nur mit Wahrscheinlichkeit reden. Er besitzt aber besondere Eigenschaften, selbst dann, wenn er keine Säure hat.
Wir finden solchen Humus oft in Sinken und Niederungen, besonders neben Wäldern angehäuft. Das aus den höheren Stellen hier zusammenfließende Wasser, nahm allerlei Vegetabilien und selbst schon gebildeten Humus mit sich fort, und setzte ihn hier ab, wo er dann oft mächtige Lager bildet. Er ist allerdings fast immer mit Grunderden vermengt, die von der Art sind, woraus die umliegende Gegend besteht. Solcher Humus, wenigstens der tiefer liegende, ist vom Zutritte der Luft ausge- schlossen gewesen, hat sich also auf eine ganz andere Weise in sich selbst zersetzt, und andere Materien in sich erzeugt. Die Erzeugung der Kohlensäure und des Extraktiv- stoffs findet höchst wahrscheinlich ohne Zutritt der Luft nicht statt. Vermuthlich geht ein Theil Hydrogen mit einem Theile Oxygen zu Wasser zusammen. Ein anderer Theil von Hydrogen löst dagegen Kohlenstoff, und entweicht damit als gekohltes Hydrogengas. Bestimmt wird der Kohlenstoff diesem Humus in geringerer Menge, wie die übrigen Elemente, entrissen. Es tritt also gerade der entgegengesetzte Fall ein, wie bei dem, der an der freien Luft lag.
Je länger der Humus also bedeckt liegt, desto mehr muß der Kohlenstoff in ihm an- wachsen, und er also eine Art von langsamer Verkohlung erleiden. Die tiefer liegen- den Schichten dieses Humus, welche früher entstanden und älter sind, wie die höher liegenden, haben daher ein mehr kohlenartiges Ansehn, sind schwärzer und kompak- ter, und geben beim Brennen mehr Kohle, wie die höher liegenden. Wenn aber die Kohle nur in ihrer Verbindung mit Hydrogen auflöslich bleibt, so ist ein solcher Humus schwer zersetzbar, und daher wenig wirksam, bis er nach längerer Luftausse- tzung seine Natur wieder verändert hat. Durch Vermengung mit frischem, viel Am- monium ausdünstenden Mist, wird er, wie die Erfahrung lehrt, schneller wirksam, und oft verspürt man die Wirkung der Aufführung eines solchen Humus auf den Acker nicht eher, als bis derselbe eine Mistdüngung erhält.
Aber auch der Kalk befördert seine Zersetzbarkeit sehr, und oft ist man im Stande, diese Mischung um so leichter zu bewirken, wenn man unter solchem Moder eine Schicht von erdigen, aus Muscheln entstandenen Kalk antrifft; wie dies häufig der Fall ist. Fast eine gleiche Bewandniß hat es mit dem Humus oder Moder, der unter Wasser gelegen hat. Steht das Wasser nicht hoch über denselben, und trocknet von Zeit zu
Zweiter Theil. P
Beſtandtheile des Bodens.
nur mit Wahrſcheinlichkeit reden. Er beſitzt aber beſondere Eigenſchaften, ſelbſt dann, wenn er keine Saͤure hat.
Wir finden ſolchen Humus oft in Sinken und Niederungen, beſonders neben Waͤldern angehaͤuft. Das aus den hoͤheren Stellen hier zuſammenfließende Waſſer, nahm allerlei Vegetabilien und ſelbſt ſchon gebildeten Humus mit ſich fort, und ſetzte ihn hier ab, wo er dann oft maͤchtige Lager bildet. Er iſt allerdings faſt immer mit Grunderden vermengt, die von der Art ſind, woraus die umliegende Gegend beſteht. Solcher Humus, wenigſtens der tiefer liegende, iſt vom Zutritte der Luft ausge- ſchloſſen geweſen, hat ſich alſo auf eine ganz andere Weiſe in ſich ſelbſt zerſetzt, und andere Materien in ſich erzeugt. Die Erzeugung der Kohlenſaͤure und des Extraktiv- ſtoffs findet hoͤchſt wahrſcheinlich ohne Zutritt der Luft nicht ſtatt. Vermuthlich geht ein Theil Hydrogen mit einem Theile Oxygen zu Waſſer zuſammen. Ein anderer Theil von Hydrogen loͤſt dagegen Kohlenſtoff, und entweicht damit als gekohltes Hydrogengas. Beſtimmt wird der Kohlenſtoff dieſem Humus in geringerer Menge, wie die uͤbrigen Elemente, entriſſen. Es tritt alſo gerade der entgegengeſetzte Fall ein, wie bei dem, der an der freien Luft lag.
Je laͤnger der Humus alſo bedeckt liegt, deſto mehr muß der Kohlenſtoff in ihm an- wachſen, und er alſo eine Art von langſamer Verkohlung erleiden. Die tiefer liegen- den Schichten dieſes Humus, welche fruͤher entſtanden und aͤlter ſind, wie die hoͤher liegenden, haben daher ein mehr kohlenartiges Anſehn, ſind ſchwaͤrzer und kompak- ter, und geben beim Brennen mehr Kohle, wie die hoͤher liegenden. Wenn aber die Kohle nur in ihrer Verbindung mit Hydrogen aufloͤslich bleibt, ſo iſt ein ſolcher Humus ſchwer zerſetzbar, und daher wenig wirkſam, bis er nach laͤngerer Luftausſe- tzung ſeine Natur wieder veraͤndert hat. Durch Vermengung mit friſchem, viel Am- monium ausduͤnſtenden Miſt, wird er, wie die Erfahrung lehrt, ſchneller wirkſam, und oft verſpuͤrt man die Wirkung der Auffuͤhrung eines ſolchen Humus auf den Acker nicht eher, als bis derſelbe eine Miſtduͤngung erhaͤlt.
Aber auch der Kalk befoͤrdert ſeine Zerſetzbarkeit ſehr, und oft iſt man im Stande, dieſe Miſchung um ſo leichter zu bewirken, wenn man unter ſolchem Moder eine Schicht von erdigen, aus Muſcheln entſtandenen Kalk antrifft; wie dies haͤufig der Fall iſt. Faſt eine gleiche Bewandniß hat es mit dem Humus oder Moder, der unter Waſſer gelegen hat. Steht das Waſſer nicht hoch uͤber denſelben, und trocknet von Zeit zu
Zweiter Theil. P
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Beſtandtheile des Bodens.
nur mit Wahrſcheinlichkeit reden. Er beſitzt aber beſondere Eigenſchaften, ſelbſt
dann, wenn er keine Saͤure hat.
Wir finden ſolchen Humus oft in Sinken und Niederungen, beſonders neben
Waͤldern angehaͤuft. Das aus den hoͤheren Stellen hier zuſammenfließende Waſſer,
nahm allerlei Vegetabilien und ſelbſt ſchon gebildeten Humus mit ſich fort, und ſetzte
ihn hier ab, wo er dann oft maͤchtige Lager bildet. Er iſt allerdings faſt immer mit
Grunderden vermengt, die von der Art ſind, woraus die umliegende Gegend beſteht.
Solcher Humus, wenigſtens der tiefer liegende, iſt vom Zutritte der Luft ausge-
ſchloſſen geweſen, hat ſich alſo auf eine ganz andere Weiſe in ſich ſelbſt zerſetzt, und
andere Materien in ſich erzeugt. Die Erzeugung der Kohlenſaͤure und des Extraktiv-
ſtoffs findet hoͤchſt wahrſcheinlich ohne Zutritt der Luft nicht ſtatt. Vermuthlich geht
ein Theil Hydrogen mit einem Theile Oxygen zu Waſſer zuſammen. Ein anderer
Theil von Hydrogen loͤſt dagegen Kohlenſtoff, und entweicht damit als gekohltes
Hydrogengas. Beſtimmt wird der Kohlenſtoff dieſem Humus in geringerer Menge,
wie die uͤbrigen Elemente, entriſſen. Es tritt alſo gerade der entgegengeſetzte Fall
ein, wie bei dem, der an der freien Luft lag.
Je laͤnger der Humus alſo bedeckt liegt, deſto mehr muß der Kohlenſtoff in ihm an-
wachſen, und er alſo eine Art von langſamer Verkohlung erleiden. Die tiefer liegen-
den Schichten dieſes Humus, welche fruͤher entſtanden und aͤlter ſind, wie die hoͤher
liegenden, haben daher ein mehr kohlenartiges Anſehn, ſind ſchwaͤrzer und kompak-
ter, und geben beim Brennen mehr Kohle, wie die hoͤher liegenden. Wenn aber
die Kohle nur in ihrer Verbindung mit Hydrogen aufloͤslich bleibt, ſo iſt ein ſolcher
Humus ſchwer zerſetzbar, und daher wenig wirkſam, bis er nach laͤngerer Luftausſe-
tzung ſeine Natur wieder veraͤndert hat. Durch Vermengung mit friſchem, viel Am-
monium ausduͤnſtenden Miſt, wird er, wie die Erfahrung lehrt, ſchneller wirkſam,
und oft verſpuͤrt man die Wirkung der Auffuͤhrung eines ſolchen Humus auf den Acker
nicht eher, als bis derſelbe eine Miſtduͤngung erhaͤlt.
Aber auch der Kalk befoͤrdert ſeine Zerſetzbarkeit ſehr, und oft iſt man im Stande,
dieſe Miſchung um ſo leichter zu bewirken, wenn man unter ſolchem Moder eine Schicht
von erdigen, aus Muſcheln entſtandenen Kalk antrifft; wie dies haͤufig der Fall iſt.
Faſt eine gleiche Bewandniß hat es mit dem Humus oder Moder, der unter Waſſer
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Thaer, Albrecht: Grundsätze der rationellen Landwirthschaft. Bd. 2. Berlin, 1810, S. 113. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/thaer_landwirthschaft02_1810/157>, abgerufen am 16.02.2025.
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