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Barclay, John (Übers. Martin Opitz): Johann Barclaÿens Argenis Deutsch gemacht durch Martin Opitzen. Breslau, 1626.

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Das Erste Buch.
ben wir Tempel auffgebawet/ worzu den Göttern
geopffert/ weil wir jetzt Krieg wider sie erregen/
vnd sie von jhren Altaren verjagen? Als sie dieß
gesaget mit einem Gesichte wie die Prophetinnen
bey Erzehlung jhrer Weißsagung haben/ machte
sie daß man glauben muste/ daß sie eine Göttli-
che Bewegung rührete. Es sahe sie ein jeder be-
stürtzet an: fürnemlich aber stundt Meleander in
Sorgen/ der sich bekümmerte vber dem was sie
als eine Propheceyung herfür gebracht; daß Pal-
las nemblich vertrieben worden/ daß die Göttin
bey jhrem weichen dräwete/ vnd letztlich daß man
eine grosse Vbelthat begangen. Je weniger er die-
ses verstunde/ je hefftiger geriethe er in Furchte. Ar-
genis aber gleichsam als sie die Gewalt deß Geistes
triebe/ der in jhrem Hertzen solch warsagen erreget/
ließ den Priesterlichen Schmuck welchen sie auff
dem Haupte gehabt ligen/ kam zu jhrem Vatter
vnd bate er wolte sie dieser Opfferung erlassen.
Dann sie schämete sich wegen deß vngewönlichen
Wütens/ vnd könte das Anschawen deß Volckes
also bald nicht vertragen. Der König war bestürtzet
vber so vielen Anzeygungen/ vnd stund in Furchten/
daß nicht Lycogenes einen Argwohn auff jhn würf-
fe/ als hette er solche Ebenthewer zu Hinderhaltung
deß Bundes mit Fleisse ertichtet. Die Princessin
war/ in dem jr Vatter kein Wort sagete/ entgangen/
vnd hatte sich mit Begleytung jhrer gewöhnlichen
Leibtrabanten wider nach Hofe gemacht. Arsidas/

welcher
M ij

Das Erſte Buch.
ben wir Tempel auffgebawet/ worzu den Goͤttern
geopffert/ weil wir jetzt Krieg wider ſie erꝛegen/
vnd ſie von jhren Altaren verjagen? Als ſie dieß
geſaget mit einem Geſichte wie die Prophetinnen
bey Erzehlung jhrer Weißſagung haben/ machte
ſie daß man glauben muſte/ daß ſie eine Goͤttli-
che Bewegung ruͤhrete. Es ſahe ſie ein jeder be-
ſtuͤrtzet an: fuͤrnemlich aber ſtundt Meleander in
Sorgen/ der ſich bekuͤmmerte vber dem was ſie
als eine Propheceyung herfuͤr gebracht; daß Pal-
las nemblich vertrieben worden/ daß die Goͤttin
bey jhrem weichen draͤwete/ vnd letztlich daß man
eine groſſe Vbelthat begangen. Je weniger er die-
ſes verſtunde/ je hefftiger geriethe er in Furchte. Ar-
genis aber gleichſam als ſie die Gewalt deß Geiſtes
triebe/ der in jhrem Hertzen ſolch warſagen erꝛeget/
ließ den Prieſterlichen Schmuck welchen ſie auff
dem Haupte gehabt ligen/ kam zu jhrem Vatter
vnd bate er wolte ſie dieſer Opfferung erlaſſen.
Dann ſie ſchaͤmete ſich wegen deß vngewoͤnlichen
Wuͤtens/ vnd koͤnte das Anſchawen deß Volckes
alſo bald nicht vertragen. Der Koͤnig war beſtuͤrtzet
vber ſo vielen Anzeygungen/ vnd ſtund in Furchten/
daß nicht Lycogenes einen Argwohn auff jhn wuͤrf-
fe/ als hette er ſolche Ebenthewer zu Hinderhaltung
deß Bundes mit Fleiſſe ertichtet. Die Princeſſin
war/ in dem jr Vatter kein Wort ſagete/ entgangen/
vnd hatte ſich mit Begleytung jhrer gewoͤhnlichen
Leibtrabanten wider nach Hofe gemacht. Arſidas/

welcher
M ij
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[179/0223] Das Erſte Buch. ben wir Tempel auffgebawet/ worzu den Goͤttern geopffert/ weil wir jetzt Krieg wider ſie erꝛegen/ vnd ſie von jhren Altaren verjagen? Als ſie dieß geſaget mit einem Geſichte wie die Prophetinnen bey Erzehlung jhrer Weißſagung haben/ machte ſie daß man glauben muſte/ daß ſie eine Goͤttli- che Bewegung ruͤhrete. Es ſahe ſie ein jeder be- ſtuͤrtzet an: fuͤrnemlich aber ſtundt Meleander in Sorgen/ der ſich bekuͤmmerte vber dem was ſie als eine Propheceyung herfuͤr gebracht; daß Pal- las nemblich vertrieben worden/ daß die Goͤttin bey jhrem weichen draͤwete/ vnd letztlich daß man eine groſſe Vbelthat begangen. Je weniger er die- ſes verſtunde/ je hefftiger geriethe er in Furchte. Ar- genis aber gleichſam als ſie die Gewalt deß Geiſtes triebe/ der in jhrem Hertzen ſolch warſagen erꝛeget/ ließ den Prieſterlichen Schmuck welchen ſie auff dem Haupte gehabt ligen/ kam zu jhrem Vatter vnd bate er wolte ſie dieſer Opfferung erlaſſen. Dann ſie ſchaͤmete ſich wegen deß vngewoͤnlichen Wuͤtens/ vnd koͤnte das Anſchawen deß Volckes alſo bald nicht vertragen. Der Koͤnig war beſtuͤrtzet vber ſo vielen Anzeygungen/ vnd ſtund in Furchten/ daß nicht Lycogenes einen Argwohn auff jhn wuͤrf- fe/ als hette er ſolche Ebenthewer zu Hinderhaltung deß Bundes mit Fleiſſe ertichtet. Die Princeſſin war/ in dem jr Vatter kein Wort ſagete/ entgangen/ vnd hatte ſich mit Begleytung jhrer gewoͤhnlichen Leibtrabanten wider nach Hofe gemacht. Arſidas/ welcher M ij

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Zitationshilfe: Barclay, John (Übers. Martin Opitz): Johann Barclaÿens Argenis Deutsch gemacht durch Martin Opitzen. Breslau, 1626, S. 179. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/barclay_argenis_1626/223>, abgerufen am 28.09.2020.