihi dare
facultatem: Valeant terrestria, salvete coelestia. Nemo terrestrium ul-
lam amplius faciat ad me mentionem.
Gar nichts (spricht er) ich habe

durch
E

Leichpredigt.
ſolcher/ der die gantze zeit ſeines lebens biß an ſein letztes ende/ Gott hat ſei-
nen Vater nennen koͤnnen/ mit ſolcher bruͤnſtigkeit/ threnen vnd andacht/
die etwa wir noch nicht haben/ ob er/ ſage ich/ ein verdamptes Helle kind
ſein koͤnne? vns vergewiſſern an ſeiner kindſchafft vnd ſeligkeit/ dieſe
ſpruͤch/ Rom: 8. v. 14. Welche der Geiſt Gottes treibet/ die ſind
Gottes Kinder.
Jtem/ Rom. 10 v. 13. auß dem Propheten Joel am [unleserliches Material – 1 Zeichen fehlt]
v. 32. Wer den namen deß Herren wird anruffen/ ſol Selig
werden. Vñ ſind nicht die auß der zall der boͤſen Menſchen/ die vnſchuͤldige
Gottes kinder ohne ſchewe/ wieder das gewiſſen verdammen?

2. Darnach hat der Ertzhirte Jeſus Chriſtus/ dieſen Edelen Herren/
als ſein Schaͤflin fuͤhlen laſſen/ das er von jhm erkant ſey/ das iſt/ erweh-
let/ durch den glauben auff die gnade Gottes. Welcher glaube/ das er ein
vrkunde ſey der Kinder Gottes/ iſt dem frommen Herren nicht vnbekant
geweſen/ wie aus vielen ſpruͤchen Goͤttlicher ſchrifft alſo inſonderheit/ aus
der Epiſtel an die Galater am 3. cap. v. 26. Jhr ſeyd alle Gottes Kinder/
durch den glauben an Chriſto Jeſu. Weil er dieſen ſpruch auff ſeinem
Sichbette/ kurtz vor ſeinem ende in ſeinem buch ſo fleiſſig notiret vnd ge-
zeichnet.

Solchen ſeinen glauben/ hat er nicht nur mit worten bekennet/
ſondern es hat jhn auch bezeuget der ſchoͤne Friede mit Gott/ der in ſeinem
Hertzen regieret hat. Denn je alle vmbſtehenden mit warheit ſagen muͤſ-
ſen/ daß er die gantze zeit ſeiner kranckheit/ vnd toͤdtlichen ſchwacheit/ ein
ſtilles friedſames Hertz vnd gewiſſen gehabt/ welches auch nicht die ge-
ringſte anfechtung hat vervnruhigen koͤnnen. Denn er gar offt vnd viel
drauff gefraget worden/ vnd er allezeit mit beſtande bezeuget hat/ ſein hertz
were mit Gott wol dran. Sonderlich am Sontag/ da er etwas in tief-
fen gedancken lag/ hat jhn einer ſeiner lieben freunde/ der jhm gar geheim
geweſen angeredt vnd gefraget/ Angitur né Dominus? Dominus mihi
multa arcana ſæpe credidit, quæſo hoc etiam credat.
Das iſt/ ich ſehe
der Herr liegt in tieffen gedancken/ fuͤhlet der Herr etwa beſchwer in ſei-
nem Hertzen/ der Herr hat mir viel in ſeinen geheimen ſachen offt ver-Jſidorus
Nihil ju-
cundius,
nihil ſe-
curius
bonâ [c]õ-
ſcientiâ.

trawet/ er vertrawe mir diß auch. Hat er drauff geantwortet. Prorſus
nihil. Ego Dei beneficio habeo pacatam conſcientiam. Rebus meis
nonnihil aliter cogitavi proſpicere: ſed video Deum nolle mihi dare
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lam amplius faciat ad me mentionem.
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[31/0033] Leichpredigt. ſolcher/ der die gantze zeit ſeines lebens biß an ſein letztes ende/ Gott hat ſei- nen Vater nennen koͤnnen/ mit ſolcher bruͤnſtigkeit/ threnen vnd andacht/ die etwa wir noch nicht haben/ ob er/ ſage ich/ ein verdamptes Helle kind ſein koͤnne? vns vergewiſſern an ſeiner kindſchafft vnd ſeligkeit/ dieſe ſpruͤch/ Rom: 8. v. 14. Welche der Geiſt Gottes treibet/ die ſind Gottes Kinder. Jtem/ Rom. 10 v. 13. auß dem Propheten Joel am _ v. 32. Wer den namen deß Herren wird anruffen/ ſol Selig werden. Vñ ſind nicht die auß der zall der boͤſen Menſchen/ die vnſchuͤldige Gottes kinder ohne ſchewe/ wieder das gewiſſen verdammen? 2. Darnach hat der Ertzhirte Jeſus Chriſtus/ dieſen Edelen Herren/ als ſein Schaͤflin fuͤhlen laſſen/ das er von jhm erkant ſey/ das iſt/ erweh- let/ durch den glauben auff die gnade Gottes. Welcher glaube/ das er ein vrkunde ſey der Kinder Gottes/ iſt dem frommen Herren nicht vnbekant geweſen/ wie aus vielen ſpruͤchen Goͤttlicher ſchrifft alſo inſonderheit/ aus der Epiſtel an die Galater am 3. cap. v. 26. Jhr ſeyd alle Gottes Kinder/ durch den glauben an Chriſto Jeſu. Weil er dieſen ſpruch auff ſeinem Sichbette/ kurtz vor ſeinem ende in ſeinem buch ſo fleiſſig notiret vnd ge- zeichnet. Solchen ſeinen glauben/ hat er nicht nur mit worten bekennet/ ſondern es hat jhn auch bezeuget der ſchoͤne Friede mit Gott/ der in ſeinem Hertzen regieret hat. Denn je alle vmbſtehenden mit warheit ſagen muͤſ- ſen/ daß er die gantze zeit ſeiner kranckheit/ vnd toͤdtlichen ſchwacheit/ ein ſtilles friedſames Hertz vnd gewiſſen gehabt/ welches auch nicht die ge- ringſte anfechtung hat vervnruhigen koͤnnen. Denn er gar offt vnd viel drauff gefraget worden/ vnd er allezeit mit beſtande bezeuget hat/ ſein hertz were mit Gott wol dran. Sonderlich am Sontag/ da er etwas in tief- fen gedancken lag/ hat jhn einer ſeiner lieben freunde/ der jhm gar geheim geweſen angeredt vnd gefraget/ Angitur né Dominus? Dominus mihi multa arcana ſæpe credidit, quæſo hoc etiam credat. Das iſt/ ich ſehe der Herr liegt in tieffen gedancken/ fuͤhlet der Herr etwa beſchwer in ſei- nem Hertzen/ der Herr hat mir viel in ſeinen geheimen ſachen offt ver- trawet/ er vertrawe mir diß auch. Hat er drauff geantwortet. Prorſus nihil. Ego Dei beneficio habeo pacatam conſcientiam. Rebus meis nonnihil aliter cogitavi proſpicere: ſed video Deum nolle mihi dare facultatem: Valeant terreſtria, ſalvete cœleſtia. Nemo terreſtrium ul- lam amplius faciat ad me mentionem. Gar nichts (ſpricht er) ich habe durch Jſidorus Nihil ju- cundius, nihil ſe- curius bonâ cõ- ſcientiâ. E

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Zitationshilfe: Füssel, Martin: Christliche Leichpredigt/ Bey dem Begräbnüß deß Edelen Gestrengen/ Ehrenvesten/ Hoch vnd Wolbenambten/ Herren Joachim von Berge. [s. l.], 1602, S. 31. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/357469/33>, abgerufen am 01.03.2024.