Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Hartmann, Adam Samuel: Der letzte Wille des Sohnes Gottes. Lissa, 1677.

Bild:
<< vorherige Seite

Christliche Leich-Predigt.
da seyn auch ohne Pferd/ wann du gleich weder Hand noch Fuß
regest. Der Sohn denckt dem nach: Wie? das ist nicht mög-
lich; ohne ein Pferd und ohne Bewegung kan Jch heute nicht zu
Rom seyn. Was gilts/ der Vater wird mich wollen lehren/ daß
ohne Mittel und ohne heilige Bewegung ich nicht könne im Himmel
seyn. Freylich. Man sagt von einem Jtaliäner/ daß Er auch
mit dieser Deformirten Theologie getrotzet; Bin ich erwehlet/
so muß ich seelig werden/ ich lebe wie ich wolle. Bin ich verworffen/
so ists vergebens ich thue was ich wolle. Einmahl bekomt er eine
gefährliche Wunde/ schickt nach dem Artzt und bittet versorget zu
werden. Dieser wuste von seiner gottlosen Meynung. Gleich
giebt er jhm den ersten Gruß. Mein Freund/ ist dein Ende nach
Göttlicher Fürsehung noch nicht verhanden? so wirst du wol ge-
sund werden/ und davon kommen ohne meinen Dienst und Artzney.
Jst aber deine Stunde hier? So hilfft dich mein Dienst nichts/
und keine Artzney. So! denckt der Patient in seinem Schmer-
tzen; und erwegt die Rede des Artztes. Merckts auch/ daß jhn
GOtt hiermit warne/ Er könne nicht gesund werden ohne Mit-
tel/ und so auch nicht seelig/ nur durch Mittel. Er verwirfft Buß-
fertig seinen Jrrthumb/ unterwirfft sich demüthig der ordentlichen
Cur/ und wird geheilet/ zugleich am Leib und an der Seelen.

Bell. J. C.
Cot.
Bec. in
Ench.
Tur. B.
C. in C. P.
Zwar Grosse Leute beschuldigen uns und sagen: Wir ver-
fechten die Christliche Freyheit/ und leben in heydnischer Ungerech-
tigkeit. Unser Wandel sey eine Werckstat der Sünden und La-
ster. Sie vergleichen uns mit den thörichten Jungfrauen/ die
kein Oel in den Lampen haben. Mit betünchten Gräbern/ die in-
wendig lauter Todten-Beine und den Gestanck der Verwesung
haben. Mit außsätzigen Menschen/ die einen stinckenden ver-
faulten Leib mit einem Sammet-Kleide bedeckt haben. Sie sa-
gen/ wir machen den Leib Christi zu einem Monstro, ein heiliges
Haupt und doch verfluchte Glieder. Ein keuscher Bräutigamb

und

Chriſtliche Leich-Predigt.
da ſeyn auch ohne Pferd/ wann du gleich weder Hand noch Fuß
regeſt. Der Sohn denckt dem nach: Wie? das iſt nicht moͤg-
lich; ohne ein Pferd und ohne Bewegung kan Jch heute nicht zu
Rom ſeyn. Was gilts/ der Vater wird mich wollen lehren/ daß
ohne Mittel und ohne heilige Bewegung ich nicht koͤnne im Him̃el
ſeyn. Freylich. Man ſagt von einem Jtaliaͤner/ daß Er auch
mit dieſer Deformirten Theologie getrotzet; Bin ich erwehlet/
ſo muß ich ſeelig werden/ ich lebe wie ich wolle. Bin ich verworffen/
ſo iſts vergebens ich thue was ich wolle. Einmahl bekomt er eine
gefaͤhrliche Wunde/ ſchickt nach dem Artzt und bittet verſorget zu
werden. Dieſer wuſte von ſeiner gottloſen Meynung. Gleich
giebt er jhm den erſten Gruß. Mein Freund/ iſt dein Ende nach
Goͤttlicher Fürſehung noch nicht verhanden? ſo wirſt du wol ge-
ſund werden/ und davon kom̃en ohne meinen Dienſt und Artzney.
Jſt aber deine Stunde hier? So hilfft dich mein Dienſt nichts/
und keine Artzney. So! denckt der Patient in ſeinem Schmer-
tzen; und erwegt die Rede des Artztes. Merckts auch/ daß jhn
GOtt hiermit warne/ Er könne nicht geſund werden ohne Mit-
tel/ und ſo auch nicht ſeelig/ nur durch Mittel. Er verwirfft Buß-
fertig ſeinen Jrꝛthumb/ unterwirfft ſich demuͤthig der ordentlichen
Cur/ und wird geheilet/ zugleich am Leib und an der Seelen.

Bell. J. C.
Cot.
Bec. in
Ench.
Tur. B.
C. in C. P.
Zwar Groſſe Leute beſchuldigen uns und ſagen: Wir ver-
fechten die Chriſtliche Freyheit/ und leben in heydniſcher Ungerech-
tigkeit. Unſer Wandel ſey eine Werckſtat der Suͤnden und La-
ſter. Sie vergleichen uns mit den thoͤrichten Jungfrauen/ die
kein Oel in den Lampen haben. Mit betünchten Graͤbern/ die in-
wendig lauter Todten-Beine und den Geſtanck der Verweſung
haben. Mit außſaͤtzigen Menſchen/ die einen ſtinckenden ver-
faulten Leib mit einem Sammet-Kleide bedeckt haben. Sie ſa-
gen/ wir machen den Leib Chriſti zu einem Monſtro, ein heiliges
Haupt und doch verfluchte Glieder. Ein keuſcher Braͤutigamb

und
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="fsSermon" n="1">
        <div type="fsMainPart" n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0032" n="30"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Chri&#x017F;tliche Leich-Predigt.</hi></fw><lb/>
da &#x017F;eyn auch ohne Pferd/ wann du gleich weder Hand noch Fuß<lb/>
rege&#x017F;t. Der Sohn denckt dem nach: Wie? das i&#x017F;t nicht mo&#x0364;g-<lb/>
lich; ohne ein Pferd und ohne Bewegung kan Jch heute nicht zu<lb/>
Rom &#x017F;eyn. Was gilts/ der Vater wird mich wollen lehren/ daß<lb/>
ohne Mittel und ohne heilige Bewegung ich nicht ko&#x0364;nne im Him&#x0303;el<lb/>
&#x017F;eyn. <hi rendition="#fr">Freylich.</hi> Man &#x017F;agt von einem Jtalia&#x0364;ner/ daß Er auch<lb/>
mit die&#x017F;er <hi rendition="#aq">Deformir</hi>ten <hi rendition="#aq">Theologie</hi> getrotzet; Bin ich erwehlet/<lb/>
&#x017F;o muß ich &#x017F;eelig werden/ ich lebe wie ich wolle. Bin ich verworffen/<lb/>
&#x017F;o i&#x017F;ts vergebens ich thue was ich wolle. Einmahl bekomt er eine<lb/>
gefa&#x0364;hrliche Wunde/ &#x017F;chickt nach dem Artzt und bittet ver&#x017F;orget zu<lb/>
werden. Die&#x017F;er wu&#x017F;te von &#x017F;einer gottlo&#x017F;en Meynung. Gleich<lb/>
giebt er jhm den er&#x017F;ten Gruß. Mein Freund/ i&#x017F;t dein Ende nach<lb/>
Go&#x0364;ttlicher Für&#x017F;ehung noch nicht verhanden? &#x017F;o wir&#x017F;t du wol ge-<lb/>
&#x017F;und werden/ und davon kom&#x0303;en ohne meinen Dien&#x017F;t und Artzney.<lb/>
J&#x017F;t aber deine Stunde hier? So hilfft dich mein Dien&#x017F;t nichts/<lb/>
und keine Artzney. So! denckt der <hi rendition="#aq">Patient</hi> in &#x017F;einem Schmer-<lb/>
tzen; und erwegt die Rede des Artztes. Merckts auch/ daß jhn<lb/>
GOtt hiermit warne/ Er könne nicht ge&#x017F;und werden ohne Mit-<lb/>
tel/ und &#x017F;o auch nicht &#x017F;eelig/ nur durch Mittel. Er verwirfft Buß-<lb/>
fertig &#x017F;einen Jr&#xA75B;thumb/ unterwirfft &#x017F;ich demu&#x0364;thig der ordentlichen<lb/>
Cur/ und wird geheilet/ zugleich am Leib und an der Seelen.</p><lb/>
            <p><note place="left"><hi rendition="#aq">Bell. J. C.<lb/>
Cot.<lb/>
Bec. in<lb/>
Ench.<lb/>
Tur. B.<lb/>
C. in C. P.</hi></note>Zwar Gro&#x017F;&#x017F;e Leute be&#x017F;chuldigen uns und &#x017F;agen: Wir ver-<lb/>
fechten die Chri&#x017F;tliche Freyheit/ und leben in heydni&#x017F;cher Ungerech-<lb/>
tigkeit. Un&#x017F;er Wandel &#x017F;ey eine Werck&#x017F;tat der Su&#x0364;nden und La-<lb/>
&#x017F;ter. Sie vergleichen uns mit den tho&#x0364;richten Jungfrauen/ die<lb/>
kein Oel in den Lampen haben. Mit betünchten Gra&#x0364;bern/ die in-<lb/>
wendig lauter Todten-Beine und den Ge&#x017F;tanck der Verwe&#x017F;ung<lb/>
haben. Mit auß&#x017F;a&#x0364;tzigen Men&#x017F;chen/ die einen &#x017F;tinckenden ver-<lb/>
faulten Leib mit einem Sammet-Kleide bedeckt haben. Sie &#x017F;a-<lb/>
gen/ wir machen den Leib Chri&#x017F;ti zu einem <hi rendition="#aq">Mon&#x017F;tro,</hi> ein heiliges<lb/>
Haupt und doch verfluchte Glieder. Ein keu&#x017F;cher Bra&#x0364;utigamb<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">und</fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[30/0032] Chriſtliche Leich-Predigt. da ſeyn auch ohne Pferd/ wann du gleich weder Hand noch Fuß regeſt. Der Sohn denckt dem nach: Wie? das iſt nicht moͤg- lich; ohne ein Pferd und ohne Bewegung kan Jch heute nicht zu Rom ſeyn. Was gilts/ der Vater wird mich wollen lehren/ daß ohne Mittel und ohne heilige Bewegung ich nicht koͤnne im Him̃el ſeyn. Freylich. Man ſagt von einem Jtaliaͤner/ daß Er auch mit dieſer Deformirten Theologie getrotzet; Bin ich erwehlet/ ſo muß ich ſeelig werden/ ich lebe wie ich wolle. Bin ich verworffen/ ſo iſts vergebens ich thue was ich wolle. Einmahl bekomt er eine gefaͤhrliche Wunde/ ſchickt nach dem Artzt und bittet verſorget zu werden. Dieſer wuſte von ſeiner gottloſen Meynung. Gleich giebt er jhm den erſten Gruß. Mein Freund/ iſt dein Ende nach Goͤttlicher Fürſehung noch nicht verhanden? ſo wirſt du wol ge- ſund werden/ und davon kom̃en ohne meinen Dienſt und Artzney. Jſt aber deine Stunde hier? So hilfft dich mein Dienſt nichts/ und keine Artzney. So! denckt der Patient in ſeinem Schmer- tzen; und erwegt die Rede des Artztes. Merckts auch/ daß jhn GOtt hiermit warne/ Er könne nicht geſund werden ohne Mit- tel/ und ſo auch nicht ſeelig/ nur durch Mittel. Er verwirfft Buß- fertig ſeinen Jrꝛthumb/ unterwirfft ſich demuͤthig der ordentlichen Cur/ und wird geheilet/ zugleich am Leib und an der Seelen. Zwar Groſſe Leute beſchuldigen uns und ſagen: Wir ver- fechten die Chriſtliche Freyheit/ und leben in heydniſcher Ungerech- tigkeit. Unſer Wandel ſey eine Werckſtat der Suͤnden und La- ſter. Sie vergleichen uns mit den thoͤrichten Jungfrauen/ die kein Oel in den Lampen haben. Mit betünchten Graͤbern/ die in- wendig lauter Todten-Beine und den Geſtanck der Verweſung haben. Mit außſaͤtzigen Menſchen/ die einen ſtinckenden ver- faulten Leib mit einem Sammet-Kleide bedeckt haben. Sie ſa- gen/ wir machen den Leib Chriſti zu einem Monſtro, ein heiliges Haupt und doch verfluchte Glieder. Ein keuſcher Braͤutigamb und Bell. J. C. Cot. Bec. in Ench. Tur. B. C. in C. P.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/354523
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/354523/32
Zitationshilfe: Hartmann, Adam Samuel: Der letzte Wille des Sohnes Gottes. Lissa, 1677, S. 30. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/354523/32>, abgerufen am 17.04.2024.