politische Seite sehr in's Gewicht. Die Anseglung unserer großen Ströme Elbe und Weser, sowie auch der Eider, welche letztere alljährlich von Tausenden kleinerer Schiffe angelaufen wird, die ihren Weg durch den Eidercanal nach Osten nehmen, ist so gefährlich und kostet so sehr viel Opfer an Schiffen und Menschenleben, daß es im dringenden Interesse des Handels und der Schiffahrt liegt, dort einen leicht zugänglichen Noth- und Zufluchtshafen zu haben, wo die Schiffe Schutz gegen schweres Wetter finden. Dies Bedürfniß wird sich in noch weit dringenderer Weise nach dem Bau des Nordostseecanals geltend machen, der doch nur eine Frage der Zeit ist und der die jetzige Frequenz der Helgolander Bucht verzehnfacht.
Für einen solchen Zufluchtshafen ist aber Helgoland nicht nur der geeignetste, sondern der einzig mögliche Punkt. So lange es sich unter englischer Herrschaft befindet, ist natürlich nicht daran zu denken. Wie sollte England auch dazu kommen, Mil- lionen für eine Anlage auszugeben, die immer nur zum kleine- ren Theile der eigenen Schiffahrt, im übrigen aber dem Concur- renten Deutschland und andern Nationen zu Gute käme! Ein solcher Hafen ist deshalb nur möglich, wenn Helgoland deutsch ist, und auch nach dieser Richtung kostet uns die in fremdem Besitz befindliche Insel jährlich Hunderttausende, die durch Strandungen und Havarien unserm Nationalvermögen verloren gehen.
Deutschland kann natürlich Helgolands halber keinen Krieg mit England anfangen. Wenn aber das deutsche Volk davon durchdrungen wäre, daß der englische Besitz der Insel für unser Nationalgefühl nicht länger erträglich ist, weil er eine beständige Drohung gegen uns ausspricht, wenn es sich bewußt bliebe, daß Helgoland in unsern Händen die Sicherheit unserer Küsten gegen jeden feindlichen Angriff ganz ungemein erhöht, und daß uns dadurch, sowie durch die Erbauung eines Noth- hafens im Laufe der Zeit Hunderte von Millionen erspart
Die deutſche Marine 1848—1852
politiſche Seite ſehr in’s Gewicht. Die Anſeglung unſerer großen Ströme Elbe und Weſer, ſowie auch der Eider, welche letztere alljährlich von Tauſenden kleinerer Schiffe angelaufen wird, die ihren Weg durch den Eidercanal nach Oſten nehmen, iſt ſo gefährlich und koſtet ſo ſehr viel Opfer an Schiffen und Menſchenleben, daß es im dringenden Intereſſe des Handels und der Schiffahrt liegt, dort einen leicht zugänglichen Noth- und Zufluchtshafen zu haben, wo die Schiffe Schutz gegen ſchweres Wetter finden. Dies Bedürfniß wird ſich in noch weit dringenderer Weiſe nach dem Bau des Nordoſtſeecanals geltend machen, der doch nur eine Frage der Zeit iſt und der die jetzige Frequenz der Helgolander Bucht verzehnfacht.
Für einen ſolchen Zufluchtshafen iſt aber Helgoland nicht nur der geeignetſte, ſondern der einzig mögliche Punkt. So lange es ſich unter engliſcher Herrſchaft befindet, iſt natürlich nicht daran zu denken. Wie ſollte England auch dazu kommen, Mil- lionen für eine Anlage auszugeben, die immer nur zum kleine- ren Theile der eigenen Schiffahrt, im übrigen aber dem Concur- renten Deutſchland und andern Nationen zu Gute käme! Ein ſolcher Hafen iſt deshalb nur möglich, wenn Helgoland deutſch iſt, und auch nach dieſer Richtung koſtet uns die in fremdem Beſitz befindliche Inſel jährlich Hunderttauſende, die durch Strandungen und Havarien unſerm Nationalvermögen verloren gehen.
Deutſchland kann natürlich Helgolands halber keinen Krieg mit England anfangen. Wenn aber das deutſche Volk davon durchdrungen wäre, daß der engliſche Beſitz der Inſel für unſer Nationalgefühl nicht länger erträglich iſt, weil er eine beſtändige Drohung gegen uns ausſpricht, wenn es ſich bewußt bliebe, daß Helgoland in unſern Händen die Sicherheit unſerer Küſten gegen jeden feindlichen Angriff ganz ungemein erhöht, und daß uns dadurch, ſowie durch die Erbauung eines Noth- hafens im Laufe der Zeit Hunderte von Millionen erſpart
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Die deutſche Marine 1848—1852
politiſche Seite ſehr in’s Gewicht. Die Anſeglung unſerer
großen Ströme Elbe und Weſer, ſowie auch der Eider, welche
letztere alljährlich von Tauſenden kleinerer Schiffe angelaufen
wird, die ihren Weg durch den Eidercanal nach Oſten nehmen,
iſt ſo gefährlich und koſtet ſo ſehr viel Opfer an Schiffen und
Menſchenleben, daß es im dringenden Intereſſe des Handels
und der Schiffahrt liegt, dort einen leicht zugänglichen Noth-
und Zufluchtshafen zu haben, wo die Schiffe Schutz gegen
ſchweres Wetter finden. Dies Bedürfniß wird ſich in noch weit
dringenderer Weiſe nach dem Bau des Nordoſtſeecanals geltend
machen, der doch nur eine Frage der Zeit iſt und der die jetzige
Frequenz der Helgolander Bucht verzehnfacht.
Für einen ſolchen Zufluchtshafen iſt aber Helgoland nicht
nur der geeignetſte, ſondern der einzig mögliche Punkt. So lange
es ſich unter engliſcher Herrſchaft befindet, iſt natürlich nicht
daran zu denken. Wie ſollte England auch dazu kommen, Mil-
lionen für eine Anlage auszugeben, die immer nur zum kleine-
ren Theile der eigenen Schiffahrt, im übrigen aber dem Concur-
renten Deutſchland und andern Nationen zu Gute käme! Ein
ſolcher Hafen iſt deshalb nur möglich, wenn Helgoland deutſch
iſt, und auch nach dieſer Richtung koſtet uns die in fremdem
Beſitz befindliche Inſel jährlich Hunderttauſende, die durch
Strandungen und Havarien unſerm Nationalvermögen verloren
gehen.
Deutſchland kann natürlich Helgolands halber keinen Krieg
mit England anfangen. Wenn aber das deutſche Volk davon
durchdrungen wäre, daß der engliſche Beſitz der Inſel für
unſer Nationalgefühl nicht länger erträglich iſt, weil er eine
beſtändige Drohung gegen uns ausſpricht, wenn es ſich bewußt
bliebe, daß Helgoland in unſern Händen die Sicherheit unſerer
Küſten gegen jeden feindlichen Angriff ganz ungemein erhöht,
und daß uns dadurch, ſowie durch die Erbauung eines Noth-
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Werner, Reinhold von: Erinnerungen und Bilder aus dem Seeleben. Berlin, 1880, S. 201. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/werner_seeleben_1880/213>, abgerufen am 16.02.2025.
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