Die Grenzboten. Jg. 56, 1897, Viertes Vierteljahr.Die deutschen Kolonisten an der Wolga Seemacht und seine billig arbeitende Industrie. Als Ziele stehen noch die Er¬ R. A. Die deutschen Kolonisten an der Wolga und die russische Regierung or einiger Zeit brachten deutsche Zeitungen die Nachricht, daß Zu dieser Annahme werden ohne Frage alle kommen, die nicht wissen, Die deutschen Kolonisten an der Wolga Seemacht und seine billig arbeitende Industrie. Als Ziele stehen noch die Er¬ R. A. Die deutschen Kolonisten an der Wolga und die russische Regierung or einiger Zeit brachten deutsche Zeitungen die Nachricht, daß Zu dieser Annahme werden ohne Frage alle kommen, die nicht wissen, <TEI> <text> <body> <div> <div n="1"> <pb facs="#f0413" corresp="http://brema.suub.uni-bremen.de/grenzboten/periodical/pageview/226643"/> <fw type="header" place="top"> Die deutschen Kolonisten an der Wolga</fw><lb/> <p xml:id="ID_1017" prev="#ID_1016"> Seemacht und seine billig arbeitende Industrie. Als Ziele stehen noch die Er¬<lb/> schließung und Ausnutzung Chinas, des größten Teils von Afrika und Bra¬<lb/> siliens in Aussicht. In solchen Zeiten darf kein ans die Zukunft hoffendes<lb/> Volk bei der Verstärkung seiner Wehr krausem. England, Frankreich, Ru߬<lb/> land, Nordamerika und Japan machen die größten Anstrengungen vor allem in<lb/> dem Ausbau ihrer Flotten und ihrer Marinestationcn; keiner möchte zurück¬<lb/> bleiben. Auch wir müssen also vorwärts mit unsrer zweckwidrig kleinen Marine,<lb/> wenn Deutschland Großmacht bleiben will.</p><lb/> <note type="byline"> R. A.</note><lb/> <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/> </div> <div n="1"> <head> Die deutschen Kolonisten an der Wolga<lb/> und die russische Regierung</head><lb/> <p xml:id="ID_1018"> or einiger Zeit brachten deutsche Zeitungen die Nachricht, daß<lb/> die deutschen Kolonisten im Gouvernement Ssamara infolge<lb/> verschiedner Gesetze der russischen Regierung, „die ihnen nicht<lb/> mehr erlaubten, in der bisherigen Weise für die Zukunft ihrer<lb/> Kinder zu sorgen," nach Sibirien auswanderten. Für viele,<lb/> die die russischen Zustände und Verhältnisse überhaupt nicht und im besondern<lb/> die in den genannten Kolonien nicht kennen und auch nicht zwischen den<lb/> Zeilen zu lesen verstehen, mag diese Nachricht ein neuer Anlaß gewesen sein,<lb/> von der Vergewaltigung der Deutschen durch die russische Negierung zu reden,<lb/> die ihnen jetzt nicht einmal mehr erlauben wolle, „für die Zukunft ihrer<lb/> Kinder zu sorgen."</p><lb/> <p xml:id="ID_1019" next="#ID_1020"> Zu dieser Annahme werden ohne Frage alle kommen, die nicht wissen,<lb/> welche Rolle bei jener Nachricht die Worte „in der bisherigen Weise" spielen,<lb/> und daß zwischen der „Sorge für die Zukunft der Kinder" nach west¬<lb/> europäischen Begriffen und der der Masse dieser Kolonisten ein himmel¬<lb/> weiter Unterschied ist. Genau genommen sind die Worte „in der bisherigen<lb/> Weise" hier gar nicht am Platze, da es nur heißen könnte „in der frühern<lb/> Weise," weil die Sache, um die es sich thatsächlich handelt, schon mehr<lb/> als dreißig Jahre alt, in taufenden von Zeitungsartikeln besprochen und<lb/> demnach allbekannt ist. Dazu kommt noch, daß von denselben Gesetzen und<lb/> Maßregeln, die angeblich die Kolonisten an der Wolga erst jetzt zum Aus¬<lb/> wandern bestimmen sollen, die Gesamtheit der russischen Bauern betroffen wird,<lb/> daß von einem Gesetz ausschließlich gegen die Deutschen also gar nicht die Rede<lb/> sein kaum Schon der Umstand, daß diese Kolonisten nach Sibirien, also nur</p><lb/> </div> </div> </body> </text> </TEI> [0413]
Die deutschen Kolonisten an der Wolga
Seemacht und seine billig arbeitende Industrie. Als Ziele stehen noch die Er¬
schließung und Ausnutzung Chinas, des größten Teils von Afrika und Bra¬
siliens in Aussicht. In solchen Zeiten darf kein ans die Zukunft hoffendes
Volk bei der Verstärkung seiner Wehr krausem. England, Frankreich, Ru߬
land, Nordamerika und Japan machen die größten Anstrengungen vor allem in
dem Ausbau ihrer Flotten und ihrer Marinestationcn; keiner möchte zurück¬
bleiben. Auch wir müssen also vorwärts mit unsrer zweckwidrig kleinen Marine,
wenn Deutschland Großmacht bleiben will.
R. A.
Die deutschen Kolonisten an der Wolga
und die russische Regierung
or einiger Zeit brachten deutsche Zeitungen die Nachricht, daß
die deutschen Kolonisten im Gouvernement Ssamara infolge
verschiedner Gesetze der russischen Regierung, „die ihnen nicht
mehr erlaubten, in der bisherigen Weise für die Zukunft ihrer
Kinder zu sorgen," nach Sibirien auswanderten. Für viele,
die die russischen Zustände und Verhältnisse überhaupt nicht und im besondern
die in den genannten Kolonien nicht kennen und auch nicht zwischen den
Zeilen zu lesen verstehen, mag diese Nachricht ein neuer Anlaß gewesen sein,
von der Vergewaltigung der Deutschen durch die russische Negierung zu reden,
die ihnen jetzt nicht einmal mehr erlauben wolle, „für die Zukunft ihrer
Kinder zu sorgen."
Zu dieser Annahme werden ohne Frage alle kommen, die nicht wissen,
welche Rolle bei jener Nachricht die Worte „in der bisherigen Weise" spielen,
und daß zwischen der „Sorge für die Zukunft der Kinder" nach west¬
europäischen Begriffen und der der Masse dieser Kolonisten ein himmel¬
weiter Unterschied ist. Genau genommen sind die Worte „in der bisherigen
Weise" hier gar nicht am Platze, da es nur heißen könnte „in der frühern
Weise," weil die Sache, um die es sich thatsächlich handelt, schon mehr
als dreißig Jahre alt, in taufenden von Zeitungsartikeln besprochen und
demnach allbekannt ist. Dazu kommt noch, daß von denselben Gesetzen und
Maßregeln, die angeblich die Kolonisten an der Wolga erst jetzt zum Aus¬
wandern bestimmen sollen, die Gesamtheit der russischen Bauern betroffen wird,
daß von einem Gesetz ausschließlich gegen die Deutschen also gar nicht die Rede
sein kaum Schon der Umstand, daß diese Kolonisten nach Sibirien, also nur
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