Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Silesius, Angelus: Heilige Seelen-Lust. [Erstes bis Drittes Buch]. Breslau, 1657.

Bild:
<< vorherige Seite
Geistlicher Hirten-Lieder
5.
Nur ich muß ohne Labsal sein
Jn meiner grossen Liebespein:
Jch lieb' und werde nicht gewehrt/
Was mein verliebtes Hertz begehrt.
6.
Wie manchen Tag und manche Nacht/
Hab ich mit säufftzen zugebracht!
Wie lange wart' ich schon mein Licht
Auff dich/ du aber komst noch nicht.
7.
Ach bleib doch nicht so lang und fern/
Mein Phoebus und mein Morgenstern;
Komm strahl' in meine Seel hinein/
Daß ich kan wieder frölich sein.
8.
Du meines Hertzens Silberthau/
Komm fall herab auff dessen Au:
Du güldner Regen meine Lust/
Komm überschwemme diese Brust.
9.
Ach komm doch eilends und geschwind/
Mein Lüfftlein und mein kühler Wind:
Komm und erquicke mich mit dir/
Denn ich bin matt und sterbe schier.
10. Nu
Geiſtlicher Hirten-Lieder
5.
Nur ich muß ohne Labſal ſein
Jn meiner groſſen Liebespein:
Jch lieb’ und werde nicht gewehrt/
Was mein verliebtes Hertz begehrt.
6.
Wie manchẽ Tag und manche Nacht/
Hab ich mit ſaͤufftzen zugebracht!
Wie lange wart’ ich ſchon mein Licht
Auff dich/ du aber komſt noch nicht.
7.
Ach bleib doch nicht ſo lang und fern/
Mein Phœbus und mein Morgenſtern;
Komm ſtrahl’ in meine Seel hinein/
Daß ich kan wieder froͤlich ſein.
8.
Du meines Hertzens Silberthau/
Komm fall herab auff deſſen Au:
Du guͤldner Regen meine Luſt/
Komm uͤberſchwemme dieſe Bruſt.
9.
Ach kom̃ doch eilends und geſchwind/
Mein Luͤfftlein und mein kuͤhler Wind:
Komm und erquicke mich mit dir/
Denn ich bin matt und ſterbe ſchier.
10. Nu
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <lg type="poem">
          <pb facs="#f0036" n="16"/>
          <fw place="top" type="header">Gei&#x017F;tlicher Hirten-Lieder</fw><lb/>
          <lg n="5">
            <l> <hi rendition="#c">5.</hi> </l><lb/>
            <l>Nur ich muß ohne Lab&#x017F;al &#x017F;ein</l><lb/>
            <l>Jn meiner gro&#x017F;&#x017F;en Liebespein:</l><lb/>
            <l>Jch lieb&#x2019; und werde nicht gewehrt/</l><lb/>
            <l>Was mein verliebtes Hertz begehrt.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="6">
            <l> <hi rendition="#c">6.</hi> </l><lb/>
            <l>Wie manche&#x0303; Tag und manche Nacht/</l><lb/>
            <l>Hab ich mit &#x017F;a&#x0364;ufftzen zugebracht!</l><lb/>
            <l>Wie lange wart&#x2019; ich &#x017F;chon mein Licht</l><lb/>
            <l>Auff dich/ du aber kom&#x017F;t noch nicht.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="7">
            <l> <hi rendition="#c">7.</hi> </l><lb/>
            <l>Ach bleib doch nicht &#x017F;o lang und fern/</l><lb/>
            <l>Mein <hi rendition="#aq">Ph&#x0153;bus</hi> und mein Morgen&#x017F;tern;</l><lb/>
            <l>Komm &#x017F;trahl&#x2019; in meine Seel hinein/</l><lb/>
            <l>Daß ich kan wieder fro&#x0364;lich &#x017F;ein.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="8">
            <l> <hi rendition="#c">8.</hi> </l><lb/>
            <l>Du meines Hertzens Silberthau/</l><lb/>
            <l>Komm fall herab auff de&#x017F;&#x017F;en Au:</l><lb/>
            <l>Du gu&#x0364;ldner Regen meine Lu&#x017F;t/</l><lb/>
            <l>Komm u&#x0364;ber&#x017F;chwemme die&#x017F;e Bru&#x017F;t.</l>
          </lg><lb/>
          <lg n="9">
            <l> <hi rendition="#c">9.</hi> </l><lb/>
            <l>Ach kom&#x0303; doch eilends und ge&#x017F;chwind/</l><lb/>
            <l>Mein Lu&#x0364;fftlein und mein ku&#x0364;hler Wind:</l><lb/>
            <l>Komm und erquicke mich mit dir/</l><lb/>
            <l>Denn ich bin matt und &#x017F;terbe &#x017F;chier.</l>
          </lg><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">10. Nu</fw><lb/>
        </lg>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[16/0036] Geiſtlicher Hirten-Lieder 5. Nur ich muß ohne Labſal ſein Jn meiner groſſen Liebespein: Jch lieb’ und werde nicht gewehrt/ Was mein verliebtes Hertz begehrt. 6. Wie manchẽ Tag und manche Nacht/ Hab ich mit ſaͤufftzen zugebracht! Wie lange wart’ ich ſchon mein Licht Auff dich/ du aber komſt noch nicht. 7. Ach bleib doch nicht ſo lang und fern/ Mein Phœbus und mein Morgenſtern; Komm ſtrahl’ in meine Seel hinein/ Daß ich kan wieder froͤlich ſein. 8. Du meines Hertzens Silberthau/ Komm fall herab auff deſſen Au: Du guͤldner Regen meine Luſt/ Komm uͤberſchwemme dieſe Bruſt. 9. Ach kom̃ doch eilends und geſchwind/ Mein Luͤfftlein und mein kuͤhler Wind: Komm und erquicke mich mit dir/ Denn ich bin matt und ſterbe ſchier. 10. Nu

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/silesius_seelenlust01_1657
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/silesius_seelenlust01_1657/36
Zitationshilfe: Silesius, Angelus: Heilige Seelen-Lust. [Erstes bis Drittes Buch]. Breslau, 1657, S. 16. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/silesius_seelenlust01_1657/36>, abgerufen am 02.03.2024.