Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott. Bd. 2. Hamburg, 1727.

Bild:
<< vorherige Seite
Majus.
Willkommen, liebster May! wie lieblich und wie schön
Jst alles, was wir in dir hören,
Empfinden, schmecken, riechen, sehn!
Jn reinen Lüften flamm't ein fast Sapphir'nes Blau,
Jn welchem ich mit Lustviel güld'ne Berge schau.
Der Erden runde Brust, das fette Land,
Bedeckt ein liebliches Smaragden-gleich Gewand.
Der Bluhmen-Heer durchwirkt ein fast lebendig Grün.
Ein reines Silber blinkt in der bestral'ten Flut,
Und auch zugleich auf Bäumen, welche blühn.
Die süsse Macht der holden Liebe
Erfüll't das fast erstarrte Blut
Mit der so angenemen Gluht
Der lieblichen Vermehrungs-Triebe.
Ach sehet, wie in den beblühmten Feldern
So manches munt're Lämmchen springt!
Ach hör't, wie in begrün'ten Wäldern
So manche Nachtigal, so manche Drossel singt!
Ach riecht die balsamir'ten Düfte!
Ach fühlt das Schmeicheln lauer Lüfte!
Ach schmeckt in Kräutern, im Spinat,
Jn Spargel, Hopfen und Salat
So mancherley Blut-reinigende Kraft,
So manchen angenemen Saft,
Und denkt in dieser Frühlings-Lust,
Mit Dank- und Lust-erfüll'ter Brust,
An Den, Der alle Pracht

Zu
Majus.
Willkommen, liebſter May! wie lieblich und wie ſchoͤn
Jſt alles, was wir in dir hoͤren,
Empfinden, ſchmecken, riechen, ſehn!
Jn reinen Luͤften flamm’t ein faſt Sapphir’nes Blau,
Jn welchem ich mit Luſtviel guͤld’ne Berge ſchau.
Der Erden runde Bruſt, das fette Land,
Bedeckt ein liebliches Smaragden-gleich Gewand.
Der Bluhmen-Heer durchwirkt ein faſt lebendig Gruͤn.
Ein reines Silber blinkt in der beſtral’ten Flut,
Und auch zugleich auf Baͤumen, welche bluͤhn.
Die ſuͤſſe Macht der holden Liebe
Erfuͤll’t das faſt erſtarrte Blut
Mit der ſo angenemen Gluht
Der lieblichen Vermehrungs-Triebe.
Ach ſehet, wie in den bebluͤhmten Feldern
So manches munt’re Laͤmmchen ſpringt!
Ach hoͤr’t, wie in begruͤn’ten Waͤldern
So manche Nachtigal, ſo manche Droſſel ſingt!
Ach riecht die balſamir’ten Duͤfte!
Ach fuͤhlt das Schmeicheln lauer Luͤfte!
Ach ſchmeckt in Kraͤutern, im Spinat,
Jn Spargel, Hopfen und Salat
So mancherley Blut-reinigende Kraft,
So manchen angenemen Saft,
Und denkt in dieſer Fruͤhlings-Luſt,
Mit Dank- und Luſt-erfuͤll’ter Bruſt,
An Den, Der alle Pracht

Zu
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0512" n="476"/>
          <lg n="83">
            <head> <hi rendition="#aq">Majus.</hi> </head><lb/>
            <l><hi rendition="#in">W</hi>illkommen, lieb&#x017F;ter <hi rendition="#fr">May!</hi> wie lieblich und wie &#x017F;cho&#x0364;n</l><lb/>
            <l>J&#x017F;t alles, was wir in dir ho&#x0364;ren,</l><lb/>
            <l>Empfinden, &#x017F;chmecken, riechen, &#x017F;ehn!</l><lb/>
            <l>Jn reinen Lu&#x0364;ften flamm&#x2019;t ein fa&#x017F;t Sapphir&#x2019;nes Blau,</l><lb/>
            <l>Jn welchem ich mit Lu&#x017F;tviel gu&#x0364;ld&#x2019;ne Berge &#x017F;chau.</l><lb/>
            <l>Der Erden runde Bru&#x017F;t, das fette Land,</l><lb/>
            <l>Bedeckt ein liebliches Smaragden-gleich Gewand.</l><lb/>
            <l>Der Bluhmen-Heer durchwirkt ein fa&#x017F;t lebendig Gru&#x0364;n.</l><lb/>
            <l>Ein reines Silber blinkt in der be&#x017F;tral&#x2019;ten Flut,</l><lb/>
            <l>Und auch zugleich auf Ba&#x0364;umen, welche blu&#x0364;hn.</l><lb/>
            <l>Die &#x017F;u&#x0364;&#x017F;&#x017F;e Macht der holden Liebe</l><lb/>
            <l>Erfu&#x0364;ll&#x2019;t das fa&#x017F;t er&#x017F;tarrte Blut</l><lb/>
            <l>Mit der &#x017F;o angenemen Gluht</l><lb/>
            <l>Der lieblichen Vermehrungs-Triebe.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="84">
            <l>Ach &#x017F;ehet, wie in den beblu&#x0364;hmten Feldern</l><lb/>
            <l>So manches munt&#x2019;re La&#x0364;mmchen &#x017F;pringt!</l><lb/>
            <l>Ach ho&#x0364;r&#x2019;t, wie in begru&#x0364;n&#x2019;ten Wa&#x0364;ldern</l><lb/>
            <l>So manche Nachtigal, &#x017F;o manche Dro&#x017F;&#x017F;el &#x017F;ingt!</l><lb/>
            <l>Ach riecht die bal&#x017F;amir&#x2019;ten Du&#x0364;fte!</l><lb/>
            <l>Ach fu&#x0364;hlt das Schmeicheln lauer Lu&#x0364;fte!</l><lb/>
            <l>Ach &#x017F;chmeckt in Kra&#x0364;utern, im Spinat,</l><lb/>
            <l>Jn Spargel, Hopfen und Salat</l><lb/>
            <l>So mancherley Blut-reinigende Kraft,</l><lb/>
            <l>So manchen angenemen Saft,</l><lb/>
            <l>Und denkt in die&#x017F;er Fru&#x0364;hlings-Lu&#x017F;t,</l><lb/>
            <l>Mit Dank- und Lu&#x017F;t-erfu&#x0364;ll&#x2019;ter Bru&#x017F;t,</l><lb/>
            <l>An Den, Der alle Pracht</l><lb/>
            <l>
              <fw place="bottom" type="catch">Zu</fw><lb/>
            </l>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[476/0512] Majus. Willkommen, liebſter May! wie lieblich und wie ſchoͤn Jſt alles, was wir in dir hoͤren, Empfinden, ſchmecken, riechen, ſehn! Jn reinen Luͤften flamm’t ein faſt Sapphir’nes Blau, Jn welchem ich mit Luſtviel guͤld’ne Berge ſchau. Der Erden runde Bruſt, das fette Land, Bedeckt ein liebliches Smaragden-gleich Gewand. Der Bluhmen-Heer durchwirkt ein faſt lebendig Gruͤn. Ein reines Silber blinkt in der beſtral’ten Flut, Und auch zugleich auf Baͤumen, welche bluͤhn. Die ſuͤſſe Macht der holden Liebe Erfuͤll’t das faſt erſtarrte Blut Mit der ſo angenemen Gluht Der lieblichen Vermehrungs-Triebe. Ach ſehet, wie in den bebluͤhmten Feldern So manches munt’re Laͤmmchen ſpringt! Ach hoͤr’t, wie in begruͤn’ten Waͤldern So manche Nachtigal, ſo manche Droſſel ſingt! Ach riecht die balſamir’ten Duͤfte! Ach fuͤhlt das Schmeicheln lauer Luͤfte! Ach ſchmeckt in Kraͤutern, im Spinat, Jn Spargel, Hopfen und Salat So mancherley Blut-reinigende Kraft, So manchen angenemen Saft, Und denkt in dieſer Fruͤhlings-Luſt, Mit Dank- und Luſt-erfuͤll’ter Bruſt, An Den, Der alle Pracht Zu

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen02_1727
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen02_1727/512
Zitationshilfe: Brockes, Barthold Heinrich: Jrdisches Vergnügen in Gott. Bd. 2. Hamburg, 1727, S. 476. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/brockes_vergnuegen02_1727/512>, abgerufen am 21.09.2020.