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Löhe, Wilhelm: Etwas aus der Geschichte des Diaconissenhauses Neuendettelsau. Nürnberg, 1870.

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und die bequemsten Organe der Kirche für christliche Bildung des Landvolks sein: an ihrem Dienste an den Kranken- und Sterbebetten etc. würden viele lernen - und zwar nicht bloß Krankenpflege. Also - sie würden Segen haben und Segen bringen - und zwar den Kranken etc. unmittelbar, mittelbar aber der ganzen, namentlich der weiblichen Bevölkerung. - Christliche Bildung des weiblichen Mittelstandes auf dem platten Lande ist also auch ein pium desiderium.

3. Gäbe es Bildungsanstalten für die in Nr. 1 und 2 genannten Klassen der weiblichen Bevölkerung, so würden diese auch von Töchtern aus andern christlichen Familien besucht werden, in denen man nicht eben den Zweck hätte, die Töchter zu Diaconissen bilden zu laßen. Wie viele christliche Familien auf dem Lande würden froh sein, ihren Töchtern einen kurzen Aufenthalt in einer der weiblichen Natur so sehr zusagenden Anstalt zu ermöglichen, wo sie bestimmte Richtung zum Guten bekommen und so vieles lernen und üben könnten, was auch fürs gewöhnliche häusliche Leben von dem größten Werth ist. Es wären solche Anstalten nicht, was die Institute für die Töchter der höheren Stände, in denen alles Mögliche gelehrt wird; diese Anstalten bildeten nichts als die vorhandene Fähigkeit zu weiblich-christlichem Liebesdienst. Gerade damit aber gäben sie der mittleren Bevölkerung viel, zumal es in der menschlichen Natur liegt, daß man überhaupt und im Allgemeinen gebildet wird, wenn man für eine Seite des christlichen Lebens recht gebildet wird. Es kann aber nichts geben, was sich für Frauenspersonen mehr zum Bildungsmittel eignete als die Befähigung zum Dienste der leidenden Menschheit.

4. Diaconissenanstalten, in welchen man die Zwecke von Nr. 1-3 vor allem im Auge behielte, würden Segen für das ganze Land verbreiten und für den besten Theil des Volkes, welchen man noch immer auf dem platten Lande, auf den Dörfern und in den Landstädten wird suchen dürfen. Hier würden Diaconissen gebildet werden, welche ihre Befähigung zum Dienste der Elenden anwenden könnten, sie blieben nun im ledigen Stande oder heirateten. Namentlich die Nr. 1 und 3 genannten Klassen von Zöglingen würden auf alle Fälle und in allen Lebenslagen sein, was sie geworden, hilfreiche Rathgeberinnen ihrer Umgebungen, Beispiele und Quellen echt weiblicher Bildung.

5. Diaconissenanstalten dieser Art würden aber zugleich Seminarien für eigentliche Krankenpflegerinnen in Spitälern und Irrenhäusern, für Kleinkinderlehrerinnen, Bonnen etc., für Missionarinnen etc.

und die bequemsten Organe der Kirche für christliche Bildung des Landvolks sein: an ihrem Dienste an den Kranken- und Sterbebetten etc. würden viele lernen – und zwar nicht bloß Krankenpflege. Also – sie würden Segen haben und Segen bringen – und zwar den Kranken etc. unmittelbar, mittelbar aber der ganzen, namentlich der weiblichen Bevölkerung. – Christliche Bildung des weiblichen Mittelstandes auf dem platten Lande ist also auch ein pium desiderium.

3. Gäbe es Bildungsanstalten für die in Nr. 1 und 2 genannten Klassen der weiblichen Bevölkerung, so würden diese auch von Töchtern aus andern christlichen Familien besucht werden, in denen man nicht eben den Zweck hätte, die Töchter zu Diaconissen bilden zu laßen. Wie viele christliche Familien auf dem Lande würden froh sein, ihren Töchtern einen kurzen Aufenthalt in einer der weiblichen Natur so sehr zusagenden Anstalt zu ermöglichen, wo sie bestimmte Richtung zum Guten bekommen und so vieles lernen und üben könnten, was auch fürs gewöhnliche häusliche Leben von dem größten Werth ist. Es wären solche Anstalten nicht, was die Institute für die Töchter der höheren Stände, in denen alles Mögliche gelehrt wird; diese Anstalten bildeten nichts als die vorhandene Fähigkeit zu weiblich-christlichem Liebesdienst. Gerade damit aber gäben sie der mittleren Bevölkerung viel, zumal es in der menschlichen Natur liegt, daß man überhaupt und im Allgemeinen gebildet wird, wenn man für eine Seite des christlichen Lebens recht gebildet wird. Es kann aber nichts geben, was sich für Frauenspersonen mehr zum Bildungsmittel eignete als die Befähigung zum Dienste der leidenden Menschheit.

4. Diaconissenanstalten, in welchen man die Zwecke von Nr. 1–3 vor allem im Auge behielte, würden Segen für das ganze Land verbreiten und für den besten Theil des Volkes, welchen man noch immer auf dem platten Lande, auf den Dörfern und in den Landstädten wird suchen dürfen. Hier würden Diaconissen gebildet werden, welche ihre Befähigung zum Dienste der Elenden anwenden könnten, sie blieben nun im ledigen Stande oder heirateten. Namentlich die Nr. 1 und 3 genannten Klassen von Zöglingen würden auf alle Fälle und in allen Lebenslagen sein, was sie geworden, hilfreiche Rathgeberinnen ihrer Umgebungen, Beispiele und Quellen echt weiblicher Bildung.

5. Diaconissenanstalten dieser Art würden aber zugleich Seminarien für eigentliche Krankenpflegerinnen in Spitälern und Irrenhäusern, für Kleinkinderlehrerinnen, Bonnen etc., für Missionarinnen etc.

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[23/0023] und die bequemsten Organe der Kirche für christliche Bildung des Landvolks sein: an ihrem Dienste an den Kranken- und Sterbebetten etc. würden viele lernen – und zwar nicht bloß Krankenpflege. Also – sie würden Segen haben und Segen bringen – und zwar den Kranken etc. unmittelbar, mittelbar aber der ganzen, namentlich der weiblichen Bevölkerung. – Christliche Bildung des weiblichen Mittelstandes auf dem platten Lande ist also auch ein pium desiderium. 3. Gäbe es Bildungsanstalten für die in Nr. 1 und 2 genannten Klassen der weiblichen Bevölkerung, so würden diese auch von Töchtern aus andern christlichen Familien besucht werden, in denen man nicht eben den Zweck hätte, die Töchter zu Diaconissen bilden zu laßen. Wie viele christliche Familien auf dem Lande würden froh sein, ihren Töchtern einen kurzen Aufenthalt in einer der weiblichen Natur so sehr zusagenden Anstalt zu ermöglichen, wo sie bestimmte Richtung zum Guten bekommen und so vieles lernen und üben könnten, was auch fürs gewöhnliche häusliche Leben von dem größten Werth ist. Es wären solche Anstalten nicht, was die Institute für die Töchter der höheren Stände, in denen alles Mögliche gelehrt wird; diese Anstalten bildeten nichts als die vorhandene Fähigkeit zu weiblich-christlichem Liebesdienst. Gerade damit aber gäben sie der mittleren Bevölkerung viel, zumal es in der menschlichen Natur liegt, daß man überhaupt und im Allgemeinen gebildet wird, wenn man für eine Seite des christlichen Lebens recht gebildet wird. Es kann aber nichts geben, was sich für Frauenspersonen mehr zum Bildungsmittel eignete als die Befähigung zum Dienste der leidenden Menschheit. 4. Diaconissenanstalten, in welchen man die Zwecke von Nr. 1–3 vor allem im Auge behielte, würden Segen für das ganze Land verbreiten und für den besten Theil des Volkes, welchen man noch immer auf dem platten Lande, auf den Dörfern und in den Landstädten wird suchen dürfen. Hier würden Diaconissen gebildet werden, welche ihre Befähigung zum Dienste der Elenden anwenden könnten, sie blieben nun im ledigen Stande oder heirateten. Namentlich die Nr. 1 und 3 genannten Klassen von Zöglingen würden auf alle Fälle und in allen Lebenslagen sein, was sie geworden, hilfreiche Rathgeberinnen ihrer Umgebungen, Beispiele und Quellen echt weiblicher Bildung. 5. Diaconissenanstalten dieser Art würden aber zugleich Seminarien für eigentliche Krankenpflegerinnen in Spitälern und Irrenhäusern, für Kleinkinderlehrerinnen, Bonnen etc., für Missionarinnen etc.

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Zitationshilfe: Löhe, Wilhelm: Etwas aus der Geschichte des Diaconissenhauses Neuendettelsau. Nürnberg, 1870, S. 23. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/loehe_neuendettelsau_1870/23>, abgerufen am 20.06.2019.