Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Fischer, Caroline Auguste]: Mährchen, In: Journal der Romane. St. 10. Berlin, 1802.

Bild:
<< vorherige Seite

zauberte den abwesenden Geliebten in ihre
Arme. Er mußte leider, wenigstens an den
großen Festen bei Hofe erscheinen, um die
Königin und ihre Damen zu versöhnen.
Aber der Zorn aller Königinnen der Welt,
würde ihn nicht zurückgehalten haben, wenn
er gewußt hätte, daß Grumedan sich jetzt
bei seiner angebeteten Zoraide befände.

"Erwachen Sie doch! mein schönes
Kind! -- rief dieser; indem er das zarte
Mädchen sehr unsanft schüttelte -- -- das
Schlafen steht Jhnen zwar recht hübsch;
aber jetzt kann es nichts helfen und macht
mir wirklich Langeweile. Jch hoffe es wird
sich ein vernünftiges Wort mit Jhnen spre-
chen lassen -- und nichts befördert die Ver-
dauung so sehr, als ein liebliches Mädchen-
geschwätz. Die Anderen wissen nichts als
sich ein bischen wehren, unterliegen, und
dann jähnen. Aber Sie sehen mir nach

zauberte den abweſenden Geliebten in ihre
Arme. Er mußte leider, wenigſtens an den
großen Feſten bei Hofe erſcheinen, um die
Koͤnigin und ihre Damen zu verſoͤhnen.
Aber der Zorn aller Koͤniginnen der Welt,
wuͤrde ihn nicht zuruͤckgehalten haben, wenn
er gewußt haͤtte, daß Grumedan ſich jetzt
bei ſeiner angebeteten Zoraide befaͤnde.

»Erwachen Sie doch! mein ſchoͤnes
Kind! — rief dieſer; indem er das zarte
Maͤdchen ſehr unſanft ſchuͤttelte — — das
Schlafen ſteht Jhnen zwar recht huͤbſch;
aber jetzt kann es nichts helfen und macht
mir wirklich Langeweile. Jch hoffe es wird
ſich ein vernuͤnftiges Wort mit Jhnen ſpre-
chen laſſen — und nichts befoͤrdert die Ver-
dauung ſo ſehr, als ein liebliches Maͤdchen-
geſchwaͤtz. Die Anderen wiſſen nichts als
ſich ein bischen wehren, unterliegen, und
dann jaͤhnen. Aber Sie ſehen mir nach

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0034" n="30"/>
zauberte den abwe&#x017F;enden Geliebten in ihre<lb/>
Arme. Er mußte leider, wenig&#x017F;tens an den<lb/>
großen Fe&#x017F;ten bei Hofe er&#x017F;cheinen, um die<lb/>
Ko&#x0364;nigin und ihre Damen zu ver&#x017F;o&#x0364;hnen.<lb/>
Aber der Zorn aller Ko&#x0364;niginnen der Welt,<lb/>
wu&#x0364;rde ihn nicht zuru&#x0364;ckgehalten haben, wenn<lb/>
er gewußt ha&#x0364;tte, daß Grumedan &#x017F;ich jetzt<lb/>
bei &#x017F;einer angebeteten Zoraide befa&#x0364;nde.</p><lb/>
        <p>»Erwachen Sie doch! mein &#x017F;cho&#x0364;nes<lb/>
Kind! &#x2014; rief die&#x017F;er; indem er das zarte<lb/>
Ma&#x0364;dchen &#x017F;ehr un&#x017F;anft &#x017F;chu&#x0364;ttelte &#x2014; &#x2014; das<lb/>
Schlafen &#x017F;teht Jhnen zwar recht hu&#x0364;b&#x017F;ch;<lb/>
aber jetzt kann es nichts helfen und macht<lb/>
mir wirklich Langeweile. Jch hoffe es wird<lb/>
&#x017F;ich ein vernu&#x0364;nftiges Wort mit Jhnen &#x017F;pre-<lb/>
chen la&#x017F;&#x017F;en &#x2014; und nichts befo&#x0364;rdert die Ver-<lb/>
dauung &#x017F;o &#x017F;ehr, als ein liebliches Ma&#x0364;dchen-<lb/>
ge&#x017F;chwa&#x0364;tz. Die Anderen wi&#x017F;&#x017F;en nichts als<lb/>
&#x017F;ich ein bischen wehren, unterliegen, und<lb/>
dann ja&#x0364;hnen. Aber Sie &#x017F;ehen mir nach<lb/></p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[30/0034] zauberte den abweſenden Geliebten in ihre Arme. Er mußte leider, wenigſtens an den großen Feſten bei Hofe erſcheinen, um die Koͤnigin und ihre Damen zu verſoͤhnen. Aber der Zorn aller Koͤniginnen der Welt, wuͤrde ihn nicht zuruͤckgehalten haben, wenn er gewußt haͤtte, daß Grumedan ſich jetzt bei ſeiner angebeteten Zoraide befaͤnde. »Erwachen Sie doch! mein ſchoͤnes Kind! — rief dieſer; indem er das zarte Maͤdchen ſehr unſanft ſchuͤttelte — — das Schlafen ſteht Jhnen zwar recht huͤbſch; aber jetzt kann es nichts helfen und macht mir wirklich Langeweile. Jch hoffe es wird ſich ein vernuͤnftiges Wort mit Jhnen ſpre- chen laſſen — und nichts befoͤrdert die Ver- dauung ſo ſehr, als ein liebliches Maͤdchen- geſchwaͤtz. Die Anderen wiſſen nichts als ſich ein bischen wehren, unterliegen, und dann jaͤhnen. Aber Sie ſehen mir nach

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/fischer_maehrchen_1802
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/fischer_maehrchen_1802/34
Zitationshilfe: [Fischer, Caroline Auguste]: Mährchen, In: Journal der Romane. St. 10. Berlin, 1802, S. 30. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/fischer_maehrchen_1802/34>, abgerufen am 18.09.2019.