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Spindler, Karl: Die Engel-Ehe. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 8. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 1–66. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016.

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geholt. -- Jesus! seufzte das Mädchen, denn in ihrem krampfhaft zusammengeschnürten Herzen wollte das Blut gerinnen, und ihre matten Pulsschläge drohten ihr mit einer Ohnmacht. Zum erstenmale überraschte sie der Gedanke: ihr Vater möchte einen plötzlichen Tod gefunden haben.

Just in demselben entsetzlichen Augenblick pochte Jemand ans Fenster der Wohnstube. Verena fuhr zusammen; ihre Lebensgeister blitzten wieder hell auf. Sie horchte; es wurde zum zweitenmale etwas lauter gepocht. Wer ist draußen? fragte sie hinter den geschlossenen Laden mit klappernden Zähnen. -- Macht auf, sagte eine vertrauliche Stimme; die Thür ist verriegelt, thut sie auf. Ich bringe Euern Vater. -- Heilige Mutter Gottes! den Vater? -- Geschwinde, macht auf! --

Die Lampe in der Hand, flog das Mädchen zur Hausthüre und öffnete. Sie war gewärtig, des Vaters Leiche hereintragen zu sehen. Doch war es nicht so schlimm. Wenn gleich erbleicht bis zur Todtenfarbe und schwach, daß er sich kaum auf den Beinen zu erhalten vermochte, so lebte doch der Vater und schwankte, von Georg, dem Knechte der Trümpy, geführt, über seines Hauses und seiner Wohnstube Schwelle. Niedergesunken in seinen Lehnstuhl, gegenüber der in gewohnter Stellung verharrenden Scholastika, brach der alte Mann in bitteres, anhaltendes Weinen aus und stammelte nur dann und wann ein unverständliches

geholt. — Jesus! seufzte das Mädchen, denn in ihrem krampfhaft zusammengeschnürten Herzen wollte das Blut gerinnen, und ihre matten Pulsschläge drohten ihr mit einer Ohnmacht. Zum erstenmale überraschte sie der Gedanke: ihr Vater möchte einen plötzlichen Tod gefunden haben.

Just in demselben entsetzlichen Augenblick pochte Jemand ans Fenster der Wohnstube. Verena fuhr zusammen; ihre Lebensgeister blitzten wieder hell auf. Sie horchte; es wurde zum zweitenmale etwas lauter gepocht. Wer ist draußen? fragte sie hinter den geschlossenen Laden mit klappernden Zähnen. — Macht auf, sagte eine vertrauliche Stimme; die Thür ist verriegelt, thut sie auf. Ich bringe Euern Vater. — Heilige Mutter Gottes! den Vater? — Geschwinde, macht auf! —

Die Lampe in der Hand, flog das Mädchen zur Hausthüre und öffnete. Sie war gewärtig, des Vaters Leiche hereintragen zu sehen. Doch war es nicht so schlimm. Wenn gleich erbleicht bis zur Todtenfarbe und schwach, daß er sich kaum auf den Beinen zu erhalten vermochte, so lebte doch der Vater und schwankte, von Georg, dem Knechte der Trümpy, geführt, über seines Hauses und seiner Wohnstube Schwelle. Niedergesunken in seinen Lehnstuhl, gegenüber der in gewohnter Stellung verharrenden Scholastika, brach der alte Mann in bitteres, anhaltendes Weinen aus und stammelte nur dann und wann ein unverständliches

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Thomas Weitin: Herausgeber
Digital Humanities Cooperation Konstanz/Darmstadt: Bereitstellung der Texttranskription. (2017-03-16T12:06:51Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
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Zitationshilfe: Spindler, Karl: Die Engel-Ehe. In: Deutscher Novellenschatz. Hrsg. von Paul Heyse und Hermann Kurz. Bd. 8. 2. Aufl. Berlin, [1910], S. 1–66. In: Weitin, Thomas (Hrsg.): Volldigitalisiertes Korpus. Der Deutsche Novellenschatz. Darmstadt/Konstanz, 2016, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/spindler_engel_1910/36>, abgerufen am 20.04.2024.