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Schwappach, Adam: Forstpolitik, Jagd- und Fischereipolitik. Leipzig, 1894.

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A. Erster (allgemeiner) Teil.
ursacht, hängt von zahlreichen Verhältnissen ab: Standort, Holzart, Be-
triebsart, Fällungsbetrieb, Verwertungsart, Fehlen oder Vorhandensein
von Nebenbetrieben und Berechtigungen, sowie der ganze Intensitäts-
grad der Wirtschaft sind hierauf von Einfluss.

Man kann im Forstbetriebe einen Übergang von arbeitsexten-
siven
Formen (roher Plänterwald) bis zu sehr arbeitsintensiven
Formen (Nutzholzwirtschaft in gemischten Beständen) finden.

Roscher sagt: "Der Wald säet sich selbst aus, oder wenn ja die
Menschenhand mit Säen nachhilft, so kann eine solche Arbeit für ein
Menschenalter, ja für ein Jahrhundert ausreichen. Fast nur bei der
Ernte ist bedeutende Anstrengung nötig". Für die moderne Forstwirt-
schaft Deutschlands und der angrenzenden Gebiete Mitteleuropas trifft
aber dieser Ausspruch jedenfalls nicht mehr zu.

Die mechanische Arbeit in der Forstwirtschaft ist im allgemeinen
technisch einfach und wenig mannigfaltig. Der weitaus grösste
Teil der im Forstbetrieb vorkommenden Geschäfte wiederholt sich all-
jährlich in gleicher Zeitfolge und annähernd auch in gleichem Umfange.
Die wichtigste Arbeit besteht in der Ernte der Forstprodukte, d. h. im
Holzhauereibetrieb, welche bei verschiedenen Betriebsformen
gleichzeitig auch unmittelbar die Begründung eines neuen Bestandes
zur Folge hat (Niederwald, natürliche Verjüngung im Hochwald). Der
Umfang des Kulturbetriebes ist sehr wechselnd, unter manchen
Verhältnissen (Kahlschlagbetrieb mit künstlicher Verjüngung, Anzucht
gemischter Bestände) hat dieser Geschäftsteil eine grosse Wichtigkeit;
beim Niederwald, Femelschlagbetrieb und Plänterwald ist seine Be-
deutung geringer und zwar umsomehr, je extensiver der ganze Betrieb
noch eingerichtet ist. Die Wegebauten und Anlagen von sonstigen
Transportanstalten beschäftigen in neuerer Zeit grosse Mengen von
Waldarbeitern.

Maschinen finden im Forstbetriebe nur in sehr untergeordnetem
Masse Verwendung.

Da nicht alle Arbeiten das gleiche Mass von körperlicher Kraft
erfordern, so ist neben Männerarbeit die Verwendung von Frauen-
und Kinderarbeit nicht nur zulässig, sondern im Interesse einer
billigeren und namentlich einer besseren Ausführung (Kulturarbeiten!)
bisweilen sogar geboten.

Die Vorteile der Arbeitsteilung lassen sich in der Forstwirtschaft
nur in beschränktem Masse anwenden, am meisten bei den Kulturarbeiten.

Nur ein Teil der Waldarbeiten (Lohrindenernte, einzelne Kultur-
geschäfte) ist an eine bestimmte engbegrenzte Jahreszeit
gebunden, die meisten Arbeiten lassen sich entweder von einer grösseren
Arbeiterzahl in kürzerer Zeit oder von wenigen Arbeitern in einer ent-
sprechend längeren Periode bewältigen.


A. Erster (allgemeiner) Teil.
ursacht, hängt von zahlreichen Verhältnissen ab: Standort, Holzart, Be-
triebsart, Fällungsbetrieb, Verwertungsart, Fehlen oder Vorhandensein
von Nebenbetrieben und Berechtigungen, sowie der ganze Intensitäts-
grad der Wirtschaft sind hierauf von Einfluſs.

Man kann im Forstbetriebe einen Übergang von arbeitsexten-
siven
Formen (roher Plänterwald) bis zu sehr arbeitsintensiven
Formen (Nutzholzwirtschaft in gemischten Beständen) finden.

Roscher sagt: „Der Wald säet sich selbst aus, oder wenn ja die
Menschenhand mit Säen nachhilft, so kann eine solche Arbeit für ein
Menschenalter, ja für ein Jahrhundert ausreichen. Fast nur bei der
Ernte ist bedeutende Anstrengung nötig“. Für die moderne Forstwirt-
schaft Deutschlands und der angrenzenden Gebiete Mitteleuropas trifft
aber dieser Ausspruch jedenfalls nicht mehr zu.

Die mechanische Arbeit in der Forstwirtschaft ist im allgemeinen
technisch einfach und wenig mannigfaltig. Der weitaus gröſste
Teil der im Forstbetrieb vorkommenden Geschäfte wiederholt sich all-
jährlich in gleicher Zeitfolge und annähernd auch in gleichem Umfange.
Die wichtigste Arbeit besteht in der Ernte der Forstprodukte, d. h. im
Holzhauereibetrieb, welche bei verschiedenen Betriebsformen
gleichzeitig auch unmittelbar die Begründung eines neuen Bestandes
zur Folge hat (Niederwald, natürliche Verjüngung im Hochwald). Der
Umfang des Kulturbetriebes ist sehr wechselnd, unter manchen
Verhältnissen (Kahlschlagbetrieb mit künstlicher Verjüngung, Anzucht
gemischter Bestände) hat dieser Geschäftsteil eine groſse Wichtigkeit;
beim Niederwald, Femelschlagbetrieb und Plänterwald ist seine Be-
deutung geringer und zwar umsomehr, je extensiver der ganze Betrieb
noch eingerichtet ist. Die Wegebauten und Anlagen von sonstigen
Transportanstalten beschäftigen in neuerer Zeit groſse Mengen von
Waldarbeitern.

Maschinen finden im Forstbetriebe nur in sehr untergeordnetem
Maſse Verwendung.

Da nicht alle Arbeiten das gleiche Maſs von körperlicher Kraft
erfordern, so ist neben Männerarbeit die Verwendung von Frauen-
und Kinderarbeit nicht nur zulässig, sondern im Interesse einer
billigeren und namentlich einer besseren Ausführung (Kulturarbeiten!)
bisweilen sogar geboten.

Die Vorteile der Arbeitsteilung lassen sich in der Forstwirtschaft
nur in beschränktem Maſse anwenden, am meisten bei den Kulturarbeiten.

Nur ein Teil der Waldarbeiten (Lohrindenernte, einzelne Kultur-
geschäfte) ist an eine bestimmte engbegrenzte Jahreszeit
gebunden, die meisten Arbeiten lassen sich entweder von einer gröſseren
Arbeiterzahl in kürzerer Zeit oder von wenigen Arbeitern in einer ent-
sprechend längeren Periode bewältigen.


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[16/0034] A. Erster (allgemeiner) Teil. ursacht, hängt von zahlreichen Verhältnissen ab: Standort, Holzart, Be- triebsart, Fällungsbetrieb, Verwertungsart, Fehlen oder Vorhandensein von Nebenbetrieben und Berechtigungen, sowie der ganze Intensitäts- grad der Wirtschaft sind hierauf von Einfluſs. Man kann im Forstbetriebe einen Übergang von arbeitsexten- siven Formen (roher Plänterwald) bis zu sehr arbeitsintensiven Formen (Nutzholzwirtschaft in gemischten Beständen) finden. Roscher sagt: „Der Wald säet sich selbst aus, oder wenn ja die Menschenhand mit Säen nachhilft, so kann eine solche Arbeit für ein Menschenalter, ja für ein Jahrhundert ausreichen. Fast nur bei der Ernte ist bedeutende Anstrengung nötig“. Für die moderne Forstwirt- schaft Deutschlands und der angrenzenden Gebiete Mitteleuropas trifft aber dieser Ausspruch jedenfalls nicht mehr zu. Die mechanische Arbeit in der Forstwirtschaft ist im allgemeinen technisch einfach und wenig mannigfaltig. Der weitaus gröſste Teil der im Forstbetrieb vorkommenden Geschäfte wiederholt sich all- jährlich in gleicher Zeitfolge und annähernd auch in gleichem Umfange. Die wichtigste Arbeit besteht in der Ernte der Forstprodukte, d. h. im Holzhauereibetrieb, welche bei verschiedenen Betriebsformen gleichzeitig auch unmittelbar die Begründung eines neuen Bestandes zur Folge hat (Niederwald, natürliche Verjüngung im Hochwald). Der Umfang des Kulturbetriebes ist sehr wechselnd, unter manchen Verhältnissen (Kahlschlagbetrieb mit künstlicher Verjüngung, Anzucht gemischter Bestände) hat dieser Geschäftsteil eine groſse Wichtigkeit; beim Niederwald, Femelschlagbetrieb und Plänterwald ist seine Be- deutung geringer und zwar umsomehr, je extensiver der ganze Betrieb noch eingerichtet ist. Die Wegebauten und Anlagen von sonstigen Transportanstalten beschäftigen in neuerer Zeit groſse Mengen von Waldarbeitern. Maschinen finden im Forstbetriebe nur in sehr untergeordnetem Maſse Verwendung. Da nicht alle Arbeiten das gleiche Maſs von körperlicher Kraft erfordern, so ist neben Männerarbeit die Verwendung von Frauen- und Kinderarbeit nicht nur zulässig, sondern im Interesse einer billigeren und namentlich einer besseren Ausführung (Kulturarbeiten!) bisweilen sogar geboten. Die Vorteile der Arbeitsteilung lassen sich in der Forstwirtschaft nur in beschränktem Maſse anwenden, am meisten bei den Kulturarbeiten. Nur ein Teil der Waldarbeiten (Lohrindenernte, einzelne Kultur- geschäfte) ist an eine bestimmte engbegrenzte Jahreszeit gebunden, die meisten Arbeiten lassen sich entweder von einer gröſseren Arbeiterzahl in kürzerer Zeit oder von wenigen Arbeitern in einer ent- sprechend längeren Periode bewältigen.

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Zitationshilfe: Schwappach, Adam: Forstpolitik, Jagd- und Fischereipolitik. Leipzig, 1894, S. 16. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schwappach_forstpolitik_1894/34>, abgerufen am 20.05.2019.